Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Interview mit Renzo Rosso „Diesel muss wieder begehrenswert werden“

Dem italienischen Jeans-Label Diesel geht es nicht gut. Doch der Relaunch des Unternehmens von Renzo Rosso ist bereits in vollem Gange.
Kommentieren
Renzo Rosso: Diesel-Gründer hadert mit der Modebranche Quelle: Stephanie Füssenich für Handelsblatt Magazin
Renzo Rosso

Der Dieselgründer in seinem Büro am Firmensitz in Breganze.

(Foto: Stephanie Füssenich für Handelsblatt Magazin)

BreganzeDiesel ist in der Krise – nicht nur der Kraftstoff, sondern auch das gleichnamige italienische Jeans-Label. Kürzlich musste die Firma für Teile ihres US-Geschäfts Insolvenz anmelden, um sich im Rahmen eines sogenannten Chapter-11-Verfahrens neu aufstellen zu können.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass sich Diesel-Gründer Renzo Rosso nach nur einem Jahr von seinem CEO Marco Agnolin trennt. „Wir waren ein bisschen altbacken geworden, einfach nicht mehr cool. Das ändern wir jetzt“, erklärt Rosso nun im Interview mit dem am Freitag erscheinenden Handelsblatt Magazin.

Der 63-Jährige begann schon vor eineinhalb Jahren, sich wieder stärker in das Tagesgeschäft seines Konzerns OTB (die Kurzform für „Only the Brave“) einzumischen, zu dem neben dem Jeans-Riesen auch Luxusmarken wie Marni, Viktor & Rolf oder Maison Margiela gehören.

Jetzt zeigt Rosso, wie ernst er es meint: „Ich habe die erste Führungsebene weitgehend rausgeschmissen. Bei denen ging’s nur noch um Zahlen. Was fehlte, war die Leidenschaft … und der Wille, sich immer neu zu erfinden. In diesem Prozess stecken wir jetzt mittendrin. Das ist nicht leicht“, so Rosso zum Handelsblatt Magazin.

Das letzte Jahr sei „echt schlimm“ gewesen. „Es verging keine Woche, in der ich nicht kämpfen musste gegen all die Idioten da draußen“, so Rosso überraschend offen. „Und es dauert, bis auch die Kunden einen verstehen. In dieser Zeit muss man die Rechnung zahlen für die Versäumnisse der Vergangenheit.“

Die Strategie des Diesel-Gründers ist so klar wie schmerzhaft: „Wir waren vielleicht zu sehr auf Masse fixiert. Nachdem ich vor neun Jahren die Führung verließ, wuchsen die Zahlen ja durchaus noch. Aber Zahlen sind nicht alles. Also habe ich die Distribution sogar verschlankt“, verriet Rosso.

„Als börsennotiertes Unternehmen dürfte ich das nie machen, aber ich habe die Verkäufe um rund 275 Millionen Euro gekappt.“ Das Credo des norditalienischen Unternehmers: „Wir müssen wegkommen von all den Rabattschlachten, Discountangeboten und Resterampen. Und ganz ehrlich: Es ist das erste Mal in unserer Geschichte, dass wir rückläufige Zahlen hatten.“ Rossos erklärtes Ziel: „Diesel muss wieder begehrenswert werden.“

Er selbst müsse dabei sehr tough sein, „wenn ich meinen Job gut machen möchte. Das ist oft schmerzhaft für mich. Ich bin sehr sensibel. Es gibt viele Nächte, in denen ich nicht schlafen kann und mich im Bett wälze“, so Rosso weiter. „Sie können sich nicht vorstellen, wie ich leide, wenn die Dinge nicht so laufen, wie ich es mir wünsche. Aber ich höre nicht auf, etwas zu wagen.“

Was ihn dabei besonders nervt, sind ausgerechnet die Usancen der Modebranche, in der er doch zugleich seit über 40 Jahren zu Hause ist. „Von allen Disziplinen, in denen ich aktiv bin, werde ich der Mode als erste den Rücken kehren“, verriet Rosso dem Handelsblatt Magazin.

„Es geht nur noch um Geld, Macht und Erfolg“

Die Branche sei zwar „großartig. Sie hält mich lebendig, jung, und … ja: mutig ..., aber sie verlangt mir auch sehr viel ab. Es fällt mir oft schwer, die in dem Business grassierende Arroganz zu ertragen. Zumindest für mich, mit meiner einfachen Erziehung, ist es teilweise schwer auszuhalten, was sich hinter den Kulissen abspielt.“

Werte wie Mitgefühl, Anstand oder Wertschätzung würden heute „komplett vernachlässigt. Es geht nur noch um Geld, Macht und Erfolg“, mahnt Rosso. „Für mich zählt ein Handschlag immer noch so viel wie ein schriftlicher Vertrag. Das hat etwas mit Respekt zu tun und auch mit Würde. Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen, die noch so denken.“

Immerhin ist seine Holding OTB mit einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro hinter LVMH und Kering längst das drittgrößte Luxus-Konglomerat Europa. Und Rosso zeigt sich durchaus bereit, weitere Marken dazu zu kaufen, „wenn sich eine gute Gelegenheit bietet. Wir bekommen ja auch immer wieder Angebote auf den Tisch.“

Auch ein immer wieder diskutierter Börsengang bleibt sein erklärtes Ziel: „Ich liebe die Idee. Ein Börsengang könnte für alle Beteiligten eine tolle Sache sein – für die Gruppe und ihre Manager, für meine Familie, für unsere Kunden.“ Er sei ja gerade erst zurückgekehrt. „Geben Sie uns mal zwei Jahre Zeit, dann sehen unsere Zahlen hoffentlich noch weit besser aus als heute. Und dann wäre vielleicht auch der richtige Augenblick für einen Börsengang.“
Das ganze Interview mit Renzo Rosso lesen Sie hier oder ab Freitag in der gedruckten Version des Handelsblatt Magazins – über seine Liebe zu Instagram, die Weisheiten seines Freundes, des Dalai Lama, und die Werte, die ihm seine Mutter mitgegeben hat.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Interview mit Renzo Rosso - „Diesel muss wieder begehrenswert werden“

0 Kommentare zu "Interview mit Renzo Rosso: „Diesel muss wieder begehrenswert werden“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.