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Modedesignerinnen Rianna Kounou und Nina Knaudt „Es ist ein verrückt hartes Business“

Die Gründerinnen des Labels Rianna + Nina fertigen aus Vintage-Tüchern neue Kleider. Dabei konkurrieren sie mit Marken wie Gucci oder Valentino.
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Nina Knaudt (r.) und Rianna Kounou: „Wir haben von einem auf den anderen Tag quasi geheiratet.“ (Foto: Rianna + Nina)
Die Gründerinnen von Rianna + Nina

Nina Knaudt (r.) und Rianna Kounou: „Wir haben von einem auf den anderen Tag quasi geheiratet.“

(Foto: Rianna + Nina)

BerlinNina Knaudt und Rianna Kounou empfangen in ihrem Atelier in einem Hinterhof an der Torstraße in Berlin. Drinnen treffen gerahmte Seidentücher auf auffällige Prints. Und alles ist bunt. Die Farbe schwarz existiert in der Welt des Unternehmens „Rianna + Nina“ nicht. Seit knapp fünf Jahren gibt es die Luxusmarke – entstanden aus Rianna Kounous Idee, Tücher wieder zu verwerten.

Mittlerweile hat sich auch der Erfolg eingestellt. Jüngst war US-Star Jaredo Leto in einen der knallbunten Kimonos gehüllt, als er einen seiner Hits sang. Ihre Kollektion hängt im New Yorker Kaufhaus Bergdorf & Godman.

Dabei ist bemerkenswert: Bei der Firmengründung kannten sich die beiden Frauen kaum.

Frau Kounou, Frau Knaudt, Mode aus Berlin funktioniert selten. Warum haben Sie ihr eigenes Modelabel gegründet?
Nina Knaudt: Rianna und ich haben uns vor fünf Jahren zufällig auf einer Messe für Vintage-Möbel kennen gelernt. Mit ihrem farbenfrohen Look und der Pucci-Sonnenbrille im Haar fiel sie mir sofort auf. Und ich ihr. Kurze Zeit später haben wir dann gemeinsam einen Laden in Berlin Mitte eröffnet, mit unserer ersten eigenen Mini-Kollektion. Das waren fünf handgenähte Kimonos. Mit der Zeit haben wir uns dann auf unsere eigenen Kreationen fokussiert.

Rianna Kounou: Wir waren wie zwei Magnete. Unsere Begegnung war Schicksal. Heute sind wir wie eine Familie und können es uns gar nicht mehr vorstellen, ohne einander zu sein.

Frau Knaudt, sie waren 29 Jahre alt und Marketingleiterin bei Galeries Lafayette. War der Schritt nicht etwas waghalsig?
Knaudt: Sicherlich gehört dazu eine Portion Mut. Wir waren ja sozusagen zwei fremde Frauen. Alter, Background und Kultur waren unterschiedlich, und wir haben von einem auf den anderen Tag quasi geheiratet. Meine Mutter meinte dazu nur: ‚Jetzt willst du kündigen, um dich mit einer Fremden selbstständig zu machen?“

Eine eigene Bekleidungsmarke zu gründen ist teuer. Wie haben Sie ihren Start finanziert?
Kounou: Unsere anfängliche Investition belief sich auf 10.000 Euro. Damals waren wir noch weit davon entfernt, ein Label zu sein. Wir verkauften in unserem Laden, was uns gefiel. Auch Dinge, die wir von unseren vielen Reisen mitgebracht haben. Es war eine Auswahl an Kuriositäten, Mode und Interieur.

Den Laden gibt es heute nicht mehr.
Knaudt: Unsere Kundinnen leben heute in New York, Hongkong, Capri, Los Angeles oder Hawaii. Da ist ein eigener Store in Berlin wenig sinnvoll. Wir verkaufen hier im Kaufhaus des Westens und in Riannas Vintage-Boutique ‚Rianna in Berlin“. Das reicht. Außerdem haben wir hier nach wir vor unser Atelier, in dem unsere Einzelstücke von Hand genäht werden.

Wenn die Marke Mensch wäre: Wie würden Sie Rianna and Nina beschreiben?
Kounou: Wie wir sind: mutig, weltoffen, glücklich, kreativ und reisefreudig

Manche Kleider kosten über 4.000 Euro. Wie sieht Ihre klassische Kundin aus?
Knaudt: Unsere Kundinnen sind genauso wenig klassisch wie unsere Kollektion. Von einer italienischen Dirigentin bis zur amerikanischen Künstlerin oder deutschen Unternehmensberaterin ist alles dabei. Was sie eint: Allen ist die Qualität ihrer Kleidung wichtig.

Wann wussten Sie, dass ihr Produkt funktioniert?
Kounou: Durch unseren Laden lernten wir unsere Kundinnen sofort kennen. Direkt am ersten Tag. Mittlerweile gibt es Frauen, die regelrechte Sammlungen aufgebaut haben. Eine Kundin hat letztes Jahr an einem einzigen Tag Jacken, Kleider und Mäntel im Wert von 114.000 Euro gekauft.

Im New Yorker Kaufhaus Bergdorf & Godman zu hängen gilt als Ritterschlag. Was empfinden Sie, wenn Sie ihre Kleider dort sehen?
Kounou: Das war schon ein wirklich tolles Gefühl, unsere Kollektion in diesem traditionsreichen Haus zu sehen. Wir waren beim Start selbst vor Ort. Stolz machen uns aber vor allem zufällige Begegnungen mit unseren Kundinnen. Im Dezember waren wir bei Freunden in London und plötzlich kam eine Frau in einem unserer Kimonos rein. Da hätten wir am liebsten vor Freude geschrien.

Was ist letztlich dafür verantwortlich, dass Ihnen der internationale Durchbruch gelang?
Knaudt: Unsere Qualität. Wir sind Schatzsucher. Wir mischen Couture-Stoff aus den 70ern mit Gobelin-Stoff aus den 30ern. Wieder gemischt mit Seidentüchern. Wir arbeiten mit einer kleinen Schneiderei in Kreuzberg zusammen. Und für aufwändige Strickereien konsultieren wir eine Näherei in der Ukraine, wo das traditionelle Nähhandwerk noch beherrscht wird. Hinzu kommt, dass wir uns wirklich immer fragen: Wo soll unsere Kollektion hängen, wer soll sie tragen, was wollen wir aussagen. Da sind wir dann auch sehr kompromisslos.

Kounou: Schöne Kleider nähen können viele. Schwieriger wird es dann, eine Marke zu kreieren, den Markt zu verstehen, die richtige Zielgruppe zu finden und sich dann nicht von seinem Weg abbringen zu lassen.

Wie wichtig ist die eigene Story für den Markenaufbau?
Knaudt: Wir mussten glücklicherweise keine Story kreieren. Allein unsere erste Begegnung ist einzigartig. Aber klar, Botschafterin seiner eigenen Marke zu sein ist wichtig. Wir tragen beide privat fast ausschließlich unsere Designs. Nicht, weil wir uns dazu verpflichtet fühlen, sondern weil viel von uns selbst in den Kleidern steckt.

Würden Sie heute zu der Gründung einer Bekleidungsmarke raten?
Knaudt: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ohne jemandem die Motivation nehmen zu wollen: Ein gewisser finanzieller Grundstock sollte schon da sein. Es ist ein verrückt hartes Business, dass trotz aller Freude auch wahnsinnig komplex ist. Gerade waren wir zur Fashion Week in Paris und haben den Einkäufern unsere Kollektion präsentiert. Das ist natürlich immer super spannend und aufregend, aber auch Kräfte zehrend. Man sollte also definitiv nicht naiv an die Sache rangehen, sondern sich bewusst machen, dass hinter dieser glitzernden Fassade ein Geschäft steckt, das Umsätze generieren muss.

Kounou: Für ein Modelabel braucht man einen langen Atem und man muss einfach eine ganz klare Vision haben. Nina und ich sind nicht die klassischen Fashion-Designerinnen. Wir sind kreative Unternehmerinnen. Das ist schon ein wirklich anspruchsvolles Business.

Anspruchsvoll. Haben Sie dafür ein praktisches Beispiel?
Knaudt: Unsere Preise befinden sich im Luxussegment. Heißt, wir konkurrieren mit etablierten Brands wie Gucci oder Valentino, die natürlich ein völlig anderes Marketingbudget haben als wir. Wir sind kreativ und bieten den Kundinnen etwas, dass sie bei diesen Labels nicht finden können. Aber es gehören trotzdem auch hochwertige Foto-Shootings, ein tolles Packaging und Pop up-Shops dazu. Auf dem Niveau fragst du nicht mehr eine Freundin, ob sie für dich Model stehen kann. Das kostet alles sehr viel Geld.

Würden Sie ihr Business auch verkaufen?
Knaudt: Das steht gerade überhaupt nicht zur Debatte. Es geht ja gerade erst so richtig los, und wir konzentrieren uns derzeit drauf, unsere Marke international weiter aufzubauen.

Was ist Ihr nächstes Ziel?
Kounou: Es passieren fast täglich neue, spannende Dinge und wir müssen einfach schauen, was am Besten zu uns passt und welcher Weg der Richtige für uns ist. Es gibt so viel zu tun und wir freuen uns auf alles, was kommt.

Frau Knaudt, Frau Kounou, vielen Dank für das Gespräch.

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