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Pirelli-Kalender 2019 Vom „gehobenen Porno-Sammlerstück“ zum kulturellen Barometer

Lebensträume statt Männerfantasien: Der neue Pirelli-Kalender portraitiert starke Frauen auf ihrem Weg zum Erfolg – und ist damit selber erfolgreich.
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Laetitia Casta macht das, was sie sehr gut kann: Tanzen. (Foto: Pirelli Kalender 2019, Albert Watson)
Der November im Pirelli-Kalender

Laetitia Casta macht das, was sie sehr gut kann: Tanzen. (Foto: Pirelli Kalender 2019, Albert Watson)

MailandKaufen kann man ihn nicht. Die Auflage ist ein Geheimnis, ebenso die Produktionskosten und die Liste der Kunden, die ihn geschenkt bekommen. Der Pirelli-Kalender ist mit den Jahren zum Mythos und zum begehrten Kulturgut geworden. Jahr für Jahr wird um den Namen des Fotografen und um die Bilder ein großes Geheimnis gemacht.

Jetzt ist der neue da, der Kalender Nummer 46. Der schottische Fotograf Albert Watson erzählt in seinen Bildern die Geschichte von vier Frauen, ihren Erwartungen und ihrer Suche nach der Verwirklichung ihrer Ziele. Vor der Kamera beim Shooting in Miami und New York hatte er die Weltstars und Topmodels Gigi Hadid, Laetitia Casta, die Balletttänzerin Misty Copeland und den Hollywoodstar Julia Garner. Der Titel des Kalenders 2019 ist „Dreaming“.

„Ich habe meine Models gebeten, ihre Träume umzusetzen“, sagt der Fotograf bei der Präsentation des Kalenders, „mit Träumen meine ich das Nachdenken über Morgen, über die eigene Zukunft und die eigenen Ambitionen.“ Das Ergebnis sind 40 Schwarzweiß- und Farbaufnahmen, die nicht statisch sind, sondern wie ein Film eine Misty Copeland Geschichte erzählen. Es ist nackte Haut zu sehen, aber nicht nur. „Ich wollte keine Supermodels oben ohne am Strand ablichten“, sagte Watson, „die Zeit der Pin-up-Kalender ist vorbei.“

Diesen Wechsel hat Pirelli schon vor Jahren eingeleitet. Die Zeiten von umgesetzten Männerphantasien mit hüllenlosen Frauen mit sorgfältig aufs Gesäß gemalten Reifenspuren sind lange vorbei. Der Pirelli-Kalender sei „eine Transformation vom gehobenen Porno-Sammlerstück zum kulturellen Barometer“, meint die „New York Times“.

Der preisgekrönte Schotte, der Werbekampagnen von Prada oder Chanel realisierte, Filmplakate wie das von „Kill Bill“ schuf und das ikonische Porträt von Apple-Gründer Steve Jobs machte, steht mit seinem Kalender in der Tradition von Annie Leibovitz und Peter Lindbergh, die 2016 und 2017 den Pirelli-Kalender fotografierten. Im vergangenen Jahr setzte der britische Fotograf Tim Walker die Geschichte der Alice im Wunderland um – mit einem Cast nur aus farbigen Models, darunter Naomi Campbell, Whoopi Goldberg und Sean Combs, bekannt als Rapper P. Diddy.

„Albert Watson stellt das Thema ‚Träumen‘ mit den Augen eines Künstlers dar“, sagte Pirelli-CEO Marco Tronchetti Provera in Mailand bei der feierlichen Gala mit rund 900 Gästen im Hangar Bicocca. Moderatorin des Abends war die 007-Schauspielerin Halle Berry. Das von der Pirelli-Stiftung getragene Zentrum für moderne Kunst in einer ehemaligen Fertigungsstätte für Eisenbahnwaggons gleich neben der Konzernzentrale des Reifenherstellers war die perfekte Location für die Gala.

Die Gäste saßen mitten in der Kunst, zwischen den „Türmen“, die Anselm Kiefer für die Bicocca geschaffen hat. Für den italienischen Reifenkonzern gehört die Beschäftigung mit Kunst von Anfang an zum Geschäft. „Unser Produkt ist schwarz und rund“, sagte Tronchetti Provera im vergangenen Jahr dem Handelsblatt, deshalb sei Kultur so wichtig. „Schon seit der Gründung als Gummiwarenfabrik vor 146 Jahren sind wir mit allen Formen künstlerischer Darstellung verbunden.“

Für den Pirelli-Chef gab es noch einen Grund mehr zum Feiern: Der Exklusivvertrag mit der Formel 1 zur Ausstattung aller Wagen mit Pirelli-Reifen, der Ende nächsten Jahres ausläuft, wird bis 2023 verlängert. Damit nicht genug. „Nach 26 Jahren, die ich die Arbeit am Kalender verfolge, kandidiere ich vielleicht selbst einmal als Fotograf“, sagte Tronchetti Provera mit einem Augenzwinkern.

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