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Handwerkskunst Einblick in die Sterne-Küche oder Porzellan herstellen: Selfmade-Trends für 2020

In Zeiten der Digitalisierung wächst die Sehnsucht nach Selbstgemachtem. Handwerkskurse sind schöpferische Meditation – auch für Manager. Vier Ideen für 2020.
22.12.2019 - 09:15 Uhr Kommentieren
Wer heute ein paar Stunden offline sein möchte, sucht nach nicht alltäglichen Angeboten. (Foto: Chris Chow on Unsplash)
Von Hand gefertigt

Wer heute ein paar Stunden offline sein möchte, sucht nach nicht alltäglichen Angeboten.

(Foto: Chris Chow on Unsplash)

Düsseldorf Die einen malen Game-of-Thrones-Malbücher aus. Andere geben den Brad Pitt und töpfern. Hauptsache, die Hände tun was anderes als dauernd aufs Smartphone zu tippen. Loslassen in Zeiten maximaler Vernetzung, Balance finden zwischen Work und Life: eine häufig stressende Gratwanderung. Einfach nur mal Löcher in die Luft gucken? Wäre perfekt, doch ist vielen suspekt.

Handwerk ist schöpferische Meditation, heißt ein schöner Gedanke, der die Entwicklung nährt, dass die Kunst des Handwerks mehr denn je eine Renaissance erlebt: Sich aktiv von der Arbeit oder sonstigen Alltäglichkeiten zu erholen, entspricht einem Trend zur Eventisierung, der gleichsam eine Sehnsucht nach kreativer Entfaltung bedienen soll.

Anders gesagt: Wer heute ein paar Stunden offline sein möchte, sucht nach nicht alltäglichen Angeboten. Denn auch das ist klar: In Zeiten schwindender Ressourcen ist Hochwertiges, Authentisches und Sinnvolles gefragt. Wenn das auch noch „Selfmade“ ist, passt es zum Urbild des Menschen im Flow, der sich mit Haut, Haar, Herz und ohne Zeitgefühl etwas hingibt – und dann erlebt, wie es ist, wenn man „es“ schafft.

Der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi hat solche Prozesse im vergangenen Jahrhundert zum Gegenstand seiner Glücksforschung gemacht, und bei Künstlern, Sportlern, Managern gefunden: Verdichtete Aufmerksamkeit verändert die körperliche wie die innere Ausrichtung. Es ändern sich die Hirnströme in Zentren, die für die Stressbewältigung zuständig sind; das Glückshormon Serotonin macht einen perfekten Job.

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    Die Wirkungen werden direkt spürbar: physisch, mental, emotional – an der gesamten Muskulatur, an der Stimmung, am Wollen. Alles ist gut. Das Beste: Wer weiter übt, erschließt bisher ungenutzte Potenziale. Die einen oder anderen weißen Flecken auf den Landkarten „dieses kognitiven Apparats am luftigen Ende unseres Körpers“, sagt der Physiker, Naturphilosoph und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch, werden wunderbar belebt.

    Ein Handwerk erlernen zu wollen, von Menschen, die Qualität in die Welt bringen, eröffnet also großen Raum für neue Erfahrungen. Vier Beispiele für Handwerker, die Produkte kunst- und respektvoll zu ver- oder bearbeiten verstehen und die ihre Wissensschätze an zusätzlich inspirierenden Orten weitergeben.

    1. Premium-Grillkultur entdecken

    Der Koch führt seine Grillfabrik in Augsburg auf historischem Gelände. (Foto: Die Grillfabrik)
    Carsten Höppner

    Der Koch führt seine Grillfabrik in Augsburg auf historischem Gelände.

    (Foto: Die Grillfabrik)

    Mein Haus, mein Auto, mein High-End-Grill, mein dry aged T-Bone. Jedenfalls, wenn es nach der Philosophie des amerikanischen Grillunternehmens Weber-Stephen geht. Seit George Stephen, inspiriert von der Form einer Boje, 1952 den weltweit ersten Kugelgrill gebaut hat, setzt das Haus in puncto Design und Qualität bei Gourmetgrills regelmäßig neue Maßstäbe.

    Dieser Anspruch ist auch in der Grill Academy verankert, die 2008 gestartet ist und hierzulande Lizenzpartner an 33 Standorten hat. Versierte Grillmeister machen meist Männer, klar, in Seminaren mit verschiedenen Themen und Levels zu Superhelden an heißen Rosten, im Winter beim Glühwein. Bis zu 20 Freunde der kultigen Holzkohle-, Gas- oder E-Geräte vermehren ihr Wissen – natürlich ebenfalls zum Thema Fleisch. Es ist wie die anderen Zutaten meist bio und regional, stammt von Tierwohl-verpflichteten Bauern und entsprechend arbeitenden Metzgern.

    Dafür steht auch Carsten Höppner, der in Augsburg ideale Bedingungen vorfindet, wie er sagt. „Ich versuche den Leuten die Augen zu öffnen, dass es nur mit Nachhaltigkeit geht. Toller Grill, tolles Fleisch, tolles Ergebnis – es kann ganz einfach sein.“ Der Koch, der bei den Drei-Sterne-Chefs Dieter Müller und Joachim Wissler gelernt hat, führt seine Grillfabrik auf historischem Gelände seit 2014; mit drei Mitarbeitern und dem Ziel, rund 5.000 Gäste pro Jahr zu begeistern.

    Dafür sorgen nicht zuletzt Kurse mit dem gewissen Etwas: mit Bier – gern Craft Beer – und Gin. Trends, die auch beim Lizenzgeber ankommen. Höppner sieht sich prima aufgestellt: „So ist es gedacht. So soll es gelebt werden. Das ist die Zukunft.“

    4 bis 5 Stunden, 99 bis 145 Euro.

    2. Porzellan herstellen in historischer Luxusmanufaktur

    Exklusive Erlebnisräume rund um die weltweit einzige noch vollständig erhaltene Ringkammerofenhalle. (Foto: Königliche Porzellan Manufaktur Berlin)
    Mitmach-Manufaktur

    Exklusive Erlebnisräume rund um die weltweit einzige noch vollständig erhaltene Ringkammerofenhalle.

    (Foto: Königliche Porzellan Manufaktur Berlin)

    Auch im ältesten noch heute produzierenden Handwerksbetrieb Berlins merken sie, dass Selbstgemachtes immer relevanter wird. Seit die über 255 Jahre alte Königliche Porzellan-Manufaktur KPM gleich gegenüber vom Tiergarten 2017 die Mitmach-Manufaktur eröffnet hat, wird das Angebot konsequent ausgebaut. Der Werkstoff Porzellan hat nichts an Faszination eingebüßt und trifft rund um die weltweit einzige noch vollständig erhaltene Ringkammerofenhalle auf exklusive Erlebnisräume.

    Was große und kleine Kinder ab sechs Jahren schon immer über die wunderbare Welt des weißen Goldes wissen wollten: Die erfahrenen KPM-Porzellanformer und -maler nehmen sie mit in die Geheimnisse der Herstellung. Wie aus der Masse eine zeitlos schöne Tasse wird, wie der Henkel daran kommt oder wie man einen Teller mit Porzellanfarben auf Pigmentbasis bemalt: Workshops bieten die Möglichkeit, ein gutes Stück selbst von Hand zu fertigen – und es natürlich zu behalten.

    In den zwei Gruppenformaten geschlossen/öffentlich und in den Ferienangeboten für Familien finden sich jeweils maximal 16 Teilnehmer zu solch besonderen Manufaktur-Momenten. Der Wunschtermin wird am besten drei Wochen vorher gebucht. Und wer weiß, vielleicht wird der Kurs „Manschen, kleckern und entdecken“ ja zum Erweckungserlebnis – und der eine oder andere Steppke zum Mitarbeiter von morgen. An jungen Auszubildenden mangelt es schon heute nicht.

    Erwachsene: 1 bis 2,5 Stunden, ab 64 Euro. Kinder: 1 bis 2 Stunden, ab 24 Euro.

    3. Messer schleifen mit Wasserkraft

    Im Wipperkotten arbeiten die letzten Solinger Schleifer noch heute nur mit Wasserkraft. (Foto: Jorge Rosales on Unsplash)
    Schärfschule

    Im Wipperkotten arbeiten die letzten Solinger Schleifer noch heute nur mit Wasserkraft.

    (Foto: Jorge Rosales on Unsplash)

    „Solingen fertigte mich“ war einst das Synonym für Klingenkultur in Mitteleuropa. Wenn wir Richard David Precht glauben, ist von seiner Heimatstadt heute nicht mehr viel übrig. Der Beiname „Klingenstadt“ indes wird nicht nur auf Ortsschildern gehegt, sondern auch in der letzten original erhaltenen Schleiferwerkstatt, mitten im Bergischen Land und idyllisch an der Wupper gelegen: Im Wipperkotten von 1602 werden die Gerätschaften wie ganz früher von einer Wasserradanlage angetrieben, arbeiten die letzten Solinger Schleifer noch heute nur mit Wasserkraft.

    Ralf Jahn beherbergt hier eine traditionelle Messermanufaktur und bietet in seiner Schärfschule seit 2007 Workshops an. Schleifen, Polieren, übers Leder ziehen und ihn mit Fragen löchern: Die Teilnehmer lernen und perfektionieren nicht nur alles über die Grundlagen des Messerschleifens, die notwendigen Materialien sowie verschiedenen Schärftechniken – und fahren nach vier Stunden mit ihren extrem scharfen und kaum wiederzuerkennenden Messern heim.

    Nein, sie haben sie auch Gelegenheit, ein Stück Industriegeschichte im Fachwerk-Schleifermuseum zu erleben und eigene Schleifversuche zu starten: auf einem Blauen Belgischen Brocken – einem Naturstein mit besonderen Eigenschaften beim Feinschliff. Für den ultimativen Schärfetest wiederum kommt nur eins in Betracht: eine überreife Tomate.

    4 Stunden, 99,95 Euro.

    4. Beim Sternekoch nordische Küche lernen

    Bei dem Spitzenkoch stehen Saisonschätze im Vordergrund – mit besonderer Liebe zu Wildkräutern. (Foto: Robert Stolz)
    Robert Stolz

    Bei dem Spitzenkoch stehen Saisonschätze im Vordergrund – mit besonderer Liebe zu Wildkräutern.

    (Foto: Robert Stolz)

    Was mit Waldsauerklee. Oder mit Topinambur und Grünkohl. Hauptsache nordisch und nachhaltig, ausnahmslos erntefrisch vom Erzeuger nebenan und selbst auf den Streifzügen durch Wald und Flur der Holsteinischen Schweiz gesammelt: So geht Hochküche bei einem Individualisten. Oder anders: Puristisch, aber ergreifend und mit besonderer Liebe zu Wildkräutern stehen die Saisonschätze im Vordergrund eines Restaurants, das keines ist.

    Robert Stolz, bereits 1997 mit einem Stern bedacht und Impulsgeber unter anderem im Hamburger Grandhotel Vier Jahreszeiten, lebt seit 2018 seinen Traum – im ehemaligen Speiselokal und Wohnhaus der Familie, in Armlänge zum Plöner Schloss und mit dem Plöner See jenseits des Gartenzauns. Im jetzt privaten Habitat setzt er seine Passion für gutes Essen und Trinken an drei Abenden pro Woche für zwölf Gäste um, die gemeinsam am „Chef´s Table“ sitzen und das Geschehen in der offenen Küche verfolgen können. Das quasi geräuschlos werkelnde kleine Team kann auch angenehmen Service.

    Dieses Privat-Dinner-Gefühl in nordisch klarer Esszimmer-Sphäre macht das eat.share.live.-Konzept aus. Stolz nennt es Küchenparty. Auch seine Kochschule funktioniert so: Einmal im Monat versammelt sich eine kleine Runde um den Herdblock, erfährt Spannendes über den ganz eigenen RS-Stil, was ihn zu seinen Kompositionen inspiriert und was passiert, wenn man diese gemeinsam einfach macht: ein beflügelndes Drei-Gänge-Menü, begleitet von einer Stimmung voller Genuss
    und perlender Unterhaltungen, die später am großen Eichentisch fortgesetzt werden.
    5 Stunden, 120 Euro

    Mehr: Kerstin Hintz verwandelt alte Frucht- und Gemüseschätze in kulinarische Botschafter. In ihrem Ketchup laufen keine Tomaten, sondern Äpfel zur Hochform auf.

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