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Kolumne: Wein und Wahrheit Die fünf verrücktesten Weine der Welt

Die Chef-Sommelière Stefanie Hehn aus dem Hamburger Fünf-Sterne-Hotel „The Fontenay“ stellt Tropfen vor, die ein Leben verändern können.
19.09.2020 - 09:59 Uhr Kommentieren
Manche Winzer lassen ihre Weine für den ganz besonderen Geschmack unter Wasser reifen. Quelle: dpa
Verrückter geht's kaum

Manche Winzer lassen ihre Weine für den ganz besonderen Geschmack unter Wasser reifen.

(Foto: dpa)

Verrückt? Verrückt! Ich habe ein Weilchen darüber nachdenken müssen, ob so eine Beschreibung überhaupt sinnvoll ist für Wein. Aber dann dachte ich mir: Ein Wein muss ja schon einiges können, um sich in meine Erinnerung wirklich jahrelang einzubrennen. Das ist dann auch schon wieder verrückt, also: Ja, ich habe wirklich ein paar sehr verrückte Weinerinnerungen, die teils sogar mein Leben verändert haben.

Als ich nach meiner Lehre die erste Stelle antrat, es war in der Speisemeisterei in Stuttgart, hatte unsere Chefsommelière Christina Hilker vom renommierten Weingut Rebholz einen Muskateller Kabinett auf dem Aperitif-Wagen. Wenn ich es recht erinnere, war er Jahrgang 2004. Ein ganz einfacher Wein eigentlich, trocken ausgebaut, hocharomatisch.

Da schmeckte ich exotische Früchte von Mango bis Passionsfrucht, andererseits roch er nach grünem Tee. Hopfen- und Holunderblüten, Ingwer, superspritzig, weil noch recht jung. Eine kalkige Mineralität. Wir durften damals von den offenen Flaschen, die am Ende der Woche übrig waren, immer mal wieder eine mit nach Hause nehmen.

Die meisten Kollegen entschieden sich für die Champagner. Diesen Muskateller hatte ich deshalb immer für mich allein, und er macht mir bis heute Spaß. Bei Rebholz in der Südpfalz schloss ich dann ein Praktikum an, weil ich das Jahr des Winzers auch anhand dieses Weins verstehen wollte. Dieser Muskateller hat also tatsächlich mein Leben verändert. Na ja, ein bisschen jedenfalls.

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    Der zweite echt verrückte Wein, der mir einfällt, ist ein 1985er Barolo Monfortino von Giacomo Conterno aus dem Weinberg Cascina Francia. Monopollage. Ich habe damals den Urlaub im Piemont verbracht, und wer sich in diese italienische Weinregion nicht sofort verliebt, hat eh kein Herz. Kurz darauf war ich mit anderen Sommeliers beim Importeur eingeladen, und weil noch ein zweiter Kollege wie ich 1985 als Geburtsjahr hatte, wurde für uns diese besondere Flasche geöffnet.

    Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel The Fontenay. Quelle: The Fontenay
    Die Kolumnistin

    Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel The Fontenay.

    (Foto: The Fontenay)

    Der Wein war einfach perfekt. Als würde man im Herbst durch den Wald wandern und die in allen Farben leuchtenden Blätter betrachten – so vielfältig schmeckte er. Vielleicht haben wir auch eine besonders tadellose Flasche erwischt. Jede kann ja ein wenig anders ausfallen. Ich war jedenfalls wirklich geflasht.

    Ähnlich ging’s mir auch mit einem Wein, der wie ein Drei-Sterne-Restaurant wirklich eine Reise wert ist, in diesem Fall zum Ätna. Vinudilice Rosato, Jahrgang 2015, von dem Winzer Salvo Foti. Als ich hier im Hamburger „The Fontenay“ anfing, wollte ich unbedingt mehr Weine vom Ätna auf die Karte nehmen.

    Auf Messen hatte ich früher immer tolle Sachen probieren dürfen. Unser Kaiserstuhl ist ja auch eine Vulkanregion, aber jene, die noch aktiv sind, bringen natürlich noch etwas mehr Mythos mit. Man spürt die Dynamik noch im Glas, kann man sich zumindest einbilden.

    Foti gehört zu den innovativsten Winzern und zugleich auch zu den traditionellsten auf der sizilianischen Insel. Dort hat er noch in einer Höhe von 1003 Metern Wein angebaut, wo man kaum noch damit rechnet. Seine Rebstöcke sind zwischen 100 und 200 Jahre alt. Und daraus macht er dann auch noch einen Rosé.

    Der ist so filigran und erinnert fast an Champagner, dass es eine Sensation ist. Diese fast prickelnde Mineralität, eine tolle Säure … super spannend! Ich bin sonst kein großer Rosé-Fan. Aber man muss eben auch offen sein, dann erlebt man auch mal Neues, Großes – und klar bin ich dafür gern nach Milo auf Sizilien gefahren.

    Gekochtes Apfelmus und gegrillte Zwiebel

    Das gilt auch für das nächste Erlebnis: Wenn Sie noch weiter reisen wollen als bis zum Ätna (und das ist zugebenermaßen zurzeit ja nicht so einfach), dann empfehle ich Neuseeland, wo ich meine vierte Wein-„Verrücktheit“ entdeckt habe. Es ist ein Pinot gris, bei dem die Maische mit vergoren wurde – obwohl ich hier ja schon mal klargemacht habe, dass ich kein großer Freund von solchen „Orange Wines“ bin.

    Der Wein jedenfalls schmeckte unglaublich intensiv: wie Aprikose, wie gekochtes Apfelmus, auch gegrillte Zwiebel. Der Winzer Guy Porter ist dort in Bellbird Spring eher ein Selbstversorger, der nebenher auch noch Schweine, Enten, Gänse züchtet und Gemüse anbaut.

    Eigentlich hat er es geschafft, sich seinen Aussteigertraum zu erfüllen. Und hinter dem Haus hat er einen kühlbaren Container, in dem er seinen Wein lagert. Seine Familie hat ihn für verrückt erklärt, als er mit der Idee kam, einen Wein Maische vergären zu lassen. Aber das Abenteuer scheint sich gelohnt zu haben. Nicht nur für jene, die das Glück hatten, diesen Pinot gris mal zu probieren.

    Für solche Geschmackserlebnisse muss man übrigens nicht immer um die halbe Welt reisen. Erst im Sommer habe ich einen Riesling Großes Gewächs Halenberg von Emrich Schönleber aus dem Jahr 2010 getrunken. Es war mein Geburtstag, und ganz ehrlich, ich habe an dem Tag ziemlich viel Wein probiert, denn ich hatte nach dem langen Lockdown auch zwei Freunde zu Gast, die ebenfalls als Sommeliers arbeiten.

    Mein Freund musste oder durfte an dem Tag also mit drei Fachleuten essen gehen. Der Riesling war perfekt gereift, super präzise, straff am Gaumen, die Säure toll definiert, knochentrocken, steinig von der Mineralität. Wir haben noch tags darauf über den Wein diskutiert. Schon ein bisschen verrückt, oder? Aber eben auch schön verrückt.

    Mehr: Wein und Wahrheit, Folge 9: Wein-Trends – und wie ernst man sie nehmen sollte

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