Melinda Gates zu Besuch in Burkina Faso

Die Bill & Melinda Gates Foundation verfügt über knapp 51 Milliarden Dollar Stiftungsvermögen.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Bill & Melinda Gates Foundation Wo Bill Gates‘ milliardenschwere Stiftung an ihre Grenzen stößt

Die größte Stiftung der Welt hat sich hohe Ziele gesteckt. Doch sie muss allmählich anerkennen, dass Geld allein nicht ausreicht, um die Menschheit zu retten.
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SeattleStadtzentrum Seattle. „Bill & Melinda Gates Foundation“ ist in die Mauer eingemeißelt. Das fünfstöckige Gebäude aus Glas und Sandstein wirkt unauffällig, auch wenn die Lobby kirchenhoch ist. Ein Recycling-Teppich des afrikanischen Künstlers El Anatsui schwebt im Raum. Menschen aller Hautfarben und Herkunft sitzen an Rundtischen und auf Designsofas, reden über Projekte und tippen in ihre Laptops.

Hier also residiert sie, die größte Stiftung der Welt, deren Finanzmittel ähnlich gewaltig sind wie ihre Ziele: Bis 2030 will sie Polio eliminieren und Malaria, das Aids-Virus zurückdrängen und die weltweite Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren halbieren. Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Frau Melinda leiten gemeinsam ein Unternehmen, das über knapp 51 Milliarden Dollar Stiftungsvermögen verfügt.

Das Geld stammt vor allem aus den Privatvermögen von Gates und Warren Buffett. Die Investorenlegende ist ein „Treuhänder“ der Stiftung, wie auch Bill und Melinda Gates. Sie bilden sozusagen den Aufsichtsrat der Organisation, die gewaltige Summen bewegt. Seit ihrer Gründung vor 18 Jahren steckte sie fast 50 Milliarden Dollar in Gesundheits- und Entwicklungsprojekte in mehr als 130 Ländern – allein im vergangenen Jahr waren es 4,7 Milliarden Dollar.

Aber trotz der hehren Ziele und des vielen Geldes gibt es auch Kritik. Die Stiftung sei zu intransparent, zu bürokratisch, ja, sie propagiere „neoliberale Wirtschaftspolitik und eine konzernfreundliche Globalisierung“, schrieb die Gruppe Global Justice Now. Gates sei ein selbst ernannter Wohltäter, der die Welt nur weiter in die falsche Richtung treibe.

Der britische Mediziner David McCoy kommt in einer Studie aus dem Jahr 2014 zu dem Schluss, das Stiftungsgeld werde „nicht immer effizient“ ausgegeben. Die Organisation habe zu viel Einfluss, sei zu mächtig und setze einseitig auf Technologie und die Bekämpfung weniger Krankheiten. „Andere dringende Probleme werden vernachlässigt“, so McCoy.

In Seattle hat man verstanden – und zeigt sich seit geraumer Zeit durchaus selbstkritisch: So versprach die Chefin der Stiftung, Susan Desmond-Hellmann, schon 2015 im Interview mit dem Handelsblatt, die Stiftung „offener für Feedback“ machen zu wollen. Mit mittlerweile rund 1.200 Mitarbeitern bestehe „das Risiko, dass wir zu aufgeblasen und bürokratisch geworden sind“.

Das Geld für ihre Stiftung stammt vor allem aus ihrem Privatvermögen. Quelle: AP
Bill und Melinda Gates

Das Geld für ihre Stiftung stammt vor allem aus ihrem Privatvermögen.

(Foto: AP)

Und auch das Gründerpaar stellt sich im jüngsten Jahresbericht offen den drängendsten Fragen, etwa: „Wie wirkt sich die Politik von Präsident Trump auf die Arbeit Ihrer Stiftung aus?“ Das Ehepaar will sich nicht in die Politik einmischen, die sie ja auch braucht. Trotzdem macht Bill Gates „diese ,America first‘-Weltsicht Angst“. Es gebe mehr „Unstimmigkeiten mit dieser Regierung als mit jeder anderen zuvor“.

Laut Melinda Gates sei es eine der Pflichten für den amerikanischen Präsidenten, „ein Vorbild für die amerikanischen Werte in der Welt zu sein“. Dazu gehöre auch Gleichberechtigung: „Ich wünschte, unser Präsident würde Menschen, und besonders Frauen, mit mehr Respekt behandeln.“

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°7/2018. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 9. November 2018 am Kiosk erwerben.

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