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Kolumne: Wein und Wahrheit Warum Dessertweine Tausende von Euro kosten können

Die Chef-Sommelière Stefanie Hehn aus dem Hamburger The Fontenay erklärt das Geschäft mit den süßesten Tropfen – und einen ganz besonderen deutschen Rekord.
03.10.2020 - 10:26 Uhr Kommentieren
In Frankreich ist am ehesten die Region Sauternes mit dem Chateau d’Yquem für ausgezeichnete Dessertweine bekannt. Quelle: AFP/Getty Images
Chateau d’Yquem

In Frankreich ist am ehesten die Region Sauternes mit dem Chateau d’Yquem für ausgezeichnete Dessertweine bekannt.

(Foto: AFP/Getty Images)

Deutschland ist ja in vielem Weltmeister – nicht nur, was die Exportleistungen der hiesigen Industrie angeht. Wo unsere Top-Position sicher weniger bekannt ist: Wir sind auch Weltmeister bei den Dessertweinen.

Sie können mir glauben: Es gibt kein anderes Land der Welt, wo man es so vielfältig versteht, Weine herzustellen, die derart viel Süße und Säure verbinden und dabei so wenig Alkohol beinhalten. Nirgends sonst werden Sie einen derartigen Facettenreichtum von Weinen finden, die für wahre Geschmacksexplosionen stehen. Die Komplexität ist beeindruckend. Sie müssen also in diesem Fall wirklich nicht in die Ferne schweifen, wenn Sie einen herausragenden Dessertwein suchen.

Wenn man so will, sind das die besten deutschen Limonaden – und ganz sicher auch die kostspieligsten. Ich verkaufe in unserem Restaurant durchaus auch Dessertweine für 45 Euro pro Glas. Und sie sind das auch wert. Egal um welches der klassischen Prädikate es sich da handelt: Eiswein, Trockenbeerenauslese, Beerenauslese, Auslese und Spätlese oder Kabinett. Das ist die absteigende Reihenfolge, gemessen aber nicht an der Süße, sondern an ihrer Dichte.

Was die Intensität angeht, ist die Bandbreite von Dessertweinen vergleichbar mit einer Range, die von Schlagsahne bis zu 0,3-prozentiger Magermilch reicht. Eiswein und Trockenbeerenauslese wären in diesem Fall die absolute Schlagsahne.

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    Riesling ist vielleicht die dramatischste Rebsorte für Dessertweine: wahnsinnig süß, aufgrund des hohen Säuregehalts trotzdem unglaublich erfrischend. Doch es können auch andere aromatische Rebsorten verwendet werden.

    Nach meinem Gefühl läuft der Absatz all dieser Dessertweine übrigens trotz der starken Stellung der deutschen Winzer im Weltmarkt hier zu Hause eher über die Gastronomie als über den privaten Verkauf. Rund 80 Prozent meiner Gäste im „Fontenay“ entscheiden sich zum Beispiel für die Wein-Begleitung, die wir anbieten. Wenn’s im Menü womöglich sogar mehrere süße Nachspeisen gibt, flankiere ich dann gern mit einem spannenden Repertoire an Süßweinen. Den Leuten macht das ja auch Spaß.

    Der Chateau d’Yquem ist ein Spitzen-Dessertwein. Beim Preis allerdings kann man leicht erschrecken. Quelle: The Image Bank Unreleased/Getty Images
    Absoluter Superstar

    Der Chateau d’Yquem ist ein Spitzen-Dessertwein. Beim Preis allerdings kann man leicht erschrecken.

    (Foto: The Image Bank Unreleased/Getty Images)

    Und wenn wir schon vom Essen sprechen: Ich empfehle Dessertweine durchaus auch gern zu salzigem Essen. Bestes Beispiel, dass Süßes und Salziges wunderbar korrespondieren kann, ist French Toast. Dort wird zu dem in Zucker und Zimt panierten Toast ja gern Speck gereicht.

    Wer sich mit Dessertweinen etwas genauer auseinandersetzen und also mehr probieren als studieren möchte, kommt an der Mosel nicht vorbei. Ebenso versprechen Rheingau und Nahe echte Überraschungen. Das Weingut Egon Müller liefert einige der weltbesten edelsüßen Rieslinge der Welt. Die sollte man unbedingt mal probiert haben. Man muss ja nicht gleich ganz oben anfangen. Seine 2011er Trockenbeeren-Auslese schafft es derzeit zu Durchschnittspreisen von über 7500 Euro pro Flasche. Er hat eben echte Jahrhundertweine im Keller.

    Beim Thema Süßweine würde ich ohnehin nicht bestimmte Qualitäten empfehlen, sondern eher Weingüter wie etwa Johann Josef Prüm aus Bernkastel-Wehlen oder das Weingut Dönnhoff an der Nahe. In Frankreich ist am ehesten die Region Sauternes für ausgezeichnete Dessertweine bekannt, mit dem Chateau d’Yquem als absolutem Superstar. Schauen Sie da jetzt lieber nicht im Internet nach Preisen. Da kann man echt erschrecken.

    In Andalusien ist die Rebsorte ein Garant für süße Geschmacksexplosionen. Quelle: ddp/Chicago Tribune/TNS/Sipa USA
    Pedro Ximénez

    In Andalusien ist die Rebsorte ein Garant für süße Geschmacksexplosionen.

    (Foto: ddp/Chicago Tribune/TNS/Sipa USA)

    In Südafrika sind einige Weingüter rund um den Kapstadt-Vorort Constantia sehr spannend. In Andalusien ist die Rebsorte Pedro Ximénez ein Garant für süße Geschmacksexplosionen. Und auch wenn wir Deutschen gern glauben, dass wir die Spätlese erfunden haben: Die ungarische Tokaj-Region war weit früher dran – und ist ebenfalls mal eine Probe wert.

    Nicht zu vergessen unser Nachbarland Österreich. Vor allem rund um den Neusiedlersee findet man spannende Edelsüße-Varianten. Hier gibt es sogar noch ein weiteres Prädikat: den Ruster Ausbruch. Glauben Sie mir – schöner kann man kaum ausbrechen.

    Mehr: Kolumne Wein und Wahrheit (11): Warum man im Bio-Markt keinen Bio-Wein kaufen sollte

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