Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Nivea

„Die fahren eine Linie, die wir für absolut fahrlässig halten.“ (Foto: Imago)

Kunststoffe Warum steckt Mikroplastik in Kosmetik?

Offiziell will Nivea auf Mikroplastik verzichten, trotzdem enthalten mehr als 40 Cremes, Duschgels und Peelings von Nivea Kunststoffe. Wie kann das sein? Wir haben bei Greenpeace, BUND und Beiersdorf nachgehakt.
  • Anna-Sophie Barbutev
05.03.2019 - 16:21 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 05. März 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Jeden Morgen benutze ich die Welcome Sunshine Pflegedusche von Nivea. Was ich nicht wusste: Durch Duschgel, Shampoo und Creme trage ich täglich Kunststoffe auf meine Haut auf. 922 Tonnen Mikroplastik und geschätzt 23.700 Tonnen anderer Kunststoffe in Kosmetik werden laut Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts in Deutschland pro Jahr eingesetzt.

Warum gibt es Mikroplastik in Kosmetik?

Der Beiersdorf-Konzern ist Deutschlands größter Hersteller für Hautpflege mit Marken wie Labello, Eucerin und Nivea. Ende Februar hat das Unternehmen Geschäftszahlen für das Jahr 2018 vorgelegt. Die Einnahmen lagen bei mehr als sieben Milliarden Euro, unterm Strich blieb mehr als ein Zehntel davon als Gewinn übrig – eine deutliche Steigerung zum Jahr davor.

Einen großen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens liefert die Marke Nivea. An den Produkten gibt es jedoch einen zentralen Kritikpunkt: Mikroplastik. 78 Beiersdorf-Produkte enthalten Kunststoffe, darunter 41 Cremes, Duschgels und Peelings von Nivea. Die komplette Liste findest du im Einkaufsratgeber „Mikroplastik und andere Kunststoffe in Kosmetika“ des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Mein Duschgel ist auch dabei.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Eigentlich will Nivea auf Mikroplastik verzichten. Im „Kosmetikdialog” zwischen Bundesregierung und Industrie verpflichtete Beiersdorf sich 2013 freiwillig zum Ausstieg aus Mikroplastik. Der Hersteller gab an, auf Peeling-Partikel aus Polyethylen zu verzichten. Das ist Mikroplastik. Dieses Versprechen hält der Konzern.

    Den beiden Umweltorganisationen Greenpeace und BUND ist das zu wenig. Sie fordern: Beiersdorf soll auch auf sogenannte synthetische Polymere verzichten. Das sind flüssige und lösliche Kunststoffe.

    Definition: Was ist Mikroplastik?

    Mikroplastik ist ein Sammelbegriff für Plastikpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind und die in Kosmetik-, Pflege- und Reinigungsprodukten enthalten sind.

    Das Problem: Es gibt keine einheitliche Definition von Mikroplastik. Nivea definiert Mikroplastik als „feste Kunststoffteilchen, die kleiner als 5 Millimeter, nicht wasserlöslich und nicht biologisch abbaubar sind.” Diese Definition stammt aus dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen und deckt sich mit der des Umweltbundesamtes.

    BUND und Greenpeace prangern an, dass diese Definition von Mikroplastik lediglich feste Kunstststoffpartikel einschließt: „Wenn ich einen Kunststoff ganz fest zerreibe, in eine Flüssigkeit gebe und sage, dass alles gelöst ist, dann habe ich eine schöne Ausrede”, sagt Greenpeace- Meeresbiologin Dr. Sandra Schöttner. Bedeutet: Kunststoff ist in jeder Form Kunststoff.

    Was sind die Folgen von Mikroplastik für die Gesundheit und das Meer?

    Für den Menschen gibt es Entwarnung: das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung hält ein gesundheitliches Risiko durch Mikroplastik in Kosmetik für den Menschen „unwahrscheinlich.” Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält es ebenfalls für „unwahrscheinlich”, dass Mikrokunststoffe schädlich für den Menschen sind.

    Für die Umwelt schlagen die Expertinnen von BUND und Greenpeace Alarm: „Zum absoluten Großteil der Stoffe hat man überhaupt keine Information zu ihrer Umweltverträglichkeit. Das heißt: die werden tonnenweise eingesetzt, gehen jeden Tag den Abfluss runter und kein Mensch weiß, ob das mit der Umwelt verträglich ist”, sagt Schöttner. Durch den Abfluss gelangen Mikroplastik und andere Kunststoffe in die Flüsse, weil die Kläranlagen diese Stoffe nicht vollständig herausfiltern können und letztendlich in die Meere.

    Für den Report „Vom Waschbecken ins Meer” hat Greenpeace zu den gängigsten Mikrokunststoffen in Kosmetik recherchiert. Bei einigen Stoffen wurden Hinweise gefunden, dass sie umweltschädlich sind. „Die Industrie – und auch Beiersdorf – fahren eine Linie, die wir für absolut fahrlässig halten”, sagt Schöttner. Es sei Aufgabe der Hersteller nachzuweisen, dass Produkte und die darin enthaltenen Stoffe umweltverträglich sind.

    Eine Pressesprecherin von Beiersdorf teilt schriftlich mit, dass die verwendeten Kunststoffe in Beiersdorf-Produkten nach aktuellem Kenntnisstand nicht umweltschädlich sind.

    Welche Funktion hat Mikroplastik in Kosmetik?

    Kunststoffe in Kosmetik haben vielfältige Funktionen. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass Duschgel besser schäumt und glänzt. Der Kunststoff Polyquaternium ist in Nivea-Produkten wie „Protect & Care Pflegedusche” oder meiner „Welcome Sunshine Pflegedusche” enthalten. „Die Conditioning-Eigenschaft des Mikrokunststoffes gibt dem Nutzer das Gefühl, dass Haut und Haare glatt sind”, erklärt Greenpeace-Expertin Schöttner. Das sei allerdings keine echte glättende Funktion, sondern lediglich ein dünner Film, der sich auf die Oberfläche lege.

    Für Greenpeace und den BUND ist Beiersdorfs Verzicht auf Mikroplastik ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings müsse im zweiten Schritt der Verzicht auf Mikrokunststoffe folgen. Die Beiersdorf-Sprecherin sagt, dass der Konzern im Dialog mit seinen Rohstofflieferanten steht, um verstärkt auf „Bio-Polymere“ als Alternativen zu herkömmlichen Mikrokunststoffen zu setzen. Klassische Ersatzstoffe sind Bienenwachs oder Tonerde.

    Wird Mikroplastik verboten?

    Mitte Februar kündigte Hamburg eine Bundesratsinitative an und brachte gemeinsam mit Thüringen einen Antrag im Bundesrat ein, der ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetik fordert. „Wir haben den Vorstoß sehr begrüßt. Weil dieser genau unsere Definition auch widerspiegelt, dass es eben auch um flüssige, gelartige Kunststoffe geht”, sagt Meeresbiologin Nadja Ziebarth vom BUND. Leider gäbe es ein aber: Es sei nur eine Aufforderung ohne Zeitfenster an die Bundesregierung, ein mögliches Verbot zu prüfen.

    Wer nicht bis zu einem Verbot warten möchte kann durch das eigene Konsumverhalten selbst handeln. Sobald ich mein Duschgel aufgebraucht habe werde ich zu einer Alternative ohne Kunststoff greifen. Naturkosmetik kommt zum Beispiel ganz ohne aus. Selbst von herkömmlichen Herstellern wie Nivea gibt es kunststofffreie Produkte.

    Mehr: Wie schädlich ist Mikroplastik für die Gesundheit?

    Startseite
    0 Kommentare zu "Kunststoffe: Warum steckt Mikroplastik in Kosmetik?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%