Die Avocado

Gesund, geschmackvoll, geliebt. Aber nicht alles ist gut mit der grünen Frucht.

(Foto: Thought Catalog on Unsplash)

Kolumne: Abgeschmeckt Avocado – Superfood fürs schlechte Gewissen

Grün, gesund, geschmackvoll: Die Deutschen lieben Avocados. Aber die Früchte haben eine richtig miese Ökobilanz. Dürfen wir die überhaupt noch essen?
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DüsseldorfAch, Avocado. Du Lieblings-Superfood. Ob zermatscht als Guacamole, als Power-Zutat im Salat oder als Schicht im Burger, direkt aufs Brot oder – ja, das geht auch! – im Cheesecake: Du grünes Ding kannst doch fast alles (sogar Haarpflege und Gesichtsmaske, aber das ist ein anderes Thema).

Die Avocado ist eine Vitaminbombe, Speicher für gesunde ungesättigte Fettsäuren und aus der veganen Küche nicht wegzudenken. Sie hilft beim Abnehmen und, last but not least, schmeckt.

Das ist ja bei gesunden Lebensmitteln so eine Sache. Denn beim Satz „An den Geschmack kann man sich gewöhnen“ lasse ich das Rezept in der Regel schon fallen. Aber darf man Avocados überhaupt noch essen?

„Hast Du da kein schlechtes Gewissen?“, murmelt eine Kollegin beim gemeinsamen Mittagssnack, als ich in meinen Avocado-Wrap beiße. Mit einem Ton, als hätte ich da einen Hundewelpen eingewickelt. Und ein Bekannter, Veganer, der garantiert immer einen Tipp zum Weltverbessern parat hat, postet im Netz unter dem Bild des Cheesecakes: „Avocados? Gehen ja gar nicht.“

Die vehemente Ablehnung kommt plötzlich – und verwirrt. Haben wir die Avocado, die Botaniker als Beere einordnen und die zu den Lorbeergewächsen zählt, gefühlt nicht gerade erst zum Superfood Nummer eins gekürt?

Die grüne Furcht inspiriert Köche und Fotografen gleichermaßen. Quelle: Brenda Godinez on Unsplash
Avocado Art

Die grüne Furcht inspiriert Köche und Fotografen gleichermaßen.

(Foto: Brenda Godinez on Unsplash)

Während die Deutschen 2008 knapp 20.000 Tonnen Avocados importierten, waren es laut Statistischem Bundesamt 2017 schon mehr als 70.000 Tonnen.

Wir lieben sie! Wir verehren sie! Davon zeugen auch Tausende Beiträge und wahre Avocado-Kunstwerke in den sozialen Medien. Aber genau diese Leidenschaft ist das Problem.

Avocados wachsen in Europa nur in Spanien, weitaus mehr Früchte beziehen wir aus Peru und Chile. Bevor wir also in deutschen Küchen unsere Messer in ihre Schalen rammen können, haben die grünen Alleskönner eine weite, schadstofflastige Schiffreise hinter sich, wenn nicht gar eine noch umweltschädlichere Flugreise.

Infografik: Avocados boomen | Statista

Vor allem aber ist es der enorme Ressourcenverbrauch, der einem den Appetit auf Avocados vergehen lassen kann: Für die begehrte Beere werden Wälder abgeholzt, und mehr als 2.000 Liter Wasser sind nötig, um am Ende ein Kilo Avocados ernten zu können.

Das ist etwa zehnmal so viel wie bei Tomaten – dabei weiß jeder, der schon mal eine Tomate hochgezogen hat, wie durstig diese Nachtschattengewächse sind. In Chile, einem der Hauptanbauländer, verschärft die enorme Nachfrage nach Avocados den existenziellen Wassermangel. Unter anderem der britische „Guardian“ entfachte heftige Debatten über die miese Umweltbilanz der gepriesenen Avocado.

Was also tun, wenn man ökologisch denkt, aber auf die Öko-Sünde nicht verzichten möchte? Man kann damit anfangen, eine andere abzustellen. Man könnte zum Beispiel nur noch Bio-Avocados kaufen – die benötigen im Anbau zwar ebenso viel Wasser, dafür stützt man damit keine Monokulturen, aber eher bessere Sozialstandards für die Arbeitskräfte.

Vor allem aber sind sie so viel teurer als konventionell angebaute Avocados, dass man sich automatisch der Kostbarkeit der Früchte bewusst wird und im Supermarkt vielleicht seltener zugreift.

Wenn mich das nächste Mal also ein Freund auf meinen ökologisch fragwürdigen Avocado-Heißhunger anspricht, werde ich sagen: Ja, schon klar, aber ich denke da global – und dusche an Tagen, an denen ich Avocado esse, nur ganz kurz.

In ihrer Kolumne „Abgeschmeckt“ macht sich Corinna Nohn über Foodtrends und Fragen des guten Geschmacks Gedanken.

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