Dress for Success Krawatte in der Krise

In Krisenzeiten sollte man keine Krawatten tragen, sagt Google-Chef Larry Page: „Das verringert die Blutzufuhr zum Gehirn.“ Also weg mit Karriere-Strick. Ein guter Anlass: Ergeben Sie sich, wenn Sie am nächsten Donnerstag die Möhnen am Hals haben.
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Närrinnen vor dem Kölner Dom: Für Krawatten wird es zur Altweiberfastnacht gefährlich. Quelle: dpa

Närrinnen vor dem Kölner Dom: Für Krawatten wird es zur Altweiberfastnacht gefährlich.

(Foto: dpa)

Fehlfarbene Strickschlipse, verfleckte und geknickte Seidenbinder, Motivkrawatten mit Schweinchen im Endlos-Druck gehen gar nicht zum korrekten Business-Outfit. Also seien Sie so frei, meine Herren, stellen Sie sich am 16. Februar mit stolzer Brust dem Ansturm der Weiber. Alles ist erlaubt an diesem Tag – modisch wohlbemerkt. Opfern Sie tapfer Ihre langweiligen Langbinder. Einen besseren Preis bekommen Sie wahrscheinlich nie dafür: Ein leckeres Bützchen (Für Nicht-Rheinländer: Küsschen).

Ein alter Brauch, den sich einst rheinische Wäscherinnen in ihrem Frust über ihre Mannsbilder abgewrungen haben. In den Frühzeiten des Straßenkarnevals zogen die Kerle nämlich alleine los. Die Weiber hatten Waschstubenarrest. Prompt gründeten die Möhnen (umgangssprachlich für verheiratete Frauen) ihren eigenen Verein und zogen los und entmachteten die Männer – indem Sie ihnen schnipp-schnapp die Schlipse abschnitten. Ein kluger Narr, der hier Symbolik vermutet …

Krawattenmann des Jahres 2011: Hape Kerkeling Quelle: dpa

Krawattenmann des Jahres 2011: Hape Kerkeling

(Foto: dpa)

Seitdem ist jeden Donnerstag vor Karneval Altweiberfastnacht. Möhnen an die Macht! Selbst hübsche junge Mädchen verwandeln sich freiwillig in Furcht einflössende bucklige Gestalten. Punkt 11.11 Uhr stürmen die wild gewordenen Weiber Rathäuser und erobern Marktplätze. Auch in Banken und Büros ziehen enthemmte Sekretärinnen und Praktikantinnen blank mit der Schere aus der Schublade.

Nur ewige Krawattenmuffel und spießige Spielverderber tragen an einem solchen Tag Rollkragenpullover. Lustige Spießgesellen dagegen sammeln schon das ganze Jahr über alte und hässliche Krawatten, damit die Möhnen einen guten Schnitt machen. 

Trends für 2012

Wenn der Schlips dann ab ist und der Kater abgeklungen, ist die Zeit reif für eine neue Krawattenmode. Im Trend 2012: immer noch Klassiker, aktuell in nebligen Pastelltönen, himmelblau, sand, schön ist zartrosa zum nachtblauen Anzug. Immer passend: kontrastreiche Diagonalstreifen. Besonders smart: schräg-schwarz-weiß zum grauen, leicht schimmernden Anzug, dunkelblau mit silbernen Diagonalstreifen zum weißen Hemd  in dunklen Jeans. Das Material: Seide, Kaschmir – niemals Polyester.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle.

Wählen und knoten Sie sorgfältig, der falsche Schlips könnte sonst zum Fallstrick auf der Karriereleiter werden, wie beim neuen  Der dänischen Außenminister Villy Sovndal. Von dem kursiert ein Video mit schief gebundenem 60-er-Jahre Schlips von seinem Antrittsbesuch in den USA. Jetzt kann er gucken, wie er seinen ungeschickten „Villy-Knoten“ und den Spott darüber wieder vom Hals bekommt.

Machen Sie’s besser. Dann werden Sie vielleicht sogar Krawattenmann des Jahres, wie 2011 Hape Kerkeling. Oder fünf Jahre früher Christian Wulff.

Bis dahin versuchen Sie, nicht auf ihre Krawatte zu kleckern, denn Flecken bekommt man ebenso schwer vom Schlips wie Häme aus dem Facebook. Aber im nächsten ist ja wieder Altweiberfastnacht. Dann schon am 7. Februar.

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