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Brenners Park-Hotel & Spa

Das Haus wurde 1872 an der Lichtentaler Allee eröffnet. Seit dieser Zeit hat es nur zweimal den Besitzer gewechselt.

(Foto: Brenners Park-Hotel & Spa)

Rath checkt ein: „Brenners Park-Hotel & Spa“ Wahrer Luxus schreit nicht – er flüstert

Kenner besuchen das beste Hotel Deutschlands, weil sie Kenner sind. Und nicht, weil sie von ominösen Versprechungen hierher gelockt wurden.
  • Carsten K. Rath
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Baden-BadenMan kann vieles über Baden-Baden sagen. Aber nicht, dass man hier seinen Erfolg der Marktschreierei verdankt. Andere – und da denke ich vor allem an die „Touristen-Magnete“, die sowieso jeder kennt – überschlagen sich in ihrer Kommunikation mit Superlativen. Alle wollen sie die aufregendste Stadt Deutschlands sein. In der Hotellerie ist es ähnlich: Jedes Hotel mit fünf Sternen auf der Plakette ist angeblich das beste Hotel – sei es am Marienplatz, an der Außenalster oder am Brandenburger Tor.

Das meiner Meinung nach tatsächlich beste Hotel Deutschlands, und das seit vielen Jahren, hat es gar nicht nötig, sich an diesem Diven-Krieg zu beteiligen. Kenner besuchen das Brenners Park-Hotel & Spa, weil sie Kenner sind, nicht, weil sie von ominösen Versprechungen hierher gelockt wurden: für die Schönheit und den kulturellen Reichtum der Region, für die Festspiele, für die grandiosen Golfplätze. Und für dieses Hotel.

Dasselbe gilt für andere Hotels der Oetker Collection: einzigartige Häuser mit einem besonderen sense of place. Die Gruppe wird vom selben Mann geleitet wie dieses Hotel: Frank Marrenbach. Und er ist auch der Grund, warum ich hier bin, und nicht in Berlin oder München.

Ich will keinen Hehl daraus machen, dass ich voll der Bewunderung für dieses Haus und seinen Herrn bin, und das seit langer Zeit. Ja, dieser Bericht wird ungewohnt schwärmerisch ausfallen – allerdings aus ganz nüchternen Gründen, die jeder andere Gast genauso nachvollziehen kann wie jeder Insider. Genau das macht das Brenners ja zu einem solchen Mythos: Wenn man das liebt, wofür die Grand Hotellerie steht, kann man dieses Haus nicht nicht schätzen.

Das Brenners Park-Hotel & Spa wurde 1872 an der Lichtentaler Allee eröffnet. Seit dieser Zeit hat es nur zweimal den Besitzer gewechselt. Auf Teile der Klientel eines Grand Hotels im Jahr 2019 mag diese Feststellung abschreckend wirken. Doch ich kann sie beruhigen: Verstaubt ist in diesem Hotel gar nichts.

Das liegt daran, dass es – wie jedes Grand Hotel, das etwas auf sich hält – schon immer der Innovation verschrieben war. Und es liegt auch daran, dass es in einem Hotel dieser Gewichtsklasse Dinge gibt, die einfach nicht alt werden.

Natürlich ist die Ausstattung des Brenners klassisch. Wer nach einem minimalistischen Design-Tempel sucht, wo die Präsentation der gesponserten Möbel wichtiger ist als das Gasterlebnis, der möge gern woanders einkehren. Wer sich aber an der Aura einer Ausstattung aus feinsten Materialien erfreuen kann, der ist im Brenners richtig. Hier werden aktuelle Technologien in eine zeitlos schöne Ästhetik integriert, anstatt damit anzugeben.

Wem die Patisserie-Miniaturen, die frischen Blumen und der persönliche Brief des Hoteldirektors zur Begrüßung auf dem Zimmer ein Lächeln entlocken, der weiß auch zu schätzen, dass hier nach fast 150 Jahren und allen Konsolidierungstrends zum Trotz noch die Substanz regiert, nicht der schöne Schein.

Hier wird an nichts gespart – auch an den Preisen natürlich nicht. Doch angesichts der kompromisslosen Qualität sind die im Vergleich mit manchem großspurigen Wettbewerber mehr als angemessen. Die Preise für eine Übernachtung in einem der 104 Zimmer und Suiten reichen von 230 Euro für das günstigste Einzelzimmer bis 5300 Euro für die Royal Penthouse Suite, und hier bekommt man tatsächlich noch etwas fürs Geld.

Im Zimmer wird der Gast mit Patisserie-Miniaturen, frischen Blumen und einem persönlichen Brief des Hoteldirektors begrüßt. (Foto: Brenners Park-Hotel  Spa)
Substanz statt schöner Schein

Im Zimmer wird der Gast mit Patisserie-Miniaturen, frischen Blumen und einem persönlichen Brief des Hoteldirektors begrüßt.

(Foto: Brenners Park-Hotel Spa)

Das kann ich wahrlich nicht über jedes Fünf-Sterne-Hotel in Berlin, in München oder irgendwo auf der Welt sagen. Und am allerwenigsten über jene Hotels, die sich sechs Sterne anmaßen und nicht einmal Drei-Sterne-Herzlichkeit auf die Reihe bekommen.

Das Brenners ist für Menschen, die das dolce vita in seiner Ursprungsbedeutung noch zu schätzen wissen: das Gefühl einer Seidentapete unter den Fingerspitzen, die Solidität eines Edelholz-Parketts unter den Füßen, den Duft eines offenen Kamins in der eigenen Suite, ein Champagner auf der Terrasse einer Parkvilla, echte Kunst an den Wänden statt Werbebotschaften. Vor allem aber steht das Brenners für eine Kultur im Umgang mit dem Gast, die nur noch wenige Häuser auf der Welt pflegen.

Eine Anekdote, die sich schon vor einigen Jahren zugetragen hat, kann die Service-Philosophie des Brenners vielleicht am besten charakterisieren: Nicht zum ersten Mal wurde ich bei diesem Besuch von Direktor Frank Marrenbach persönlich in Empfang genommen und auf mein Zimmer begleitet. Dort war alles perfekt inszeniert – von der Schale mit frischem Obst bis hin zur entspannten Musik, die im Hintergrund spielte.

Kompromisslose Qualität als Geschäftsprinzip. Quelle: Oetker Collection
Frank Marrenbach

Kompromisslose Qualität als Geschäftsprinzip.

(Foto: Oetker Collection )

Doch etwas störte das perfekte Bild: Die Stehlampe neben dem Sofa war nicht eingeschaltet, während der Rest des Raums in gemütliches Licht getaucht war. Und dann tat der damalige Hotelier des Jahres etwas, das auch mich als Kollege noch überraschen konnte: Er ging in seinem Maßanzug auf die Knie und knipste sie an.

Ich verrate Ihnen etwas: Ich glaube nicht, dass die Lampe vergessen worden war. Ich glaube vielmehr, dass es bei dieser kleinen Inszenierung um die Symbolwirkung dieser Geste ging. Perfektion ist unsympathisch; eine zugewandte Haltung dagegen stellt eine Beziehung zum Gast her. Und diese Haltung ist es, die den Service im Brenners auszeichnet: die Symbiose aus kompromissloser Gastorientierung und kompromissloser Qualität, die zu verkörpern Frank Marrenbach seine Mitarbeitern vorlebt.

Das spüre ich im Brenners überall: Hier herrschen vergessen geglaubte Sitten. Von der Rezeptionistin über den Barkeeper bis hin zur Masseurin in der Villa Stéphanie, deren magische Hände mir nach einem langen Tag den Rücken retten, spricht mich jeder einzelne Mitarbeiter mit Namen an. Und nicht nur das: Sie alle scheinen auch genau zu wissen, womit sie mir eine Freude machen können. Empathie wäre für diese Fähigkeit das falsche Wort.

Man versteht nicht nur, wie der Gast sich fühlt – man ahnt auch voraus, was ihm guttut. Und das ist eine Kunst, die gerade ab einem gewissen Zimmerpreis immer schwerer zu bekommen ist. Denn sie setzt voraus, dass man sich tatsächlich für den Gast interessiert, und nicht nur für sein Portemonnaie.

Baden-Baden hat seinen Weltruf vor allem dem zu verdanken, was wir heute Wellness nennen: Es ist einer der berühmtesten Kurorte der Welt. Zaren, Prinzessinnen, sogar die Römer haben sich hier bereits in einer Badeanlage heilen und verwöhnen lassen. Das Brenners steht seit anderthalb Jahrhunderten in dieser Tradition.

Ein Spa als Ergebnis eines Erbes

Es hat den Schah von Persien, König Edward VII und zahllose Staatschefs und Stars der jüngeren Geschichte und Gegenwart beherbergt. Doch ein Vorreiter ist das Brenners noch in anderer Hinsicht: Es war das erste deutsche Grand Hotel, das die Wellness-Bewegung erkannte. So trumpfte es schon 1983 mit einem fortschrittlichen Spa-Konzept auf.

Die heutige Villa Stéphanie ist das Ergebnis dieses Erbes: ein Spa mit eigenem Zimmerkontingent, dessen Umfang und Niveau auch international seinesgleichen suchen. Wer es mit der Erholung ernst meint und mindestens fünf Nächte (ab 500 Euro pro Nacht) bleibt, kann sich für diesen Annex des Brenners in einem separaten Gebäude entscheiden und erleben, was „Wellness“ jenseits der Werbebotschaften bewirken kann.

Das Brenners hat ein Spa mit eigenem Namen und eigenem Zimmerkontingent. (Foto: James Merrell)
Pool in der Villa Stéphanie

Das Brenners hat ein Spa mit eigenem Namen und eigenem Zimmerkontingent.

(Foto: James Merrell)

Was mir daran am besten gefällt, ist einmal mehr die Selbstverständlichkeit des Komfort-Gedankens, der alles durchdringt: vom Plunge Pool über das Hammam bis hin zu den medizinischen Behandlungsräumen und den Duschen mit Bisazza-Mosaikfliesen sieht nichts klinisch oder nach Nasszelle aus.

Selbst der Poolbereich erstrahlt in warmen Tönen und edlen Hölzern wie eine schicke Lounge. Beim Personal Training im Private Gym riecht es, als schwitze man hier automatisch ätherische Öle statt profaner Körperflüssigkeiten aus.

Das Portfolio in diesem Wellness-Tempel der Extraklasse reicht von unzähligen Massage-, Fitness- und Beauty-Optionen für jeden Bedarf bis zur kompletten Sieben-Tage-Detox in der Suite mit Parkblick für den Gegenwert eines Kleinwagens.
Ich habe am meisten das Yoga im Park genossen. Nicht einmal meinen Lieblings-Yogi auf Bali habe ich an diesem Nachmittag vermisst, und das will etwas heißen.

Spitzenküche neu interpretiert

Wenn es diesem Spa an etwas fehlt, dann kann es maximal die Eselsmilch sein, in der die letzte weibliche Pharaonin einst gebadet haben soll. Ärgern dürfte das aber höchstens Kléopatra, die schneeweiße Birma-Katze und heimliche Hausherrin des Brenners. Sie hat zuvor im legendären Hotel Le Bristol in Paris residiert, das ebenfalls zur Oetker Collection gehört. Im fortgeschrittenen Alter zog sie jedoch den grünen Landsitz mit mehr Frischluft in Baden-Baden vor. Adel verpflichtet.

Kulinarisch betrachtet ist das Brenners ein gutes Beispiel dafür, wie sich in der Gastronomie die Zeiten geändert haben. Selbst in den besten aller Häuser ist es heute fast ein Ding der Unmöglichkeit, ein Sterne-Restaurant wirtschaftlich zu betreiben. Vor allem aber ist der Stern heute nicht mehr das, was die Gäste anlockt: Sie bevorzugen eine Kulinarik, die sich in ihren Lebensstil integriert.

Mit dem Fritz & Felix, dem Ende 2018 eröffneten Gastronomie-Flaggschiff im Haus, geht das Brenners einen neuen Weg. (Foto: Lukas Lienhard)
Kulinarische Runderneuerung

Mit dem Fritz & Felix, dem Ende 2018 eröffneten Gastronomie-Flaggschiff im Haus, geht das Brenners einen neuen Weg.

(Foto: Lukas Lienhard)

Mit dem Fritz & Felix, dem Ende 2018 eröffneten Gastronomie-Flaggschiff im Haus, geht Frank Marrenbach deshalb einen neuen Weg. Dafür hat er prompt die Auszeichnung als „Gastronom des Jahres“ im Gault & Millau 2019 erhalten. Im Fritz & Felix, so die Begründung der Jury, sei alles Überkommene einer „zeitgemäßen Lockerheit“ auf weltstädtischem Niveau gewichen.

An einem Standort wie Baden-Baden kommt eine solche kulinarische Runderneuerung tatsächlich einer Revolution gleich. Die wird schon an der Raumaufteilung ersichtlich: Das Fritz & Felix verfügt über eine integrierte Showküche. Und in einer Nische entdecke ich doch tatsächlich ein DJ-Set mit Turntables! Gastronomie und Erlebnis, Essen und Event – das sind Aspekte des Gastgewerbes, die heute nicht mehr zu trennen sind und für mehr Traktion sorgen als livrierte Kellner.

Im Gastraum (in dem auch das Frühstück gereicht wird) wurden großzügige Sitzgruppen um den Star des Restaurants herum arrangiert: den riesigen gusseisernen Designer-Grill von Charcoa in seinem eigenen verglasten „Schaukasten“. Das Food-Konzept stammt vom Schweizer Starkoch Nenad Milinarevic und wird von Küchenchef Sebastian Mattis kongenial umgesetzt.

Das Schlagwort ist „Comfort Food“: Nicht komplizierte Kreationen für gelangweilte Kritiker sind das Ziel, sondern authentische, gehaltvolle Gerichte mit Charakter, die der Mahlzeit eine Seele einhauchen und eine Geschichte erzählen. Meine anfängliche Sorge, die Abkehr vom Gourmet-Chi-chi könnte mit reduzierter Kreativität einhergehen, löste sich schnell in Wohlgefallen auf: Einen Rotbarsch mit Chorizo hatte ich bisher genauso wenig auf dem Teller wie ein Stubenküken mit Ananas und Salsa.

Gerade hat auch die Rive Gauche Brasserie als zweites Outlet neu eröffnet. Hier wird Pariser Leichtigkeit mit Klassikern der Brasserie-Küche zelebriert, sonntags sogar stilecht am „Table d’Hôte“ ganz gesellig in großer Runde.

Für sein Konzept wurde Frank Marrenbach als „Gastronom des Jahres“ ausgezeichnet. (Foto: Lukas Lienhard)
Die Bar im Fritz & Felix

Für sein Konzept wurde Frank Marrenbach als „Gastronom des Jahres“ ausgezeichnet.

(Foto: Lukas Lienhard)

Die Gastronomie ist letztlich das, was Experten der guten, alten Grand Hotellerie im Brenners am meisten zu überraschen vermag – und ich halte das für einen schlauen Schachzug. Luxus ist keine Frage von veralteten Etiketten, sondern eine Frage der Wahlfreiheit. Wenn selbst der beste Hotelier Deutschlands sich lieber darauf beruft als auf die Insignien einer vergangenen Epoche, ist das ein Grund für Optimismus.

Fazit: Erfolg kommt nicht von folgen

Frank Marrenbach hat in Baden-Baden (und anderswo) erreicht, was viele andere verkünden, im Verfolgungswahn um den nächsten Superlativ aber zunehmend aus den Augen verlieren: kompromisslose Qualität und ein Gasterlebnis, das auch dem verwöhntesten Kenner noch ganz gelassen Respekt abringt. Das Brenners ist das beste Hotel in Deutschland, weil es sich eben nicht um Trends und die zahlreichen Preise schert, die es gewonnen hat, sondern ausschließlich um seine Gäste.

Marrenbach orientiert sich weder als Hotelier noch als Gastronom daran, was alle anderen machen. Er verknüpft die zeitlosen Alleinstellungsmerkmale der Grand Hotellerie mit den sinnvollsten Innovationen unserer Zeit. Sein wahres Geheimnis aber ist die radikal gastorientierte Haltung, die dafür den Maßstab bildet. Die kann man nicht designen; sie muss reifen wie ein guter Wein.

Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Autor von Büchern wie „Schluss mit Everybody’s Darling. Warum wir besser leben, wenn wir uns nicht mehr für andere verbiegen“ ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen: Mit seiner Reiseplattform „Travelgrand.de“ bietet er Reisenden einzigartige Routen, Perspektiven und Informationen rund um das Reisen. Zu seinen Kunden als Management-Berater unter anderem in der Tourismus-Industrie gehören auch Global Player. Sämtliche Hotels, über die er für das Handelsblatt schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.

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