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Neueröffnung Hotel Okura in Tokio: Alte Atmosphäre hinter neuer Fassade

Glasquader statt Prachtbau: Das Traditionshotel Okura in Tokio hat sich neu erfunden. Doch in der Lobby ist von Neubau wenig zu spüren – mit Absicht.
12.09.2019 - 10:50 Uhr Kommentieren
Allem Neubau zum Trotz: Der berühmte Wartebereich des Traditionshotels bleibt im Wesentlichen unverändert. Quelle: The Okura Tokyo
Blick in die neue Lobby

Allem Neubau zum Trotz: Der berühmte Wartebereich des Traditionshotels bleibt im Wesentlichen unverändert.

(Foto: The Okura Tokyo)

Tokio Der Neubau von Traditionshotels ist immer ein Balanceakt. Alte Kunden will man nicht vergraulen, neue gewinnen. Doch die Eigner des japanischen Luxushotels Okura standen vor besonders großen Problemen. Gäste sammelten sogar Unterschriften, um das architektonische Symbol der japanischen Nachkriegsmoderne zu retten. Denn die Hotelkette riss den zwölfstöckigen Prachtbau von 1962 ab, um ihn durch einen schlichten 41-stöckigen Glasquader zu ersetzen. Am Donnerstag wird das Gebäude nun eröffnet.

Für Shinji Umehara, den Geschäftsführer des Hotels, ist der Plan aufgegangen, wenigstens die alte Atmosphäre hinter neuer Fassade zu bewahren. „Einige Stammgäste, die unsere Lobby gesehen haben, begannen zu weinen“, sagte er dem Handelsblatt kurz vor der Eröffnung des Hotels. „Denn die neue Lobby sieht fast so aus wie die alte.“

Tatsächlich haben die Bauherren viele Elemente der legendären Eingangshalle aus dem alten Bau übernommen. Ein riesiges Blumengesteck vor einer vergoldeten Wand begrüßt die Kunden. Rechts außen ist der berühmte Wartebereich, in dem runde Lacktischchen mit je fünf Sesselchen so arrangiert sind, als würden Pflaumenblüten in einem ruhigen See treiben. Mit dem Rest des Hotels versucht das Okura dann, japanische Gastfreundschaft mit modernen Superlativen neu zu definieren.

Die Größe der Standardräume ist von rund 30 auf 48 Quadratmeter gewachsen. Das Hotel nimmt für sich in Anspruch, damit die größte Basisbehausung unter Japans Hotels im Programm zu führen. Auch der Ballsaal ist mit mehr als 2.000 Quadratmetern Fläche der größte in der Megacity. Zudem wurde im Sechs-Sterne-Flügel, dem Heritage Wing, der Zimmerservice durch einen persönlichen Butlerdienst ersetzt.

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    Der Mann, der die gesamte Hotelkette leitet, arbeitet ein paar Kilometer weiter westlich an der Bucht von Tokio in einem schmucklosen Bürogebäude. „Guten Tag“, begrüßt der Vizevorsitzende des Okura Hotels und CEO der Kette Okura Nikko Hotel Management den Gast in fließendem Deutsch. Sein Akzent verrät dabei seine Herkunft, ohne dass man seinen Namen kennen müsste. Aus den Niederlanden stammt er. Gestatten, Marcel P. van Aelst.

    Den zwölfstöckigen Prachtbau von 1962 löste ein schlichter 41-stöckiger Glasquader ab. Quelle: The Okura Tokyo
    Außenfassade des Prestige-Flügels

    Den zwölfstöckigen Prachtbau von 1962 löste ein schlichter 41-stöckiger Glasquader ab.

    (Foto: The Okura Tokyo)

    Sein Büro ist der Gegenentwurf zur simplen Eleganz des Hotels. Graue Zweckmäßigkeit regiert: ein Schreibtisch am Kopfende des Raumes, davor ein Konferenztisch, an den Wänden ein paar Regale. Von hier aus leitet er die Geschicke von weltweit 73 Hotels der Gruppe, 25 davon im Ausland. Mit seinem Zweireiher und seinem Habitus wirkt er dabei etwas deplatziert. Aus seinem früheren Job ist er es gewohnt, Gastfreundschaft in edlerem Ambiente auszustrahlen. Lange war er in Amsterdam, was Umehara heute in Okuras Stammsitz ist: Geschäftsführer des dortigen Hotels Okura.

    Nach fast 50 Jahren bei der japanischen Hotelkette kennt er die Bedeutung des Okura wie ein Japaner. Es ist nicht irgendein Luxushotel. „Das historische Gebäude hatte hohen emotionalen Wert“, sagt van Aelst. Nachdem die Hotelkette 2014 angekündigt hatte, das alte Gebäude von 1962 abzureißen, mussten sich die Japaner nicht nur vor ihren Landsleuten rechtfertigen.

    Selbst Größen des globalen Luxus-Lifestyles wie der damalige Creative Director der Luxusgruppe Bottega Veneta, Tomas Maier, und der Chefredakteur des Magazins Monocle, Tyler Brûlé, setzten sich für den Erhalt des Traditionsbaus ein. Monocle initiierte sogar die Kampagne „Rette das Okura“. Am Ende überreichte das Magazin in Tokio 6.000 Unterschriften.

    Doch für die Eigner kam ein Erhalt des Kulturguts nicht infrage. Denn Tokio ist in den vergangenen 15 Jahren zu einem Magneten globaler Luxushotels geworden, die Konkurrenz wurde übermächtig. „Die schlichte Antwort ist, dass unsere Räume zu klein für ein heutiges Fünf-Sterne-Hotel waren“, erklärt van Aelst die Entscheidung für den Abriss. Die Gäste hätten die Lobby bewundert, aber lieber anderswo übernachtet.

    Die Zimmerpreise beginnen hier bei 70.000 Yen (590 Euro). Quelle: The Okura Tokyo
    Suite im Heritage-Flügel

    Die Zimmerpreise beginnen hier bei 70.000 Yen (590 Euro).

    (Foto: The Okura Tokyo)

    Dummerweise verbot sich eine Renovierung des Altbaus. Denn anders als bei anderen Liegenschaften konnte man die Zimmer nicht vergrößern, ohne die Erdbebensicherheit des Gebäudes zu gefährden, so der Hotelier. „Beim Okura gab es viele tragende Wände, die wir nicht herausnehmen konnten.“ Einen anderen Grund nennt er so direkt nicht: Bei den Bodenpreisen in Tokio wäre es ökonomischer Wahnsinn, den Luftraum zu verschwenden, in dem man niedrig baut.

    Die Bauherren entschlossen sich daher, wenigstens die Atmosphäre von Okuras Markenzeichen, der Lobby, in ein neues Gebäude hinüberzuretten. Und sie fanden sogar den passenden Mann für den Job: den preisgekrönten japanischen Architekten Yoshio Taniguchi, der unter anderem den Neubau des New Yorker Museum of Modern Art (Moma) entworfen hat.

    Taniguchi hatte ein ganz persönliches Motiv, sein Geltungsbedürfnis hinter den Erhalt des Erbes zurückzustellen. Die ursprüngliche Lobby sei von seinem Vater, dem verstorbenen Stararchitekten Yoshiro Taniguchi, designt worden, erklärt der heute 82-jährige Großmeister japanischer Baukunst. „Ich habe daher eine besondere Verantwortung gespürt, markantes japanisches Design zu entwerfen, dass wie die Arbeit meines Vaters die Gäste über Jahre inspirieren wird.“

    Und so wurde gerettet, restauriert und nachempfunden, was erhaltenswert erschien – und dies nicht nur in der Lobby. Die rautenförmige Verzierung des ehemaligen Baus schimmert nun durch die Glasfassade des 17-stöckigen Heritage-Flügels. Der Wandschmuck aus dem alten Ballsaal Heiannoma, riesige Ornamente aus traditionellem japanischen Papier, wurde gereinigt und im neuen Standort recycelt. Im Rest des Hotels durfte Taniguchi junior dann seinen Sinn für japanische Ästhetik neu definieren.

    Schon die Räume sind dabei ähnlich offen angelegt wie ein traditionelles japanisches Haus. Die Fenster öffnen anders als gewöhnlich nicht die schmale Stirnseite zur Außenwelt, sondern über die gesamte Flanke. Ob vom Schreibtisch, dem Bett, dem Wohnzimmer oder der Badewanne – von fast überall können die Gäste über Tokios Skyline schauen.

    Innen dominieren nicht nur in den Räumen klare Linien und helles Holz, sondern auch in den Restaurants, aus denen man in eigens arrangierte Steingärten blicken kann. Ein vollwertiges Schwimmbad und ein Fitnessstudio mit Blick auf die Stadt bieten auch globalen Jetsettern gewohnten Luxus beim Tokio-Aufenthalt.

    Darüber hinaus gibt es zusätzlich zu den Ballräumen auch eine christliche Kapelle. Denn neben Empfängen sind Hochzeiten der Gewinnmotor japanischer Hotels. „In europäischen Hotels stammen ungefähr 70 Prozent der Einnahmen von den Zimmern, in Japan von Banketten und Restaurants“, erklärt van Aelst die besondere Bedeutung.

    Doch mit dem Neubau des Hotels geht auch ein Neuentwurf von Okuras Geschäftsmodell einher. Das Hotel hat nicht nur die Zahl der Zimmer von mehr als 800 auf 508 reduziert, die nun aber rund doppelt so viel kosten. Den Standardraum gibt es im Okura Prestige ab 45.000 Yen (380 Euro) pro Nacht. Im Heritage-Flügel beginnen die Preise bei 70.000 Yen (590 Euro). Außerdem wird die Hotelkette zum Immobilienentwickler: Fast die Hälfte des Hochhauses vermietet das Hotel als Büroräume.

    Zudem wird der noch stehende Südflügel nach der Tokioter Sommerolympiade im Jahr 2020 voraussichtlich durch einen Luxuswohnturm ersetzt. Diese Mehrfachnutzung von Hochhauskomplexen ist in Tokio zum großen Trend geworden, seit der Immobilienentwickler Mori Building beispielsweise mit der Siedlung Roppongi Hills seine Vision „vertikaler Gartenstädte“ in die Tat umsetzt.

    Doch um diese zusätzlichen Einnahmen muss sich der Geschäftsführer des Hotels nicht kümmern. Shinji Umehara denkt lieber an eine Zukunft des Okura über den neuen Glaskasten hinaus. Alles kann seinetwegen geändert werden, nur nicht das Symbol des Hotels. „Mein Traum ist, dass die Lobby ewig bestehen bleibt“, sagt er. „Sie ist das Okura.“

    Mehr: Der britische Luxushotelier Sir Rocco Forte spricht im Interview über das Wachstum seiner Hotelkette, den Brexit und beeindruckende Treffen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

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