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Büro-Knigge Hemd, Handschlag, Handy: Drei eherne Aspekte des Büro-Benimms

Egal ob formaler Stil oder saloppe Handhabung: Es gibt im Büro zeitlos gültige Regeln. Über die Feinheiten entscheidet meist das Unternehmen selbst.
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„Am besten gleich in die Tasche.“ Quelle: Dane Deaner, Unsplash
Handy am Arbeitsplatz

„Am besten gleich in die Tasche.“

(Foto: Dane Deaner, Unsplash)

Düsseldorf Glockenschlag 12 Uhr, das Telefon baut die Verbindung auf, besonders bei einer Fachfrau für Anstand möchte man sich nicht verspäten. „Guten Tag,“ meldet sich Linda Kaiser am anderen Ende der Leitung, „Sie sind aber pünktlich!“ Wir wollen mit der zertifizierten Trainerin für Business-Etikette und stellvertretenden Vorsitzenden der Deutsche-Knigge-Gesellschaft aus Düsseldorf über Umgangsformen am Arbeitsplatz reden, über Dos und Don‘ts im Büro.

Und mit der Pünktlichkeit, laut Ludwig XVIII immerhin die zum Sprichwort gewordene Höflichkeit der Könige als Ausdruck von Wertschätzung für den oder die Gegenüber, fängt nun mal alles an. „Ich höre oft, dass meine Profession sie zu besonderer Disziplin veranlasst, wenn Menschen mit mir sprechen“, schmunzelt Kaiser. „Indes, es sollte doch grundsätzlich so sein, egal ob im Beruf oder im Privatleben.“

Freilich, im modernen Plauderton haben sich „Mach ich direkt“, „gleich“ oder „später“ viel zu sehr und ebenso beharrlich wie nervenzehrend als Synonyme für den schludrigen Umgang mit Terminen, Abläufen und der Zeit anderer festgesetzt; der Kabarettist Konrad Beikircher erzählt dazu in seinen diversen Auseinandersetzungen vor allem mit dem rheinischen Sprachuniversum hinreißende Beispiele.

Als Mitarbeiter einen Vorgesetzten nicht ohne triftigen Grund warten zu lassen, ist wenigstens im konditionierten Hierarchieverhalten verankert, wenn es schon nicht zum charakterlichen Selbstverständnis gehört. Es gilt im Umkehrfall für den Chef gleichermaßen. Nicht bloß, weil ansonsten Arbeitsabläufe behindert, Effizienz beeinträchtigt und das Betriebsklima belastet werden – siehe die Höflichkeit der Könige.

Einen allgemeingültigen Kanon für den Büro-Benimm gibt es nicht. Allenfalls ein paar zeitlose, eherne Aspekte. Was im Alltag an guten Manieren taugt, gilt ebenso am Arbeitsplatz. Ohnehin gehört es längst zur guten und holistischen Corporate Identity von Unternehmen, eigene „Betriebsanleitungen“ zu entwickeln, Standards zu definieren, Anforderungen zu formulieren.

„Casual“ nicht gleich „Casual“

Der Dresscode, sowieso ein Dauerbrenner in diesen Tagen, mag als kleinster gemeinsamer Nenner dienen, wenngleich etliche Branchen – Medien, Werber und sonstige Kreative etwa – individuelle Spezifikationen entwickelt haben. Jedenfalls: „Mit guter Vorbereitung und einer positiven Haltung kann man auch hohe Temperaturen stilvoll überstehen“, betont Stil- und Imageberaterin Kaiser und weist auf Berufsgruppen hin, die Uniform oder spezielle Arbeitskleidung tragen müssen: „Büromenschen haben es da doch vergleichsweise gut und können sich angemessen auf die Wärme einstellen.“

Bermudas und Flip-Flops gehören keinesfalls dazu, das ist sehr „private casual“ und allenfalls dem heimischen Grillabend und dem Baggersee-Ausflug am Wochenende vorbehalten. Die Jogginghose übrigens passt bekanntlich nicht mal aufs Sofa, das hat schon Karl Lagerfeld als Kontrollverlust gebrandmarkt.

Überhaupt, die Varianten von „casual“: „Business casual“ ist der formelle Anzug in blau oder grau, uni oder dezent gemustert, mit klassischem Hemd, offenem Kragen und ohne Krawatte. Selbst Banken stellen das ihren Mitarbeitern inzwischen frei. Ohne Spielräume allerdings.

Den bietet stattdessen das reiche Spektrum von leichten bis schweren Garnen oder Stoffen für jede Jahreszeit und Witterung. Die vermeintlich lässig gelockerte Krawatte samt offenem obersten Knopf hingegen wirkt nicht nur im Kundenumgang wie Kneipenkultur. Schlampig.

Ein Wort zum Farbcode: Während Schwarz für die Damen eine gängige Businessfarbe ist – schwarzes Kostüm, schwarzes Kleid oder schwarzer Hosenanzug – ist „der schwarze Herrenanzug kein klassischer Businessanzug, sondern eine Anlasskleidung für festliche Abende beziehungsweise für Beerdigungen. Im Tageslichtgebrauch ist er vornehmlich dem gehobenen Servicepersonal in Restaurants und/oder Hotels vorbehalten“, heißt es auf Kaisers Blog unter www.lindakaiser.de.

Die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft berät Privatpersonen und Unternehmen in Stil- und Imagefragen. Quelle: Giulio Coscia
Linda Kaiser

Die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft berät Privatpersonen und Unternehmen in Stil- und Imagefragen.

(Foto: Giulio Coscia)

Bei „smart casual“ darf‘s bunt werden. Farbige Sakkos, Leinen, Sommerkleider bei Frauen– „jedoch bitte stets mit bedeckten Schultern“, so Kaiser. Überdies alles, was klassisch sportiv genannt wird: das Streifen-, Karo- oder Polohemd mit lässig übergeworfenem Pullover, die gepflegte Jeans, Sneakers, der Wildleder-Blouson.

„Man kann nicht jederzeit alles tragen. Das wird vielfach falsch verstanden“, verdeutlicht die Etikette-Expertin. „Der Dresscode richtet sich immer nach Anlass und Gelegenheit. Opas 100. Geburtstag und das lockere Get together auf ein Glas mit dem Freund, der seit langem wieder mal in der Stadt ist, mögen beide in die Kategorie ,smart casual‘ fallen; Menschen mit Stil kleiden sich dennoch unterschiedlich.“

Ein Sonderfall ist der „Casual Friday“, der in vielen Unternehmen nach wie vor gilt oder wieder eingeführt wurde. Hier reicht die Mischung des Machbaren von der klassischen Kombination mit Sportsakko und Tuchhose (ohne Krawatte) bis hin zum heutzutage so beliebten und fast schon wieder uniformen Outfit mit Sneakers, Chinos, sportlichem Oberhemd und leichtem Blazer.

Die Begrüßung am Arbeitsplatz unterliegt ebenfalls nach wie vor einem klaren Muster. „Im Business wie bei formellen gesellschaftlichen Anlässen geht Hierarchie vor Geschlecht“, erklärt Linda Kaiser. Will heißen: Betritt der Chef oder ein Vorgesetzter den Raum und begrüßt Untergebene persönlich oder spricht sie aus naher Distanz direkt an, dann ist Aufstehen angesagt, sogar bei Frauen. Ob die Hand gereicht und geschüttelt wird, bestimmt wieder der Ranghöhere durch seine formale Vorgehensweise.

Dass alle aufspringen, die Hacken zusammenschlagen und artig grüßen, nur weil der Herr Generaldirektor den Raum betritt und ein joviales „Guten Morgen allerseits“ schmettert, ist seit Jahrzehnten lediglich eine Schmonzette aus deutschen Filmschinken. Heutzutage reicht der saloppe Gegengruß.

„Real hat Vorrang“

Das Mobiltelefon, nur im deutschen Sprachgebrauch Handy genannt, darf im Regelreigen nicht fehlen. „Real hat immer Vorrang“, bringt Kaiser es kurz und bündig auf den Punkt. „Beim Gespräch oder bei Konferenzen gehört das Telefon ausgeschaltet und beiseite gelegt. Am besten gleich in die Tasche.“

Ausnahmen wie dringlich erwartete und dementsprechend anzukündigende Anrufe bestätigen allenfalls die Regel: „Nur, wenn es als Arbeitsgerät vonnöten ist, darf das Gerät auf dem Tisch liegen, dann aber bitte maximal mit Vibrationsalarm.“

Und zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung der Knigge-Kennerin und Stilstrategin für den Auftritt in der Arbeitswelt: „Es gibt so viele schöne Lösungen für den Transport von Arbeitsutensilien“, sagt Linda Kaiser: „Wer ernst genommen werden will, sollte den Business-Look nicht mit einem Rucksack kombinieren.“

Mehr: Wer wissen will, was ein moderner Ritter braucht, findet in „Die Kunst des lässigen Anstands“ den Tugend-Guide eines Rebellen wider die Bequemlichkeit.

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1 Kommentar zu "Büro-Knigge: Hemd, Handschlag, Handy: Drei eherne Aspekte des Büro-Benimms"

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  • Der Beitrag ist provinziell und veraltet

    Habe 20 Jahre ein IT-Unternehmen geleitet das DAX Konzerne mit IT-Services beliefert.

    Sie vergessen in Ihrem Beitrag komplett unsere galoppierend voranschreitende Internationalisierung. Und auch diverse Industrie Realitäten.

    Bei unseren asiatischen und amerikanischen Partnern hat sich der Rucksack längst durchgesetzt. Auch die Kleidung muss bestimmten Realitäten entsprechen. Bei Flügen, Zugfahrten oder Autofahrten alle 2 Tage oder sogar täglich ergeben sich eben andere Regeln.

    Man hantiert mit dem Handy und dem Laptop einfach die ganze Zeit während des Meetings. Befleckte Hemden und zerknitterte Anzüge sind da eher normal. Keine Krawatte!

    In großen Organisationen bestimmen Meetings zu ca. 80% das Tagesgeschäft.

    Sie schlagen hier also tatsächlich vor das meine Geschäftsführer und die Führungskräfte anderer Konzerne zwischen 9:00-17:00 telefonisch praktisch nicht erreichbar sind?

    Wenn Produktionsanlagen wegen IT Problemen zum stehen kommen und 3-Stellige Millionenbeträge an Verluste für jede Stunde ins Haus stehen sollen die TOP Manager zu 80% des Tages nicht erreichbar sein? (Also mal nur auf D bezogen).

    Ihr Artikel geht an der Realität vorbei. Ihr Artikel missachtet internationale Verflechtungen. Ihr Artikel und das Gedankengut daraus macht uns in Deutschland unglaubliche Probleme in der Internationalen Zusammenarbeit und ignoriert völlig andere Arbeitskulturen. Sie bestärken damit leider auch den Widerstand in vielen Deutschen Büroetagen mit anderen Kulturen zusammenzuarbeiten. „Die kennen ja nicht einmal die grundlegendsten Regeln“

    Nur bei wirklich wichtigen Verhandlungen mit Kunden ist das Handy aus. Und bei wichtigen Personalangelegenheiten.

    Mein Fazit: veraltet, verbohrt, unflexibel. provinziell.
    Behalten Sie bitte solche Regeln für sich! Motten Sie "Knigge" ein.