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Neue Benimmregeln Diese Strafen drohen Mallorca-Urlaubern – nicht nur am Ballermann

Mallorca-Urlauber müssen mit Bußgeldern bis zu 3000 Euro rechnen. Doch im Kampf der Behörden gegen den Trinktourismus gibt es ein großes Hindernis.
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Mit einer Rabatte hat das legendäre Lokal seinen Außenbereich von der Straße abgetrennt – gezwungenermaßen. (Foto: Michael Wrobel)
Die Grenzen des Bierkönigs

Mit einer Rabatte hat das legendäre Lokal seinen Außenbereich von der Straße abgetrennt – gezwungenermaßen.

(Foto: Michael Wrobel)

Palma de MallorcaMontagnachmittag kurz nach 16 Uhr auf der berühmt-berüchtigten „Schinkenstraße“ in S’Arenal auf Mallorca: Drei junge Männer in knatschgelben Baywatch-Shirts schwanken mit ihrem Ghettoblaster laut grölend durch die Schinkenstraße, zwei Mittzwanzigerinnen essen genüsslich vor einem Imbiss ihre Currywurst, unzählige Straßenhändler drängen der meist angetrunkenen Kundschaft Plüschtiere, Sonnenbrillen und Uhren auf – Bilder, die es am „Ballermann“ so nicht mehr geben sollte.

Denn schon vor Monaten setzte das Rathaus in der Inselhauptstadt Palma gleich einen ganzen Katalog neuer Benimmregeln auf, die dem Party- und Sauftourismus ein Ende setzen sollen. ZEIT heißt die neueste Ergänzung der schon bestehenden Ballermann-Benimmregeln.

Das Wort steht für „Zona d’Especial Interès Turístic“ – ein Gebiet von besonderem touristischem Interesse. Die gesamte Playa de Palma wurde zu einer solchen Zone erklärt. Und hier sollen Party-Urlauber gezähmt werden: „Happy Hour“ mit starken Drinks zu Dumpingpreisen, Alkohol auf der Straße und am Strand oder die Mitnahme von Speisen aus Imbissen und Restaurants – das alles ist künftig verboten.

Kontrolliert wurde dies in den ersten Wochen der neuen Saison aber nicht. Und so lief alles wie immer: Am Vatertagswochenende ging es richtig los, doch schon zum Auftakt Ende April präsentierte sich die Playa de Palma knüppelvoll. Zu den Openings von „Bierkönig“ und „Megapark“ drängten hunderte Party-Urlauber in die beliebten Party-Tempel, so dass die Sicherheitskräfte jeweils nach nur kurzer Zeit Einlassstopps wegen Überfüllung verhängen mussten. Gefeiert, getrunken und gegessen wurde somit auch auf den Straßen.

Einen allerersten, zögerlichen Versuch der Lokalpolizei, die neuen Regeln nun endlich durchzusetzen, mussten dann aber zumindest drei Urlauber erleben. Wie die Policía Local am Freitag mitteilte, wurden sie an Christi Himmelfahrt, an dem Tausende deutsche Urlauber zum Feiern nach Mallorca gekommen waren, mit einem Bußgeld belegt.

Nicht aber, weil sie den Beamten betrunken aufgefallen waren, sondern weil sie an der Playa de Palma bei einem Straßenhändler eingekauft hatten. Wer nämlich eine Sonnenbrille, eine gefälschte Marken-Handtasche oder ähnliches bei einem illegalen Straßenhändler kauft und dabei von der Polizei erwischt wird, muss seit dem 1. April mit einem Bußgeld von bis zu 750 Euro rechnen.

Auch in der Inselhauptstadt gelten die neuen Benimmregeln. Quelle: dpa
Der Strand von Palma

Auch in der Inselhauptstadt gelten die neuen Benimmregeln.

(Foto: dpa)

Ob die drei Urlauber, über deren Nationalität bisher nichts bekannt ist, an Ort und Stelle zur Kasse gebeten wurden, ist indes nicht klar. Für andere Vergehen, wie etwa das Essen und Trinken in bestimmten Straßen an der Playa de Palma, habe es laut der Lokalpolizei bisher aber noch keine Knöllchen gegeben. Und so sind noch immer jede Menge Urlauber mit Bratwurst und Co. trotz der Verbote auf den Straßen unterwegs – und das wie immer häufig angetrunken und laut feiernd.

Das, obwohl die Lokale an der „Schinkenstraße“ – wie von der Stadt gefordert – ihre Außenbereiche mit Zäunen abgetrennt haben. Und die Kellner achten aus Angst vor Strafgeldern penibel darauf, dass kein Gast mit einem Bierkrug auf die Straße läuft.

Dabei sind die Strafen bei Verstößen gegen die neuen Benimmregeln zum Teil saftig: Wer beispielsweise Getränke oder Speisen aus Lokalen mit auf die Straße nimmt und dabei erwischt wird, muss 70 bis 90 Euro Strafe bezahlen. Richtig teuer wird es dann nachts: Zwischen 24 und 8 Uhr darf Alkohol nur noch in Clubs, Bars und Restaurants konsumiert werden. Hier fällt die Strafe bei einem Verstoß mit bis zu 3000 Euro drastisch aus.

Gültig bis zum 30. September

Die gleiche Summe muss zahlen, wer am Strand, auf Plätzen oder Straßen in der Gruppe exzessiv Alkohol trinkt. Mit dieser hohen Strafe erhofft man sich, die Trinkgelage am Strand eindämmen zu können.

Auch lautes Rumgegröle von Betrunkenen soll künftig an der Playa de Palma tabu sein. Auf Regelbrecher wartet in diesem Fall ein Knöllchen in Höhe von 100 bis 750 Euro. Die gleiche Summe wird fällig bei lauter Musik, öffentlichem Sex und Wildpinkeln.

Die neuen Benimmregeln gelten übrigens nicht nur für den „Ballermann“ und die gesamte Playa de Palma, sondern auch für Cala Major, die Altstadt von Palma sowie die Partymeile Paseo Maritimo, der Hafenpromenade, wo unter anderem der auch bei Touristen beliebte Club „Titos“ liegt. Gültig sind die Regeln bis zum 30. September.

Die Policia Local, die unter anderem für die Überwachung der Benimmregeln zuständig wäre, gibt sich seit der ersten Kontrolle der drei Urlauber zuversichtlich, dass es künftig mehr Kontrollen geben wird. „Sobald die sommerliche Verstärkung der Ortspolizei am Start ist, beginnen wir aber auch damit“, wird ein Sprecher der Polizei zitiert. Ob dies tatsächlich aber flächendeckend möglich ist, bleibt abzuwarten. Denn die Polizei ist personell völlig unterbesetzt.

Rund 640 Lokalpolizisten sind in Palma aktuell im Dienst. Vor Jahresbeginn waren es noch 50 mehr, die aber zwischenzeitlich altersbedingt ausgeschieden sind. Und im Laufe des Jahres wird sich die Situation noch einmal verschärfen: Denn mehr als 100 Beamte haben in der Balearen-Hauptstadt das Recht, bis Jahresende in Rente zu gehen. Nachwuchs ist derweil kurzfristig nicht in Sicht. 

Ein Kellner hindert einen Gast, die Straße mit seinem Getränk zu betreten (Foto: Michael Wrobel)
Stopp!

Ein Kellner hindert einen Gast, die Straße mit seinem Getränk zu betreten

(Foto: Michael Wrobel)

Entsprechend haben nun Anwohner und Hotelbetreiber der Playa de Palma vom Stadtrat eine Spezialeinheit gefordert, die Touristen über die kommunalen Verordnungen informieren soll und die Lokalpolizei bei Verstößen gegen diese Regeln alarmieren. Nach Vorstellung von Biel Barceló, Präsident der Bürgergruppe „Ciutat de s'Arenal“, sollten Bürger entsprechend ausgebildet werden und diese Aufgaben dann übernehmen.

„Bürgerbeauftragte sind in Spanien keine Seltenheit“, so Barceló. Vor allem in Barcelona habe man gute Erfahrungen mit Bürgerwehren gemacht, die in Touristenzonen das Zusammenleben angenehmer gestalten. Ob diese jedoch tatsächlich eingesetzt werden und dann etwas an der Situation an der Playa de Palma ändern können, ist ungewiss. Wer sich bei seinem Mallorca-Urlaub aber ordentlich benimmt, braucht sowieso keine Strafen befürchten.

Mehr: Im Juli 2017 gab es wochenlang am Ballermann auf Mallorca immer wieder Krawall. Auslöser war meist Alkohol – denn auch damals boomte der Sauftourismus an der Playa de Palma. Wie der neue Bürgermeister von Palma, Antoni Noguera, versuchte, gegenzusteuern.

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