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Nicolas Hulot

Und tschüss: Minister Nicolas Hulot hat hingeschmissen.

(Foto: AP)

Kolumne Haltungsnote Warum ein lautstarker Abgang nur etwas für Schwächlinge ist

Wie der französische Umweltminister träumen viele frustrierte Arbeitnehmer von einem Abgang mit Knalleffekt – der aber zeugt letztlich von Feigheit.
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Der Fall: Der französische Umweltminister Nicolas Hulot ist mehr als nur ein Politiker. Er ist eine Ikone der französischen Umweltbewegung, Bestsellerautor, Großcharismatiker. Dass so einer unter Emmanuel Macron als Minister diente, verlieh dem französischen Präsidenten eine enorme ökologische Glaubwürdigkeit. In dieser Woche hat Hulot sein Amt nach nur 15 Monaten hingeschmissen – wovon zuerst die Hörer des Radiosenders „France Inter“ erfuhren. Mit viel Emotion machte Hulot seinem Frust über die langsamen Fortschritte beim Umweltschutz Luft und erklärte dann im Interview seinen Rücktritt. Macron hatte er nicht vorab von diesem Schritt informiert.

Die Haltungsnote: Den Frust nicht länger in sich reinfressen, sondern dem Chef und all seinen Speichelleckern zum Schluss noch mal so richtig die Meinung geigen und dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden – davon träumen nicht nur französische Umweltminister, sondern Millionen frustrierte Angestellte rund um den Globus. Selten macht mal einer diesen Traum wahr und erntet dann, zumindest kurzfristig, meist Bewunderung. Gerade im protestantisch geprägten Deutschland sind wir schnell geneigt, Menschen zu applaudieren, die sich nicht verbiegen. Ganz so, als steckte uns allen noch Martin Luthers Ausspruch vor dem Reichstag von Worms in den kollektiven Knochen: „Hier steh ich nun und kann nicht anders.“

Doch wie viel Größe steckt wirklich in Hulots Prinzipienfestigkeit? Letztlich reiht er sich doch nur ein in eine lange Reihe von Überzeugungstätern, die in der Politik gescheitert sind, weil sie nicht kompromissfähig genug waren. Das hat etwas Trostloses. Wieder einer, der sich lieber in die risikolose Einflusslosigkeit verabschiedet, als im Zentrum der Macht für seine Sache zu fighten – und dafür eben auch Kompromisse zu machen. Die gehören zum Politikerberuf, so wie es zum Anwaltsberuf gehört, auch schlimmste Verbrecher mit Verve zu verteidigen. Gesinnungsethik ist in beiden Jobs ein schlechter Leitfaden.

Neben Ehrlichkeit gibt es auch noch Werte wie Loyalität und Pflichtbewusstsein. Gegen die letzteren beiden verstößt ein Minister, der seinen Präsidenten per Radiointerview über seinen Rücktritt informiert. Ebenso wie ein Angestellter, der jahrelang nicht den Mut hatte, seine Meinung zu sagen, aber nach der Kündigung noch einmal mit so richtig mit Dreck wirft. Oder ein Mensch, der nach der Trennung seinen Ex-Partner schlecht macht.

Nie beschweren, nie rechtfertigen. Quelle: dpa
Queen Elisabeth II.

Nie beschweren, nie rechtfertigen.

(Foto: dpa)

Der richtige Zeitpunkt für Ehrlichkeit liegt vorher: in der Beziehung, im Job, im Amt. Ist der Bruch erst einmal erfolgt, ist es zu spät, um den Luther in sich zu entdecken. Dann nimmt man sich besser eine andere große Protestantin zum Vorbild: Königin Elisabeth II., Oberhaupt der Church of England, mit ihrer legendären Leitlinie für den öffentlichen Umgang mit Konfliktsituationen. Die lautet „Never Complain, Never Explain“. Nie (öffentlich) beschweren, nie (öffentlich) rechtfertigen. Dieses Motto wie die Queen über Jahrzehnte durchzuhalten, beweist wahre Größe.

In seiner Kolumne „Haltungsnote“ beschäftigt sich Christian Rickens mit den großen und kleinen Stilfragen des Lebens.

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