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Modedesigner im Interview „Es heißt immer Designer, aber im Grunde bin ich Unternehmer“

Warum der Bankkaufmann Steffen Schraut seine eigene Modelinie gründete, die Modestadt Düsseldorf liebt und weshalb er keine Geschäftszahlen veröffentlicht.
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Bei seiner letzten Kampagne arbeitete der Designer mit Influencerin Miss Fame (r.) zusammen. Foto: Steffen Schraut
Steffen Schraut

Bei seiner letzten Kampagne arbeitete der Designer mit Influencerin Miss Fame (r.) zusammen.

Foto: Steffen Schraut

Düsseldorf Steffen Schraut empfängt in seinem Showroom auf der Kaiserswerther Straße in Düsseldorf. Seit fünf Jahren sind die 600 Quadratmeter sein Reich. Hosen, Röcke und Blusen sind aufwendig drapiert. Es ist gerade Modewoche in Düsseldorf, die CPD (Collection Première Düsseldorf). Models stolzieren in seinen neusten Entwürfen auf und ab. Und die Kunden fotografieren fleißig.

Zur Erfrischung wird Holunderblüten-Wasser mit Minze verteilt. Der Designer fühlt sich sichtlich wohl. Kein Wunder, seine Ordertische sind ausnahmslos besetzt.

Herr Schraut, sie sind gelernter Bankkaufmann. Ist der Weg zur Mode nicht ein bisschen weit?
Ich komme aus einer Textilfamilie. Die Mode liegt mir quasi im Blut. Die Spielplätze meiner Kindheit waren unser Stofflager und die Kreativabteilung. Ich habe das immer geliebt. Dieses Umfeld, die Atmosphäre. Die Ausbildung war nicht meine Idee. Mein Vater war damals Bankdirektor bei der Commerzbank und wollte, dass ich etwas „Anständiges“ lerne. Doch die Lehrjahre waren schwierig für mich.

Wer ist Steffen Schraut heute?
Es gibt die Marke Steffen Schraut und den Menschen. Ich selbst würde mich als kreativ, kunstliebend und perfektionistisch beschreiben.

Und die Marke?
Die Grundidee war damals, Begehrlichkeit zu schaffen, die bezahlbar ist. Und natürlich ein Unternehmen zu gründen, welches profitabel ist. Es heißt immer Designer, aber im Grunde bin ich ganz klar Unternehmer. Es geht mir um Zahlen, Abverkäufe und Profit. 

Bezeichnen Sie sich deswegen nicht gerne als Designer?
Ja, und dazu stehe ich. Auch wenn die Designwelt glamouröser als der Sales Bereich ist. 

Designen sie ihre Kleidung selbst?
Ja, gemeinsam mit meinem Team. Für mich ist es wichtig, dass Frauen dabei sind. Ich designe das grobe Gerüst, aber es gibt auch eine rechte und linke Hand. 

Wo lassen sie sich inspirieren?
Auf Reisen. 

Haben Sie dafür genug Zeit?
Ja, ich verbinde meist das Geschäftliche mit dem Privaten. Auch Museen sind für mich eine Quelle der Inspiration, ob nun das Museum of Modern Art oder im Whitney in New York. Ich liebe es zu beobachten, wie die Kids auf dem Boden sitzen und Skizzen anfertigen. Menschen sind für mich die größte Inspiration. 

Warum stagniert der Verkauf von Produkten vieler Modemarken?
Die Anforderungen der Kunden haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Alte Systeme funktionieren nicht mehr. Wir müssen jede Saison neue Erlebnisse bieten. Und die letzte Herbst-Winter-Saison war schwierig. Wir hatten bis Anfang Oktober sommerliche Temperaturen. Viele Kunden sind auf den Waren sitzen geblieben. Das bedeutet Budgetkürzungen. Wenn Sie heute in Düsseldorf die Kaiserswerther Straße entlang gehen, werden sie merken, dass es trotz Orderphase ruhig ist. Auch wenn überall das Licht brennt. Ich bin wirklich dankbar, dass wir volle Ordertische haben. 

Liegt die niedrige Resonanz vielleicht auch an der CPD selbst ?
Überhaupt nicht. Düsseldorf ist der Ort, wo die Order schlussendlich geschrieben und fixiert wird. Und es ist sehr international. Wir haben einen hohen russischen Anteil. Auch der mittlere und nahe Osten ist stark vertreten. Alle wichtigen und großen Kunden, die kurzzeitig mal in Berlin waren und sich Düsseldorf erspart haben, kommen nun wieder hierher. Der Grund ist, dass die Kollektionen hier perfekt aufbereitet in den Showrooms hängen. Uns geht es nicht um die Show, auch wenn das auch wichtig ist.

Meinen Sie die Fashion Week in Berlin?
Es ist eine rein unternehmerische Entscheidung. In Düsseldorf haben wir unsere eigenen Räumlichkeiten, die gleichzeitig auch unsere Verkaufsfläche sind. Aber das heißt nicht, dass ich niemals eine Show in Berlin machen werde.

Zuletzt haben Sie mit Aldi kooperiert. Hatten sie keine Angst, ihre Marke zu verramschen?
Nein, für mich war es ein Ritterschlag. Alle Kooperationen mit hochwertigen Marktführern, die noch folgen werden, sind daraus entstanden. Und unsere Umsätze sind gestiegen. Unsere größten Online-Partner Breuninger und Zalando verkauften in den 14 Tagen, in denen die Aktion lief, 45 Prozent mehr Steffen Schraut. Und wir hatten eine Million Zugriffe auf unserer Website. Die Aktion war sehr wertvoll und unsere Kunden wissen, dass die Qualität und Passform der Marke Steffen Schraut nicht bei Aldi erhältlich war. Nur das Design stammte von mir, Aldi hat produziert. Und es war eine zeitlich begrenzte Kooperation. Bedeutet:

Der Modedesigner wurde 1969 in Reutlingen geboren. Foto: Steffen Schraut
Steffen Schraut

Der Modedesigner wurde 1969 in Reutlingen geboren.

Foto: Steffen Schraut

Ihre Kleidung ist bei diversen Onlinepartnern wie Breuninger, Farfetch, Stylebop und Zalando erhältlich. Reizt sie nach 17 Jahren nicht ein eigener Onlinestore?
Nein, wir wachsen mit unseren Onlinepartnern sehr stark und ich möchte meinen eigenen Kunden keine Konkurrenz machen.

Wie viele festangestellte Mitarbeiter haben sie?
Zehn. Wir haben von Anfang an alles ausgelagert, auch unsere Logistik. In dem Bereich beschäftigt ein Unternehmen 120 Mitarbeiter. Es arbeitet exklusiv für uns.

Wäre die Marge nicht höher, wenn Sie es selbst machen würden?
Doch, aber wir sind unglaublich treu. Wir haben von Anfang an bis heute dieselbe PR-Agentur und dieselben zwei Produzenten.

Sind sie treu oder scheuen Sie das Risiko?
Treu in Verbindung mit guter Leistung.

Für ihre letzte Kampagne haben Sie die Influencerinnen Miss Fame und Cheyenne Ochsenknecht gebucht. Ist das gut fürs Geschäft?
Mein Anspruch ist schon seit den letzten drei Saisons, anders zu sein. Meine Kundin soll an der Kampagne hängen bleiben und darüber nachdenken. Diese Saison geht es bei uns um Diversity. Ich bin privat mit Miss Fame befreundet und er ist einfach ein unglaublicher Mann. Seine Geschichte fasziniert mich. Und natürlich die mehr als eine Million Instagram-Follower. Und Cheyenne habe ich nicht gebucht, weil ihre Eltern berühmt sind und sie selbst viele Follower hat. Sie ist einfach ein tolles Model. Speziell in Mailand und Paris geht sie gerade durch die Decke. 

Würden Sie noch klassische Models ohne Follower buchen?
Definitiv. Aber ich würde sie nicht mehr klassisch inszenieren. Marken brauchen heute mehr denn je Storys. Ohne Geschichten gibt es auch keine Presse. 

Ihr Modelabel gilt als rentabel, aber warum veröffentlichen Sie keine Zahlen?
Ich habe am Anfang beschlossen, keine Zahlen rauszugeben und finde das nach wie vor sehr sexy. Man kann unsere Unternehmensgröße und unseren Abverkauf nicht einschätzen. Das ist ein Vorteil.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schraut.

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