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Alberto Morillas

„Die Parfüm-Kreation ist viel mehr als der reine Geruchssinn.“

Mizensir-Gründer im Interview Wovon Parfümeur Alberto Morillas sich bei der Duftkreation inspirieren lässt

Der Parfümeur des Dufts Calvin Klein One setzt auf die Macht der Düfte und Erinnerungen. Ein Gespräch über Geld, Liebe – und das beste Parfüm der Welt.
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Düsseldorf Alberto Morillas ist umringt von seinen Fans. Während er in die Kameras lächelt, signiert er auf der Verkaufsfläche des Düsseldorfer Kaufhauses Breuninger Parfüms. Seine Wortkreation Mizensir prangt auf den gold- und silberfarbenen Flakons. Die eigene Parfümmarke war für den 70-Jährigen eine weite Reise – gesäumt mit Kreationen der Extraklasse.

Wenige Stunden später wird Morillas im Rahmen der Duftstars-Verleihung 2019 in Düsseldorf der Persönlichkeitspreis verliehen werden. „Alberto Morillas ist zweifellos einer der weltweit entscheidenden Protagonisten der Parfümbranche“, erklärt Fragrance Foundation-Geschäftsführer Martin Ruppmann in einer Mitteilung die Entscheidung. „Seiner nahezu beispiellosen olfaktorischen Vorstellungskraft, seinem Wissen und seiner ungeheuren Kreativität verdanken wir wichtige Impulse, durch die die Grenzen des Machbaren wegweisend und zugleich angenehm wohltuend erweitert werden.“

Von Kenzo Flowers über Marc Jacobs Daisy bis hin zu Gucci Bloom: Es gibt kaum ein Parfüm, welches der Meister nicht selbst erdacht hat. Auch der weltberühmte Duft Calvin Klein One, bereits vor über 20 Jahren vorausschauend als Unisex-Parfüm kreiert, stammt aus seiner Feder. Im Handelsblatt Interview zeigt er die Parfüms seiner Kollektion, verrät, was er selbst trägt und wie die Liebe riecht. Natürlich ist auch seine Nase ein Thema.

Herr Morillas, sind Sie ein Künstler?
Nein.

Warum sind Sie Parfümeur geworden?
Vielleicht, weil ich kein Picasso bin. Während meiner Zeit an der Kunsthochschule in Genf entdeckte ich, dass ich nicht begabt bin. Ein Artikel in der „Vogue“ inspirierte mich dazu, Parfümeur zu werden.

Und dann?
Als ich 20 Jahre alt war, gab es noch nicht so viele Schulen, in denen ich das Handwerk der Parfüm-Kreation hätte erlernen können Also startete ich meine Karriere bei dem Duftstoffhersteller Firmenich. Dort arbeite ich übrigens heute noch, 50 Jahre später.

Wie wichtig ist Ihnen ihre Nase?
Die wird überschätzt. Die Parfüm-Kreation ist viel mehr als der reine Geruchssinn. Es geht um Emotionen. Das zeigt schon mein Formelbuch. Schreibe ich die Formel in rot nieder, fühle ich in diesem Moment sehr intensiv. Wähle ich die Farbe grün, bin ich glücklich. Und blau bedeutet für mich Urlaub.

Welche Bedeutung haben Düfte?
Düfte sind Erinnerungen. Wenn du über Jahrzehnte dasselbe Parfüm benutzt, werden sich Menschen anhand des Duftes an dich erinnern. Das ist ein Privileg. Deswegen rate ich auch keinem Mann, den Duft einer Frau, die man sehr geliebt hat, einer anderen zu schenken. Es wird nie wieder dasselbe sein.

Tragen Sie heute ein Parfüm?
Ja, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, welches ich aufgetragen habe. Aufgrund meiner Arbeit habe ich persönlich keinen Signature-Duft. Ich trage meist das, was ich gerade kreiere.

Welches ihrer Parfüms lieben sie am meisten?
Schwer zu sagen. Jeder Duft erinnert mich an eine Zeit in meinem Leben. Parfüms sind für mich konservierte Erinnerungen. Manche liegen zwei Jahre zurück, andere 20.

Was inspiriert sie?
Die Landschaft der Wüste. Die Sonne wärmt, die Landschaft ängstigt, es gibt keine anderen Menschen. Es ist ein Gefühl der Freiheit.

Wie alle Düfte der Morillas-Marke ist auch dieses Parfüm unisex.
Mizensir-Parfüm „Poudre d’Or“

Wie alle Düfte der Morillas-Marke ist auch dieses Parfüm unisex.

Sie haben mehr als 7.000 Düfte formuliert. Was ist für Sie das beste Parfüm der Welt?
Light Blue Femina von Dolce & Gabbana, obwohl ich es nicht selbst kreiert habe. Es ist anders und trotzdem liebt es jeder. Eben ein echtes Kunstwerk.

Die Düfte ihrer eigenen Marke Mizensir sind alle unisex. Warum?
Wenn ich kreiere, denke ich nicht an einen Mann oder an eine Frau. Meine Kreationen beginnen mit einem Gefühl. Manchmal ist es sexy, manchmal ist es frisch. Emotionen sind wichtig, nicht das Geschlecht.

100 ml ihres Duftes Poudre d’or kosten 200 Schweizer Franken. Warum sind ihre Parfüms so teuer?
Es ist nicht nur die Komposition. An meinen Kreationen feile ich meist drei bis vier Jahre. Eine lange Zeit. Und die Inhaltsstoffe sind hochwertig. Plus die Kosten für Marketing und PR. Bei einer Handtasche bezahlt man ja auch nicht nur das Leder.

Wie wichtig ist Ihnen Geld?
Ich habe in meinem Leben noch nie über Geld nachgedacht, obwohl ich es sehr gerne ausgebe. Es gab Zeiten, da kannte ich die Höhe meines Einkommens nicht. Es war mir einfach nie wichtig. Vielleicht weil immer genug da war.

Sie müssen ein Vermögen verdient haben.

Morillas beginnt zu lachen. Mein Blick schweift über seine Kleidung: hochwertige Slipper, aufwändig bestickte Krawatte, beiges Jacket, allesamt von dem italienischen Luxusgüterhersteller Gucci. Auch die schwarze Brille auf seiner Nase. An seinem linken Handgelenk baumelt eine silberfarbene Uhr. Morillas Auftreten ähnelt dem eines Aristokraten, alles an ihm wirkt teuer und würdevoll.

Wenn ihnen Geld egal ist: Woran messen sie ihren Erfolg?
Wenn ich mit einem Duft fertig bin, ist es eigentlich nicht mehr mein Baby. Aber ich bin jedes Mal stolz, wenn mir Menschen begegnen, die meine Kompositionen tragen. Und meistens erkenne ich die Düfte auch.

Allein ihre Kreation Calvin Klein hat sich in den ersten sechs Monaten eine Million Mal verkauft. Haben Sie damit gerechnet?
Nein, das kannst du vorher nie wissen. Bei One haben mich Ice Tea-trinkende Jugendliche inspiriert. Und plötzlich wollte es jeder haben. Ich habe immer versucht, am Puls der Zeit zu sein und das hat ganz gut funktioniert.

Wie wird ein Parfüm zum Klassiker?
Das ist nicht einfach. Die Komposition muss zeitlos sein und auch noch Jahrzehnte später zum Zeitgeist passen. Es gibt Millionen von Parfüms, da hat es sicherlich auch etwas mit Glück zu tun.

Wonach riecht die Liebe?
Nach müheloser, natürlicher, verführerischer Schönheit.

Herr Morillas, vielen Dank für das Gespräch!

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