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Bregenzer Festspiele „Rigoletto“ wird auf dem Bodensee zum Hollywood-Spektakel

Die Bregenzer Festspiele inszenieren die Verdi-Oper als filmreifes Event. Die Suche nach Sponsoren bleibt trotz des Publikumserfolgs aber schwierig.
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Nirgendwo sonst in Mitteleuropa steht einem Regisseur mehr Geld für die Umsetzung seiner Ideen zur Verfügung. Quelle: dpa
„Rigoletto“ auf der Seebühne

Nirgendwo sonst in Mitteleuropa steht einem Regisseur mehr Geld für die Umsetzung seiner Ideen zur Verfügung.

(Foto: dpa)

Bregenz Wenn dem haushohen Rigoletto auf Stahl, Holz und Styropor auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele die Halskrause platzt, setzt sich eine raffinierte Bühnentechnik in Bewegung. Der Kragen trennt sich in drei Teile, die Augen verdrehen sich, der Mund und die Augenlider öffnen sich. Langsam senkt sich der 35 Tonnen schwere Kopf des Hofnarrens am Hof des Herzogs von Mantua in den Bodensee.

Regisseur und Bühnenbildner Philipp Stölzl, der mit Filmen wie „Nordwand“ oder „Medicus“ bekannt wurde, zieht alle Register bei seiner Inszenierung der populären Oper von Giuseppe Verdi. Der deutsche Regisseur lässt Sänger und Darsteller aus der sich öffnenden Schädeldecke des riesigen Narrenkopfes aufsteigen, positioniert Akteure in Augen und Mund oder hinter der plötzlich abfallenden Nase.

Selten zuvor gab es auf der Bühne im Bodensee ein derartiges Spektakel im Stile Hollywoods wie bei diesem „Rigoletto“. Dabei müssen die Zuschauer schon mal die Geräusche der Bühnenhydraulik für den gut 13 Meter hohen Clown-Kopf zu den Klängen der Wiener Symphoniker in Kauf nehmen.

Stolze acht Millionen Euro durfte Stölzl allein für seine Bühnentechnik ausgeben. Nirgendwo sonst in Mitteleuropa steht einem Kreativen mehr Geld für die Umsetzung seiner Ideen zur Verfügung. Dafür gibt es einen guten Grund: Die Seebühne von Bregenz braucht filmreiche und faszinierende Bilder. Denn es gilt im Juli und August schließlich ein Auditorium mit 7000 Plätzen quasi täglich zu füllen.

Das ist künstlerisch, aber auch technisch ein Kraftakt für die 1946 gegründeten Festspiele. Denn die Konkurrenz im deutschsprachigen Raum wird härter – nicht allein durch die Festspiele in Salzburg und Bayreuth. Vom schweizerischen St. Gallen bis zum österreichischen St. Margarethen locken immer häufiger publikumswirksame Opern unter freiem Himmel.

In Bregenz läuft die Oper traditionell auf der Seebühne zwei Jahre lang, um die hohen Kosten zu amortisieren. Das besondere an den Festspielen: Sie finanzieren sich zu 80 Prozent aus dem Kartenverkauf. Das Konzept mit einer populären Oper wie „Rigoletto“ scheint aufzugehen. Nach Angaben des Vertriebs sind bereits 95 Prozent der Tickets in diesem Jahr verkauft.

„Wir hatten sechs gute Jahre und haben dadurch eine wirtschaftlich sehr solide Situation“, sagt Intendantin Elisabeth Sobotka. „Wenn wir gut einnehmen, können wir auch gut ausgeben.“

Neben „Rigoletto“ auf der Seebühne steht bei den Bregenzer Festspielen, die in diesem Jahr bis zum 18. August laufen, auch die Opern-Rarität „Don Quichotte“ von Jules Massenet im Festspielhaus auf dem Programm. „Hier in Bregenz sind wir in der Lage, wirtschaftlichen Erfolg in Kunst umzuwandeln. Kunst fördert Kunst“, sagt Sobotka.

Die frühere Chefin der Grazer Oper versucht bei den Bregenzer Festspielen den künstlerischen Spagat. Auf der einen Seite der Publikumsrenner „Rigoletto“ auf der Seebühne, auf der anderen Seite selten gespieltes Musiktheater im Festspielhaus.

Das konservative Publikum am See zieht dabei jedoch nicht immer mit. Selbst die Premiere von „Don Quichotte“ war am Donnerstagabend nicht restlos ausverkauft, auch für die weiteren Vorstellungen gab es noch Karten.

Festspiele stehen unter Erfolgsdruck

An der Inszenierung der französischen Regisseurin Mariame Clément lag es nicht. Im Gegenteil, sie transportiert die berühmteste spanische Parabel um Don Quichotte (Gábor Bretz) und seinen Knappen Sancho Pansa (David Stout) auf raffinierte Weise in die Jetztzeit und ermöglicht damit einen neuen Blick auf Liebe und Illusion, auf Ideale und Verlogenheit.

Clément lässt den Ritter von trauriger Gestalt als Spiderman verkleidet gegen eine Streetgang in einer mit Graffiti beschmierten, dunklen Gassen um sein Leben kämpfen. Und seine große Liebe Dulicée (Anna Goryachova) genießt es im sterilen Großraumbüro mit Neonlichtatmosphäre, von den verlogenen Kollegen als Supergirl angehimmelt zu werden.

Dazu liefern die Wiener Symphoniker unter ihrem israelischen Dirigenten Daniel Cohen die nuancenreichen Klänge. Die bei der Premiere umjubelte Oper aus dem frühen 20. Jahrhundert ist im Gegensatz zum allzu plakativen „Rigoletto“-Spektakel ein kreatives Highlight der diesjährigen Saison voller Überraschungen für Augen und Ohren.

„Wir sind hier in der Lage, wirtschaftlichen Erfolg in Kunst umzuwandeln. Kunst fördert Kunst“, sagt Intendantin Sobotka. Quelle: dpa
Szene aus „Rigoletto“

„Wir sind hier in der Lage, wirtschaftlichen Erfolg in Kunst umzuwandeln. Kunst fördert Kunst“, sagt Intendantin Sobotka.

(Foto: dpa)

Die Bregenzer Festspiele mit einem Jahresbudget von 20 Millionen Euro stehen indes unter Erfolgsdruck. „Wir wollen alle 192.000 „Rigoletto“-Tickets verkaufen“, sagte die 53-jährige Festivalchefin. Mehr als zwei Drittel der Karten werden in Deutschland verkauft. In den vergangenen Jahren erwiesen sich die Festspiele als Besuchermagnet für die touristische Region im Dreiländereck Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Intendantin Sobotka war in den vergangenen beiden Jahren vom Erfolg verwöhnt. „Ich hoffe daher schon, dass wir bei den 100 Prozent verkauften Karten bleiben.“ Denn der Publikumsrenner „Carmen“ von Georges Bizet war in den zwei zurückliegenden Spielzeiten ausverkauft. Für „Rigoletto“, ein im Vergleich zu „Carmen“ eher düsteres, eigentlich intimes Stück, sind unterdessen weniger Vorstellungen angesetzt.

Die Bregenzer Festspiele haben es trotz ihres bisherigen Publikumserfolgs alles andere als leicht, neue Sponsoren zu finden. „Die Sponsorenfront ist schwierig. Wenn man Erfolg hat, wird es erstaunlicherweise nicht einfacher. Denn wer erfolgreich ist, braucht ja kein Geld, so die gelegentliche Annahme“, bekennt Intendantin Sobotka.

„Sponsoren zu finden, ist ein hartes Geschäft“

Derzeit haben die Bregenzer Festspiele die Hauptsponsoren BMW, Casinos Austria, Hypo Vorarlberg und das Energieunternehmen Illwerke. Darüber hinaus gibt es noch Unterstützer für einzelne Produktionen wie beispielsweise den Liechtensteiner Bohrmaschinenhersteller Hilti oder den Kranproduzenten Liebherr.

Doch neue großzügige Mäzene haben derzeit noch nicht unterschrieben. „Sponsoren zu finden ist ein hartes Geschäft“, erzählt Sobotka aus leidvoller Erfahrung. „Viele Unternehmen sind großartige Kunden beim Kartenverkauf, aber keine Sponsoren“, resümiert die Intendantin.

Über mangelnde politische und mediale Unterstützung können sich die Bregenzer Festspiele unterdessen nicht beklagen. Bundespräsident Alexander Van der Bellen eröffnete das Festival mit einem Volksfest vor dem Festspielhaus persönlich.

Der frühere Wirtschaftsprofessor interpretiert das Festival nach der Ibiza-Affäre und dem Ende der rechtskonservativen Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz auf seine Weise. „Vor Problemen nicht zu erschauern, es nicht einmal als Herausforderung zu betrachten, sondern eine Gelegenheit, eine Opportunität, an opportunity, zu sehen, etwas Neues zu machen“, sagte das Staatsoberhaupt bei der Eröffnung.

In Bregenz läuft die Oper traditionell auf der Seebühne zwei Jahre, um die hohen Kosten zu amortisieren. Quelle: dpa
Mélissa Petit und Vladimir Stoyanov in der „Rigoletto“-Inszenierung

In Bregenz läuft die Oper traditionell auf der Seebühne zwei Jahre, um die hohen Kosten zu amortisieren.

(Foto: dpa)

Für Österreich, das die Kultur als Exportgut und Standortfaktor begreift, sind die Bregenzer Festspiele neben der Konkurrenz in Salzburg ein hoch willkommener Glanzpunkt. Der konservative Außenminister Alexander Schallenberg, der auch als Kulturminister firmiert, definierte die Bregenzer Festspiele als eine „Bühne, die längst zur künstlerischen Visitenkarte, ja zum Aushängeschild Österreichs in der ganzen Welt geworden ist“.

Dementsprechend fällt auch die mediale Inszenierung aus. Der ORF zeichnet gemeinsam mit der auf Klassik konzentrierten Filmfirma Unitel des Münchner Medienunternehmers Jan Mojto viele Veranstaltungen auf und überträgt sie. Neben dem ORF sind beispielsweise das ZDF, das Schweizer Fernsehen und 3sat dabei.

Auch 168 Jahre nach der Uraufführung zieht „Rigoletto“. Schließlich liefert Verdi mit „La Donna e mobile“ wahrscheinlich den bekanntesten Schlager der italienischen Oper.

Im Gegensatz zum Hofnarr Rigoletto (Vladimir Stoyanov), der am Ende der zweistündigen Oper mit dem Tod seiner Tochter Gilda (Mélissa Petit) der Fluch tief getroffen hat, hat die Intendantin Sobotka am Bodensee ihr Glück gefunden. Die gebürtige Wienerin hat ihren Vertrag bis zum Jahr 2022 verlängert. „Im Moment kann ich mir keinen besseren Ort als Bregenz vorstellen. Ich bin im Paradies gelandet“, sagt sie.

Mehr: Unternehmen wie OMV, Verbund und Voestalpine arbeiten bereits am industriellen Einsatz von Wasserstoff. Österreich will dabei Nummer eins in Europa werden.

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