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Extra Hour Lab

Sie entwerfen die Innenwelten der 25hours-Hotels: (v.l.) Geraldine Spilker, Milia Seyppel, Anne van Wetteren, Lisa Strunz.

(Foto: PR)

Hotelkette 25hours Diese vier Frauen erfinden das Übernachten neu

Bislang gilt: Kettenhotels sind verlässlich, aber langweilig. Ein Designlabor denkt sich deshalb Geschichten aus, die Hotels spannend machen sollen.
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Hamburg1321 beendete Dante Alighieri die Arbeit an seiner „Göttlichen Komödie“. Die epochalen Verse wurden vielfach illustriert, aufgeführt und verfilmt, sie taugten sogar als Grundlage des Computerspiels „Dantes Inferno“. Dass aber die Wanderung des Ich-Erzählers durch Hölle, Fegefeuer und am Ende ins Paradies als Kettenhotel umgesetzt wird? Das gab es noch nicht.

Die Idee klingt absurd. Aber auch genial, fanden vier Frauen, die im sogenannten „Extra Hour Lab“ des Hotelbetreibers 25hours arbeiten: Geraldine Spilker, Milia Seyppel, Lisa Strunz, Anne van Wetteren.

Bei 25hours hat man schließlich schon ganz anderen Reminiszenzen ein innenarchitektonisches Denkmal gesetzt: Im Hamburger Haus „Hafencity“ der jungen Hotelkette zum Beispiel lebt die Seefahrt wieder auf, passend zur maritimen Umgebung. Die Gästesauna und ein Meeting-Room sind hier in alten Überseecontainern untergebracht.

Das Münchener „Royal Bavarian“ wiederum bietet unterschiedliche Zimmer für Herrschaft und Dienstboten. Und „Das Tour“ in Düsseldorf geht nun auf die historische Verflechtung der Stadt mit Frankreich ein. Zum allgemeinen „Oh là là“-Ambiente sollen dort – von der Straßenansicht recht bizarr anmutende – Badewannen beitragen, die aber tatsächlich nicht nur zur Dekoration auf den Balkonen zahlreicher Zimmer stehen.

Zum Ensemble stößt nun also das Haus in Dantes Geburtsstadt Florenz. Es entsteht in einem denkmalgeschützten Gebäudeensemble aus dem Jahr 1800, soll in zwei Jahren eröffnen und seinen Gästen wahlweise einen paradiesischen oder einen höllischen Aufenthalt bieten – der florentinische Dichter grüßt aus dem Jenseits.

25hours – das sind die ausgefallensten Designideen
„Royal Bavarian“ in München
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Das Haus diente früher als königliche Telegrafen-Centralstation. Nun quillt es über von Anspielungen auf die royale Vergangenheit der Stadt. Weniger royal sind die abgebildeten Herren: Ardi Goldmann (2.v.l.) und folgend Christoph Hoffmann, Stephan Gerhard und Kai Hollmann sind die 25hours-Gesellschafter.

(Foto: PR)
„Royal Bavarian“ in München – Pfauensuite
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Im Münchener 25hours-Haus kann man in unterschiedlichen Zimmern übernachten – entweder in Dienstbotenkammern oder etwas feudaler in dieser Pfauensuite.

(Foto: PR)
„Museumsquartier“ in Zürich
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Im Wiener Haus sollen die Gäste in die bunte Zirkuswelt von Artisten, Clowns und Elefanten eintauchen. Das Hotel wurde vom Augsburger Designteam Dreimeta gestaltet.

(Foto: PR)
„Bikini“ in Berlin
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Vielfältig wie die Großstadt und wild wie der Dschungel: So beschreibt das Extra Hour Lab das Design des Berliner Hauses.

(Foto: PR)
„The Goldman“ in Frankfurt
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Bei der Gestaltung der farbenfrohen Zimmer ließen sich die 25hours-Designer von internationalen Persönlichkeiten inspirieren – hier von der amerikanischen Bürgerrechtlerin Rosa Parks.

(Foto: PR)
„The Goldman“ in Frankfurt – Toiletten
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Ein Teil des Hauses bietet individuell-verspieltes Design mit einer romantischen Note. Dazu zählt wohl auch die Ausgestaltung der öffentlichen Herrentoilette.

(Foto: PR)
„The Circle“ in Köln
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Das jüngste Haus im 25hours-Portfolio. Die Lobby im retro-futuristischen Design war einst Schalterhalle des Versicherungskonzerns Gerling.

(Foto: PR)

So radikal unterschiedlich die Häuser der jungen Hotelkette sind, so radikal ist auch die Denkweise, die diese durchkomponierten, gleichwohl polarisierenden Innenwelten entstehen lässt. Gilt doch bislang: Das Produkt Kettenhotel lebt gerade von seiner Gleichförmigkeit. Überall auf der Welt erwarten den Stammkunden einer Hotelmarke im Idealfall verlässlich der gleiche Look und der gleiche Servicestandard. Aber passt das überhaupt noch in eine Zeit, in der Individualität zum neuen Massenbedürfnis geworden ist?

„Das Haus bekommt eine Seele“

Diese und ähnliche Fragen stellte man sich bei 25hours schon immer – und nun seit eineinhalb Jahren gebündelt vier recht branchenfremde Frauen, die im Extra Hour Lab von 25hours ihrer kreativen Arbeit nachgehen. Die Vier kennen sich weniger aus mit Account Management oder branchentypischem Jargon wie „Laundry Service“ oder „Queen Size Bett“, dafür sind sie Expertinnen für Design und seiner Psychologie, für Anthropologie und Ästhetik.

Das Hotel betrachten sie als soziale Bühne, die bespielt werden will. „Das Lab schafft und entwickelt besondere Räume und Erinnerungen“, sagt Mitglied Geraldine Spilker, „das Haus bekommt quasi eine Seele.“

Vorbild Grand Hotels

Der Weg, den Gästen weniger die Sicherheit einer vertrauten Umgebung zu bieten als vielmehr eine Wundertüte voller Überraschungen, scheint für 25hours der richtige zu sein. Das Unternehmen geht ihn vom Beginn an, seit Hotelier Kai Hollmann im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld das Number One eröffnete und 2005 unter anderem mit dem heutigen Leiter Christoph Hoffmann die 25hours Hotel Company gründete.

Vorbild sind die alten Grand Hotels, in denen sich Geschichte und Geschichten wahren. In modernen Hotels fehlt die Zeit, um diese Historie wachsen zu lassen – sie muss erfunden und erzählt werden.

Je größer aber das Unternehmen wurde, desto mehr Arbeit wartete auf diesem Weg. Das Lab entstand. Es begleitet und beeinflusst maßgeblich den gesamten Entwicklungs- und Designprozess jedes neuen Hauses. Nie soll eines dem vorherigen ähneln. Damit möglichst viele gute Ideen in den Köpfen von Geraldine Spilker, Milia Seyppel, Lisa Strunz, Anne van Wetteren und Lab-Leiter Henning Weiß wachsen können, hat man auch sich selbst in einem geschichtsträchtigen Ort einquartiert.

Das denkmalgeschützte und grundsanierte Alte Zollhaus an der Hamburger Ericusspitze nutzt die Kette gemeinsam mit einer Agentur sowie einem Teil des benachbarten Spiegel-Verlags. Im Erdgeschoss lebt denn auch Spiegel-Historie auf: Gäste nehmen auf einem Büro-Sofa des Gründers Rudolf Augstein Platz, können in seinen Briefen an den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt lesen.


Am Anfang jedes neuen Hotelprojekts steht für das Lab die ausgiebige Recherche vor Ort. Grundlage aller Design-Entscheidungen ist schließlich eine tragfähige Geschichte für das Haus. „Sie soll sich möglichst aus dem historischen Kontext der Umgebung entwickeln“, sagt Geraldine Spilker.

Ist das Thema gefunden, beginnt die eigentliche Arbeit: Neudeutsch nennt man es Storytelling, wenn nun jene Geschichte skizziert wird, die sich später in Design und Gestaltung, Produkten und Dienstleistungen des Hotels wiederfinden soll. Das Ziel ist es, dem Gast Erlebnisse zu ermöglichen, Emotionen zu erzeugen, Sinnliches und Atmosphärisches zu schaffen, den Gast in den 25hours-Kosmos einzuweben. Medium dafür ist in erster Linie die Innenarchitektur des Hotels.

Gebetbuch für den Designer

Ist der zur Grundidee passende Designer gefunden, entwirft das Lab ein sogenanntes Guide Book. Es konkretisiert und visualisiert die Story und mithin das gesamte Konzept des neuen Hauses. In diesem Gebetbuch für den Designer wird mit Zeichnungen, Entwürfen, Skizzen, Bildern, Texten und Gedanken gearbeitet, manches nur angedeutet, anderes konkretisiert – das Ergebnis andauernden Brainstormings im Alten Zollhaus.

Für das Florenz-Projekt erhielt die international agierende Turiner Designerin Paola Navone den Zuschlag. Die Aufgabenstellung: Dantes Vorstellung von Paradies und Inferno in den öffentlichen Bereichen und den Gästezimmern als Gegensatz zu erschaffen. Das Guide Book beschreibt die Welten, die sich den Gästen eröffnen sollen.

Im Paradies sollen sie in ihre Kindheit zurückfallen können, in ein Leben ohne Regeln, in der man naiv, sorglos und träumerisch sein, Schwerelosigkeit und Friedlichkeit erfahren darf. Anders das Inferno: Diese Welt ist geprägt vom Ausbruch aus dem Erwachsenenleben und dem Bruch mit allen Regeln. Sei wild und verrückt, lebe die Sünden – als da wären: Maßlosigkeit, Faulheit, Begierde.

Story ist also King im 25hours-Reich. Und das Begründungstool für alles, was dort einen Platz bekommt. So erfüllt auch ein simpler Stuhl nicht nur den Zweck, in möglichst schicker Gestalt ein müdes Touristengesäß zu entspannen. Er muss für etwas stehen, Teil der Geschichte sein. „Bei der Möbelauswahl“, sagt Geraldine Spilker, „ ist weniger das Design ausschlaggebend als die Bedeutung des Möbels für die Geschichte.“

Gefragter Partner bei Investoren

Am Erfolg von 25hours zeigt sich, dass es in der oft konfektionierten, funktionalen und auf Marge getrimmten Hotellerie kein Nachteil ist, wenn das konzeptionelle Denken mal etwas ausufert. Die Auslastung der Zimmer liegt je nach Standort bei hohen 85 bis 90 Prozent. 2018 soll der Umsatz die Grenze von 100 Millionen Euro knacken.

Die nunmehr fast 1000 Mitarbeiter erwirtschaften eine im Branchenvergleich beachtliche Umsatzrendite von acht bis zehn Prozent pro Haus. Mittlerweile gilt die Kette bei Immobilieninvestoren als gefragter Partner für Pachtverträge.

Damit hat sich dieses sehr spezielle Konzept für 25hours bewährt – was das Lab immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. „Mit jedem Haus fangen wir bei null an“, sagt Henning Weiß, der vor der Installierung des Labs die Rolle der Ideenfindung mit Christoph Hoffmann praktisch allein gespielt hat. Nun, nicht ganz bei null, denn auch in Hamburg reift die Erkenntnis, dass erfolgreiche Elemente sich durchaus auf weitere Häuser übertragen lassen.

Beispiel Neni: Dahinter steht die israelische Autorin und Psychologin Haya Molcho, Ehefrau des Pantomimen Samy Molcho. Neni setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Namen Nuriel, Elior, Nadiv und Ilan zusammen, die zu ihren vier Söhnen gehören

.

Mit ihnen hat sie ein kleines Gastro-Imperium mit Restaurants, Büchern und dem Verkauf von Produkten aufgebaut. Die Familie lebte in Indien, China, Marokko, ließ sich von den örtlichen Kulturen beeinflussen.

Diese Einflüsse spiegeln sich im Angebot wider. Als 25hours-Kooperationspartner kam Neni erst in Zürich, dann auch in Berlin, Hamburg und kürzlich erst im neuen Kölner Haus zum Zug. Über die Auswahl der potenziellen Partner entscheidet in erster Linie ebenfalls das Extra Hour Lab.

Geraldine Spilker sagt: „Unsere Partner müssen Menschen sein, die andere faszinieren können.“ Oder die, wie Neni, eben eine interessante Geschichte erzählen können.

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