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Yoga-Kurs

Je größer und teurer dein Paket ist, desto mehr Auswahl hast du. (Foto: PR)

Fitness Lohnt sich der Urban Sports Club?

50 Sportarten mit nur einer Mitgliedschaft: Das bietet der Urban Sports Club. Das Start-up selbst betreibt keine einzige Sportstätte – verspricht aber, dass Kunden und Studios profitieren. Kann das funktionieren?
21.02.2020 - 14:41 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 21. Februar 2020 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Moritz Kreppel ist überzeugt: „Die meisten Leute wollen mehr Sport machen, schaffen es aber nicht.“ Zwischen Arbeit, Hobbies und Fernbeziehung bleibe die Bewegung buchstäblich auf der Strecke. Das wollte der Berliner ändern und gründete 2012 gemeinsam mit Benjamin Roth ein Start-up, das flexibles Schwitzen möglich machen soll. Das Prinzip: ein Abo für alles – von Fitness über Tennis, bis zu Klettern oder Surfen. Der Name: Urban Sports Club.

In den vergangenen Jahren ist das Start-up stark gewachsen. Inzwischen hat der Urban Sports Club mehr als 100.000 Mitglieder. Wie viele es genau sind, will der Gründer nicht verraten. Selbst die Frage, ob es mehr oder weniger als 500.000 sind, beantwortet er im Gespräch mit Orange nicht. Andere erzählen dafür mehr. Was du sonst noch zum Urban Sports Club wissen musst, erfährst du in diesem Artikel.

Urban Sports Club-Konzept: eine Mitgliedschaft, 50 Sportarten

Mit einer Mitgliedschaft kannst du 50 verschiedene Sportarten bei mehr als 8.000 Anbietern machen. Und das funktioniert so:

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    • Du registrierst dich online und lädst dir eine App herunter.
    • Die App bietet dir Zugang zu den Sportstätten.
    • Es gibt vier unterschiedliche Pakete: S, M, L und XL.
    • Die Preise: 29, 59, 99 beziehungsweise 129 Euro pro Monat.

    Je nach Paket kannst du dann vier Mal im Monat (S) oder unbegrenzt (M bis XL) oft bei einem Sportanbieter deiner Wahl einchecken. Je größer und teurer dein Paket ist, desto mehr Studios und Sportstätten hast du zur Auswahl, bei manchen Anbietern darfst du dann auch den Wellnessbereich (zum Beispiel Sauna, Whirlpool oder Massage) nutzen.

    Urban Sports Club-Preise: Lohnt sich Urban Sports Club für die Mitglieder?

    Ob sich ein Abo lohnt, hängt davon ab, wie viel du es nutzt. Wer immer in dasselbe Fitnessstudio geht, sollte sich nicht bei Urban Sports Club sondern lieber direkt dort anmelden.

    Die App des Start-ups von Moritz Kreppel kann sich lohnen, wenn du gerne neue Sportarten ausprobieren willst. Auch wenn du viel unterwegs bist und immer woanders Sport machen willst, kann der Urban Sports Club eine gute Wahl für dich sein.

    Urban Sports Club: Wie viel Geld bekommen Sportstättenbetreiber und Fitnessstudios?

    Urban Sports zahlt den Sportanbietern einen festen Betrag aus, wenn Kunden bei ihnen Sport machen. Geht ein Sportler also zum Beispiel über seine Mitgliedschaft in eine Kletterhalle, bekommt diese dann Geld von Urban Sports und nicht mehr vom Nutzer direkt.

    Orange hat mehrere Betreiber von Sportstätten gefragt, wie viel Geld sie von Urban Sports bekommen. Dabei zeigte sich, dass es Unterschiede gibt. Ein Anbieter, bei dem der Tageseintritt 10 Euro kostet, erhält angeblich pro Eintritt 8 Euro von Urban Sports. Ein anderer bekommt nach eigenen Angaben 19 von 20 Euro.

    Alle Anbieter wollen ihren Namen nicht im Artikel lesen. Die Angaben schwanken bei den von uns befragten Sportstätten zwischen fünf und 20 Prozent. Urban Sports-Gründer Kreppel nennt keine Zahlen – bestätigt aber, dass die Verträge individuell ausgehandelt werden.

    Lohnt sich Urban Sports Club für Studiobetreiber und Sportstätten?

    Nach unserer kleinen Umfrage sind die meisten Betreiber mit Urban Sports zufrieden. Ein Kletterhallenbetreiber gewinnt etwa bis zu 50 Prozent seiner Gäste über Urban Sports. Auch andere Anbieter äußern sich positiv: Die App ermuntere Nutzer, neue Sportarten auszuprobieren, das bringe neue Kunden. Außerdem biete Urban Sports den Studios Werbung, indem sie auf der Website und in der App auftauchen.

    Allerdings: Auf den eigenen Kundenstamm können die Anbieter nicht verzichten: „Wenn meine Kunden nur über Urban Sports kämen, könnte ich das Studio schließen“, sagt zum Beispiel Corinna Lange, die das Studio Yogameer in Warnemünde betreibt.

    Könnte ihr die App gefährlich werden? Wir fragen mehrere Mitglieder von Urban Sports zu ihrem Nutzerverhalten – und erfahren: Einige haben ihre Verträge bei Fitnessstudios, Kletterhallen oder Tanzschulen gekündigt, seit sie die App nutzen. Wenn die Mehrheit der Nutzer so handelt, würden die Sportstätten langfristig abhängig von Urban Sports. Gründer Moritz verspricht, den Anbietern keine direkten Kunden wegnehmen zu wollen.

    Kritik an Urban Sports: Abhängigkeit als Problem für die Sportanbieter?

    Wohin die Abhängigkeit führen kann, berichtet Nadia Hoffmann. Sie arbeitet für die Boulderwelt, den nach eigenen Angaben größten privaten Betreiber von Boulderhallen in Deutschland. Die Boulderwelt war eineinhalb Jahre lang Partner von Urban Sports.

    „Die Anzahl neuer Kunden war sehr viel geringer als die Zahl derer, die von uns weg zu Urban Sports gewechselt sind“, sagt Nadia Hoffmann. 2018 entschloss die Boulderwelt deshalb, aus dem Konzept auszusteigen.

    Hoffmann nennt noch einen weiteren Grund: Die Boulderwelt fürchtete, dass Urban Sports Einfluss auf die Preisstruktur nehmen wollte. In Berlin, wo das Start-up besonders stark vertreten ist, sei die Marktmacht schon jetzt besonders ausgeprägt.

    Und das hat Folgen: Zwar können Sportanbieter ihre Verträge kündigen. Doch je mehr Kunden über Urban Sports kommen und je mehr andere Studios auch Mitglied sind, desto stärker ist der Druck, dabei zu sein – um nicht am Ende leer auszugehen.

    Welche Folgen das haben kann, zeigt sich bei Liefer-Apps in der Gastronomie. Zu Beginn lockten Bestellvermittler wie Pizza.de oder Lieferando die Restaurants damit, dass die nur einen winzigen Teil ihres Umsatzes abgeben müssen – und dafür viel mehr Kunden erreichen. Doch mit den steigenden Nutzerzahlen wurden Pizzabäcker, Döner- und Asia-Imbisse immer abhängiger von den Apps. Und das nutzten die Vermittler aus, indem sie immer höhere Provisionen pro Bestellung verlangten.

    Viele Sportanbieter fürchten das Gleiche und sehen Urban Sports deswegen kritisch. Gründer Moritz Kreppel sagt dazu nur, dass man die beiden Märkte nicht vergleichen könne.

    Geschäftsmodell von Urban Sports Club: Wie verdient das Start-up Geld?

    Die Einnahmen von Urban Sports lassen sich relativ simpel erklären: Wie oben beschrieben, bekommt das Start-up je nach Paket entweder 29, 59, 99 oder 129 Euro pro Monat von einem Mitglied. Auf der Ausgabenseite wird es etwas komplizierter.

    Zusätzlich zu den Kosten für eigenes Personal (etwa App-Entwickler, Managerinnen, Buchhalter) oder Büro-Mieten muss Urban Sports die teilnehmenden Sportanbieter bezahlen. Und das funktioniert – wie oben erklärt – pro Check-in des einzelnen Nutzers.

    Daraus folgt: Aktive Kunden kosten das Start-up mehr als faule, weil sie öfter einchecken und damit Kosten verursachen. Rechnet man vereinfacht mit einer durchschnittlichen Vergütung von zehn Euro pro Check-in, dürfte ein Kunde mit M-Tarif (59 Euro) bei diesen Konditionen nicht öfter als fünf Mal im Monat zum Sport gehen. Geht ein Kunde gar nicht zum Sport, wird er wohl früher oder später das Abo kündigen. Das geht bei Urban Sports ab dem M-Tarif sogar monatlich.

    Der attraktivste Kunde für das Start-up ist also jemand, der nicht zu wenig aber auch nicht zu viel Sport macht. Gründer Moritz Kreppel kalkuliert das mit ein. Er sagt aber auch, dass „heavy user“ erfahrungsgemäß durch Erzählungen bei Freunden viel Werbung für die App machen und so neue Kunden für das Start-up gewinnen würden.

    Macht das Start-up mit Urban Sports Club Gewinn?

    „Momentan sind wir noch nicht profitabel“, sagt Moritz Kreppel. Das soll heißen, dass Urban Sports aus eigener Kraft noch keinen Gewinn erwirtschaftet. Als Grund nennt Moritz Kreppel das starke Wachstum der vergangenen Jahre.

    Das Start-up hat seit der Gründung vor sieben Jahren schon elf Konkurrenten in ganz Europa aufgekauft. Das Geld dafür erhielten die Gründer von so genannten Risikokapitalgebern („Venture-Investoren“) wie etwa Holtzbrinck Ventures (gehört wie auch Orange by Handelsblatt zum Holtzbrinck-Konzern), Rocket Internet oder Partech.

    Durch die vielen Übernahmen ist Urban Sports zum europäischen Marktführer geworden und mittlerweile in zehn Ländern aktiv. Mitglieder können das Angebot überall (Ausnahme ist momentan noch die Niederlande) ohne Aufschlag nutzen. In diesem Jahr will Urban Sports in weiteren sechs europäischen Ländern einsteigen und langfristig sogar weltweit tätig sein.

    Urban Sports Club-Geschäftsbedingungen: Folgt das Start-up dem neuen Konzept von Classpass?

    Moritz Kreppel gibt sich überzeugt, dass Urban Sports mit dem aktuellen Geschäftsmodell Gewinn machen kann, sobald das Start-up nicht mehr so viel Geld für weiteres Wachstum ausgibt. Kann das funktionieren?

    Ein Blick auf den Wettbewerber Classpass aus den USA zeigt, dass das schwierig werden könnte. Wie Urban Sports Club bot auch das erst 2013 gegründete Start-up mit einer einzigen Mitgliedschaft Zugang zu verschiedenen Fitnesskursen an. Zu Beginn ähnelte das Konzept dem von Urban Sports (ab Paket M): Kunden konnten unbegrenzt Kurse besuchen.

    Die Idee kam gut an. Innerhalb von eineinhalb Jahren breitete sich Classpass in 33 US-Städten aus. Die Kunden waren begeistert – und leider zu aktiv. Das wurde dem Start-up zu teuer. 2016 stellte Classpass sein System um schränkte den Zugang ein. Die Nutzer reagierten mit einem Shitstorm.

    Classpass-Chefin Payal Kadakia entschuldigte sich in einem Brief an die Kunden und erklärte:

    „Viele von euch haben angefangen, jeden Tag zu trainieren. […] Für jeden Kurs, den ihr besuchtet, haben wir unsere Studiopartner bezahlt. […] Der Businessplan hat für uns einfach nicht funktioniert.“

    Classpass erhöhte die Preise, begrenzte die Zugänge und stellte schließlich auf eine Art elektronisches Wertmarkensystem um. Inzwischen hat jeder Nutzer eine bestimmte Anzahl an Credits, die er für Sportkurse ausgeben kann. Zentral gelegene Studios kosten mehr als schlecht erreichbare. Zu unbeliebten Uhrzeiten sind die Kurse günstiger. Seit 2019 ist Classpass auch auf dem deutschen Markt aktiv.

    Das Beispiel zeigt, wohin es eines Tages auch für Urban Sports gehen könnte. Gut möglich, dass das Unternehmen ähnliche Änderungen vornehmen wird, um profitabel zu werden. Denn nur wenn das Start-up in absehbarer Zeit Aussicht auf Gewinne hat, kann sich für die Geldgeber die Investition auszahlen.

    Moritz Kreppel will von solchen Plänen im Gespräch mit Orange noch nichts wissen. Erstmal hat der Gründer noch ein ganz persönliches Problem zu lösen: ein Zeitproblem. „Ich gehe gerne Rudern, Schwimmen und Fußballspielen“, sagt er. „Aber momentan leider nicht so viel wie ich möchte.“

    Mehr: Fitness-Studios verdienen gut - an der Faulheit ihrer Kunden

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