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Kolumne: Wein und Wahrheit Die richtigen Weine für ein verrücktes Jahr

Die Master-Sommelière Stefanie Hehn empfiehlt acht besondere Tropfen zu Brexit, Lockdown und sogar zur Quoten-Debatte.
19.12.2020 - 10:32 Uhr Kommentieren
Der britische Premier (2. v. r.) ist einer der Hauptakteure beim EU-Austritt Großbritanniens. Zum Thema empfiehlt Stefanie Hehn einen 2014er Blanc de Blanc von Gusbourne aus Kent. Quelle: Getty Images
Boris Johnson und der Brexit

Der britische Premier (2. v. r.) ist einer der Hauptakteure beim EU-Austritt Großbritanniens. Zum Thema empfiehlt Stefanie Hehn einen 2014er Blanc de Blanc von Gusbourne aus Kent.

(Foto: Getty Images)

Eigentlich wollte ich Ihnen nach diesem wilden Jahr ein paar Weine vorstellen, die zu den großen Themen und Fragen passen, die wir 2020 alle hin und her diskutieren mussten. Aber irgendwie fand ich das dann auch albern, Ihnen gleich vorzuschreiben, welche Paarungen Sie gefälligst sinnvoll finden sollen. Deshalb überlasse ich es Ihnen, einfach mal zu raten, welcher der folgenden, wirklich großartigen Weine zu welchem Sujet passt.

Meine Kategorien: Lockdown light (in diesem Fall also unkomplizierte Weine zum Easy Drinking, um ein bisschen den Alltag zu vergessen); Brexit (der ja so oder so hart ausfällt); Frauenquote; Fernweh; Große Momente. Und dann haben wir vielleicht noch eine eigene Kategorie zu Donald Trumps verlorener Präsidentschaftswahl. Motto: Orange Wine is better than an orange Face.

Sie sehen jedenfalls: Ich gebe mir Mühe, Ihnen zu allen großen Debatten die passenden Wein-Begleitungen zu liefern. Ganz am Ende finden Sie dann noch meine eigene Wahl, welcher Tropfen zu welchem Thema am besten passt. Auf jeden Fall können sich mit meinen – natürlich nicht zu teuren – Entdeckungen beim Weinhändler Ihres Vertrauens obendrein ein bisschen Exotik nach Hause holen.

1. Meine erste Empfehlung ist ein Champagner von Paul Bara, Jahrgang 2009, Grand Cru, „Special Club“. Die Bezeichnung steht für eine Vereinigung kleinerer Weingüter. Dieser Champagner hat mich durch seine karamellig-weihnachtliche Note überzeugt. Man kann ganz viele Röstaromen rausschmecken. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes unter den Sparklings, von denen ich noch zwei weitere auf meiner 2020er-Empfehlungsliste habe:

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    2. Zum einen ein 2014er Blanc de Blanc von Gusbourne aus Kent. Dieser reine Chardonnay ist sehr präzise, animierend, lebendig. Er hat eine ganz andere Mineralität und Textur am Gaumen, als man das von Champagnern kennt. Trotzdem eine sehr angenehme Perlage. Kein Wunder, denn er ist 48 Monate auf der Hefe gelagert. Und das eben mal nicht in Frankreich. Apropos:

    Für Stefanie Hehn passt hier ein 2009er Barolo Monprivato von Giuseppe Mascarello aus dem Piemont. Quelle: Getty Images
    Große Momente

    Für Stefanie Hehn passt hier ein 2009er Barolo Monprivato von Giuseppe Mascarello aus dem Piemont.

    (Foto: Getty Images)

    3. Eine weitere Sparkling-Entdeckung stammt aus Spanien: Das Weingut heißt Gramona aus Sant Sadurni d’Anoia, dem Herzen der Cava-Produktion. Dort fand ich einen 2012er Gran Reserva Brut Nature ILL Lustros, der mir besonders gefallen hat. Es ist eines jener Weingüter, die sich von den großen Massenherstellern mittlerweile absetzen wollen, damit auch durchaus Erfolg haben, und die Cooperation Corpinat gegründet haben. Der Ill Lustros ist super-mandelig und präsentiert sich mit fast deftiger Aromatik. Man schmeckt Oliven, Orangen… eine schöne Eleganz.

    4. In Bahlingen am Kaiserstuhl hat sich Bettina Schumann derweil mit viel Energie und Leidenschaft ein Weingut aufgebaut. In diesem Fall habe ich mich für einen Spätburgunder Rosé entschieden mit dem schönen Namen „Mittenmang“. Die Gründerin ist, wie der Name vermuten lässt, eine echte „Berliner Schnauze“ und schwört auf rote Schuhe als Etiketten-Dekoration. Trotzdem schmeckt er eben nicht blumig oder allzu beerig. Im Gegenteil: Man kann auch Gemüse-Noten und Kräuter herausschmecken. Er hat eine sehr schöne Struktur. Dieser Rosé ist also im übertragenen Sinne wahrlich kein Mädchen, sondern eine anmutige Frau.

    5. Weil wir ja auch einen Rotwein brauchen: Giuseppe Mascarello aus dem Piemont bietet einen wunderbaren 2009er Barolo Monprivato. Ein traditionelles Weingut, das noch mit großen Eichenfässern arbeitet. Entsprechend wilder wirken die Weine. Sehr aromatisch. Da ist alles drin, wofür rote Früchte stehen. Man schmeckt Hagebutten, Cranberry, Kirsche, Laub, Trüffel. Keine leichte, aber großartige Kost für den besonderen Augenblick.

    Viel Geschmack mit wenig Alkohol

    6. Der nächste Wein stammt von der kleinen Insel Pantellaria zwischen Sizilien und der afrikanischen Küste vom Weingut Marco de Bartoli. Mir hat’s da ein 2019er Pietranera angetan. Die Rebsorte Zibibbo gibt es anderswo auf der Welt auch mal unter dem Namen Muscat d’Alexandrie. Weil die Schale der Trauben dicker ist, verfügt der Wein über eine Gerbstoffstruktur, die bei so aromatischen Weinen dann echt Spaß macht. Dass er auf Vulkanboden gewachsen ist, kann man ihm noch an einem leichten Prickeln anmerken. Viel Geschmack mit wenig Alkohol.

    7. Und um noch mal auf Frankreich zurückzukommen: Da empfehle ich vom Weingut Belargus aus dem Loire-Tal im Städtchen Savennières den 2018 Gaudrets. Der dortige Loire-Abschnitt mit seinen wunderschönen Schlössern ähnelt geologisch ein wenig der Mosel, sehr karge Böden, Schiefer und Sand. Die Rebsorte ist Chenin Blanc, in meinen Augen neben Riesling und Chardonnay die dritte wirklich edle Weißweintraube. Es gibt sie von sprudelnd bis edelsüß. Der Unterschied zum Riesling: Die Traube schmeckt oft mehr nach Aprikose, Quitte oder gekochten Äpfeln. Ein Wein zum Beispiel für kräftigere Fischgerichte.

    Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel The Fontenay. Quelle: The Fontenay
    Die Kolumnistin

    Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel The Fontenay.

    (Foto: The Fontenay)

    8. Zu guter Letzt lege ich Ihnen einen 2017er Chardonnay Savoy Vineyard vom Weingut Radio Coteau in Kalifornien ans Herz, eine der bekanntesten Lagen in Mendocino. Der dortige Navaro River fließt in den Pazifik und schafft zugleich eine Schneise kühler Luft bis weit ins Hinterland. Anders als andere kalifornische Chardonnays hat er eine herrlich erfrischende Note, fast schon karamellisierend. Man denkt fast, eine Lemon Tarte zu schmecken.

    Damit wären Sie jetzt wirklich ein Stück weit versorgt für die kalten Lockdown-Wochen zu Hause. Nächste Woche liefere ich Ihnen dann noch Tipps für drei spannende Wein-Reisen, sobald wir wieder in ferne Länder dürfen.

    Ach so… und hier nun noch meine persönlichen Paarungen von Debatten-Thema und passender Weinbegleitung. Und keine Angst: Sie können die vorgestellten Weine auch genießen, ohne über Politik diskutieren zu müssen: 1: Große Momente; 2: Brexit; 3: Fernweh; 4: Frauenquote; 5: Große Momente; 6: Lockdown light; 7: Große Momente UND Fernweh; 8: Abschied von Trump.

    Mehr: Kolumne Wein und Wahrheit (22): Wie das Wein-Jahr 2020 wirklich war

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