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Hans Kilger im Interview Wirtschaftsprüfer als Winzer – Wie ein Quereinsteiger die Branche belebt

Der Steuerberater Hans Kilger züchtet Bisons und Wasserbüffel in Rumänien und stellt Wein in Österreich her. Und: Er will weitere Produkte entwickeln.
05.12.2019 - 13:30 Uhr Kommentieren
Mit dem 30 Hektar großen Weingut Domaines Kilger hat der gelernte Steuerberater eines der wichtigsten Güter der süd-westlichen Steiermark aufgebaut. (Foto: Hans Kilger)
Hans Kilger

Mit dem 30 Hektar großen Weingut Domaines Kilger hat der gelernte Steuerberater eines der wichtigsten Güter der süd-westlichen Steiermark aufgebaut.

(Foto: Hans Kilger)

München Vom Steuerberater und Wirtschaftsprüfer zum Winzer und Viehzüchter: Hans Kilger geht neue Wege. Zusätzlich zu seiner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Bayern Treuhand mit rund 60 Mitarbeitern hat er in der rumänischen Region Transsylvanien vor zehn Jahren mehr als 2000 Hektar Land gekauft und züchtet dort rund 1000 Bisons, Wasserbüffel und Hirsche. 2015 kam ein Weingut in der Weststeiermark mit mittlerweile 30 Hektar Anbaufläche hinzu.

Und im vergangenen Jahr eröffnete er in München nach längerer Renovierung ein kleines Weinhäusel, ein altes Herbergsanwesen aus dem frühen 19. Jahrhundert am Wiener Platz. Natürlich auch, um sein Fleisch und seine Weine dort zu verkaufen. Alle Produkte stehen auf hohem Niveau. „Die kulinarische Welt eines Bessermachers“, würdigte ihn das Weinmagazin Falstaff.

Bei dem Gespräch mit dem gelernten Steuerberater wird klar: Seine Aktivitäten in der Genusswelt sind noch lange nicht abgeschlossen. Ständig hat er neue Produkte im Kopf und präsentiert plötzlich Edelbrände von höchster Qualität, die er zusätzlich verkaufen will. Doch was treibt einen Steuerberater an, ausgerechnet in die Landwirtschaft zu investieren?

Herr Kilger, wie sind Sie aus der Welt der Zahlen und der Beratung in die Welt des Genusses und der landwirtschaftlichen Produktion gekommen?
Die Finanzkrise der Jahre 2007/2008 war der Grund, warum ich in die Landwirtschaft investiert habe. Damals habe ich den Glauben an die Finanzindustrie verloren. Wenn man genau nachdenkt, kommt man zu dem Schluss, dass die Landwirtschaft bisher jeder Weltwirtschaftskrise getrotzt hat. Deswegen bin ich diesen Schritt gegangen.

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    War das also eine reine rationale und ökonomische Entscheidung?
    Nein. Hinzu kommt, dass ich gerne gut esse und trinke, vor allem Produkte aus einer nachhaltigen Produktion. Das Weingut in der Steiermark ist zwar kein Bioweingut, aber wir verzichten soweit es geht auf chemische Spritzmittel. Und in Rumänien haben die Rinder freie Wildbahn. Jedes Tier hat bis zu 2,5 Hektar Lebensraum.

    In Rumänien besitzt Hans Kilger rund 2000 Hektar Weidefläche. (Foto: Hans Kilger)
    Bisons auf der Weide

    In Rumänien besitzt Hans Kilger rund 2000 Hektar Weidefläche.

    (Foto: Hans Kilger)

    Haben Sie sich vor dem Erwerb der Weidefläche und des Weingutes die Zahlen angeschaut?
    Was das angeht, bin ich natürlich vorbelastet. Bevor ich irgendetwas mache, habe ich einen Business-Plan im Kopf. Solch ein Projekt hobbymäßig zu betreiben, ist auch nicht nachhaltig. Ich möchte etwas schaffen, was über mehrere Generationen betrieben werden kann. Das gelingt nur, wenn man auch nachhaltig Geld verdient.

    Haben Sie sich denn vorher beraten lassen?
    Natürlich. Ich habe Weinbauern als Partner, auf deren Expertise kann ich immer wieder zurückgreifen. Das gleiche gilt für die Rinderzucht. Ich kenne einen Züchter mit 30 Jahre langer Erfahrung in der Branche. Die Finanzierung dieser Projekte habe ich geplant. Das ist doch eine Win-Win-Situation, weil viele Winzer mit Projektfinanzierung nicht so viel anfangen können.

    Meiner Erfahrung nach können Berater die Schwächen und Stärken eines Unternehmens exzellent analysieren, tun sich aber schwer mit Entscheidungen. War das für Sie ein Problem?
    Ganz ehrlich: Ich teile ihre Meinung zu 100 Prozent. Aber ich habe folgenden Vorteil: Seit 20 Jahren bin ich an Unternehmen beteiligt, bin also selbst Unternehmer. Deshalb habe kein Problem mit dem Aufbau von Firmen und Entscheidungen zu treffen.

    Was sind das Weinhäusl hier in München, das Weingut in der Steiermark und die Rinderzucht in Rumänien? Einfach nur ein teures Hobby? Oder haben Sie klare Renditeziele?
    Für mich ist das zuerst einmal eine Lebensaufgabe sowie zugleich Hobby und Passion. Aber natürlich habe ich klare Renditeziele, weil das Projekt nachhaltig angelegt ist. Ich will mit einem hohen ethischen Ansatz expandieren und gleichzeitig Geld verdienen.

    Wenn Sie die Zahlen ihrer Beteiligungen einem anderen Wirtschaftsprüfer vorlegen, was würde der wohl antworten? Würde der die Hände über den Kopf schlagen? Oder würde er Ihnen anerkennend auf die Schulter klopfen und sagen: Alles richtig gemacht, Herr Kilger?
    Ich habe gerade meine Beteiligungen in der Landwirtschaft umstrukturiert und die Unternehmensbewertungen testieren lassen. Da wurde mir quasi ein Ritterschlag gegeben von dem Wirtschaftsprüfer. Ich habe die Dachgesellschaft in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien umgewandelt. Vinophile Freunde, die an nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktion interessiert sind, können sich mit bis zu 20 Prozent an dem Unternehmen beteiligen. Vor diesem Schritt habe ich alles von einem Wirtschaftsprüfer analysieren lassen.

    Auf sämtlichen Etiketten der Domaines-Kilger-Weine ist ein Koffer zu sehen, das Markenzeichen für die vielen Reisen von Hans Kilger.  (Foto: Hans Kilger)
    Kilger-Flaschen

    Auf sämtlichen Etiketten der Domaines-Kilger-Weine ist ein Koffer zu sehen, das Markenzeichen für die vielen Reisen von Hans Kilger.

    (Foto: Hans Kilger)

    Sprechen wir mal über das Weingut in der Steiermark: Meiner Erfahrung nach ist der Verkauf der Weine immer das größte Problem. Wie haben Sie den Vertrieb organisiert?
    Ich gehe einen komplett anderen Weg. Üblich ist doch: Ein Teil wird ab Hof verkauft, ein Teil geht an den Fachhandel. Etwas wird über den Lebensmitteleinzelhandel verkauft, Premium-Hersteller wenden sich an den Fachhandel.

    Und welchen Weg gehen Sie?
    Ich versuche, meine Weine über die Gastronomie, speziell die Top-Gastronomie zu verkaufen. Aber das ist nur ein Mittel zum Zweck, um letztendlich an den Endkunden zu gelangen.

    Was aber auch nicht ungewöhnlich klingt.
    Nein, aber wir haben schon vieles erfolgreich umgesetzt. Wir sind beispielsweise exklusiver Weinlieferant für die Murhof-Golfgruppe in Österreich geworden. Das Unternehmen hat 24.000 Golfspieler als Mitglieder. Und wir versuchen hier in München mit einer Marketing-Truppe das Onlinegeschäft zu forcieren. Ich sehe dabei ein riesiges Potenzial, auch für eher ungewöhnliche Dinge.

    Haben Sie ein Beispiel?
    Wir werden beispielsweise bis zu 100 Automaten aufstellen. Da können unsere Kunden 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche gekühlte Weine und gekühltes Fleisch sowie Wurstwaren kaufen. Jeder Kauf wird online registriert und der Automat kann sofort wieder aufgefüllt werden.

    Weinverkauf per Automat? Glauben Sie, dass so etwas funktioniert?
    Den ersten Automaten haben wir schon aufgestellt. Der ist sensationell gut angenommen worden.

    Wie sind Sie auf diese ungewöhnlichen Etiketten mit dem Koffer für die Weine gekommen?
    Wir haben etwas gesucht, was für meine Person steht. Da ich viel unterwegs bin, ist der Koffer das Ergebnis. Die Suche hat länger gedauert. Man muss so etwas, wie auch die anderen Dinge, professionell anpacken. Das Ergebnis ist, dass wir mit diesen Weinetiketten Preise gewonnen haben. Neulich haben ich den österreichischen Starkoch Johann Lafer getroffen, der von den Weinen und den Etiketten begeistert war. Meine Devise lautet: Tue Gutes, rede darüber und setze das online um.

    Sie haben die Steiermark als maximal unentdecktes Weinanbaugebiet bezeichnet. Wie wollen Sie denn das Potenzial dieser Region heben?
    Der Vorteil der Region ist, dass es dort viele Winzer mit langjähriger Erfahrung gibt. Für mich ist beispielsweise der Sauvignon Blanc aus der Südsteiermark weltweit führend. Weinkenner wissen das. Und das gilt es hervorzuheben

    Wie sind sie eigentlich für ihre Unternehmungen in München, Rumänien und Österreich auf den französischen Namen Domaines Kilger gekommen?
    Das hängt in erster Linie mit meinem jährlichen Urlaub an der Côte d'Azur zusammen und auch mit den französischen Produktionsmethoden für Weine. Die sind in vieler Hinsicht für uns Vorbild. Da ist es zweckmäßig, das Weingut auch als Domaines zu bezeichnen. Zudem werden unsere Farmbetriebe auch unter Domaines firmieren.
    Sie wollen aber kein weiteres Weingut in Südfrankreich kaufen, oder?
    Nein, ich bleibe der Region Steiermark und Burgenland treu und arbeite lieber daran, alle Rebsorten in herausragender Qualität herzustellen. Ich glaube auch daran, dass wärmere Weinanbauregionen unter dem Klimawandel leiden werden, die Steiermark aber beispielsweise davon profitieren wird.

    Herr Kilger, vielen Dank für das Gespräch.

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