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Leistungssteigerung So kommt man im Job leichter in den Flow

In einer Arbeit versinken, die Zeit vergessen, fast mühelos ans Ziel kommen: Das ist der Flow. Wie man leichter in diesen Arbeitsmodus findet.
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Ein erstrebenswerter Zustand, den man mit drei Voraussetzungen erreichen kann. Quelle: Taxi/Getty Images
Im Flow

Ein erstrebenswerter Zustand, den man mit drei Voraussetzungen erreichen kann.

(Foto: Taxi/Getty Images)

Düsseldorf Mountainbike-Profi Harald Philipp erlebt seinen persönlichen Flow-Moment, wenn er mit dem Rad in den Bergen unterwegs ist. „Obwohl ich voll konzentriert bin und ständig agiere, fühle ich mich entspannt. Es ist so einfach, weil es so eindeutig ist. Ich habe nichts als die eine Linie im Kopf, die ich genau jetzt befahre. Nichts sonst. Alle Gedanken, alle Sorgen sind weg. Herrliche Stille.“

Als Einssein mit dem Fahrrad beschreibt er diesen Augenblick, der ihn so fasziniert hat, dass er dem Phänomen Flow in dem Buch „Flow. Warum Mountainbiken glücklich macht“ nachgegangen ist. Für den Profi-Sportler stellt sich in diesen Momenten eine Leichtigkeit ein, die ihn schwierige Passagen im Hochgebirge überwinden und die Zeit vergessen lässt – anschließendes Glücksgefühl inklusive.

Extremsportler erleben Flow, aber nicht nur sie. Das Phänomen kennt vermutlich jeder: Man geht in seiner Arbeit ganz auf, vergisst Zeit und Raum, ist höchst konzentriert, hat alles unter Kontrolle und erledigt eine Aufgabe nahezu mühelos. Anschließend fühlt man sich erschöpft, aber sehr zufrieden.

Den Begriff „Flow“ hat der amerikanisch-ungarische Wissenschaftler Mihaly Csikszentmihalyi geprägt, der sich in den 70er-Jahren erstmals mit dem Phänomen beschäftigte. In jahrzehntelanger Forschung entwickelte der Psychologe seine Theorie weiter, befragte Menschen nach ihren Tätigkeiten und den Gefühlen, die damit einhergingen. Weil viele Studienteilnehmer ihre Empfindungen, wenn sie in eine Arbeit vertieft waren, als fließend beschrieben, entstand der Begriff „Flow“.

Die meisten Menschen erleben Flow bei der Arbeit, prinzipiell ist das aber auch bei einem herausfordernden Hobby oder einem Ehrenamt möglich. „Es ist das, was der Maler fühlt, wenn die Farben auf der Leinwand eine magnetische Spannung zueinander aufbauen, und etwas Neues, ein lebendiges Wesen, nimmt vor den Augen seines erstaunten Schöpfers Gestalt an“, beschreibt Mihaly Csikszentmihalyi den Zustand im Buch „Flow. Das Geheimnis des Glücks“.

Flow ist ein erstrebenswerter Zustand – doch wie erreicht man ihn? Nach Csikszentmihalyi sind es drei Voraussetzungen, die dafür gegeben sein müssen: eine klar definierte Zielvorgabe, Feedback – entweder durch sich selbst oder einen Vorgesetzten – und eine ausgewogene Balance zwischen dem eigenen Können und dem Sollen.

„Eine Arbeit muss herausfordernd, darf aber nicht überfordernd sein“, sagt Corinna Peifer, Junior-Professorin an der Ruhr-Universität Bochum und Arbeits- und Organisationspsychologin. Dabei kann im Prinzip jeder Flow erleben, der Künstler wie der Programmierer oder Fabrikarbeiter.

„Bei komplexeren Aufgaben und Aufgaben mit Entscheidungsspielraum ist es allerdings etwas leichter, in den Flow zu geraten“, schränkt die Wissenschaftlerin mit dem Forschungsschwerpunkt Flow-Erleben ein. „Daher sind Wissensarbeiter und Kreative, die in der Regel mehr Freiheiten im Beruf genießen, etwas im Vorteil.“

Es ist auch der Experten-Status, der zu Flow verhelfen kann. Das heißt: Je besser man sich mit einer Aufgabe auskennt, desto eher nimmt sie einen gedanklich gefangen. „Es lohnt sich also, an einem Thema dranzubleiben“, sagt Corinna Peifer.

Den Sinn in der Aufgabe sehen

Dennoch können es auch einfache Tätigkeiten sein, die Flow ermöglichen, wobei es hilft, einen Sinn in seiner Aufgabe zu sehen. Daher ist es Flow-förderlich, wenn Führungskräfte ihren Mitarbeitern Wertschätzung für ihre Arbeit entgegenbringen und den Beitrag zum großen Ganzen hervorheben. So haben Befragungen von Reinigungskräften in einem Krankenhaus gezeigt, dass diejenigen eher Flow erlebten, die den Patienten den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten wollten – und nicht allein den Schmutz beseitigten.

Der Zustand der Selbstvergessenheit sorgt für ein Gefühl der Zufriedenheit. Doch Flow kann noch mehr: „Studien belegen, dass sich Flow-Erleben positiv auf Leistung und Kreativität auswirkt“, so die Wissenschaftlerin. Beispielsweise wiesen Psychologen in einer Erhebung nach, dass diejenigen Studenten, die schon beim Statistik-Lernen ganz versunken waren, später in der Abschlussprüfung besser abschnitten.

Vermutlich liegt das auch an der besonderen Art der Informationsverarbeitung: Wer sich in eine Aufgabe vertieft, ist hoch konzentriert, nimmt Details stärker wahr und blendet störende Gedanken aus. Der leistungssteigernde Effekt wirkt kurzfristig, aber auch langfristig, denn die guten Gefühle motivieren dauerhaft zu mehr Engagement.

Am Arbeitsplatz sollte man versuchen, sich immer wieder Zeiten zu schaffen, in denen man ungestört ist. Quelle: Imago/Westend61
Zustand der Selbstvergessenheit

Am Arbeitsplatz sollte man versuchen, sich immer wieder Zeiten zu schaffen, in denen man ungestört ist.

(Foto: Imago/Westend61)

Was kann jeder selbst tun, um in den Flow zu kommen? Wichtig ist, dass man sich immer wieder Ziele steckt, die fordernd, aber nicht überfordernd sind. „Sich realistischen Herausforderungen, aber eben Herausforderungen, zu stellen und zwischendurch immer mal wieder kurz Pause zu machen, ist die beste Basis für nachhaltiges Flow-Erleben“, rät Corinna Peifer. Das geht umso besser, je mehr Handlungsspielräume und Freiheiten der Chef lässt, sodass man sich seine Aufgaben selbst einteilen kann.

Flow ist ein Zustand der Selbstvergessenheit – der sich leicht durch Mails und Anrufe stören lässt. Daher kann es helfen, sich am Arbeitsplatz immer wieder Zeiten ungestörten Arbeitens zu schaffen: etwa indem man sein Handy offline schaltet, die Benachrichtigung beim E-Mail-Eingang deaktiviert und sein Telefon phasenweise auf Kollegen umstellt.

Besonders schwierig ist die ungestörte Konzentration im Großraumbüro. Oftmals helfen dann nur Kopfhörer, am besten mit schallisolierenden Eigenschaften, die auch den Kollegen signalisieren, dass man nicht gestört werden möchte.

Klare Ziele und Feedback vom Chef

Auch der Vorgesetzte kann einiges tun, um ein Flow-förderliches Klima zu schaffen. Besonders wichtig sind klar formulierte Ziele, die zu den Fähigkeiten, Talenten und Interessen seines Mitarbeiters passen. Ebenso entscheidend ist regelmäßiges konstruktives Feedback, etwa durch Mitarbeitergespräche. Chefs können aber auch informelle Situationen für Feedback nutzen und etwa beim wöchentlichen Jour fixe nachfragen, wie es mit der Arbeit läuft. „Hilfreich ist in jedem Fall eine unterstützende Haltung der Führungskräfte“, so Corinna Peifer.

Überhaupt zählt das Vorbild, denn Flow kann mitreißend wirken – zumindest in der Musik. So konnte ein Psychologenteam nachweisen: Je mehr Flow Musiklehrer erlebten, desto hingebungsvoller musizierten ihre Schüler.

Mehr: Wer in den Flow kommen will, muss oft auch sein Arbeitsmodell überdenken. Da sind auch Vorgesetzte gefragt.

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