Jürgens Weinlese: Die leckersten Weine von Aldi und Co.
Das Buch von Cordula Eich bietet angesichts des umfangreichen Weinangebots im Lebensmittelhandel eine Orientierung.
Foto: ImagoDüsseldorf. Schnüffeln, schlürfen, schmatzen, spucken: Jedes Jahr stürzt sich Cordula Eich mit ihrem Team in das „Dickicht des vergorenen Traubensafts“, wie sie selbst schreibt. Gemeint sind die Weine in deutschen Supermärkten, die die Autorin jedes Jahr verkostet und deren Ergebnisse sie niederschreibt. Nachzulesen im „Super Schoppen Shopper“.
Jedes Jahr steht die Verkostung unter einem neuen Motto: Vor zwei Jahren unternahm Eich als Agentin 075 ihre Mission Weinregal. So trug jeder Supermarkt einen Filmtitel aus einem der 007-Filme und sie unterteilte die Weinwelt der Supermärkte in Gut und Böse.
Vergangenes Jahr hieß das Motto „Wissenschaft, die Wissen schafft“. Dabei bot sie, ganz im Sinne der Wissenschaft, Informationen über die verschiedenen Aromen und Geschmacksnoten von Weiß- und Rotweinen. Eine Hilfestellung für Weintrinker, die ihr Wissen erweitern wollen. In diesem Jahr ist Cordula Eich Medizinerin und bietet „erste Hilfe für den Weinkauf beim Einkauf“.
Allerdings gibt es 2015 keine gedruckte Version des „Super Schoppen Shopper“, trotz einer bisherigen Auflage zwischen 40.000 bis 50.000 Stück pro Jahr und eines Verkaufspreises von 9,99 Euro. „Der Produktionsstress eines Buches wäre aufgrund gesundheitlicher Probleme zu groß gewesen“, sagt Cordula Eich. Dafür gibt es die Verkostungsergebnisse in digitaler Form – als gleichnamige App für das Android-System und für Apple-Geräte.
Der Lebensmittelhandel hat beim Verkauf von Weinen mittlerweile eine große Marktmacht. Von vier Flaschen Wein, die in Deutschland verkauft werden, gehen drei über die Theken von Discountern, SB-Warenhäusern und Einzelhändlern. Bei der Verkaufsmenge beträgt allein der Marktanteil von Aldi 22 Prozent, zusammen mit den anderen Discountern beläuft sich dieser Anteil auf 49 Prozent.
Und die Branche rüstet auf. Discounter, SB-Warenhäuser und Lebensmitteleinzelhändler wollen ihren Umsatz durch den Verkauf von teureren Weinen erhöhen. Lidl bietet bereits seit längerer Zeit hochwertige Bordeaux-Weine sowohl online als auch in mehreren Geschäften an. Darunter ist sogar ein Château d`Yquem Sauternes 2011, der teuerste Süßwein der Welt, für 349 Euro. Auch Aldi-Nord hat für Wein ein neues, emotionales Verkaufskonzept entwickelt.
Cordula Eich begrüßt das Konzept des Lebensmittelhandels, teurere Weine zu verkaufen. Nach ihrer Ansicht sei dies positiv sowohl für den Winzer als auch für den Konsumenten. Die Kritik des Fachhandels an dem „Up-Selling“ der Discounter teilt sie nicht. Auch sie hat in ihrer neuen Ausgabe ein Teil der teureren Weine verkostet und bewertet. So erhielt auch der Bordeaux-Wein Chateau D'arsac von Lidl Höchstnoten - bei einem Preis von 18,99 Euro.
Allerdings gilt eine wichtige Voraussetzung, damit Weine in den Shopper aufgenommen werden können: Sie müssen in den meisten Filialen einer Kette vorrätig sein, damit der Kunde auch die Chance hat, diese dort zu kaufen. Das ist bei manchen Lebensmittelhändlern nicht so einfach, weil einige Filialinhaber von Rewe oder Edeka ein erweitertes Weinangebot in ihren Regalen stehen haben.
Verzichten müssen Weinliebhaber in der neuen „Super Schoppen Shopper“-App auf erfrischende, manchmal bissige und teilweise sogar gemeine Beschreibungen der Weine, die schlecht benotet wurden. Denn es sind nur die knapp 400 Weine aufgeführt, die mit drei oder vier Sternen zum Kauf empfohlen werden. Die allerdings in der gewohnt launigen Ausdrucksweise. So bewertet sie den Riesling von den Lauffener Weingärtnern aus Württemberg, für 4,49 Euro bei Rewe erhältlich, als ein Riesling wie Jürgen Klinsmann. „Ein Württemberger Original, das sich auf dem internationalen Parkett mit Leichtigkeit behauptet.“
Ihre Beurteilungen sind stets ein bewusster Gegensatz zur traditionellen Weinsprache. So erkennt sie keine ausgeprägten Beerenfrüchte im Glas wie manche Sommeliers. Vielmehr schmeckt der Wein „nach billigem Obstsalat aus der Dose“. Der spanische Sekt bei Aldi Nord war „klasse zum Verspritzen unter der Dusche in der Umkleide nach der gewonnenen Kegelmeisterschaft. Sind die Haare auch gleich nass“. Den südafrikanischen Shiraz Rosé bezeichnet sie als „Rooibostee vom Vortag“.
Für diejenigen, die der Printversion nachtrauen: Die App bietet im Gegenzug einige Vorteile. Anhand der Suchfunktion lässt sich schneller das gewünschte Ergebnis finden. Diesmal können Weinliebhaber zum Beispiel auch nach Biowein suchen. Auch die Unterteilung in verschiedene Rebsorten ist möglich - das ging im Buch nicht.
Bei den Verkostungen verteilt Eich keine Parker-Punkte, die in der Branche der Weinkritiker der Maßstab aller Dinge sind. Der weltweit einflussreichste Weinkritiker Robert Parker benotet die Weine auf einer Skala von 50 bis maximal 100 Punkten.
Cordula Eich vergibt Blitze als die schwächste Benotung („Operation gelungen – Patient tot!?! Böse Falle. Wein grob fehlerhaft“), keine Bewertung („Nichts? Genau! Nichts! Nach 3 Stunden im Wartezimmer geht man unverrichteter Dinge wieder nach Hause … Die Schmerzen sind inzwischen sowieso von selbst vorbei gegangen…), ein Glas („Pusten, Pflaster drauf, Küsschen von der Mama … Alles wieder gut!
(Simpel und unspektakulär)“), zwei („Praktikant, der später mal Professor werden will. Jeder gute Arzt hat mal mit Fieber und Blutdruck messen angefangen. (Die Ambitionen sind schon zu erkennen, die Leistung ist auf angemessenem Anfängerniveau.)“), drei („Die Forschungsgruppe erzielt überdurchschnittliche Ergebnisse. Allen Probanden geht es gut und der Durchbruch naht! (Hier zeigt sich echtes Potential.)“) oder vier Gläser („Nach Einnahme des geheimen Wundermittels ist man nicht nur genesen, sondern fühlt sich fitter als je zuvor! Zugreifen!“ „Doch mit der App fallen die Ergebnisse mit weniger als drei Gläsern unter die Eichsche Schweigepflicht“, scherzt die Weinexpertin.
Die Besten werden mit einem S ausgezeichnet – „Super Schoppen! Geheilt und dann auch noch mit dem Chefarzt die große Liebe gefunden. Perfektes Glück!“ Mehr als 150 Tropfen haben diese Auszeichnung erhalten. Verkostet wurden Weine aus den Supermarktketten Aldi Süd, Aldi Nord, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Norma, Penny, Rewe und Rossmann.