Generation Y Der faule Millennial ist ein Mythos

Entgegen manchen Klischees sind junge Menschen heute nicht freizeitverliebter als ältere Kollegen. Auch Geschäftsreisen sind nicht so unbeliebt wie gedacht.
1 Kommentar
Schon 2020 wird die Generation Y mehr als ein Drittel der berufstätigen Bevölkerung stellen. Quelle: obs
Millennials

Schon 2020 wird die Generation Y mehr als ein Drittel der berufstätigen Bevölkerung stellen.

(Foto: obs)

DüsseldorfGewisse Vorbehalte gegenüber den Jüngeren gab es in der Vergangenheit immer wieder. Die Millennials traf das Urteil der Älteren zuweilen aber, so schien es, besonders hart. Sie seien selbstzentriert und bequem, fühlten sich nur noch in digitalen Welten zu Hause – so ein Teil der Klischees, die lange über den einstigen Nachwuchs verbreitet wurden. Doch sind junge Arbeitnehmer heute tatsächlich fauler als ihre älteren Kollegen?

Inzwischen ist die „Generation Y“ im wahrsten Sinne des Wortes erwachsen geworden. Schon in zwei Jahren wird sie weltweit mehr als ein Drittel der berufstätigen Bevölkerung stellen. Dennoch sind pessimistische Fremd- und Selbstdiagnosen unter Millennials nach wie vor weitverbreitet – auch im Hinblick auf die Arbeitswelt.

Von Faulheit und Bequemlichkeit ist da etwa häufig die Rede. Das Wichtigste sei für Menschen zwischen 18 und Mitte 30 heute die Freizeit, heißt es. Work-Life-Balance laute das Zauberwort, Feierabend und Spaß stünden vor Überstunden und Karriere.

Auch eine im Januar veröffentlichte Studie scheint das Klischee des freizeitverliebten Millennials zunächst zu bestätigen. Das Wirtschaftsnetzwerk World Services Group hatte mehr als 1.500 junge Arbeitnehmer aus Amerika, Europa, Asien und Afrika befragt.

Rund 28 Prozent maßen einer ausgewogenen Work-Life-Balance die höchste Priorität bei der Karriereplanung bei, während nur 20 Prozent ein beruflicher Aufstieg als besonders wichtig erschien. In ausnahmslos allen befragten Regionen stand ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit in der Prioritätenliste an erster Stelle.

Kaum Unterschiede gegenüber den Älteren

Umfragen wie diese verleiten jedoch zu falschen Schlüssen. Tatsächlich weist die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von Millennials kaum Unterschiede gegenüber älteren Generationen auf. Der Personaldienstleister Manpower Group befragte 2016 rund 19.000 Millennials aus 25 Ländern. Rund 73 Prozent gaben an, mindestens 40 Stunden in der Woche zu arbeiten. Mehr als ein Zehntel überschritt demnach sogar regelmäßig die 50-Stunden-Marke.

Eine Erkenntnis der Studie: In der Tat formulieren junge Arbeitnehmer heute oftmals klarere Ansprüche an Unternehmen, als das vermutlich noch ihre Eltern getan hätten; auch, weil sie ihre Freizeit flexibler gestalten möchten. Dafür sind sie in den meisten Fällen aber zu entsprechenden Gegenleistungen bereit – sogar zu eigenständigen Weiterbildungsmaßnahmen in der für sie vermeintlich so viel wichtigeren freien Zeit.

„Menschen unterscheiden sich nach wie vor in ihrer Persönlichkeit, ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten. Das gilt für die Generation Y ebenso wie für die vorherigen Generationen“, stellt Sibylle Adenauer vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft in Düsseldorf fest.

Die Wissenschaftlerin hatte für ein Fact-Sheet zuletzt sieben nationale Studien ausgewertet, die sich mit Millennials am Arbeitsplatz befassten. Ihr Fazit: „Diese Generation ist eine vielfältige, heterogene Gruppe, die nicht auf einen Nenner gebracht werden kann.“

Kaum eines der Pauschalurteile über junge Menschen erwies sich demnach als haltbar. Zudem sei etwa das Thema Work-Life-Balance nicht allein Millennials vorbehalten. Es werde auch für ältere Generationen immer wichtiger – auch deshalb, weil im Zuge des demografischen Wandels die Anzahl pflegebedürftiger Angehöriger zunehme.

Dienstreisen statt Sonnenbaden

Noch etwas will dem Mythos vom phlegmatischen Nachwuchs in der Arbeitswelt nicht gerecht werden: Statt Tag für Tag die Arbeitszeit im Büro abzusitzen und sich danach in vertrauter Umgebung Privatem zu widmen, begeben sich viele der Jüngeren heute gerne auf Geschäftsreisen.

Für eine Studie zum Thema „Business Travel“ befragte der Deutsche Reiseverband zuletzt rund 200 Geschäftsführer, Fach- und Führungskräfte. Das Ergebnis: Ein Großteil der Geschäftsreisenden zwischen 18 und 34 Jahren ist der Meinung, die eigene Generation nehme Business-Trips sogar lieber wahr als ältere Generationen. 45 Prozent der Geschäftsführer stimmten zu.

Etwa die Hälfte der befragten Millennials schätzte die eigene Produktivität auf Dienstreisen demnach sogar höher ein als im Büro. Voraussetzung seien für viele jedoch zunächst auch entsprechende Rahmenbedingungen – etwa eine zeitgemäße technologische Ausstattung mit Firmen-Smartphone und -Tablet.

Auch bei den Transportmitteln sind die Jüngeren wählerisch: Rund 80 Prozent ist bei Zugfahrten ein Bahnticket in der ersten Klasse wichtig, bei Flügen bevorzugt ein ebenso großer Anteil Reisen in der Business-Class. In beiden Fällen liegt der Prozentsatz bei den 18- bis 34-Jährigen knapp 20 Prozent über den Umfragewerten der Kollegen über 46.

Junge Mitarbeiter ließen sich heute weit mehr als ältere Kollegen mit kleineren Extras locken, wird Andreas Neumann in der Studie zitiert. Der Geschäftsführer des Reisedienstleisters Derpart hält Goodies und Boni deshalb für besonders wichtig, um Millennials langfristig an Unternehmen zu binden. Ein besserer Reisekomfort etwa koste Unternehmen oft nicht wesentlich mehr, sorge aber dafür, dass junge Mitarbeiter zufrieden seien. Und unterwegs besser arbeiten könnten.

Startseite

Mehr zu: Generation Y - Der faule Millennial ist ein Mythos

1 Kommentar zu "Generation Y: Der faule Millennial ist ein Mythos"

Bitte bleiben Sie fair und halten Sie sich an unsere Community Richtlinien sowie unsere Netiquette. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar. Wir behalten uns vor, Leserkommentare, die auf Handelsblatt Online und auf unser Facebook-Fanpage eingehen, gekürzt und multimedial zu verbreiten.

  • Wenn man die ältere Generation, die Generation "geburtenstarke Jahrgänge" betrachtet, erkennt man schnell: Überfüllte Klassenzimmer mit manchmal über 40 Kindern, extrem lange Wartezeiten bei bestimmten Studiengängen und überfüllte Hörsäle, In den Firmen war ebenso der Wettbewerbsdruck unter Arbeitnehmern.
    ES WURDE DER KONKURRENZDRUCK GROSS GESCHRIEBEN. Die Arbeitsintensität war enorm.

    Heute geht man die Sache deutlich gemütlicher an, in manchen Unternehmen stehen Kicker, Tischtennis und Sofas - zum kreativen Entspannen. Davon dürften heute auch die Älteren profitieren. Es gibt halt weniger Arbeitslose, die Firmen/Vorgesetzten müssen "netter" sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%