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Ecovin-Veranstaltung Die besten Bioweine 2019

Biowein ist nicht gleich Biowein, denn beim Öko-Weinanbau dominieren zwei Grundrichtungen. Ein Überblick über ökologische Weine.
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Ranking 2019: Die besten Bioweine Quelle: Jürgen Röder
Ecovin-Veranstaltung

In diesem Jahr reichten Winzer mehr als 600 Weine ein.

(Foto: Jürgen Röder)

Oppenheim Früher galt noch der Spruch: „Biowinzer haben keine Kunden, nur Sympathisanten“. Das entspricht längst nicht mehr der Realität. Bioweine sind – wie andere Biolebensmittel auch – in unserer Gesellschaft angekommen. Das zeigte jüngst noch die jährliche Verkostung des Bioweinverbands Ecovin.

Denn Bioweine liegen im Trend. In Deutschland hat sich die Fläche, auf der Reben nach biologischen Grundlagen angebaut werden, von 2007 bis 2017 verdoppelt. Mittlerweile arbeiten 727 Betriebe nach diesen Richtlinien, das entspricht 4,3 Prozent aller deutschen Weingüter und rund sieben Prozent der gesamten Anbaufläche.

Der Unterschied zum normalen Weinbau liegt insbesondere in der Bearbeitung der Weinberge. Es ist zudem der ideologische Ansatz, der den Unterschied ausmacht: Er hat das Ziel, ein ausbalanciertes Ökosystem im Weinberg zu erhalten. Doch Bio ist nicht gleich Bio. So wie es bei den Grünen Fundis und Realos gibt, dominieren beim Öko-Weinanbau zwei Grundrichtungen: biologisch-organischer Weinbau, der auf naturnahe Bewirtschaftung und auf den Verzicht von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln setzt, und biologisch-dynamischer Weinbau.

Bei den Anhängern der Biodynamik dominiert die Lehre des Anthroposophen Rudolf Steiner. Dabei werden unter anderem mit Kuhmist gefüllte Kuhhörner vergraben, nach Monaten wieder ausgegraben und der Inhalt mit Wasser verdünnt auf die Blätter gespritzt. Vergleichbar ist das mit der Homöopathie beim Menschen. Auch Mondphasen werden berücksichtigt. Das können Weinliebhaber belächeln oder begrüßen.

Aus eigener Erfahrung gelten aber folgende Grundsätze: Ein Biowein ist automatisch kein guter Wein. Aber von den Top-Weingütern in den Regionen arbeiten viele nach biologisch-dynamischen Richtlinien, oftmals ohne dass in den Vordergrund zu stellen. Das hängt vermutlich mit der intensiveren Pflege des Bodens zusammen.

Doch was sind die besten Bioweine hierzulande? Um diese Frage zu beantworten, veranstaltet der Bioweinverband Ecovin jährlich eine Verkostung. Die prämierten Weine gelten dann als Ecowinner. Voraussetzung für solch einen Titel: mindestens 85 Punkte von maximal 100 Zählern, maximal aber 20 Prozent einer jeden Kategorie. Am Ende konnten sich 33 Weingüter über eine Platzierung in einer der insgesamt 17 Kategorien freuen.

In diesem Jahr reichten Ökowinzer mehr als 600 Weine ein. Diese Weine aus allen Bioweinverbänden (Ecovin, Demeter, Bioland, Naturland und EU-Bio) wurden in insgesamt 13 Kategorien unterteilt – von Schaumweinen, leichten und alkoholreicheren Weiß- und Rotweinen, jeweils trocken und halbtrocken, mit und ohne Holzfasseinfluss über Süßweine und experimentelle Weine wie zum Beispiel Orange-Weine. Das sind – vereinfacht gesagt – Weißweine, die wie Rotweine ausgebaut werden.

Eine stärkere Bedeutung bei Bioweinverkostungen bekommen mittlerweile sogenannte Piwi-Weine, hergestellt aus pilzwiderstandsfähigen neuen Rebsorten wie Johanniter oder Cabernet Blanc, die den Weinbau auch in Zeiten des Klimawandels sichern sollen.

Bislang haben Piwi-Rebsorten lediglich einen Marktanteil von etwa drei Prozent der Anbaufläche in Deutschland. Der größte Teil entfällt auf den schon länger eingeführten Regent, dem Experten aber keine Zukunft geben. Der Direktor des Julius-Kühn-Instituts für Rebenzüchtung auf dem Geilweilerhof in Siebeldingen, Reinhard Töpfer, erwartet, dass es in zehn Jahren bereits zehn Prozent sein werden: „Der Klimawandel wird uns zu einem Sortenwandel zwingen.“

Doch egal, um welche Rebsorten es sich handelt: Solch eine Prüfung ist nicht vergnügungssteuerpflichtig, das kann ich als einer von 31 Juroren bei der Ecowinner-Veranstaltung nur bestätigen. Schauen, schwenken, schnüffeln, schmatzen und schlürfen, spucken und anschließend (weg-)schütten. Dann den Wein bewerten. Die Reihenfolge bei einer professionellen Weinverkostung ist klar strukturiert. Bewertet wird nach dem internationalen 100-Punkte-Schema. Der Vorteil solch einer Verkostung: Man gewinnt schnell einen Überblick.

Bei der Ecovin-Veranstaltung mit Verkostungsleiter Peer F. Holm (Präsident der Sommelier-Union) mussten innerhalb von zwei Stunden 60 Weine verkostet und bewertet werden. Blind, was bedeutet: Jeder Verkoster kennt nur den Jahrgang, die Rebsorte, die Qualitätseinstufung (Kabinett, Spätlese usw.) und die Geschmacksrichtung (trocken, halbtrocken usw.).

Wer glaubt, dass solche Bewertungen immer neutral sind, der irrt. Ein Sommelier einer Jury beispielsweise denkt zwangsläufig oft an die passenden Speisen, ein Händler eher an den Verkaufserfolg des Weines, der vor einem im Glas steht. Aber die anschließende Punktezahl ist ein wichtiger Anhaltspunkt, weil fast immer Bewertungen von mehreren professionellen Weintrinkern mit einfließen.

So mancher Wein fand unter den Jurymitgliedern sogar seinen ganz persönlichen Liebhaber. Für Johannes Winz vom spanischen Wein- und Sherryunternehmen Gonzales Byass zeigt die 2012er-Scheurebe vom Weingut April, „dass wir in Deutschland keinen Sauvignon Blanc brauchen!“

Weinhändler Martin Kössler (K&U Weinhalle) zeigt sich überrascht vom Gewinner in der Kategorie leichte Rotweine, dem 2012er-Trollinger mit Lemberger von den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu. Für ihn bildeten die zwei wenig populären Rebsorten einen zeitgemäßen Wein mit wunderbarem Spiel.

Für mich als Juror der Gruppe Schaumweine und kräftige Rotweine ohne Holzeinsatz ergaben sich zwei Aspekte bei der Verkostung: Die Qualität der Schaumweine wird von Jahr zu Jahr besser, ein gemischtes Bild zeigten eher die Rotweine. Allerdings gefielen mir die beiden Lemberger, die internationales Format aufwiesen. Der komplexe Lemberger, Jahrgang 2017 vom Weingut Schäfer-Heinrich, war zu Recht ein Ecowinner.

Mehr: Wenn Sie Verkostungsleiter Peer F. Holm im Video-Interview sehen möchten, folgen Sie dem Handelsblatt auf Instagram.

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