Messe Grand Basel Auto-Klassiker sollen reiche Sammler nach Basel locken

Die Luxusmesse „Grand Basel“ will an den Erfolg der Art Basel anknüpfen – und Autos als Kunstwerke präsentieren. Gehen die Pläne auf?
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Oldtimer wie diesen Cisitalia 202 SC von 1947 wird die Grand Basel vom 6. bis 9. September präsentieren. Foto: René Staud Quelle: Grand Basel
Grand Basel

Oldtimer wie diesen Cisitalia 202 SC von 1947 wird die Grand Basel vom 6. bis 9. September präsentieren. Foto: René Staud

(Foto: Grand Basel)

ZürichFrüher konnten Automessen gar nicht groß genug sein: Die Hersteller überboten sich mit ausufernden Ständen, spektakulären Lichtshows und Musikeinlagen. Heute zeigen sie ihre Neuheiten lieber auf angesagten Tech-Events. Die fetten Jahre scheinen vorbei – und doch wagt Basel ausgerechnet jetzt eine neue Auto-Ausstellung.

Grand Basel heißt die Messe, die an den Erfolg der renommierten Kunstmesse Art Basel anknüpfen möchte – und sich auf das Wesentliche konzentrieren will. „Die Welt braucht nicht noch einen Autosalon“, sagt Mark Backé, der die Grand Basel organisiert.

„Bei uns gibt es keine Tänzer, keine Lasershow und keinen Schnickschnack.“ Stattdessen sollen die Fahrzeuge im Mittelpunkt stehen, präsentiert in schlichten „Frames“ wie zeitgenössische Kunstwerke in einem modernen Museum. Messemacher Backé spricht vom „Galeriegedanken“.

Mit der puristischen Präsentation will die Grand Basel Sammler, Händler und Connaisseure zusammenbringen. Gezeigt werden seltene Oldtimer, exklusive Neuwagen und Konzeptfahrzeuge. Die Hoffnungen der Baseler auf das neue Format sind groß. Doch die Herausforderungen sind es auch – denn vom boomenden Markt für automobile Sammlerstücke wollen zahlreiche Automessen profitieren.

Schon seit Jahren haben Superreiche das „Garagengold“ für sich entdeckt. Kein anderes Luxusgut hat in den vergangenen zehn Jahren mehr an Wert gewonnen als klassische Fahrzeuge, zeigt der „Wealth Report“ der Immobilienfirma Knight Frank. Die Preise haben demnach im Schnitt um mehr als 300 Prozent zugelegt.

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Im vergangenen Jahr fiel das Plus mit zwei Prozent zwar moderat aus. Doch besonders seltene Stücke rufen auf Auktionen zweistellige Millionenpreise ab. So wechselte im kalifornischen Pebble Beach gerade ein Ferrari 250 GTO für 48 Millionen Dollar den Besitzer – ein neuer Rekord.

In diesem Markt wollen die Baseler nun mitmischen. Bei der Premiere werden bis zum Sonntag insgesamt rund 100 Fahrzeuge ausgestellt. Darunter nicht nur Legenden aus Filmen und dem Rennsport, sondern auch zeitgenössische Fahrzeuge und Konzeptstudien berühmter Designer.

Zu sehen ist etwa der Benetton-Ford B194, mit dem Michael Schumacher 1994 seine erste Formel-1-Weltmeisterschaft gewann, aber auch der als zeitlos geltende Lamborghini Miura von 1968, der mit dem Gangsterstreifen „The Italian Job“ berühmt wurde. Oder der Aston Martin DB4 GT Zagato, mit dem die Briten dem italienischen Konkurrenten Ferrari Paroli bieten wollten.

Laut Backé soll sich unter den Exponaten auch eine „Überraschung“ des Elektroautobauers Tesla befinden – mehr wird nicht verraten. So unterschiedlich die Vehikel auch sein mögen, hätten sie doch eins gemeinsam: „Sie besitzen etwas, was sie zu Meisterstücken macht.“

Die Grand Basel zeigt viele Raritäten. Foto: Paolo Carlini
Porsche 550 1500 RS Spyder von 1956

Die Grand Basel zeigt viele Raritäten. Foto: Paolo Carlini

Dabei wollen die Macher auch eine jüngere Sammlergeneration ansprechen, ohne die älteren Sammler zu verprellen. So gibt es etwa auch japanische Youngtimer zu bewundern. „Wer hätte sich vor einigen Jahren für japanische Klassiker interessiert?“, fragt Backé.

Wie jede Ausstellung, die etwas auf sich hält, wird auch die Grand Basel von Experten kuratiert: Der Kölner Design-Professor Paolo Tumminelli, die Künstlerin Sylvie Fleury und Fiat-Erbe Lapo Elkann haben das Konzept mitentwickelt. Die Parallelen zum Kunstbetrieb sind kein Zufall.

Messemacher Backé erhofft sich eine große Schnittmenge mit den Besuchern der Art Basel: „Viele Kunstsammler interessieren sich auch für besondere Automobile.“ Und wie die Art Basel soll auch ihre automobile Schwester auf Tour gehen: Im Februar wird die Grand Basel in Miami Beach in Florida stattfinden, im Mai ist Hongkong dran.

Für den Betreiber der Baseler Messe, MCH, steht viel auf dem Spiel, denn der börsennotierte Konzern hat turbulente Wochen hinter sich. Das Flaggschiff, die Uhrenausstellung Baselworld, kämpfte schon länger mit sinkenden Ausstellerzahlen. Im Juli sagte der Uhrenriese Swatch sein Kommen ab: Konzernchef Nick Hayek sieht bei den traditionellen Messen keinen Mehrwert mehr.

Nach der Absage von Swatch verkündete MCH-Chef René Kamm seinen Rücktritt. „Natürlich gingen diese Ereignisse auch an uns nicht spurlos vorbei“, räumt Backé ein. Die Auto-Ausstellung sei zwar nicht die Antwort auf die Probleme der Baselworld, „aber sie ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass sich Basel weiterentwickelt“.

Enorme Konkurrenz

Die Liebe zum Automobil soll aber auch ein einträgliches Geschäft sein. Ein Drittel der Erlöse soll von den Ausstellern kommen, ein Drittel von den Gästen und ein weiteres Drittel von Sponsoren, rechnet Backé vor. Konkretere Zahlen zum geplanten Erlös will er nicht verraten. Eine Tageskarte für Besucher schlägt mit 45 Franken zu Buche. Die Ausstellungsgebühr für Händler und Sammler liegt für einen „Frame“ bei 25 000 Franken.

Der Oldtimerexperte Marius Brune vom Marktdatenanbieter Classic Data sieht die Pläne der Baseler eher skeptisch: „Es dürfte nicht einfach sein, das Who‘s who der Oldtimerszene für Basel zu begeistern“, sagt der Experte. Bei den Messen haben die Sammler exklusiver Fahrzeuge schon heute die Qual der Wahl – auf Brunes Schreibtisch stapeln sich die Auktionskataloge.

Die Grand Basel will an den Erfolg der Art Basel anknüpfen. Foto: Paul Hammer. Quelle: Grand Basel
Lamborghini Miura von 1968

Die Grand Basel will an den Erfolg der Art Basel anknüpfen. Foto: Paul Hammer.

(Foto: Grand Basel)

Wer etwas auf sich hält, besucht das „Festival of Speed“ in Goodwood, die Retromobile in Paris oder eben die legendäre „Car Week“ am Strand von Pebble Beach in Monterey. „Auf diesen Events tummelt sich alles, was Geld hat“, sagt Brune, „vom indischen Selfmademillionär bis zum russischen Oligarchen.“ Deswegen seien die großen Messen auch für Auktionshäuser und Hersteller ein Pflichttermin.

Messemacher Backé zeigt sich für die Premiere der Grand Basel optimistisch – auch wenn bei der Erstauflage noch keine großen Hersteller dabei sind. „Wir hoffen, dass sich das in den kommenden Jahren ändert“, sagt Backé, der früher selbst für einen Autobauer die Messeauftritte organisiert hat. Der Messemanager sammelt zwar selbst keine Autos, aber: „Die Faszination kann ich nachvollziehen.“

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