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Luxusuhrenmarke A. Lange & Söhne Geschäftsführer Wilhelm Schmid: „Wir müssen mehr Aufmerksamkeit generieren“

Der Chef der Luxusmarke A. Lange & Söhne über neue Uhrenmodelle, Wachstum in Zeiten unwägbarer Weltpolitik und neue Kommunikationswege.
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Der Geschäftsführer von A. Lange & Söhne ist gelernter KFZ-Mechaniker. Quelle: Lange Uhren
Wilhelm Schmid

Der Geschäftsführer von A. Lange & Söhne ist gelernter KFZ-Mechaniker.

(Foto: Lange Uhren)

Düsseldorf Unter den Uhrenmarken, die Deutschland so zu bieten hat, gilt A. Lange & Söhne längst wieder als die teuerste – und prestigeträchtigste. Der Chef, Wilhelm Schmid, war vorher lange bei BMW, eine Branche, zu deren Wurzeln er jüngst zurückkehren durfte.

Herr Schmid, unter den Chefs renommierter Uhrenmarken dürften Sie der einzige sein, der sogar eine Lehre als Kfz-Mechaniker vorweisen kann. Ist das der Grund dafür, dass A. Lange & Söhne neuerdings im großen Stil das Oldtimer-Festival „Classic Days“ auf Schloss Dyck bei Düsseldorf unterstützt?
Solche Entscheidungen treffen wir natürlich nicht nach persönlichen Präferenzen. Wir waren aber schon in den Vorjahren als Sponsor dabei und standen lediglich vor der Wahl: Hören wir damit auf, oder machen wir’s richtig? Wir haben uns für Letzteres entschieden, auch weil da einfach vieles zusammenpasst.

Zum Beispiel?
Es ist ja nicht nur die Tatsache, dass die „Classic Days“ das größte derartige Ereignis in Deutschland sind und wir uns natürlich als wichtigste deutsche Uhrenmarke begreifen. Beide Szenen ähneln sich zudem darin, dass sie versuchen, Handwerkskunst und großartiges Design gleichermaßen zu bieten. Ein Motor ist ohne eine schöne Verpackung nicht allzu begehrenswert. So ist das mit mechanischen Armbanduhren auch.

Der Vorteil Ihrer Uhren ist, dass sie klimaneutral sind im Vergleich zu den alten Kisten.
Haha, jedenfalls sind wir mit der Veranstaltung sehr zufrieden gewesen. Inwieweit wir das Engagement fortsetzen, werden wir in den nächsten Wochen entscheiden.

Wie geht’s A. Lange & Söhne selbst?
Gut, und da wir ja durchaus für Überraschungen gut sind, kann ich nur sagen: Warten Sie mal ab, was wir dieses Jahr noch präsentieren werden.

Ein neues Kaliber? Oder auch mal eine Sportuhr?
Wir werden noch von uns hören lassen. Das kann ich Ihnen versprechen.

A. Lange & Söhne hat das Engagement ausgebaut. Quelle: Lange Uhren
„Classic Days“ auf Schloss Dyck

A. Lange & Söhne hat das Engagement ausgebaut.

(Foto: Lange Uhren)

Wie sieht’s mit Wachstum aus? A. Lange & Söhne produziert ja nur rund 5500 Uhren pro Jahr, die aber dafür im Hochpreissegment.
Wir wachsen schön. Für mich sind reine Zahlen aber auch nicht kriegsentscheidend. Unser Wachstum soll kontrolliert, nachhaltig und profitabel zugleich sein.

Ihr Unternehmen gehört wie viele andere Uhrenmarken – von Cartier bis Vacheron Constantin – zum Reich des großen Luxusgüterherstellers Richemont aus Genf. Stimmt man sich da in strategischen Fragen ab mit den Kollegen, die zugleich Konkurrenten sind?
Natürlich diskutieren wir mit unserer Führung in Genf strategische Weiterentwicklungen. Und natürlich gibt es dort so etwas wie Portfolio-Management. Aber wir und unsere Marken-Kollegen sind durchaus auch selbstständig und nutzen den Rahmen, den wir haben.

Mittlerweile führen Sie weltweit 15 eigene Boutiquen, etwa in Dresden, Shanghai, Singapur, Tokio und Peking. Die Neueste haben Sie kürzlich ausgerechnet an der Züricher Bahnhofstraße eröffnet. Ist das noch etwas Besonderes für die deutsche Vorzeigemarke eines Schweizer Konzerns?
Die Züricher Filiale wird von unserem Partner betrieben, dem Schweizer Juwelier Embassy. Aber das ist natürlich schon ein tolles Gefühl, wenn wir da aus Glashütte nun präsent sind.

Wie wird sich Ihre Branche generell dieses Jahr entwickeln?
Als einer der kleinsten Spieler will ich da keine Prognose wagen. Das wäre sonst, als würde der Schwanz mit dem Hund wedeln. Zumal jede Marke da mit anderen Voraussetzungen und Herausforderungen zu tun hat.

Richemont hat jüngst zugegeben, Schwierigkeiten mit dem enorm wichtigen, aber politisch auch umkämpften Markt in Hongkong zu haben. Merken Sie die dortigen Regierungsproteste ebenfalls?
Wenn die Menschen auf die Straße gehen zum Demonstrieren, ist das nicht unbedingt gut für die Öffnungszeiten und Umsätze der Boutiquen. Das war ganz ähnlich in der Hochphase der „Gelbwesten“ in Paris oder bei den Ausschreitungen rund um den Hamburger G-20-Gipfel. Meist sind das aber doch sehr begrenzte Ereignisse.

Kommt ja immer darauf an, ob derlei etwas über die grundsätzliche Stimmung der Konsumenten verrät.
Und da sage ich ganz klar für uns: nein. Bei fast acht Milliarden Menschen auf der Welt können wir mit unserem kleinen Produktangebot die eine oder andere politische Eskalation eher ignorieren als mancher Massenhersteller.

Auch ein Donald Trump stört nicht die Geschäfte der internationalen Uhrenindustrie?
Von mir werden Sie grundsätzlich keine politischen Statements hören. Aber die USA gehören zu unseren wichtigsten Märkten. Da habe ich keinerlei Befürchtungen. Und übrigens: Wenn ich tatsächlich wüsste, was Märkte beeinflusst oder gar steuert, bräuchte ich keine Uhren mehr zu verkaufen. Andererseits stimmt auch: Da, wo wir uns als Branche wie als Marke den sich verändernden Märkten anpassen müssen, tun wir das.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Im Kommunikationsverhalten. Auch als exquisiter Hersteller mechanischer Armbanduhren muss man heute in der digitalen Welt stattfinden und so zu den nachwachsenden Konsumenten-Generationen sprechen, wie die es gewohnt sind.

Also mehr Instagram für die Millennials?
Zumindest müssen wir all die heutigen Gesprächskanäle kennen und nutzen. Sonst verlieren selbst wir an Relevanz. Das ist umso wichtiger, als wir nun mal Luxusprodukte herstellen. Die braucht man nicht, die will man. Diese Begeisterung müssen wir schaffen. Das bedeutet auch: Wir müssen Aufmerksamkeit generieren.

Herr Schmid, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Der Chef der Uhrenmarke A. Lange & Söhne spricht im Interview über die Zukunft des Unternehmens und der Branche.

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