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Handelsblatt Magazin Ai Weiwei attackiert VW und Audi

Der chinesische Künstler wirft deutschen Autokonzernen und der Berlinale Nähe zu China vor – und Zensur. Ein Beitrag aus dem Handelsblatt Magazin.
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Ai Weiwei attackiert VW und Audi Quelle: Heiko Richard für Handelsblatt Magazin
Ai Weiwei

Der 61-jährige Künstler im Lichthof seines Berliner Kellerateliers. Zurzeit bereitet er hier seine wohl bislang größte Retrospektive vor, die Mitte Mai in Düsseldorf startet.

(Foto: Heiko Richard für Handelsblatt Magazin )

DüsseldorfDer in Berlin lebende chinesischen Künstler Ai Weiwei wirft den deutschen Autokonzernen VW und Audi vor, zumindest indirekt Teil westlicher Zensur zu sein. Grund seines Ärgers: Ai hatte an dem Film „Berlin, I love you“ mitgewirkt, der dann von der Berlinale-Führung abgelehnt worden sei, „obwohl das Segment, das ich bearbeitet hatte, schon vorher entfernt worden war“, so der 61-Jährige im Gespräch mit dem am Freitag erscheinenden Handelsblatt Magazin.

„Die Ablehnung wurde gegenüber den Produzenten des Films unmissverständlich damit begründet, dass der Film mit mir in Verbindung steht. Warum wohl? Weil unter den Partnern des Festivals auch ein chinesischer Sponsor war. Aber selbst, wenn das nicht der Fall gewesen wäre, sind Audi und die Volkswagen-Gruppe Hauptsponsoren der Berlinale“, so Ai, der hinzufügte: „Der CEO von VW hat sich klar geäußert: ‚Die Zukunft von Volkswagen wird in China entschieden.‘“

Festivals hätten „zweifellos das Recht, Beiträge abzulehnen. Das kritisiere ich nicht. Dann allerdings wurde der Film meines Kollegen Zhang Yimou zurückgezogen. Ich wurde gefragt, ob es an einem technischen Problem lag. Es ist nie ein technisches Problem. Die Berlinale kooperiert seit vielen Jahren mit China“, erklärte Ai dem Handelsblatt Magazin weiter.

„Sie dürfen nur Filme zeigen, die das Drachensiegel der chinesischen Zensurbehörde erhalten. Die meisten Filme würden das Siegel nicht erhalten, wenn die Zensur nicht so unerbittlich eingegriffen hätte. Jede Szene, jede Textzeile wird wieder und wieder überprüft. Selbst das Gesicht eines Darstellers bleibt von der Zensur nicht verschont. Es ist wie auf dem Schlachthof.“ Der Berlinale-Führung wirft er vor, „die chinesische Zensur vorwegzunehmen. Sie erkennt damit die Autorität der Zensur an. Das ist ein nicht akzeptabler Skandal.“

Die Audi AG wies den Vorwurf der Einflussnahme gegenüber dem Handelsblatt Magazin zurück: „Die Vermutung des Künstlers Ai Weiwei entbehrt jeder Grundlage.“ Das Ingolstädter Unternehmen, zugleich Tochterfirma von Volkswagen, erklärt: „Die Audi AG ist seit 2014 Hauptsponsor der Berlinale. Wir haben als Sponsorpartner grundsätzlich keinerlei Einfluss auf die künstlerische Ausrichtung des Festivals, geschweige denn auf die Auswahl oder die Preisvergabe für einzelne Filme. Aus diesem Grund ist selbstverständlich kein Unternehmensvertreter Mitglied der Jury der Berlinale, welche allein für die Auswahl und Beurteilung von Filmen verantwortlich ist.“

Ähnlich äußert sich auch die Berlinale: „Uns fällt auf, dass Ai Weiwei sich aktuell der Berlinale und insbesondere der aktuellen Aufmerksamkeit für chinesische Filme bei der Berlinale bedient, um mediale Aufmerksamkeit zu erreichen. Festzuhalten ist: Für die Auswahl eines Films bei der Berlinale hat die Teilnahme oder NICHT-Teilnahme von Ai Weiwei keine Relevanz, und wir verwehren uns gegen diesbezügliche Behauptungen.“

In Düsseldorf wird derzeit – bislang unberührt von dem Berliner Ärger – die größte Retrospektive vorbereitet, die der Künstler bislang wohl erlebt hat. Ab Mitte Mai sollen in mehreren Museen der Rhein-Metropole etliche Schlüsselwerke von Ai Weiwei präsentiert werden, der zugleich mahnt: „China muss sich grundlegend verändern, sonst wird es zu einem unkontrollierbaren Risiko für die Weltgemeinschaft.“ Die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in seiner Heimat seien „nicht nur eine Gefahr für China, sondern für die ganze Welt, die kaum mehr in der Lage ist, sich von China zu lösen“.

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