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Rath checkt ein: Dormero und Pestana Das taugt die alternative Business-Klasse

Seit Jahren erobern alternative Marken die Hotelszene. Vor allem hippe Design-Hotels haben Erfolg. Sind sie echte Alternativen im Business-Bereich?
15.12.2019 - 09:07 Uhr Kommentieren
Im deutschsprachigen Raum betreibt die Hotelgesellschaft bereits über 30 Häuser. Quelle: Dormero
Lobby des Dormero-Hotels in Hannover

Im deutschsprachigen Raum betreibt die Hotelgesellschaft bereits über 30 Häuser.

(Foto: Dormero)

Berlin, Hannover Die Nachfrage nach Alternativen am Business-Hotelmarkt wird immer größer. Die Digitalisierung in Form von Vermittlungsplattformen wie HRS oder Booking.com befördert diesen Trend, von dem viele profitieren möchten. Neue deutschstämmige Marken wollen genauso ihr Stück vom Kuchen wie expandierende Ketten aus dem Ausland.

Sie alle gehen dabei natürlich in Konkurrenz zu den großen Namen in diesem Segment, die jeder kennt – von Accor über InterContinental bis Marriott. Keine Frage also: Da ist Kreativität gefragt, und zwar schon bei der Namenswahl.

Wie man in diesem Szenario darauf kommt, sein Unternehmen ausgerechnet Dormero zu nennen, wird mir ein ewiges Rätsel sein. „Dorm“ ist Englisch für „Schlafsaal“ oder „Wohnheim“ – so ziemlich die letzte Assoziation, die ich als Hotelier würde fördern wollen.

Und Pestana? Ernsthaft? Nicht nur im Deutschen, auch im Englischen verheißt das nichts Gutes. Epidemien und Hotellerie passen nicht zusammen, sorry.

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    Natürlich beeinflusst das nicht wirklich meine Gasterfahrung, als ich zu zwei Business-Trips nach Hannover und Berlin aufbreche und die beiden nicht mehr vollkommen neuen, aber vergleichsweise unbekannteren Player am (unter anderem) Business-Hotelmarkt einem Vergleich unterziehe. Doch ich kann nicht leugnen, dass ich insgeheim die Finger kreuze. Mögen die Hotels besser sein als ihre Namen, sonst sehe ich schwarz.

    Eine große Hürde sollte das ja nicht sein …

    Business-Alternativen auf Wachstumskurs

    Sowohl Dormero als auch Pestana sind im 4-Sterne-Segment angesiedelt – der von Business-Gästen mit Abstand am häufigsten gebuchten Hotelkategorie. Oft sucht man sich die Hotels nicht aus: Auch ich wurde in beide Häuser von unterschiedlichen Kunden eingebucht, bei denen ich als Vortragender zu Gast war.

    Bei Dormero ist der Business-Fokus klarer als bei Pestana. Die 2013 in Berlin gegründete Hotelgesellschaft verfügt inzwischen bereits über 30 Häuser im deutschsprachigen Raum. Viele davon sind in kleineren Städten wie Villingen-Schwenningen, Salzgitter oder Burghausen angesiedelt. Doch auch typischere Business-Ziele wie Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und Zürich stehen auf der Liste. In Hannover gibt es gleich zwei Dormero-Häuser, und in eines davon habe ich eingecheckt.

    Dormero definiert sich über solide Business-Standards, vor allem mit sehr guter Verkehrsanbindung, technisch moderner Ausstattung, integrierter Gastronomie und zeitgemäßen Wellness- und Fitnessangeboten. Mit ihren Häusern will die Gruppe nach eigenen Angaben „überholte Muster“ aufbrechen und dabei auf „überflüssige Extravaganz“ verzichten. „Einfach, intelligent und sinnlich“ soll die Gasterfahrung sein und perfekte Erholung bieten. Löbliche, wenngleich nicht gerade exotische USP im Business-Bereich.

    So gewagt wirbt die Hotelbar im Aufzug des Dormero. Quelle: Carsten K. Rath
    „Absturz gefällig?“

    So gewagt wirbt die Hotelbar im Aufzug des Dormero.

    (Foto: Carsten K. Rath)

    Pestana ist eigentlich alles andere als ein junger Player, jedoch in Deutschland erst seit 2011 präsent. Die portugiesische Gruppe verfügt über Dutzende Hotels am Heimatmarkt, wo sie in allen Landesteilen üppig präsent ist. Mit Häusern in Amsterdam, London, Barcelona, Madrid und Berlin ist die Gruppe in europäischen Metropolen aktiv. Auch im Rest der Welt – von Rio über New York bis Casablanca und Maputo – zielen die Portugiesen auf einen gemischten Markt von Business- und Privatgästen.

    Preise und Ausstattung sind dabei vergleichbar mit Dormero. Im Gegensatz zu Dormero bedient Pestana an einigen seiner Standorte auch den 5-Sterne-Bereich, doch das von mir besuchte Haus in Berlin-Tiergarten, an der Schnittstelle zwischen Mitte und der sogenannten City-West gehört zur 4-Sterne-Kategorie.

    Beide Ketten, der große Player aus Portugal und der kleinere aus Berlin, sind auf Wachstumskurs – und das hat nicht zuletzt mit dem Preis zu tun. In der Regel kann man in beiden von mir getesteten Hotels in einem Standard-Zimmer für unter 100 Euro übernachten, teils sogar unter 80 Euro. Damit fallen Dormero und Pestana genau in den Preisbereich, in dem die meisten Unternehmen ihren Dienstreisenden Zimmer buchen.

    Welche der beiden Alternativen passt besser zu den Bedürfnissen von Geschäftsreisenden?

    Mit den Clowns kamen die Tränen (und die Kondome)

    Das Dormero in Hannover verfügt über 293 Zimmer und Suiten und acht Konferenzräume. Ich bin für eine Veranstaltung in der Stadt, die aber nicht im Haus stattfindet, teste also nur die Zimmer. Draußen in der Einfahrt die erste Enttäuschung: Der Schriftzug aus Plastik-Leuchtbuchstaben ist meiner Meinung nach so hässlich, wie er schmutzig ist.

    Die knallroten Metallmöbel hinter der Rezeption und überall in den öffentlichen Bereichen sind natürlich Geschmackssache, wirken auf mich aber eher alarmierend als entspannend.

    Knallrot sind auch die Chucks, die Fliegen und die Hosenträger der Mitarbeiter – schon wieder so eine bemüht humorvolle Anspielung, nämlich auf traditionelle Hoteluniformen. Ich denke dabei eher an einen Clown. Mir erscheint das viel zu kleine, mäßig gepflegte Aquarium hinter den beiden unfreiwilligen Clowns am Tresen ebenfalls eher aufgesetzt als kultig zu wirken – wie ein gescheiterter Versuch, ein richtiges Design-Hotel mit günstigen Mitteln zu kopieren.

    Wirklich unentschuldbar ist in meinen Augen, dass ich nach schweren Kämpfen um einen Gepäckwagen geschlagene zwölf Minuten auf den Lift warte. Der Grund ist, dass das fast 300-Zimmer-Hotel nur zwei Aufzüge hat, von denen noch dazu einer defekt ist. Und mit zwei Koffern, einer Aktentasche und einem Kleidersack möchte ich mich ungern zu Fuß auf den Weg in die 5. Etage machen.

    Knallrote Metallmöbel überall. Quelle: Carsten K. Rath
    Blick hinter die Rezeption

    Knallrote Metallmöbel überall.

    (Foto: Carsten K. Rath)

    Den größeren Schock aber bekomme ich beim Betreten des Lifts: Eine Grafik auf dem Boden simuliert eine zerbrochene Glasscheibe, durch die ich in die Tiefe zu fallen drohe. Die Botschaft dahinter verkündet ein – natürlich – knallroter Werbeslogan der Hotelbar: „Absturz gefällig?“ Bestimmt gibt es einen wahnwitzig gestressten Geschäftsmann auf Tour, der nach einem langen, harten Reisetag sogar das lustig findet. Ich bin es nicht – ich finde es nur komisch.

    In meiner erstaunlich beengten, unpraktisch eingerichteten Suite begegne ich zuerst einem meiner ärgsten Feinde: dem diebstahlsicheren, befestigten Kleiderbügel. Noch dazu ist der Schrank nicht hoch genug, weshalb meine Hose auf dem Bügel nicht richtig hängen kann – mission not accomplished. Unnötig großzügig dagegen: zwei Riesen-Fernseher, einer im Wohn- und einer im Schlafbereich. Die brauche ich als Geschäftsmann, der am Abend in komatösen Schlaf sinkt und nach einer Nacht in aller Herrgottsfrühe wieder abreist, genau wie dringend?

    Rätsel geben mir auch die gebrandeten Kondome mit flotten Sprüchen auf, die hier verteilt werden – welche Art Hotel ist das nochmal? Zu funktionieren scheinen die Dinger auch nicht: Draußen vor dem Fenster, auf einem mit Kieselsteinen aufgeschütteten Vordach, liegt eine volle Windel. Ich weiß nicht, wie sie da hingekommen ist. Ich weiß nur, dass sie nicht (mehr) dort sein sollte.

    „Kompromisslos. Ästhetisch. State-of-the-art“, das sind die USP, die das Hotel auf der eigenen Website nennt. Davon ist es so weit entfernt wie das Curry36 in Kreuzberg vom Michelin-Stern. Beide Unternehmen sind gut besucht, beide erfüllen ihren Zweck, aber: Schön ist anders.

    Was die Ausstattung betrifft, hat das Pestana in Berlin als zweites Hotel in diesem Vergleich die Nase meilenweit vorn. Das großzügige Zimmer (eines von 142 auf sechs Etagen) ist hell und geschmackvoll eingerichtet und wirkt mit seinen bodentiefen Fenstern elegant und zeitgemäß.

    Das Mobiliar und die Ausstattungselemente wie Wasserkocher und Fernseher sind sinnvoll integriert – und mir vor allem nicht im Weg. Durch die Terrasse vor meinem Zimmer (ohne Windel) erstreckt sich meine Bewegungsfreiheit sogar bis nach draußen.

    Die Minibar ist, im Gegensatz zum Dormero, im Pestana allerdings nicht im Preis inbegriffen – das wird mancher als Nachteil empfinden.

    Auch in den öffentlichen Bereichen wie Fluren und Lobby ist der Pflegezustand im Pestana deutlich besser und den vier Sternen auch wirklich angemessen. Hier gibt es keine Schrammen an den Wänden und Macken im Holz, und das Cleaning arbeitet gründlich. Das sind Selbstverständlichkeiten, die mir als Dienstreisendem immerhin ein anheimelndes Gefühl verschaffen. Die sinnfreien Sinnsprüche an den Wänden braucht in meinen Augen zwar kein Mensch, aber das ist Geschmackssache.

    Auch der Fitnessbereich im Pestana ist angemessen ausgestattet, der Indoor-Pool erfüllt ebenfalls seinen Zweck. Diese Wertung gewinnt für mich dennoch das Dormero. Hier gibt es nämlich ein Ausstattungsmerkmal, dass der erholungsbedürftige Geschäftsreisende mutmaßlich eher nutzen wird: eine für Gäste kostenfreie Sauna mit eigener Außenterrasse zum Abkühlen inmitten der City.

    Auch, dass die Hannoveraner für Ausdauer-Fans wie mich Laufstrecken in verschiedenen Schwierigkeitsgraden bereithalten, ist eine pfiffige Idee.

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