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Kleiderordnung an Schulen Debatte zwischen Dresscode und Sexismus

Junge Frauen sollen anziehen, was sie möchten – aber bitte nicht zu viel Haut zeigen. Das Verbot von Hotpants an einer süddeutschen Schule sorgt für das Comeback einer hitzigen Debatte um Selbstbestimmung und Sexismus.
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Zwischen Ästhetik und Provokation
Hitzewelle in Berlin
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Bei heißem Wetter ist jede Abkühlung willkommen: T-Shirts, kurze Hosen und luftige Schuhe wie Flipflops haben bei über 30 Grad Hochkonjunktur. Insbesondere Mädchen in ultrakurzen Hosen, sogenannten „Hotpants“ ziehen die Blicke vieler Männer auf sich. In der Schule und im Beruf könnte zu viel Haut Probleme bereiten, mahnen Sittenwächter. „Einfach ausprobieren“, meinen Mode-Experten.

(Foto: dpa)
Sommertrend ultrakurze Hosen
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Fünf Mädchen in kurzen Hosen: Sie sind überall - und wer behauptet, nicht hinzuschauen, lügt. Ultrakurze Hosen junger Frauen und Mädchen dominieren in diesem Sommer die deutschen Fußgängerzonen. Sie kamen Modeexperten zufolge zwar schon vor fünf Jahren wieder auf - doch jetzt sind sie zur Alltagsmode geworden. Wer schöne Beine habe, könne sie auch zeigen. „Das provoziere heute kaum noch jemanden“, sagt die Geschäftsführerin des Verbandes deutscher Mode und Textildesigner, Mara Michel.

(Foto: dpa)
Unwetter in Hannover
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Mädchen mit Hotpants im Regen: „Ihre Eltern schocken sie damit nicht, die haben es in den 60er und 70er Jahren ja vorgemacht.“ Doch nicht alle nehmen das Thema so leicht. An einigen Schulen stören sich Lehrer, Eltern oder auch Mitschüler an den Hotpants. Mütter und Väter fürchten, ihr Sohn könne bei der vielen Haut das Lernen vergessen. Zum Teil gelten an Schulen sogar Verbote unangemessener Kleidung.

(Foto: dpa)
Hotpants II
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Provokation auf zwei Beinen? Am Evangelischen Heidehof-Gymnasium in Stuttgart zum Beispiel gibt es für Schüler, die sich unpassend anziehen, schwarze und graue XXL-T-Shirts zum Überziehen. So groß, dass sie fast bis zu den Knien reichen. Zum Einsatz gekommen seien die Shirts zwar fast noch nie, sagt Schulleiter Berthold Lannert. Aber die Klassenlehrer frischen die Erinnerung daran bei den Schüler immer wieder auf - zu Beginn der warmen Jahreszeit. Mit Prüderie habe das nichts zu tun.

(Foto: dpa/picture-alliance)
HotpantsIII
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„Schule ist praktisch die Arbeitsumgebung und da sollte man so etwas nicht anziehen. Schule ist kein Laufsteg“, sagt Schulleiter Berthold Lannert. Die Idee dahinter: „Wir wollen das Gefühl dafür stärken, wann etwas anfängt, peinlich zu sein - immer im Dialog mit den Schülern.“ Die Wahrheit liegt dann vielleicht irgendwo zwischen Bikinihose und Jeans. Denn was peinlich ist, sieht wohl jeder ein bisschen anders.

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HotpantsIV
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Zwei Mädchen in Hotpants an einem Brunnen: „Ich bin immer der Meinung: Dem Anlass entsprechend“, findet der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Realschullehrer, Jürgen Böhm. Dialog sei hier der Schlüssel. Lehrer müssten Schülern auch Freiheit und Individualität zugestehen. „Wenn die Hosen zu kurz werden und der halbe Hintern raushängt, wird es schwierig.“ Bei vielen ist hier auch auf der Straße die Schmerzgrenze überschritten.

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HotpantsI
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Hochrechnung von hinten: Parteiübergreifender Trend: Die „Hotpants“ sammelt Pro- und Contra-Stimmen im Mode-Sommer.

(Foto: dpa/picture-alliance)

Stuttgart In den 60er Jahren waren Miniröcke ein Aufregerthema, heute sind es die Hotpants: Heiße Temperaturen entfachen an deutschen Schulen allsommerlich die Diskussion über die angemessene Kleidung für den Unterricht. In Horb am Neckar hat nun eine Werkrealschule in einem Elternbrief die vorläufige Regel aufgestellt: „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants...), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss.“ Eine endgültige Kleiderordnung werde noch gemeinsam mit Schülerinnen, Schülern und Eltern erstellt.

Fragt sich nur, für wen aufreizend und warum: Die Antwort gibt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. Man müsse sich in die heranwachsenden jungen Männer hineindenken. „Da geht mit dem einen oder anderen das Kopfkino durch.“ Damit sei die Ablenkung vom Unterricht programmiert. Überdies sei die Schule ja kein Laufsteg. Appelle für weniger luftige Bekleidung seien für Lehrer aber heikel, weil manche Eltern auf Persönlichkeitsrechte der Kinder pochten und letztere zu Trotzreaktionen neigten. „Man kann als staatliche Schule eine dezentere Kleidung genauso wenig anordnen wie eine Schuluniform.“

Der Argumentation, die kurzen Hosen lenken vom Unterricht ab, halten Frauen entgegen, dass es doch die Männer seien, die den weiblichen Körper sexualisieren. Quelle: dpa
Hot Pants oder nicht?

Der Argumentation, die kurzen Hosen lenken vom Unterricht ab, halten Frauen entgegen, dass es doch die Männer seien, die den weiblichen Körper sexualisieren.

(Foto: dpa)

Das sei an Privatschulen viel einfacher, weil dort über privatrechtliche Verträge viel geregelt werden könne. Am Stuttgarter Heidehof-Gymnasium etwa, einer evangelischen Privatschule, liegen XXL-T-Shirts bereit; sie sollen unziemliche Blößen bedecken.

Auch die Horber Schule rechnet wohl mit Elternkritik, denn in dem Brief heißt es: „Es geht uns dabei nicht um die Unterdrückung der Individualität Ihres Kindes.“ Vielmehr solle die Regelung beitragen zu einem „gesunden Schulklima, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden“.

Im Kultusministerium sagt eine Sprecherin: „Die Schule ist nicht berechtigt, die eigene Moralvorstellung zum Gradmesser für eine korrekte Kleidung zu machen.“ Kleiderregeln oder gar Vorschriften gebe es an öffentlichen Schulen nicht. Gefährde ein sexy Outfit allerdings die Ordnung des Unterrichts, dürfe die Schule eingreifen.

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