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Chrono24-Chef Tim Stracke „Der Markt für gebrauchte Uhren hat das mit Abstand größte Wachstumspotenzial“

Tim Stracke, Chef von Chrono24, über die wachsende Bedeutung des Kaufs von Luxusuhren im Internet und den Eklat rund um die E-Commerce-Strategie von Nomos.
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Der Unternehmer ist Co-CEO und Miteigentümer von Chrono24, dem weltweit größten Marktplatz für Luxusuhren. Quelle: Chrono 24
Tim Stracke

Der Unternehmer ist Co-CEO und Miteigentümer von Chrono24, dem weltweit größten Marktplatz für Luxusuhren.

(Foto: Chrono 24)

Düsseldorf Onlineshops gelten vielen Vertretern der feinen Uhrenbranche immer noch als eher dubioses, zumindest schwieriges Terrain. Insofern wundert es kaum, dass Tim Stracke, Co-Chef der Verkaufsplattform Chrono24, es anfangs schwer hatte, überhaupt mit den Marken ins Gespräch zu kommen. Auf der Uhrenmesse SIHH, die jüngst in Genf stattfand, konnte sich Stracke über mangelndes Interesse aber nicht mehr beklagen.

Alle wollen irgendwie ins Netz – über Konzessionäre, eigene Shops oder Plattformen. Entsprechend groß ist das Selbstbewusstsein des in Karlsruhe beheimateten E-Commerce-Spezialisten.

Herr Stracke, Sie haben vor acht Jahren Chrono24 übernommen, das damals noch eine kleine Website war. Wie groß ist das Unternehmen mittlerweile?
Wir haben heute etwa 210 Beschäftigte auf drei Kontinenten. Unser Handelsvolumen lag im vergangenen Jahr bei über 1,3 Milliarden Euro. So viele Online-Champions aus Deutschland gibt es ja bislang nicht. In unserem kleinen, aber feinen Marktsegment zählen wir auf jeden Fall dazu.

Was bleibt am Ende vom Verkauf einer Uhr bei Chrono24 übrig?
Das ist eine Zahl, die wir nicht kommunizieren wollen, aber natürlich haben wir trotz hoher Investitionen auch immer darauf geachtet, dass etwas hängen bleibt. Inzwischen haben wir mit Chrono24 die schwarze Null erreicht.

Wie kommt die konkret zustande?
Geld verdienen wir dadurch, dass Händler und Privatpersonen uns dafür bezahlen, wenn sie ihre Uhren bei uns präsentieren – und am Ende eine kleine Gebühr überweisen, wenn sie das Produkt über unsere Seite verkaufen. Im Gegenzug bringen wir auf globaler Ebene täglich rund 400.000 Akteure zusammen und organisieren für die Recherche, den Handel, aber auch die Liebhaberei von Luxusuhren die Infrastruktur, Inhalte und das wichtigste Gut in diesem Bereich: Sicherheit.

Im vergangenen Jahr kam es zum Eklat, als Nomos, die beliebteste deutsche Uhrenmarke, ankündigte, seine Uhren auch über die Onlineplattform Chronext sowie Ihr Chrono24 zu verkaufen: Wempe, großer Juwelier und langjähriger Handelspartner des Unternehmens, kündigte Knall auf Fall alle Verträge mit Nomos. Es gab sogar Boykottaufrufe anderer Händler gegen Nomos. Ein Beispiel für die sich verhärtenden Fronten zwischen Marken, Retailern und E-Commerce-Plattformen?
Diplomatisch gesagt: Ich denke, im Fall Nomos hätte bereits im Vorfeld offener miteinander gesprochen werden können. Man hätte sich vielleicht starke Reaktionen ersparen können, wenn alle Seiten im Vorfeld mehr mit- als übereinander gesprochen hätten.

Plattformen wie Ihre sind nun mal die große Bedrohung für den kleinen Juwelier in der Nachbarschaft.
Selbst Wempe überschätzt womöglich die Gefahren und unterschätzt, inwieweit die Nomos-Entscheidung wieder gut fürs eigene Geschäft sein könnte. Es gibt ja auch ganz viele Uhrenfans, die Chrono24 eher als Info-Seite wahrnehmen und ihre Uhr am Ende doch in einer Boutique kaufen. Wir nennen diese Kunden „ROPOs“: „research online, purchase offline“. Und E-Commerce kann Marken durchaus bekannter und emotionaler machen, was am Ende auch wieder dem stationären Handel hilft. Andererseits wollen ja auch wir keine rein digitale Plattform sein.

Sondern?
Das Uhrengeschäft ist ein sehr persönliches. Wir wollen unsere Kunden kennen lernen, für die aber auch greifbar sein. Wir laden zum Beispiel immer öfter zu Workshops und Get-togethers ein. In unserer Branche geht es auch sehr stark um Vertrauen.

Wie viele Uhren werden auf Chrono24 aktuell angeboten?
Über alle Marken hinweg sind es rund 420.000. Der Durchschnittspreis liegt zwischen 6.000 und 7.000 Euro. Das ist auch das Segment, in dem wir uns am wohlsten fühlen, obwohl es natürlich Ausreißer nach unten wie nach oben gibt, bis zu Schätzen im siebenstelligen Bereich.

Das sind die Uhren-Trends des Jahres 2018
Platz 10
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Auf Platz 10 der meistverkauften Uhren steht die „Formula 1 Calibre 16“ aus dem Hause „Tag Heuer“. Dieses Modell ist aber noch keineswegs die meistverkaufte Uhr des Herstellers aus La Chaux-de-Fonds.

Platz 9
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Die einzige Uhr eines Herstellers, der nicht aus der Schweiz kommt, rangiert an neunter Stelle. Die „Prospex“ stammt von „Seiko“, einer japanischen Firma.

Platz 8
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Die „Seamaster Aqua Terra“ stammt von „Omega“. Der Schweizer Uhrenhersteller wurde 1848 gegründet und ist damit der älteste Fabrikant in der Top Ten. Mittlerweile gehört „Omega“ zum Swatch-Konzern.

Platz 7
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Der Name dieses Uhrenmodells gibt zu verstehen, dass es sich um ein Modell aus der Damenkollektion handelt: Die „Lady Datejust Pearlmaster“ von Rolex findet sich auf Platz sieben wieder.

Platz 6
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Das zweite Modell von „Tag Heuer“, die „Aquaracer 300M“, ist auch das meistgehandelte der Marke.

Platz 5
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Auch von „Rolex“ ist mehr als nur ein Modell unter den zehn meistverkauften Uhren des Jahres 2018: Auf Platz fünf befindet sich die „GMT Master II“.

Platz 4
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Das Modell „Submariner Date“ des Genfer Konzerns „Rolex“ landete auf Platz vier. Bereits seit den 1950er-Jahren ziert die Rolex-Modelle die fünfzackige Krone.

Allein der Markt für Uhren aus zweiter Hand wird auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Marken wie Audemars Piguet kündigen bereits an, das Geschäft künftig selbst kontrollieren zu wollen. Erwachsen Ihnen da neue Konkurrenten?
Eher spannende Kooperationspartner, hoffe ich. Denn so, wie die Marken natürlich über enorme Expertise zu ihren Modellen verfügen, verstehen wir sehr viel vom E-Commerce, der Technik und Logistik. Warum soll man sich da nicht gegenseitig unterstützen? Tut es Mobile.de zum Beispiel weh, wenn Daimler oder BMW selbst zertifizierte Gebrauchtwagen verkaufen? Im Gegenteil: Die Autokonzerne stehen für einen großen Teil des Angebots auf Mobile.de.

Das heißt, Sie gehen jetzt auf die Marken zu, um über neue Kooperationen zu verhandeln?
Die kommen mittlerweile schon von sich aus auf uns zu. Auf dem jüngsten Salon de la Haute Horlogerie …

… neben der Baselworld die weltweit wichtigste Uhrenmesse …
... habe ich viele Gespräche auf Augenhöhe mit Markenverantwortlichen geführt. Vor sechs, sieben Jahren wurden noch nicht mal meine E-Mails beantwortet. Da ist enorm viel in Bewegung geraten.

Welche Ziele haben Sie sich bei Chrono24 für die nächsten Jahre gesetzt?
Wichtig ist uns, dass wir die „Customer-Experience“ weiter steigern. Außerdem möchten wir zum Beispiel im asiatischen Raum weiter zulegen. Aktuell etwa wachsen wir in Japan mit über 100 Prozent jährlich, was uns sehr freut. Wir schätzen, dass weltweit bereits jeder dritte Uhrenliebhaber Chrono24 nutzt – sei es als Informations- oder Kaufplattform.

Gönnen Sie sich im eigenen E-Commerce-Shop auch selbst ab und an eine Uhr?
Klar, zuletzt diese Jaeger-LeCoultre mit Weltzeitzonen. Ich muss in meinem Job viel mit Menschen in allen möglichen Weltgegenden telefonieren. Nun passiert es mir nicht mehr, dass ich jemanden aus Versehen aus dem Schlaf klingele.

Wie steht es um die Uhrenbranche als solche?
Der Gesamtmarkt erzielt aktuell rund 37 Milliarden Euro zu Endkundenpreisen. Den meisten Marken geht es gut. Man muss ja auch sehen, dass die Branche in den vergangenen sieben, acht Jahren um fast 100 Prozent gewachsen ist. Wenn also mal gejammert wird, dann doch auf sehr hohem Niveau. Das Geschäft mit neuen Uhren dürfte stabil bleiben, aber auch nicht unbedingt weiter stark wachsen.

Welche Trends prophezeien Sie?
Auch wenn es Sie nicht überraschen mag: Ich glaube, dass der Markt für gebrauchte Uhren das mit Abstand größte Wachstumspotenzial hat. Viele sprechen schon von dem „neuen China“. Da rechnen neue Studien mit Steigerungen von rund neun Prozent jährlich und einem Gesamtvolumen von etwa 15 Milliarden Euro. Auch das Geschäft mit den Millennials als künftig wichtigster Kundengruppe wird stark zunehmen.

Und die Internet-Affinität wird auch bei sehr klassischen Marken weiter steigen. Viele überlegen ja derzeit, selbst einen Onlineshop zu eröffnen. Das sind also gleich drei Entwicklungen, die uns durchaus in die Karten spielen.

Herr Stracke, vielen Dank für das Interview.

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