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Maschinenbauunternehmen Traktorenhersteller Yanmar kreuzt Rennboot und Luxusyacht

Yanmar will vom reinen Nutzfahrzeughersteller zur Lifestylemarke für Professionals in Landwirtschaft und Fischerei werden. Das Ziel ist groß – ebenso wie die Konkurrenz.
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Der Erstling von Yanmar soll künftig an den Marinas der Welt Eindruck schinden. (Foto: Yanmar)
X39 Express Cruiser

Der Erstling von Yanmar soll künftig an den Marinas der Welt Eindruck schinden.

(Foto: Yanmar)

Tokio Die Gischt spritzt, wenn sich das neueste Produkt des japanischen Traktorenherstellers Yanmar in Bewegung setzt. Das mehr als 100 Jahre alte Maschinenbauunternehmen hat ein Konzept in ein echtes Produkt umgewandelt: eine schnittige Luxusyacht, deren Form und Leistung an ein Rennboot erinnert, aber im Innern luxuriöses Seefahrerleben bietet.

X39 Express Cruiser nennt Yanmar seinen rund zwölf Meter langen Erstling, der künftig an den Marinas der Welt Eindruck schinden soll. Zwei gut sichtbar unter Glas platzierte 370-PS-Dieselmotoren des Konzerns im Heck beschleunigen das Schiff auf immerhin 43 Knoten. Ein Z-Antrieb, also ein entsprechend geformter Antrieb mit Kupplung, bringt die Kraft der Motoren auf die Schrauben. Auf Wunsch baut Yanmar auch stärkere Aggregate ein.

In der Mitte duckt sich windschnittig der Führerstand mitsamt Sitzecke. Auf Knopfdruck versenkt sich das Dach und verwandelt den Kabinenflitzer in ein Meerescabrio. Unter Deck finden sich zwei Schlafzimmer, eine Küche und ein Bad auf die Skipper. Leder, Hölzer, edle Metalle und Marmor sorgen dafür, dass die reiche Kundschaft auch auf See nicht auf landgängigen Luxus verzichten muss. Ein Schiffsklo der Welt aus Kohlefasern verleiht zusätzlich einen futuristischen Touch.

Design und Ausstattung sind kein Zufall. Tatsächlich ist der Anspruch der Japaner so unbescheiden wie das Schiff. Bei der Kreuzung aus Rennboot und Kabinenkreuzer „handelt es sich um ein einmaliges Konzept für eine Freizeityacht“, sagt der japanische Stardesigner und Yanmar-Vorstand Ken Okuyama in einem Firmeninterview. Er hat das Boot entworfen.

Mehr noch: Es soll als „Halo-Produkt“ Yanmars dienen, so Okuyama, der früher Direktor der italienischen Designschmiede Pininfarina war. Oder anders gesagt: als Flaggschiff und als glänzender Imageträger eines Konzerns, der sich über das Design von einem reinen Lieferanten für Nutzfahrzeuge zu einer Lifestylemarke für Professionals in Landwirtschaft und Fischerei entwickeln will.

„Ein einmaliges Konzept für eine Freizeityacht“, sagt der Yanmar-Chef über die X39. (Foto: Yanmar)
Ken Okuyama

„Ein einmaliges Konzept für eine Freizeityacht“, sagt der Yanmar-Chef über die X39.

(Foto: Yanmar)

Diese Metamorphose ist ein wahres Jahrhundertprojekt. Yanmar ist mit Traktoren, Baumaschinen, Generatoren und Dieselmotoren für Fischkutter, Yachten und Rennboote groß geworden. Immerhin mehr als umgerechnet sechs Milliarden Euro setzt der Konzern derzeit pro Jahr um.

Doch zum 100. Geburtstag im Jahr 2012 beschloss das Traditionsunternehmen, das eine Häutung notwendig sei. Kurzerhand stellte es den Designer Okuyama ein, um den utilitaristischen Produkten des Unternehmens globales Savoir Vivre einzuhauchen und Wachstum für das zweite Firmenjahrhundert zu sichern.

Für Okuyama war der neue Job eine Herausforderung. Er hatte bei Porsche, GM und dann Pininfarina vor allem mit dem Design von Sportwagen Karriere gemacht. In Italien verantwortete er den Enzo Ferrari, den Ferrari P4/5 und die fünfte Generation des Maserati Quattroporte. Doch bei Yanmar war er zuerst für die Neudefinition der Traktoren zuständig.

2013 war es dann soweit: Auf der Tokyo Motor Show stellte der Nutzfahrzeughersteller seinen Konzept-Traktor vor. Dessen Frontpartie glich dem behelmten Gesicht eines Transformer-Roboters. Die Kabine war luxuriös eingerichtet, zwei Becherhalter inklusive. „Ich habe nicht nur einen Traktor designt“, erklärte Okuyama damals. „Mein Ziel war eher, das neue Gesicht der Landwirtschaft zu entwerfen.“

Dieses Ziel hatte Ken Okuyama, als er den Konzept-Traktor designte. (Foto: Yanmar)
Das neue Gesicht der Landwirtschaft

Dieses Ziel hatte Ken Okuyama, als er den Konzept-Traktor designte.

(Foto: Yanmar)

Daher sollten die neuen Arbeitsgeräte nicht nur jetzigen Bauern ein komfortables Arbeitsumfeld bieten. Sie sollten ihnen noch mehr Stolz auf ihren Beruf geben und neue Generationen für die Landwirtschaft begeistern, so Okuyama damals. „Smart Agriculture“ nennt Yanmar das – und die Idee kam an. Der bisherige Hinterbänkler der Japan AG brachte landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge auf die Titelseite der Wirtschaftszeitung Nikkei. Seinen Designer belohnte der Konzern daraufhin mit einem Vorstandsposten.

Damals fing er auch mit dem Design des schnellen Kabinenkreuzers an. Dabei kam ihm zugute, dass er sowohl auf seinen eigenen intellektuellen Fundus wie auch Yanmars maritime Expertise zurückgreifen konnte. Bei Pininfarina hatte er auch Yachten für einen italienischen Hersteller gestylt. Und Yanmar stellte immerhin in Japan Schiffkutter her und belieferte weltweit Yachtbauer mit Motoren. Die ARROW460-Granturismo von Mercedes-Benz Style und dem Schiffbauer Silver Arrows Marine beispielsweise wird von japanischen Dieselaggregaten angetrieben.

Aber eines war neu für den Designer. Im Unterschied zu seinen früheren Meeresmobilen hätte er bei Yanmar ohne Vorgaben die Rennyacht entwickeln können, erzählt Okuyama. Und so hat er die Formensprache von Autos maritim interpretiert. „Die X39 besitzt die klassischen Proportionen eines gut designten Sportautos mit langer Motorhaube und Heckantrieb“, sagt der Designer. Man denke an Oldtimer wie den Jaguar XKE mit seiner langen Haube und der kurzen Kabine.

Bei aller Liebe Yanmars zum neuen Flaggschiff des Konzerns: Das Unternehmen kann nicht einmal in Japan beanspruchen, als einziges Unternehmen das Sportyachtsegment neu definieren zu wollen. Auch der Autobauer Toyota versucht, über den Umweg Wasser an Land seine Premiummarke Lexus emotional aufzuladen.

Lexus hat als Konzept bereits eine Sportyacht zu Wasser gelassen, die 42 Fuß lang ist, drei Fuß länger als Yanmars Produkt. Die eigentliche Lexus-Luxusyacht, die später in diesem Jahr in Verkauf gehen wird, misst allerdings stolze 65 Fuß. Auch der Traktorenprofi arbeitet bereits an einer längeren Version, besonders für die USA und Europa.

Aber Yanmar geht es mit seiner X39 ohnehin nicht um Masse, gesteht ein Firmensprecher. „Sie steht offiziell zum Verkauf und wurde auch schon verkauft“, sagt er. „Aber sie ist nur für eine ausgewählte Kundschaft erhältlich.“ Und in der spricht man nicht über den Preis – oder wenigstens tut Yanmar es nicht. Träume muss man sich halt leisten können.

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