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Wein aus Frauenhand

Immer mehr deutsche Winzerinnen machen mit Spitzenweinen auf sich aufmerksam.

(Foto: dpa)

ProWein Der deutsche Wein wird weiblich

Die Wein-Welt ist deutlich femininer als oft angenommen. Wir stellen fünf innovative Winzerinnen vor, deren Weine Sie kennen sollten.
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DüsseldorfWenn es um Wein geht, war Deutschland international lange Zeit wenig bekannt. Um das Image aufzubessern, hat sich die Branche in den letzten Jahren stark gewandelt – unter anderem machen immer mehr Winzerinnen mit Spitzenweinen auf sich aufmerksam.

Viele von ihnen sind dieses Jahr auf der internationalen Fachmesse ProWein vom 17. bis zum 19. März in Düsseldorf vertreten, Fachmagazine bieten gar Führungen wie „Winzerinnen und Ihre Spitzengewächse“ an. „Immer mehr Frauen setzen sich als Winzerinnen mit hochwertigen Gewächsen an die Weinspitze“, heißt es in der Event-Beschreibung.

Laut dem Branchenverband „VDP. Die Prädikatsweingüter“ werden besonders die Anbaugebiete Franken und Mosel-Saar-Ruwer zunehmend weiblicher. Der 1910 gegründete Verband zählt zu den wichtigsten Institutionen des Landes, wenn es um Weine von besonders hoher Qualität geht. 21 der insgesamt 200 Weingüter werden derzeit von Frauen geführt oder befinden sich im Prozess der Übernahme durch die Töchter. Mit sieben Weingütern steht das Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer an der Spitze, Franken und die Pfalz teilen sich Platz zwei.

Zwar gibt es keine offiziellen Zahlen zum internationalen Vergleich, doch Winzerin Ilonka Scheuring ist sich sicher: „In Deutschland sind Frauen in der Branche nicht so stark vertreten wie anderswo.“ Denn selbstständig sein, mit eigenem Betrieb, Kindern – obwohl sie selbst noch keine habe – und das in der Landwirtschaft, das sei nicht einfach. Auch deshalb organisieren sich die Frauen der Branche formell und informell, wie zum Beispiel im Branchen-Verbund Vinissima.

Neben der Liebe zum Wein eint alle fünf übrigens eine einfache Überzeugung: Frauen machen keinen anderen Wein als Männer. „Letztendlich muss einfach die Qualität in der Flasche überzeugen“, meint Weinmacherin Juliane Eller.

Wir stellen Ihnen fünf Winzerinnen vor, die die wegweisenden Neuerungen der Branche verkörpern. Ihre Weine sollten Sie 2019 also unbedingt probieren. 

Der Promi-Faktor: Juliane Eller, Juwel Weine, Alsheim

Immer mehr Winzerinnen machen mit Spitzenweinen auf sich aufmerksam, viele von ihnen sind dieses Jahr auf der internationalen Fachmesse ProWein vertreten. Quelle: Juliane Eller
Juliane Eller

Immer mehr Winzerinnen machen mit Spitzenweinen auf sich aufmerksam, viele von ihnen sind dieses Jahr auf der internationalen Fachmesse ProWein vertreten.

Juliane Eller gilt als der neue Marketing-Star der deutschen Wein-Szene. Mit nur 23 Jahren übernahm sie das Weingut ihrer Eltern in Alsheim in Rheinhessen. Heute, fünf Jahre später, ist Eller 28 und betreut ihre eigene Wein-Linie, Juwel-Weine. Der Name ist nicht nur ein Wortspiel aus ihrem eigenen Namen, sondern steht auch sinnbildlich für den Schaffensprozess: vom ungeschliffenen Edelstein zum schillernden Juwel.

Eller setzt bei ihrem unkomplizierten Marketingkonzept auf Prominenz. Neben der eigenen Linie baut sie unter dem Namen „III Freunde“ Weine mit Joko Winterscheidt und Matthias Schweighöfer aus. „Wir machen das von Anfang bis Ende gemeinsam“, betont Eller. Auch in den sozialen Netzwerken funktioniert die Strategie: 11.000 Follower hat Eller bei Instagram, im Januar warb die Modemarke Marc Cain auf ihrem Blog „Mysterious Women“ mit Eller.

Ellers Erfolgsgeschichte beruht auf einem radikalen Bruch mit der alten Wein-Welt. Zwei Tage nach der Zeugnisvergabe an der Universität Geisenheim, wo Eller Weinbau studierte, begann sie mit der Umstrukturierung des elterlichen Betriebs. „Ich habe alles komplett auf den Kopf gestellt. Das hat mir schlaflose Nächte bereitet, immerhin lastete auf meinen Schultern die Existenz meiner Eltern.“

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Heute hat sie das Sortiment auf nur sechs Weine reduziert, früher waren es 35. „Was mein Vater früher in einer halben Stunde mit Maschinen allein geerntet hat, machen wir heute mit 20 Personen und nehmen uns dafür einen ganzen Tag Zeit. Wir schauen jede einzelne Traube an. Was uns optisch oder sensorisch nicht gefällt, wird aussortiert.“

Mit den Burgundersorten, Riesling und Silvaner konzentriert sie sich dabei auf die traditionellen Rebsorten der Region – und damit aufs Wesentliche. Geschmacklich überzeugen Ellers Weine mit Eleganz, Frische und Saftigkeit.

Juliane Ellers eigene Empfehlung: „Der Juwel Weißburgunder 2018 ist mein Highlight für dieses Jahr – super zugänglich, frisch, eine tolle Frucht. Mit einem Alkoholgehalt von 12,5 Volumenprozent passt er super zu leichten Gerichten, es muss aber auch nicht unbedingt ein Essen dazu.“

Von anderen Winzerinnen empfiehlt Eller die Spätburgunder von Simone Adams aus Ingelheim: „Die Qualität der Rotweine, die man bei Simone schon zum Einstieg bekommt, ist Wahnsinn. Das zieht sich nach oben hin natürlich durch.“

ProWein: Halle 14/D39

Wein und Gastronomie: Carolin Spanier-Gillot, Weingut Kühling-Gillot, Bodenheim

Für die Gäste ihres Weinguts kochen regelmäßig Spitzenköche aus ganz Europa. Wein und Essen gehören für sie zusammen.   (Foto: Carolin Spanier-Gillot) Quelle: Carolin Spanier-Gillot
Carolin Spanier-Gillot

Für die Gäste ihres Weinguts kochen regelmäßig Spitzenköche aus ganz Europa. Wein und Essen gehören für sie zusammen.  

(Foto: Carolin Spanier-Gillot)

Wein und Essen gehen Hand in Hand bei Carolin Spanier-Gillot. In ihrem Pop-up Restaurant kochen deshalb regelmäßig Spitzenköche aus ganz Europa für die Gäste des Weinguts. Mittlerweile fragen viele Gastronomen selbst bei ihr an. „Auf unserem Weingut sollen sich die Menschen wohl fühlen, und das Essen gehört zum Miteinander einfach dazu“, erklärt sie. 2015 kürte eine Jury aus deutschen Weinhändlern, Köchen und Sommeliers Spanier-Gillot zur Winzerin des Jahres. Als erste Frau trägt sie damit den Titel des Fachmagazins „Fallstaff“. In erster Linie sieht sich die Weinmacherin aber als Gastgeberin.

Seit 2006 leitet Carolin Spanier-Gillot mit ihrem Mann zwei Weingüter, nur 45 Kilometer liegen zwischen den beiden Gütern Kühling-Gillot und Battenfeld-Spanier. Mit insgesamt neun Grand Cru-Lagen zählt das Doppel-Weingut zu den Besten des Landes. „In ganz Deutschland gibt es kein vergleichbares Konzept in der Branche – und auch kein vergleichbares Paar“, meint Spanier-Gillot.

Dennoch entschieden sie sich bewusst gegen eine Fusion der Betriebe. „Wir wollen beim Wein den Boden und die Herkunft schmeckbar machen. Das ist unsere oberste Philosophie“. Ihre Lieblingslage Pettenthal ist geprägt vom roten Schieferton und rotem Sandstein. Mit 70 Prozent Neigung zählt sie zu den steilsten Parzellen Rheinhessens.

Besonders empfiehlt Spanier-Gillot ihren Qvinterra Riesling trocken: „Gerade im Frühjahr passt er mit seinem Schmelz und seiner Trinkanimierung zu den ersten warmen Sonnenstrahlen. Da sollte man direkt eine zweite Flasche kaltstellen.“  Klasse schmecke der Wein übrigens zu selbstgebackenem Brot mit Salzbutter und einer leicht geräucherten Wurst.

Von anderen Winzerinnen empfiehlt Spanier-Gillot die Weine von Theresa Breuer in Rüdesheim, insbesondere die Cuvée „Terra Montosa“.

ProWein: Halle 14/E31

Das Riesling-Wunder: Laura Seufert, Silvaner-Weingut Seufert, Iphofen

Mit nur 26 Jahren gewann sie mit dem Riesling Champion eine der prestigeträchtigsten Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie Chefin des familieneigenen Weinguts. (Foto: Laura Seufert) Quelle: Laura Seufert
Laura Seufert

Mit nur 26 Jahren gewann sie mit dem Riesling Champion eine der prestigeträchtigsten Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie Chefin des familieneigenen Weinguts.

(Foto: Laura Seufert)

Das Weingut Seufert im fränkischen Iphofen heißt eigentlich Silvaner-Weingut. Den ganz großen Erfolg brachte aber ein Riesling. Den baute Laura Seufert 2017 direkt mit ihrem Einstieg in den elterlichen Betrieb aus. Bei 0,12 Hektar Riesling auf 5,5 Hektar Silvaner ein echter Gewinn. Heute ist sie Chefin des Weinguts, ihr Vater nur noch Inhaber.

Im Jahr 2017 gewann Laura Seufert, heute 27, mit dem Riesling-Champion der Fachzeitschrift Vinum eine der prestigeträchtigsten Riesling-Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Unter knapp 1800 Weinen stach ihre 2015er Spätlese Iphöfer Kronsberg unter den trockenen Rieslingen hervor und erzielte die Höchstnote im Wettbewerb. Das Urteil der Jury: „Der Wein ist saugut!“ In der Branche gilt der Preis als absolutes Qualitätsmerkmal und brachte neben vielen neuen Kunden auch persönlichen Aufschwung, erklärt Seufert: „So eine Auszeichnung motiviert natürlich dazu, nochmal mehr Gas zu geben.“

Der Betrieb ist klein, und das soll er auch bleiben: Laura Seufert konnte sich im familieneigenen Weingut verwirklichen. Das möchte sie, trotz aller Veränderungen, weitestgehend unverändert lassen: „In den nächsten Jahren möchte ich unser Sortiment umstrukturieren, Reben umveredeln. Das, was ich habe, will ich modernisieren, mit den Gegebenheiten weiterarbeiten. Also nur so viel machen, wie wir auch tatsächlich selbst schaffen können.“

Das Besondere an Seuferts Weinen ist ihrer Meinung nach die Einfachheit. „Jeder Wein ist sein eigener Charakterkopf, bekommt den Freiraum, sich selbst zu entwickeln, wir greifen da nicht ein, wir stehen einfach nur zur Seite“, erklärt Seufert.

In den kommenden Jahren plant sie daher keine Expansion, sondern vor allem, den nächsten Spitzenriesling zu machen. Für Soziale Medien hat die 27-Jährige wenig übrig: „Die Zeit verbringe ich lieber auf dem Weinberg und im Keller.“

Laura Seuferts eigene Empfehlung: „Definitiv unser 2017er Silvaner von den Steillagen, sehr ausdrucksstark und regional geprägt. Als heimische Rebsorte ist er sehr eigen und charakteristisch. Durch den Keuperboden geprägt ist der Wein extrem spannend: Wenn man ihn frisch einschenkt, ist er noch sehr verschlossen, verändert sich dann aber ständig im Glas.“

Die Kolleginnen-Empfehlung: „Franziska Schömig macht einen super leckeren Müller-Thurgau. Der ist unkompliziert, perfekt zum Einstieg oder zu einem Salat, spontan vergoren, ein richtiger Naturwein“.

ProWein: Halle 16/H61 (Concept Riesling OHG) am Montag, 18. März

Drei Pfeiler der Nachhaltigkeit: Ilonka Scheuring, Weingut Winzerin Ilonka Scheuring, Margetshöchheim

Der ökologische Ansatz geht bei Scheuring über den klassischen biologischen Anbau hinaus. Damit steht sie für einen Trend in der Branche. (Foto: Ilonka Scheuring) Quelle: Ilonka Scheuring
Ilonka Scheuring

Der ökologische Ansatz geht bei Scheuring über den klassischen biologischen Anbau hinaus. Damit steht sie für einen Trend in der Branche.

(Foto: Ilonka Scheuring)

Mit ihren neonfarbenen Gummistiefeln passt Ilonka Scheuring auf den ersten Blick nicht ins traditionelle Bild von ländlicher Idylle. Auch in der eigenen Weinbau-Philosophie bricht die 34-Jährige mit Althergebrachtem und eckt beizeiten an: „Viele schreiben sich mit Bio-Zertifikaten einfach nur die Nachhaltigkeit auf die Fahne. Aber längst nicht alle denken das auch zu Ende. Ein echter ökologischer Wein macht eben viel Arbeit und bringt keinen direkten Profit“.

Scheurings ökologischer Ansatz geht über klassischen biologischen Anbau hinaus. Sie steht damit für einen Trend in der Branche: „Nach der Industrialisierung kam im Weinbau die Mechanisierung – und jetzt die Ökologisierung. Da setzen wir an.“ Das Konzept basiert auf drei Säulen der Nachhaltigkeit: das Ökonomische, das Ökologische und das Soziale. So engagieren sich ihre Mitarbeiter ehrenamtlich in der Gemeinde und setzen sich für faire Ausbildungsbedingungen ein.

Vor fünf Jahren gründete Scheuring mit einigen Mitstreitern die Initiative „Ethos“: ein Netzwerk von Weinmachern und Weinmacherinnen aus Franken, die die Nähe zur Natur nicht nur als individuelle Verpflichtung sehen, sondern auch an die nächsten Generationen weitergeben wollen. Das gesamte Weingut wird mit Holz beheizt, zusätzlich zu den eigenen Weinbergen bewirtschaftet ihr Betrieb auch Streuobstwiesen in der Region. Auf diesen Flächen werden traditionelle regionale Obstsorten angebaut, um Lebensraum für Wild und Bienen zu erhalten.

„Wir Ethos-Winzer betreiben Weinbau mit Haltung. Das heißt Biodiversität fördern, zum Beispiel durch das Pflegen von Blühwiesen oder Streuobstwiesen, ressourcenschonend arbeiten. Nicht mehr von der Natur nehmen, als die Natur auch zurückgeben kann. Wir schlagen beispielsweise nicht mehr Holz, als auch nachwachsen kann.“ Mit ihrem Ansatz hat die Gruppe heute einen Vorbildcharakter über die Region hinaus. „Früher wie auch heute werden wir kritisch beäugt, aber heute haben wir eine Art Vorreiterrolle“, meint Scheuring.

Ausgezeichnet von Gault & Millau, Der Feinschmecker, dem Weinführer Eichelmann und der Fränkischen Wein- und Sektprämierung spielt Scheuring geschmacklich mit weiblichen Attributen: „Meine Weine sind blumiger, floraler, und damit auch etwas weniger maskulin.“ Als Gegenstück zur Traditionsform „Winzersekt“ macht sie einen „WinzerinSekt“, ihr persönliches Steckenpferd ist die Scheurebe – die sei das weibliche Pendant zum Silvaner.

Ilonka Scheurings eigene Empfehlung: Zum Frühlingsbeginn empfiehlt sie ihre 2017er trockene Scheurebe.

Die Kolleginnen-Empfehlung: „Es gibt ja nicht so viele Frauen in der Branche. Aber Christine Pröstler, auch aus Franken, macht ebenfalls wirklich fantastische Weine“.

ProWein: Halle 14/E89

Mut zum Experimentieren: Bettina Bürklin-von Guradze, Weingut Dr. Bürklin-Wolf, Wachenheim

Die Lagerung trockener Rieslinge ist ihr ganzer Stolz. Das Weingut Dr. Bürklin-Wolf zählt zu Deutschlands Top-Adressen. (Foto: Bettina Bürklin-von Guradze) Quelle: Bettina Bürklin-von Guradze
Bettina Bürklin-von Guradze

Die Lagerung trockener Rieslinge ist ihr ganzer Stolz. Das Weingut Dr. Bürklin-Wolf zählt zu Deutschlands Top-Adressen.

(Foto: Bettina Bürklin-von Guradze)

Bettina Bürklin-von Guradze steht als eine von wenigen Frauen allein an der Spitze eines Weinguts, das dem Verband deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter VDP angehört. Lange Zeit galt ihr Gut als der größte selbstvermarktende Weinbetrieb Deutschlands. Das traditionsreiche Haus zählt mit seinen 15 Spitzenlagen zu Deutschlands Top-Adressen.

Diese Lagen sieht Bürklin-von Guradze als das eigentliche Kapital des Weingutes an. Deswegen steht Biodiversität auf der Prioritätenliste. „Die Böden danken es einem bei heißen und trockenen Jahrgängen, wenn man sich im Vorfeld um die Pflanzen kümmert.“ Die Böden, das sind Ton- und Sandböden, Basaltgestein, Lehm- und Kalksteingeröll.

In ihrem Berufsleben beweist Bürklin-von Guradze regelmäßig einen langen Atem. Als eine unter wenigen Winzern traute sich die traditionsbewusste Pfälzerin, was nur Wenige vor ihr wagten: Weißweine einfach mal liegen zu lassen. Die Lagerung ihrer Weißweine, allen voran von der Lage Kirchenstück in Forst, ist ihr ganzer Stolz. „Unsere 15 Toplagen, gepaart mit dem biodynamischen Ansatz, ergeben eine unglaubliche Reifefähigkeit.“

Seit 1994 nimmt sie jedes Jahr einige hundert Flaschen pro Spitzenlage aktiv aus dem Markt – um sie dann, gelagert und gereift, wieder gezielt zurück in den Markt zu geben. „Das war natürlich anfangs ein Risiko, da man um die Reifefähigkeit trockener Rieslinge noch nicht so genau wusste. Aber heute lege ich für jede einzelne Flasche meine Hand ins Feuer.“

Als Bürklin-von Guradze mit 30 Jahren das Weingut 1990 von den Eltern übernahm, bewirtschaftete der Betrieb 120 Hektar und produzierte 1,2 Millionen Liter Wein. „Das war sehr viel Basiswein, Literwein. Das Image des deutschen Weines war damals eine Katastrophe. Man dachte tatsächlich, man könne mit Menge und Technik Qualität produzieren. In der Euphorie des technischen Zeitalters hat man aber die Natur aus den Augen verloren.“ Sie trennte sich von den Flächen, die keine Qualität versprachen, reduzierte die Anbaufläche um ein Drittel und die Menge um zwei Drittel.

Bettina Bürklin-von Guradzes eigene Empfehlung: „Zum Frühlingsbeginn empfehle ich einen unserer Ortsrieslinge aus dem Jahrgang 2017, eine Cuvée aus den unterschiedlichen Lagen der Orte Wachenheim oder Ruppertsberg.“

Die Kolleginnen-Empfehlung: „Aus Deutschland kann ich die Weine von Carolin Spanier wärmstens empfehlen, im Ausland die von Elisabetta Foradori in Trentino, die ihren Wein wie die alten Römer in Amphoren gären lässt.“

Pro-Wein: Halle 14/C89

 

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