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Italienischer Schaumwein Die fünf wichtigsten Prosecco-Regeln

Weltweit jede vierte Flasche Schaumwein ist ein Prosecco aus Norditalien. Wie man ihn richtig genießt, zeigen fünf Regeln – und vier Empfehlungen.
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Prosecco sollte nicht zu lange im Glas verweilen. Quelle: dpa
Kühler Genuss

Prosecco sollte nicht zu lange im Glas verweilen.

(Foto: dpa)

Lamporecchio ist kein Dorf, das man unbedingt kennen müsste. Es liegt im Norden Italiens, hat knapp 7.500 Einwohner und als Attraktion, allerdings in einigen Kilometern Entfernung, das Geburtshaus Leonardo da Vincis zu bieten. Aber der Norden Italiens ist eben auch der Herkunftsort des Prosecco – was die Bewohner von Lamporecchio laut dem Wein-Fachmagazin Merum nun dazu veranlasste, entsprechende Regeln aufzustellen, wie der Schaumwein korrekt zu genießen ist.

Da wird dann auch mit einigen Mythen aufgeräumt, die sich hartnäckig halten. So soll man zum Beispiel mit dem Trinken nicht warten, bis alle Gäste etwas in ihrem Glas haben, sondern bereits vorher anfangen. Das hat vor allem damit zu tun, dass man einen Prosecco unbedingt sehr kalt trinken sollte – im Gegensatz etwa zum Champagner.

Ob nun diese Regeln wirklich in Lamporecchio entstanden sind, lässt sich nicht überprüfen und ist auch zweitrangig. Denn sie haben ihre Berechtigung. Hier fünf Regeln zum korrekten Umgang mit dem Prosecco:

Prosecco darf man wegkippen

Stellt man beim Trinken fest, dass er eine mindere Qualität hat, ruhig davon etwas an einem angemessenen Ort (Terrasse, Toilette, Garten, Blumenkästen) wegkippen. Wobei sich beim zweiten Punkt leicht Anfänger von Profis unterscheiden lassen. Der geübte Prosecco-Trinker kippt nur die Hälfte weg, damit nicht wieder sofort nachgeschenkt wird.

Trinken Sie Prosecco kalt

Man sollte diesen Schaumwein nicht zu lange im Glas lassen, wie die Bewohner von Lamporecchio empfehlen. Denn er wird anders hergestellt. Wer Prosecco beispielsweise mit Champagner vergleicht, liegt nur in einem Punkt richtig: Beide Schaumweine erleben nach der Herstellung als Stillwein eine zweite Gärung: der Champagner in der Flasche, der Prosecco aber (fast immer) in großen Stahltanks. Damit enden bereits die Gemeinsamkeiten.

Das alles hat natürlich Einfluss auf die Art des Trinkens: Während ein gekühlter Champagner mit zunehmender Wärme zusätzliche Aromen freisetzt, lautet das Motto beim italienischen Schaumwein: kalt trinken, zwischen sechs und acht Grad Celsius. Je wärmer er wird, desto mehr Frische verliert er.

Das entspricht auch dem unterschiedlichen Image: Der französische Schaumwein aus der Region nördlich von Paris steht für Luxus, der italienische eher für ein beschwingtes, unbeschwertes Lebensgefühl.

Prosecco nicht lange lagern

Während Basis-Champagner mindestens 15 Monate in der Flasche reifen müssen, sollte der Prosecco spätestens 15 bis 24 Monate nach der Ernte bereits getrunken werden. Denn er wird im Gegensatz zu vielen Champagner nicht besser, wenn er jahrelang im Keller liegt. Im Gegenteil, er verliert seine typische Frische.

Der Prosecco sollte eine helle strohgelbe Farbe haben und bietet Aromen von frischen Früchten wie Apfel und Birne, hinzu kommen helle Blüten. Alles andere ist kein typischer Prosecco.

Die Unterschiede sind auch in den Trauben begründet: Während die Franzosen hauptsächlich aus Chardonnay, Spätburgunder (Pinot Noir) und Pinot Meunier (Müllerrebe) ihre Cuvées herstellen, dominiert für Prosecco nur eine Traube: Glera. Jeder Prosecco besteht zu mindestens 85 Prozent aus dieser Traube. Die Rebsorte hat eine deutliche Säure, gut für einen Schaumwein. Das gibt dem Prosecco eine leichte Struktur und eine große Bandbreite an verschiedenen Fruchtaromen.

Trinken Sie Prosecco Spumante

Obwohl Deutschland in den vergangenen Jahren mit zu den Schaumweinweltmeistern zählte, fristen gute Prosecco hierzulande eher ein Nischendasein. Getrunken wird deutlich mehr die Frizzante-Version mit weniger Kohlensäure gegenüber dem Spumante mit mindestens einem Druck von 3,5 bar.

Diese beiden Versionen sind bereits optisch leicht zu unterscheiden. Beim Spumante wird der typisch pilzförmige Sektkorken verwendet, wie man ihn auch bei Champagner benutzt. Zusätzlich wird der Korken noch durch einen Drahtkorb (Fachbegriff Agraffe) gesichert.

Da beim Frizzante der Flaschendruck maximal 2,5 bar betragen darf, reicht hier ein einfacher Korken, welcher mit einer Schnur oder einem Bindfaden gesichert wird. Dieser Kordelverschluss ist typisch für einen Frizzante, dadurch erkennt man die Flaschen auf Anhieb in den Regalen. Allerdings gibt es mittlerweile eine wachsende Zahl an Flaschen mit Kronkorken oder Schraubverschlüssen.

Das alles hat steuerliche Ursachen: Für einen Spumante fällt Sektsteuer an, ein Frizzante kostet also von vornherein 1,20 Euro weniger. Doch wer einmal einen Spumante im Vergleich zu einem Frizzante probiert hat, wird feststellen: Die teurere Version lohnt sich. Die Perlage, die Perlenbildung im Glas, ist beispielsweise deutlich üppiger.

Ein Blick auf die Produktionszahlen zeigt auch, dass deutsche Schaumweintrinker mit ihrem Geschmack in der Minderzahl sind: Der Anteil an Spumante liegt bei 83,32 Prozent, 16,63 Prozent Frizzante, der Rest von 0,05 Prozent sind Stillweine. Doch ohne Bläschen schmeckt die Rebsorte Glera eher zu dünn und zu säurebetont.

Für Kenner lohnt sich ein „Hügel-Prosecco“

Die Prosecco-Welt ist riesig: Das Weinanbaugebiet ist mit einer Fläche von 24.450 Hektar eines der größten in Italien, aufgeteilt auf die zwei Regionen Venetien und Friaul/Julisch-Venetien. Jeder vierte Schaumwein weltweit ist ein Prosecco. Im vergangenen wurden 464 Millionen Flaschen abgefüllt.

2009 wurde die Region zu einem DOC-Gebiet aufgewertet. Damit hat Prosecco eine „kontrollierte Ursprungsbezeichnung“. Die regelt, welche Trauben auf dem Gebiet angebaut werden und wie sie ausgebaut werden dürfen.

Der Champagner steht für Luxus, der Prosecco eher für ein beschwingtes, unbeschwertes Lebensgefühl. (Foto: Marc Deriaz on Unsplash)
Italiener statt Franzose

Der Champagner steht für Luxus, der Prosecco eher für ein beschwingtes, unbeschwertes Lebensgefühl.

(Foto: Marc Deriaz on Unsplash)

So darf sich beispielsweise ein Schaumwein aus dem Zapfhahn nicht Prosecco nennen, auch ein Rosé (noch) nicht. Aber bei dem zweiten Beispiel hoffen die Produzenten, dass sich bald etwas ändert. Denn die Nachfrage nach roséfarbenem Schaumwein aus der Region ist vorhanden.

Doch es gibt auch zwei sogenannte DOCG-Gebiete innerhalb der Region. Der Buchstabe G steht für „garantiert“, also eine „garantierte kontrollierte Ursprungsbezeichnung“, mit noch strikteren Regeln für den An- und Ausbau. Die beiden hügeligen Gebiete Conegliano-Valdobiadene und Asolo haben eine Gesamtanbaufläche von etwas mehr als 6.000 Hektar. Diese DOCG-Prosecco sind deutlich teurer: Sie kosten ab zehn bis teilweise über 60 Euro. In Rive, einer Unterregion von Conegliano-Valdobiadene, werden die Trauben ausschließlich per Hand gelesen.

Bei Verkostungen fällt auf: Viele DOCG-Prosecco sind ihren höheren Preis wert. Und einen DOCG-Prosecco in einen Blumenkübel zu schütten, wäre Frevel. Denn an solch einen Schaumwein haben Bewohner von Lamporecchio garantiert nicht gedacht, wenn es um mindere Qualität geht.

Mehr: Was macht Champagner so begehrt und teuer? Und ist eine Flasche wirklich 35.000 Euro wert? Unser Dossier gibt Einblicke in die Welt der prickelnden Perlen.

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