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Onlineshop Bielefelder Start-up gründet ersten christlichen Erotikshop Deutschlands

Vier Bielefelder haben einen Onlineshop für Sexspielzeuge eröffnet. Christliche Werte stehen im Mittelpunkt – und die Coronakrise beflügelt das Geschäft.
30.04.2020 - 19:32 Uhr Kommentieren
Gemeinsam mit Jonathan Peters betreiben die drei Bielefelder Deutschlands ersten christlichen Erotikshop. Quelle: Benni Janzen
Timon Rahn, Gerhard Peters und Wellington Estevo (v.l.)

Gemeinsam mit Jonathan Peters betreiben die drei Bielefelder Deutschlands ersten christlichen Erotikshop.

(Foto: Benni Janzen)

Bielefeld Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Das gilt für das Christentum und den Sex – vom Sündenfall im Paradies bis heute. Vier Bielefelder wollen das ändern. Sie haben Deutschlands ersten Erotikshop mit christlichen Werten gegründet.

Auf der Internetseite schoenerlieben.de können Paare und Singles, Christen wie Nicht-Christen, all das bestellen, was die Liebe schöner machen soll: Sexspielzeuge, aber auch Drogerieartikel und Bücher. „Erotik ist doch von Gott gemacht“, sagt Jonathan Peters, einer der Gründer. „Wir dürfen Sexualität innerhalb einer Beziehung feiern und genießen. Und das wollen wir mit unseren Produkten unterstützen.“

Ein Besuch bei den Gründern in Bielefeld, bei Wellington Estevo, Jonathan Peters und Timon Rahn, allesamt um die 30. Der vierte im Bunde, Gerhard Peters, macht gerade Urlaub. Schreibtische, Sofa, Küchenzeile, Esstisch – auf knisternde Erotik deutet in der Hinterhof-Agentur erst mal gar nichts hin.

Und doch ist dort die Idee zum ersten christlichen Online-Erotikshop entstanden. „Wir sind vier Freunde, allesamt Macher, und wollten etwas Neues ausprobieren. Das, was es auf dem Markt gibt, hat uns nicht gefallen – das Design, die mangelnde Information. Und so ist die Idee entstanden, unseren eigenen Erotikshop zu gründen“, erzählt Wellington Estevo.

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    Vorbilder für christliche Sexshops gibt es in den USA und Großbritannien, in den Niederlanden musste ein Betreiber aufgeben. Pünktlich zum 500. Reformationsjubiläum 2017 ist der Shop dann online gegangen. Was genau Martin Luther mit Sextoys zu tun hat, können die Gründer allerdings selbst nicht so genau erklären.

    Timon Rahn, Jonathan Peters, Laura Estevo, Wellington Estevo und Gerhard Peters (v.l.) auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2019. Quelle: schönerlieben
    Sexspielzeug als Gesprächseinstieg

    Timon Rahn, Jonathan Peters, Laura Estevo, Wellington Estevo und Gerhard Peters (v.l.) auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2019.

    (Foto: schönerlieben)

    Für ihren Online-Shop haben sie die „holymoly international GbR“ gegründet, übersetzt bedeutet das holymoly so viel wie „heiliger Bimbam“. Besonders heilig wirkt die Seite gar nicht, eher modern, farbig, klar und aufgeräumt. Die wesentlichen Rubriken heißen „Mehr Spaß für Sie“, „Mehr Spaß für Ihn“ und „Mehr Spaß für Euch“.

    Von anderen Sexshops unterscheidet sich schoenerlieben.de dadurch, dass die Macher komplett auf Pornographie und nackte Haut verzichten. Die Start-up-Unternehmer wollen weg vom Schmuddel-Image der Branche, hin zu Niveau und einem Fokus auf Paare. An ihrer Philosophie haben sie lange gefeilt.

    „Wir sind keine Theologen, Sexologen, Therapeuten oder sonstige Experten. Wir sind ganz normale Menschen, die Gottes Idee von der Sexualität in der Partnerschaft für sehr wichtig halten. Wir möchten einen Raum schaffen, der frei von Stereotypen, Vorurteilen, Scham und Schweigen ist“, heißt es darin.

    Auch innerhalb von christlichen Gemeinschaften würden die vier, die selbst Mitglieder von konservativen freikirchlichen Gemeinden waren, das Thema gerne salonfähig machen. Allerdings sind sie bei dieser schwierigen Mission bislang auf wenig Gegenliebe gestoßen: Es gab durchaus Konflikte mit Gemeindemitgliedern, deuten die Jungunternehmer im Gespräch an.

    Zu den Kunden zählen gleichermaßen Frauen wie Männer. Die Kernzielgruppe ist zwischen 30 und 50 Jahre alt, der älteste Kunde ist 84. Ebenso wie die beiden großen Wettbewerber Amorelie und EIS setzen die Bielefelder auf Ästhetik und Design, die Verpackung mit dem aufgedruckten Pornostar halten sie für überholt.

    Suche nach Investoren

    Ihr Alleinstellungsmerkmal sei es, „den Kunden ein bisschen mehr an die Hand zu nehmen, ihm zu erklären, wie man was einsetzt“, sagt Wellington Estevo. Inzwischen gibt es dazu auch einen Blog unter www.schoenerlieben.blog.

    Aber aufklären ist natürlich nicht alles. So wie Beate Uhse, die mit ihrem „Fachgeschäft für Ehehygiene“ Pionierin der Branche war, wollen die Bielefelder mit ihrem Start-up gute Geschäfte machen. Noch betreiben sie schoenerlieben.de nebenberuflich – mit insgesamt rund 40 Arbeitsstunden pro Woche.

    Um den Shop auf ein anderes Niveau zu heben, sind sie derzeit auf Investorensuche. Den potenziellen Kundenkreis halten die Gründer, die mit 300 Euro Kapital gestartet sind, für enorm groß.

    „Wer hat am meisten Sex?“, fragt Jonathan Peters und beantwortet seine Frage gleich selbst: „Menschen in einer Beziehung natürlich, Leute, die Lust haben, etwas auszuprobieren. Das hat die Branche bisher falsch verstanden. Ich sehe unseren Kundenkreis bei mindestens 20 Millionen.“

    Peters hält 50 Millionen Euro Jahresumsatz künftig für durchaus realistisch. Märkte sieht er auch in Italien, Spanien, Polen und den USA – allesamt Nationen, die durch christliche Werte geprägt sind.

    So offen die Gründer über Sextoys und Probleme im Bett sprechen, so verschwiegen sind sie, wenn es um Umsatzzahlen geht. Nur so viel: Die Seite schoenerlieben.de verzeichnet im Monat 3000 bis 5000 Besucher, Click-Tendenz steigend. Die Coronakrise hat das Geschäft eher beflügelt denn gebremst.

    Trotzdem fehlt den Jungunternehmern noch das Investitionskapital, um in den Mengen einkaufen zu können, die sie bräuchten. Derzeit arbeiten sie zum Teil mit Dropshipping, um Lager- und Logistikkosten zu sparen. Formate für Gründer wie „Die Höhle der Löwen“ kommen für sie nicht in Frage. „Investoren sehen dort nur Zahlen. Wir wollen aber den Umsatz nicht über unsere Werte stellen“, sagt Wellington Estevo.

    Spielzeug als Einstieg

    Werbung auf den sozialen Medien wie Facebook und Instagram ist für den christlichen Erotikshop nicht möglich. „Sobald es um Spaß geht, ist man dort raus“, formuliert es Jonathan Peters. Gute Erfahrungen haben die Bielefelder aber mit Veranstaltungen wie Freakstock, einem christlichen Musikfestival, und dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund 2019 gemacht, wo sie jeweils mit einem Stand vertreten waren.

    Der Beratungsbedarf sei enorm gewesen. „Bei Freakstock haben wir vier Tage lang zehn Stunden am Stück Gespräche geführt“, erzählt Wellington Estevo. Das Sexspielzeug sei oft nur der Einstieg ins Gespräch, in dem es dann auch um Intimes geht.

    Dass sie weder eine Ehe noch den Sex retten können, ist den Gründern klar. Über positive Resonanz freuen sie sich aber trotzdem. Besonders über den 84-jährigen Kunden, der ihnen am Telefon sagte: „Euch hat der Himmel geschickt.“

    Mehr: Männermagazin: „Playboy“ stoppt in den USA seine Printausgabe

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