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Parkroyal on Pickering Singapur

Das Schlagwort „grüner Luxus“ zieht sich wie ein roter Faden durch das Konzept. Doch Luxus und Nachhaltigkeit sind keine einfache Paarung.

(Foto: Erwin Soo)

Rath checkt ein: „Parkroyal on Pickering Singapur“ Die Nische gefunden – aber derselbe Luxus in Grün

Die Ansprüche der internationalen Klientel in Singapur sind vielfältig. Ein Grand Hotel, das hier bestehen will, braucht starke Alleinstellungsmerkmale.
  • Carsten K. Rath
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SingapurSingapur ist eine Stadt der Dichte. Der 5,6-Millionen-Stadtstaat vereint eine Vielzahl von Bevölkerungsgruppen verschiedenster Herkunft und Religion auf einer Fläche kleiner als Hamburg. Der bunte Strauß fernöstlicher Kulturen trifft zusätzlich auf die Extreme des Kapitalismus westlicher Prägung – kein asiatisches Land ist amerikanischer als Singapur.

Die Metropole ist ein zentraler Business Hub Asiens und ein Touristen-Mekka von Weltrang mit mehr als zwölf Millionen internationalen Besuchern pro Jahr. All diese Kontraste auf engstem Raum zu vereinen ist eine Herausforderung. Wohl deshalb ist Singapur berühmt für seinen Regulierungswahn: Mehr als 100 Meter ist man hier nie von irgendeinem Verbotsschild entfernt.

Doch nicht nur Regierung und Verwaltung, sondern auch die Hotellerie in Singapur ist gezwungen, Antworten auf die extreme Vielfalt zu finden. Denn die herrscht auch in der Hospitality-Szene. Singapur ist ein Paradies für Luxusfans und ein Epizentrum der Innovation in Technologie, Architektur und Lifestyle. Die besten Hotels der Stadt spiegeln das wieder – und davon gibt es viele.

Singapur verfügt über mindestens 75 Fünf-Sterne-Hotels, ständig kommen neue hinzu. Sich in diesem dichten Wettbewerb abzusetzen ist eine Kunst für sich. Das Parkroyal on Pickering setzt auf die weltweite Vorreiterrolle von Singapur als Innovator bei der Nachhaltigkeit. Das Schlagwort „grüner Luxus“ zieht sich wie ein roter Faden durch das Konzept – von der Architektur über die Ausstattung bis hin zum Service.

Doch Luxus und Nachhaltigkeit sind (noch) keine einfache Paarung. Wird die Gasterfahrung von den nötigen Kompromissen getrübt?

Das Parkroyal on Pickering liegt direkt neben Chinatown. Am Rande des Hong Lim Parks und etwa zwei Kilometer von der Marina Bay entfernt bietet es direkten Zugang zu einem der beliebtesten Touristenzentren des Stadtstaats im Süden der Insel.

Die Chinesen bilden die größte ethnische Bevölkerungsgruppe Singapurs. Sie haben das Leben und die Kultur des Landes stark geprägt – und nirgendwo wird das deutlicher als hier in Chinatown. In keiner anderen Nachbarschaft Singapurs gibt es mehr Sehenswürdigkeiten zu bewundern. Entsprechend beliebt ist die Gegend bei Touristen.

Wer entspanntes südostasiatisches Urlaubsfeeling sucht, ist hier falsch. In Chinatown geht täglich bis Geschäftsschluss um 23 Uhr die Post ab. Wer sich auch nur einen groben Überblick über die Essensmärkte, Tempel und Museen verschaffen will, muss mindestens einen Tag allein für diesen Stadtteil einplanen. Allerdings lässt er sich gut zu Fuß verbringen: Alles liegt nah beieinander.

Aber Achtung: Chinatown ist nicht das Singapur der ultramodernen Wolkenkratzer, das Europäer allgemein vor Augen haben. Die Umgebung ist von charmanten, kleineren Häusern im chinesischen Stil geprägt – bunt, vielfältig und vergleichsweise chaotisch gemessen an den blankpolierten, durchdesignten Vierteln weiter nördlich.

Aus dieser Umgebung ragt das Parkroyal on Pickering mit seinen 16 Stockwerken schon beinahe ungelenk heraus. Umso besser will es sich dafür in die Natur integrieren: Die Fassade sticht schon von Weitem ins Auge: In organischen Wellenformen ziehen sich terrassenartige, üppig bepflanzte Vorsprünge um das Gebäude. Wie Baumpilze ranken sie sich um das stelzenartige Fundament, das die schlanken Glaskuben trägt. Sie tun das ökologisch geprägte Gesamtkonzept unübersehbar kund. 

Das Innenleben des Hotels lässt mit seinen sehr hohen Räumen und großzügigen Öffnungen zwar viel Licht und Umgebungsatmosphäre herein, erinnert jedoch weitaus mehr als die Fassade an andere Luxushotels zeitgenössischer Prägung.

Luxus muss nicht prätenziös sein

Stärker als das grüne Element fallen hier die asiatischen Bezüge auf: kokonartige, bunte Cabanas, die an futuristische Strandhütten erinnern, bieten Gästen im Außenbereich rund um den Infinity-Pool und die Spa-Anlagen Privatsphäre. Sämtliche öffentlichen Bereiche wirken hell und durchdesignt bis zum Anschlag.

Der Nachteil solcher Konzepte, der sich in vielen ultramodernen Hotels auf der Welt beobachten lässt, ist ihre Anfälligkeit fürs Altern. Hier macht leider auch das auf Nachhaltigkeit getrimmte Parkroyal on Pickering keine Ausnahme: Die Materialien des erst fünf Jahre alten Hauses wirken vielerorts bereits jetzt müde. Das mag mit dem feuchtheißen Klima ebenso zusammenhängen wie mit der Halbwertszeit von ultramodernen Designs.

Zimmer und Suiten spiegeln das naturnahe Konzept. Die holzgetäfelten Wände und Einbauten schaffen eine beruhigende Atmosphäre. (Foto: PARKROYAL on Pickering)
Unprätenziös und stilvoll

Zimmer und Suiten spiegeln das naturnahe Konzept. Die holzgetäfelten Wände und Einbauten schaffen eine beruhigende Atmosphäre.

(Foto: PARKROYAL on Pickering)

Doch wäre es nicht sinnvoller gewesen, das Gebäude technisch stärker auf Haltbarkeit auszulegen als auf eine besonders „cleane“ und deshalb auch besonders anfällige Optik? Aus meiner Sicht hätten robustere Baumaterialen dem selbst proklamierten Konzept eines „Hotel in a garden“ besser gestanden als der erzwungene Kompromiss eines Glas- Marmor-Beton-Palasts mit aufgepfropftem Grünzeug.

Die Zimmer und Suiten spiegeln das naturnahe Konzept überzeugender: Die durchgehend holzgetäfelten, vier Meter hohen Wände und Einbauten meiner Suite schaffen eine beruhigende, unprätenziöse und doch stilvolle Atmosphäre.

Das zwölf Quadratmeter große Badezimmer mit seinen polierten Steinwänden wirkt gleichermaßen edel und natürlich. Die Badewanne mit der integrierten Dusche steht direkt unter einem Fenster, das die gesamte Wandbreite einnimmt. Beim entspannten Bad mit Blick über die Skyline verschmilzt man mit der Umgebung, als würde man über der Stadt schweben.

Leider lässt der Wasserdruck der „Erlebnisdusche“ zu wünschen übrig. Es ist nicht das einzige Detail, in denen die Pole Öko und Luxus einander widersprechen. Als geradezu abstoßend empfinde ich, dass die Amenitys nicht getauscht, sondern von Gast zu Gast weiterverwendet werden. Ich finde gebrauchte, verklebte Plastikfläschchen vor, die ich am liebsten entsorgen würde, anstatt sie weiterzuverwenden.

Wenn schon ökologisch, dann bitte richtig: Hochwertige, eingebaute Spender, die sich hygienisch nachfüllen und reinigen lassen, wären gleichzeitig nachhaltiger und luxuriöser als Einwegbehälter, die von mehreren Gästen verwendet werden.

Schlüssig sind dagegen viele der Lösungen im Wohnbereich: Kleine hölzerne Würfel weisen mich auf verschiedene ressourcenschonende Maßnahmen hin – und lassen mir als Gast lobenswerterweise die Wahl, ob ich mitmachen möchte. So werden die Laken standardmäßig nur alle zwei Tage getauscht. Bei Bedarf kann der Gast durch Platzieren des Hinweis-Würfels auf dem Bett jedoch einen täglichen Tausch erzwingen. Statt einem Mülleimer für alles gibt es einen Recycling-Eimer zum Trennen.

Luxuriös in der Auswahl, aber ganz und gar nicht ökologisch sinnvoll ist dagegen der gut bestückte Minibar-Bereich mit den üblichen Getränkedosen und – oh Graus – einer Kapsel-Kaffeemaschine.

Das Parkroyal on Pickering verfügt nur über ein einziges Restaurant. Das großzügig und luftig angelegte „Lime“ folgt einem typisch asiatischen Buffet-Konzept. Hier findet der interessierte Gast die ganze Vielfalt der bunten Landeskulturen gespiegelt und muss auch nicht auf internationale Klassiker verzichten.

Das großzügig und luftig angelegte „Lime“ folgt einem typisch asiatischen Buffet-Konzept. (Foto: Patrick Bingham)
All-in-one-Konzept

Das großzügig und luftig angelegte „Lime“ folgt einem typisch asiatischen Buffet-Konzept.

(Foto: Patrick Bingham)

Verschiedene Inseln innerhalb der üppigen Buffet-Landschaft mit ihren diversen offenen Küchen bieten von kantonesischen Spezialitäten über Indisch, Japanisch und eine westliche Pasta-Station bis hin zu reichhaltigen Obst- und Dessertbars alles, was das Herz begehrt. Das gilt für das Frühstück genauso wie für das überragend reichhaltige Lunchangebot, das für ca. 30 bis 50 Euro auch qualitativ absolut zu überzeugen weiß. Ein Angebot speziell für Business-Gäste sind die hochwertigen Lunchboxen to go.

Aus professioneller Perspektive finde ich das All-in-one-Konzept überzeugend: In einer Stadt wie Singapur ist es zwecklos, als Hotel krampfhaft mit der gebotenen Vielfalt direkt vor der Haustür konkurrieren zu wollen. Kaum ein Gast wird all seine Mahlzeiten im Hotel einnehmen. In diesem Umfeld ein komplexes gastronomisches Konzept mit drei oder vier Restaurants zu fahren, wäre in der Tat Ressourcenverschwendung.

Den Service im Parkroyal on Pickering finde ich bei diesem dritten Aufenthalt seit Bestehen des Hauses zwar verbessert, aber immer noch verbesserungsbedürftig vor. In einem Umfeld wie Singapur, wo viele große Marken ebenso präsent sind wie ehrgeizige unabhängige Player, reicht das nicht, um herauszuragen.

Besonders die Mitarbeiter in der Gastronomie erlebe ich wiederholt als völlig überfordert. Beim Mittagessen findet kein nennenswerter Service statt. Jedem Wunsch muss ich mühsam hinterherlaufen und dafür meine Mahlzeit unterbrechen. Das ist auch im Rahmen eines Buffet-Konzepts ein No-go für ein Fünf-Sterne-Hotel.

Als Hotelier kann ich schwer nachvollziehen, warum am Eingang zum Restaurant gleich drei Mitarbeiterinnen stehen müssen, um mich nach meiner Zimmernummer zu fragen, wenn sie im Service anderswo dringend gebraucht würden. Generell machen die Mitarbeiter in der Gastronomie den Eindruck, dass es ihnen zwar nicht an Charme mangelt, aber an Ausbildung und Führung.

Als eine große taiwanesische Reisegruppe ins Restaurant einfällt, bricht endgültig das Chaos los. Ein typischer Fehler in Hotels mit gemischter Klientel aus Touristen- und Business-Gästen, der durchaus vermeidbar ist: In einem Haus dieser Größe wäre es kein Problem, solche Gruppen räumlich von den anderen Gästen zu separieren und mit zusätzlichen Mitarbeitern zu betreuen, anstatt das Buffet zur Kampfzone mutieren zu lassen. Doch leider ist seitens der Mitarbeiter diesbezüglich keine Initiative zu erkennen.

Das ist einer der Momente, in denen sich der Mangel an sichtbarer Führung während meines Aufenthalts negativ auswirkt: An keinem der drei Tage meines Aufenthalts begegne ich auch nur einem einzigen Manager oder wenigstens Supervisor. An sich ist eine solche minimal-invasive, für den Gast unsichtbare Führung ein gutes Zeichen, solange der Service funktioniert – doch davon kann im Restaurant leider keine Rede sein.

Die Service-Orientierung der Rezeption ist dagegen auf Top-Niveau: Jede Frage und jedes Anliegen wird blitzschnell und effizient bearbeitet. Binnen Minuten nach meinem Check-in bekomme ich einen Rückruf mit allen gewünschten Informationen. Besonders hoch rechne ich als Hotelier den Kollegen an, dass sie einen Fehler meinerseits bei der Buchung großzügig bereinigen: Die verpasste erste Nacht nach meiner verspäteten Anreise wird mir auf Kulanz an meinen Aufenthalt angehängt. Das habe ich auch in deutlich teureren Hotels schon ganz anders erlebt – wenngleich die 350 Euro pro Nacht für meine Executive Suite in Singapur kein Schnäppchen sind.

Die Betreuung im Spa ist Weltklasse: Hier wirkt sich das multikulturelle Setting ausgesprochen förderlich aus. Mitarbeiter aus verschiedenen Kulturen mit verschiedenen Spezialisierungen bieten professionelle Behandlungen aus diversen Therapieschulen an, für die man anderswo unterschiedliche Orte aufsuchen müsste. Zudem ist die Atmosphäre im großzügigen Spa-Bereich angenehm unaufgeregt – eine Wohltat nach einem langen Tag in einem solchen Molloch von Stadt.

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