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PET-Flaschen

Forscher fanden mehr Plastik in Wasser aus Mehrwegflaschen. (Foto: Imago)

Flaschenwasser Welche Wasserflasche enthält am wenigsten Mikroplastik?

Wenn du Wasser trinkst, gelangt Plastik in deinen Körper. Wie viel, hängt von der Flasche ab. Forscher kamen zu überraschenden Ergebnissen – mit einem klaren Sieger.
  • Julia Ruhs
02.09.2019 - 14:57 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 02. September 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Eins schon mal vorweg: Dem Mikroplastik kannst du nicht entkommen, so sehr du es auch versuchst. Denn die winzigen Partikel sind einfach überall – in der Luft, in deiner Kleidung, im Meer, in Lebewesen wie Fischen und Muscheln. Selbst Schnee kann Plastikteilchen enthalten, die so im Winter auf dich herunterrieseln.

Mikroplastik im Wasser: Was ist Mikroplastik?

Als Mikroplastik gelten bereits Plastikpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Beim Trinkwasser geht es um noch viel kleinere Teilchen. Sie entstehen zum Beispiel, wenn sich Plastikmüll in kleinere Bestandteile auflöst. Sie sind aber auch in Kosmetikprodukten zu finden, in Zahnpasta, Shampoo oder Duschgel.

Woher das Mikroplastik im Trinkwasser genau stammt, gilt als noch nicht ausreichend erforscht. Das Problem: Bisher gibt es weltweit nur neun Studien, die sich konkret mit Mikroplastik im Trinkwasser befassen. Vieles ist also Spekulation. Deutlich mehr Studien existieren beispielsweise über Mikroplastik in Meerestieren.

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    Wenn sich jemand mit Mikroplastik im Trinkwasser auskennt, dann ist es Darena Schymanski. Als Doktorandin der Universität Münster hat sie am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe eine Studie abgeschlossen. Die Wissenschaftlerin untersuchte, in welchen Wasserbehältnissen am meisten Mikroplastik zu finden ist – mit überraschenden Erkenntnissen.

    Dazu analysierte sie 38 verschiedene Mineralwässer in Einweg- und Mehrwegplastikflaschen, Glasflaschen und Getränkekartons. Ergebnis: Vor allem Mehrwegflaschen sind mit Mikroplastik belastet, und zwar sowohl Mehrwegflaschen aus Plastik als auch aus Glas. In den Einwegflaschen und auch in den Getränkekartons fand die Forscherin deutlich weniger Partikel.

    Mikroplastik im Wasser: Mehr Plastik in Wasser aus Mehrwegflaschen

    Mit dem Ergebnis steht Darena nicht allein da. Auch eine Studie des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit kam zu diesem Ergebnis. Aber was ist der Grund? Warum sollte ausgerechnet in Wasser aus Mehrwegflaschen mehr Mikroplastik stecken, noch dazu, wenn sie aus Glas sind?

    „Vermutlich hat das mit der Flaschenreinigung zu tun“, sagt Darena Schymanski. Die Forscherin erklärt ihren Verdacht zunächst mit Blick auf Mehrwegflaschen aus Plastik: „Die Plastikpartikel lösen sich in der Waschlauge von der Flasche ab und durch das Untertunken der Flasche während der Reinigung gelangen sie dann ins Flascheninnere.“

    Die anschließenden Reinigungsschritte seien offenbar nicht gut genug, um die Partikel wieder herauszuwaschen. Die Studie vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit kam noch zu einer anderen Erkenntnis: Vor allem ältere PET-Mehrwegflaschen sind mit Mikroplastik belastet. In Flaschen, die erst wenige Male wieder befüllt wurden, fanden die Wissenschaftler aus Bayern dagegen nur etwa so viele Partikel wie in Einwegflaschen.

    Mikroplastik im Wasser: Warum enthält Wasser aus Glasflaschen Mikroplastik?

    Aber wie ist nun zu erklären, dass die Forscherinnen auch in Mehrwegflaschen aus Glas mehr Mikropartikel fanden als in Einwegflaschen aus Plastik? Hier lässt sich nur spekulieren. Ein Grund könnte die hauchdünne, äußere Beschichtung der Glasflaschen sein, die manchmal aus Kunststoff besteht. Die soll verhindern, dass Flaschen in der Abfüllanlage zerkratzen. Vielleicht lösen sich bei der Reinigung Partikel davon ab, die dann im Wasser landen.

    Plastikpartikel sind aber längst nicht die einzigen Fremdkörper im Mineralwasser. Bei der Studie des Bayerischen Landesgesundheitsamtes fanden die Forscher auch Kunststoff-Zusatzstoffe im Wasser. Die sollen die Kunststoffe etwa vor UV-Strahlung schützen. Farbpigmente von Etiketten ließen sich ebenfalls im Wasser nachweisen.

    Auch das lässt sich am ehesten mit dem Reinigungsprozess erklären, da Flaschen samt Etiketten in die Waschlauge getaucht werden. All das muss aber noch genauer erforscht werden. Denn die Zahl der Stichproben in den bisherigen Studien ist noch sehr klein.

    Wenn du dein Trinkverhalten trotzdem ändern willst, um Mikroplastik so weit wie möglich zu vermeiden, dann: Trink Leitungswasser. Darin fanden die Wissenschaftler bisher deutlich weniger Kunststoffpartikel als im abgefüllten Trinkwasser. Wahrscheinlich ist, dass die Kläranalagen den Großteil der Partikel herausfiltern. Leitungswasser lassen die Behörden außerdem viel häufiger kontrollieren als Flaschenwasser – oft sogar täglich.

    Mikroplastik: Leitungswasser enthält am wenigsten Mikroplastik

    „Wenn im Leitungswasser etwas gefunden wird, hat das vermutlich vor allem mit den Leitungen und den Rohren zu tun, durch die das Wasser fließt, bis es aus dem Hahn kommt“, erklärt die Lebensmittelchemikerin Darena Schymanski.

    Aber warum finden Forscher in Wasser überhaupt so häufig Fremdkörper? Das liegt daran, dass sich Wasser sehr gut auf kleine Mikropartikel untersuchen lässt. Darin finden sich nämlich grundsätzlich weniger Teilchen als in anderen Stoffen und damit auch weniger Störfaktoren. Das heißt: Gerade im Wasser finden Wissenschaftler enorm viel, aber auch nur, weil die Untersuchungsmethoden sehr genau sind.

    Denn um zum Beispiel Mikroplastik in Meerestieren nachzuweisen, seien andere, deutlich gröbere Methoden üblich, erklärt die Forscherin aus Münster. Hier ließen sich also in der Regel nur die „großen“ Mikroplastik-Teile entdecken. „Würde man die Methoden für die Untersuchung von Fisch oder Muscheln bei Mineralwasser anwenden, würde man gar nichts finden“, sagt Darena Schymanski.

    In anderen Stoffen seien die ganz kleinen Partikel also bestimmt auch vorhanden, nur eben für die heutige Wissenschaft noch nicht erkennbar. Darena hält es zum Beispiel für möglich, dass in säurehaltigen Getränken wie Cola noch mehr Mikropartikel zu finden sind, da die Säure die Flascheninnenwände angreifen könnte. Nur, dass auch hier die ganz feinen Methoden nicht funktionieren, weil einfach zu viele andere Teilchen im Getränk herumschwimmen.

    Mikroplastik-Forscher: Mikroplastik vermeiden ist praktisch unmöglich

    Wenn du jetzt nur noch Leitungswasser trinken willst, dann wirst du dem Mikroplastik aber auch damit nicht entgehen. Denn viele Partikel finden sich im Staub und in der Raumluft. Teppiche, Vorhänge und deine Kleidung bestehen oft zu großen Teilen aus Polyester und daraus können sich Mikropartikel lösen und in die Luft wandern.

    „Das, was aus der Umgebungsluft auf unser Essen rieselt, ist wohl bedeutsamer als das, was aus den Lebensmitteln selbst kommt“, sagt Darena Schymanski. „Man müsste schon aufhören zu essen und zu atmen. Dann könnte es klappen, sich ganz vor Mikroplastik zu schützen.“ Die Forscherin wünscht sich deshalb einen sachlicheren Umgang mit dem Thema. Sie empfindet die Debatte über Mikroplastik oft als überzogen.

    Ähnlich sehen es andere Wissenschaftler, die sich damit befassen. „Basierend auf den begrenzt verfügbaren Informationen scheint Mikroplastik im Trinkwasser auf dem jetzigen Niveau kein Gesundheitsrisiko darzustellen“, sagt zum Beispiel Maria Neira von der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

    Und auch der Präsident des Bundesamts für Risikobewertung, Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, sagt: „Es gibt bisher keine wissenschaftlichen Hinweise, dass von Plastikpartikeln in Lebensmitteln gesundheitliche Risiken für den Menschen ausgehen.“

    Worin sich aber alle einig sind: Es braucht vor allem mehr Forschung und verlässlichere Daten. Ein Gutes hat die Diskussion um Mikroplastik für Forscherin Darena aber: Die Menschen denken endlich darüber nach, wie sie Plastik von vornherein vermeiden können.

    Mehr: „Das beste Wasser kommt aus dem Hahn“

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