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Design Miami Basel Wo für Möbel siebenstellige Summen bezahlt werden

Wenn Kreative keine Rücksicht auf Kosten nehmen müssen: Die Messe Design Miami Basel zeigt Möbel, die oft nur als Einzelstück zu haben sind.
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Die Mailänder Designgalerie Nilufar zeigt in Basel die Sonderschau „FAR“ mit Arbeiten von Nachwuchsdesignern. (Foto: James Harris, Courtesy of Nilufar Gallery)
FAR

Die Mailänder Designgalerie Nilufar zeigt in Basel die Sonderschau „FAR“ mit Arbeiten von Nachwuchsdesignern.

(Foto: James Harris, Courtesy of Nilufar Gallery)

Basel In Basel herrscht gerade Ausnahmezustand, wie jedes Jahr Mitte Juni. Sämtliche Hotels im Umkreis von 50 Kilometern sind ausgebucht und kosten ein Vielfaches des Normalen. Überall kreisen dunkle Limousinen, dazwischen gut gekleidete Menschen mit auffallendem Hang zur Farbe. Es ist wieder Art-Basel-Zeit. Die wichtigste Kunstmesse der Welt zieht Sammler aus allen Kontinenten an den Rhein. Und die stöbern nicht nur nach Gemälden, Fotos und Skulpturen. Sie kommen auch zum Möbelkauf.

Parallel zur Art Basel findet in den Messehallen die Sammlermesse Design Miami Basel statt. Hier sind Raritäten der Designgeschichte zu erstehen, die jeden gestaltungsaffinen Museumsdirektor neidisch machen. Dazwischen reihen sich Arbeiten zeitgenössischer Designer, die oft nur in Auflagen von weniger als zehn Exemplaren produziert werden oder Einzelstücke bleiben.

Auch sie werden gesammelt: aus Leidenschaft, als Wertanlage und – nicht zu vergessen – als tatsächliche Gebrauchsobjekte für die heimischen vier Wände. Ein gewisses Budget sollte dabei schon vorhanden sein. Schließlich bewegen sich die meisten Arbeiten in fünf- bis sechsstelligen Beträgen, in einigen Fällen darf es auch eine Null mehr sein.

Interessant ist der Blick auf die heutigen Arbeiten aus folgendem Grund: Im Gegensatz zu ihren Entwürfen für die Serie brauchen die Designer hier keine Rücksicht zu nehmen auf Fragen wie Kosten, Produzierbarkeit, Funktionalität und Effizienz. Sie können wie kleine Kinder im Sandkasten agieren: einfach machen, was sie wollen – ganz gleich, ob ein Stuhl oder Tisch zum Schluss im Preisniveau eines gehobenen Mittelklassewagens rangiert.

Die kindliche Freiheit sieht man den Dingen an: Sie brechen aus, sie schöpfen aus dem Vollen. Sie nutzen schwere, wertvolle Materialien wie Bronze, Marmor oder Glas, die vorzugsweise massiv zum Einsatz kommen. Die Oberflächen wirken nicht glatt und monoton, sondern sind mit haptischen Texturen oder subtilen Ornamenten versehen.

Ein Parcours über die Messe

„Die Aufgabe des Designs besteht nicht nur darin, Materialien zu erkunden oder andere Arten des Wohnens, Konsumierens und Produzierens auszuloten. Es geht auch darum, die Zukunft auszudrücken“, ist Aric Chen überzeugt. Der in Shanghai ansässige Kurator ist in diesem Jahr zum ersten kreativen Leiter der Design Miami Basel sowie ihrer im Dezember in Miami stattfindenden Schwestermesse ernannt worden. Das Profil soll damit verschärft werden.

„Erde“ lautet das von ihm ernannte Überthema, das von den 45 teilnehmenden Galerien mehr oder weniger konkret aufgenommen wird. Die gezeigten Objekte tendieren in zwei Richtungen: Auf der einen Seite steht das Archaische mit zeitlosen Formen und massiven, natürlichen Materialien. Auf der anderen Seite das Leichte, Lockere und Verspielte. Auf unserem Parcours über die Messe sind uns folgende Objekte ins Auge gefallen.

Cave Man Chair

Der Ohrensessel ist auf acht Stück limitiert. (Foto: Atelier van Lieshout,  © Carpenters Workshop)
Gestell aus Bronze

Der Ohrensessel ist auf acht Stück limitiert.

(Foto: Atelier van Lieshout, © Carpenters Workshop)

Familie Feuerstein lässt grüßen: Der auf acht Stück limitierte „Cave Man Chair“ von Atelier van Lieshout wirkt von seinen Proportionen wie ein klassischer Ohrensessel. Und doch ist alles anders. Das Gestell ist aus Bronze gefertigt, darüber liegt ein Schafsfell, das die Härte des Metalls abmildert. Ein Möbel, das den schmalen Grat zwischen Humor und bitterem Ernst erkundet. Werden wir ihn irgendwann brauchen, wenn der Klimawandel eine neue Eiszeit beschert? Über Carpenters Workshop Gallery, London, Paris, New York.

Remember

Hunderte tropfenförmige Gebilde aus Biskuitporzellan. (Foto: A rmel Soyer Gallery)
Lockig

Hunderte tropfenförmige Gebilde aus Biskuitporzellan.

(Foto: Armel Soyer Gallery)

Porzellan kann nicht nur für Teller und Tassen verwendet werden, wie die russische Designerin Olga Engel mit der Kollektion „Remember“ zeigt. Die Stehleuchte „Yeti“ (limitiert auf acht Exemplare) kombiniert ein Metallgestell mit hunderten, tropfenförmigen Gebilde aus Biskuitporzellan. Passend dazu hat die Moskauerin den abgerundeten Sessel „Chauffeuse #1“ (limitiert auf 20 Stück) gestaltet, bei dem Sitzfläche, Rücken und Füße mit einer „lockig“ anmutenden Wolle überzogen sind. Über Galerie Armel Soyer, Paris, Megève.

Inverted Gravity

Tischplatten aus massivem Naturstein auf Glasgefäßen. (Foto: Felipe Ribon)
Glasfüße

Tischplatten aus massivem Naturstein auf Glasgefäßen.

(Foto: Felipe Ribon)

Der französische Designer Mathieu Lehanneur stellt den Möbelbau auf dem Kopf. Werden normalweise die leichten Elemente von den schweren ausbalanciert, macht er es bei seiner Serie „Inverted Gravity“ genau umgekehrt. Er platziert Tischplatten und ganze Schränke aus massivem Naturstein auf Glasgefäße. Doch so fragil die Möbel aussehen mögen: Jeder Glasfuß ist so gefertigt, dass er allein über 250 Kilogramm Gewicht tragen kann. Über Studio Mathieu Lehanneur, Paris.

Paradise City

LEDs bringen die gläsernen Gefäße zum Leuchten. (Foto: Lindsey Adelman Studio)
Filigran

LEDs bringen die gläsernen Gefäße zum Leuchten.

(Foto: Lindsey Adelman Studio)

Glas ist ein faszinierendes Material. Wie weich und flexibel es während seiner Verarbeitung ist, lässt sich im Leuchter „Paradise City“ (Einzelstück) ablesen. Der Entwurf der New Yorker Designerin Lindsey Adelman entstand in Zusammenarbeit mit der im Brooklyn ansässigen Glaskünstlerin Michiko Sakano. Die gläsernen Gefäße ruhen auf einem filigranen Metallgestell und werden von LEDs zum Leuchten gebracht. Über Lindsey Adelman Studio, New York.

The Royal Family

Mit wilden, grafischen Mustern überzogene Möbel. (Foto: Camp Design Gallery)
Geschichtenerzähler

Mit wilden, grafischen Mustern überzogene Möbel.

(Foto: Camp Design Gallery)

Oberflächen sind keineswegs oberflächlich. Sie können ebenso Geschichten erzählen. Die Möbel aus der Serie „Royal Family“ des Londoner Designers Adam Nathaniel Furman sind mit wilden, grafischen Mustern überzogen. Vor allem die Schränke (jeweils limitiert auf drei Exemplare) entpuppen sich als wahre Hingucker. Statt als klobige Kisten in der Ecke zu stehen, werden sie wie Schmuckobjekte selbstbewusst in die Mitte des Raums platziert. Über Camp Design Gallery, Mailand.

Silver Nitrates - Protoype #2

Chemischen Verfahren für flirrende Farbeffekte. (Foto: Patrick Parrish Gallery)
Schaumgefüllt

Chemischen Verfahren für flirrende Farbeffekte.

(Foto: Patrick Parrish Gallery)

Der mexikanische Designer Pablo Lemón vertraut auf die Wirkung des Zufalls. Der Gestalter experimentiert mit chemischen Verfahren, um die metallischen Oberflächen seiner Möbel mit flirrenden Farbeffekten zu überziehen. Weil sich der Prozess nicht präzise steuern lässt, wird jedes Objekt zum Unikat, genau wie der schaumgefüllte Sessel „Silver Nitrates – Protoype #2“. Über Patrick Parrish Gallery, New York.

VAxVitra

Eine Kooperation von Vitra Virgil Abloh. Foto: Joshua Osborne, Vitra)
Poppig

Eine Kooperation von Vitra Virgil Abloh.

Foto: Joshua Osborne, Vitra)

Auch außerhalb der Messe spielen limitierte Editionen eine Rolle. Auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein, nur wenige Kilometer von Basel entfernt, hat der Möbelhersteller Vitra eine Kooperation mit Virgil Abloh vorgestellt. Der Louis-Vuitton-Chefdesigner hat zwei Möbel des französischen Designers Jean Prouvé aus den Vierziger- und Fünfzigerjahren in ein poppiges, orangefarbenes Farbgewand gesteckt: die Leuchte „Petite Potence“ sowie den Sessel „Antony“, die beide in einer Auflage von 300 Stück verkauft werden.

Der „Ceramic Block“ – ein mit laufenden Modellnummern bedruckter Ziegelstein – ist auf 1000 Exemplare limitiert. Die ersten 300 waren in weniger als einer Stunde verkauft. Über Vitra, Weil am Rhein.

Contemplation Chair

Massiver Block aus Bego-Marmor. (Foto: Cristina Grajales Gallery)
Immobil

Massiver Block aus Bego-Marmor.

(Foto: Cristina Grajales Gallery)

Wer sagt, dass Möbel immer mobil sein müssen? Auf schwergewichtige Fakten setzt die mexikanische Designerin Gloria Cortina mit ihrem „Contemplation Chair“. Dieser ist aus einem massivem Block von Bego-Marmor gefertigt, der in Mexiko abgebaut wird und über eine grauschimmernde Struktur mit feinen, blauen Adern verfügt. Trotz seiner Schwere wirkt das auf sechs Stück limitierte Möbel alles andere als plump: dank präzise gesetzter Rundungen, die ihm etwas Schwungvolles verleihen. Über Cristina Grajales Gallery, New York.

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