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Riad Oasen der Ruhe

Wer Marrakesch wirklich gesehen haben will, braucht kein Hotel. Er muss in einem der stilvoll renovierten Riads innerhalb der Medina wohnen. In der marokkanischen Königsstadt erliegen immer mehr Europäer dem Zauber dieser Gästehäuser.
  • Stefanie Müller
In fast allen Riads kann man auf der Dachterrasse frühstücken. Foto: dpa

In fast allen Riads kann man auf der Dachterrasse frühstücken. Foto: dpa

MARRAKESCH. Der Weg durch die Medina von Marrakesch erinnert an einen Irrgarten. Erst nach 15 Minuten Schieben durch Menschengewühl auf dem mittelalterlichen Platz Jema’ El Fna und dem Vorbeiwinden an allen möglichen Zweirädern, die durch die schmalen Souks fahren, biegen wir links ab in eine dunkle, überdachte Gasse. Nach ein paar Kurven hält der freundliche Kofferträger vor einer großen Holztür: „Wir sind da.“ Enttäuschung. Das Riad, zu Deutsch Gästehaus, sieht von außen recht bescheiden aus.

Und im Innern? Luxus hat hier eine andere Ausprägung als in den großen Fünf-Sterne-Hotels am Rande der Stadt. Wer das Stimmengewirr und die magische Exotik des Bazars hinter sich lässt, dem offenbart sich das Riad El Cadi als eine Oase der Ruhe. Seine verschiedenen Innenhöfe mit ihren exotischen Bepflanzungen und den stilvollen Möbeln laden nach dem Einkauf in den Souks zum Stillhalten ein. Überall liegen Sitzkissen, Bildbände in allen Sprachen verführen schon deshalb zum Schmökern, weil es auf den Zimmern keine Fernseher gibt.

In fast allen Riads kann man auf einer Dachterrasse mit Blick über Marrakesch frühstücken. Kein Wunder, dass die Kultur der Riads in der marokkanischen Königsstadt bei den Europäern derzeit eine bemerkenswerte Nachfrage erlebt. Es sind vor allem Ausländer – wie die Deutsche Julia Bartels im Fall von El Cadi –, die die teilweise kurz vor dem Verfall stehenden zusammenhängenden Stadthäuser kaufen, sie mit Sorgfalt renovieren und zum luxuriösen Gasthaus umgestalten lassen.

Mit Geschmack und Kenntnisreichtum versuchen sie, die aufwendigen marokkanischen Holzarbeiten, die Mosaike und Fliesenteppiche, die alten Brunnen der Innenhöfe sowie die oft jahrhundertealten Deckenfresken zu erhalten.

„Wir wollen, dass sich unsere Gäste wie zu Hause fühlen“, versichert Gabriele Noack-Späth. Die deutsche Entwicklungshelferin hat sich ebenfalls wie Bartels aus Liebe zu Land und Leuten in Marrakesch ein Riad gekauft hat. „Mit viel Ärger habe ich das Haus renoviert“, gibt sie zu. Aber sie bereut ihre Entscheidung nicht: „Die guten Flugverbindungen nach Deutschland über Ryan Air und demnächst auch mit TuiFly sowie die Möglichkeiten, über das Internet mit der Heimat in Kontakt zu bleiben, machen aus dieser exotischen Stadt für mich einen idealen Altersruhesitz.“

Nach einem langen Nomadenleben durch viele afrikanische und asiatische Länder hat Noack-Späth in Marrakesch ihre Heimat gefunden. In ihrem Riad Noga begrüßt sie ihre Gäste mit frischem Pfefferminztee und einer hauseigenen Köchin, die auf Bestellung köstliche marokkanische Spezialitäten serviert.

Natürlich hat der individuelle Service in den Riads seinen Preis. Eine Nacht in einem Doppelzimmer kostet zwischen 150 und 1 500 Euro. Einer der teuersten Gästehäuser ist das Kasbah Tamadot, das im Besitz des britischen Erfolgsunternehmers Richard Branson ist. Auf dem Weg ins Atlas-Gebirge thront dieses Festungsgebäude mit seinen 18 Zimmern wie ein königlicher Palast.

Der krönende Abschluss der marokkanischen Riad-Kultur ist der Besuch eines Hammam, eines arabischen Bads. El Cadi bietet wie viele Häuser diesen Service in den eigenen vier Wänden an. Eine halbe Stunde lang wird der Körper in einem Dampfbad von einem Masseur mit verschiedenen Seifen und Cremes abgeschrubbt, danach abgespült und schließlich kräftig von oben bis unten durchmassiert. Wer diese intensive Reinigungsprozedur erlebt hat, definiert Luxus zukünftig sicherlich anders, wie einer der kleineren Besucher im El Cadi, der achtjährige Alvaro aus Madrid: „Jetzt bin ich so sauber, dass ich mich sicherlich drei Wochen nicht mehr waschen muss. Das ist wirklich gut.“

Die Top 5 der Riads in Marrakesch:

Riad Noga
78 Derb Jdid
Douar Graoua
Tel.: 00212 (0) 61502857
E-Mail: [email protected],
» www.riadnoga.com
Hier gibt es nicht nur Ruhe, sondern auch herkömmlichen Luxus: Fernseher mit deutschen Kanälen auf den Zimmern sowie Internetanschlüsse. Zu allen Uhrzeiten kann man an der Bar alkoholische Drinks ordern. Preis (pro DZ): zwischen 150 und 240 Euro die Nacht.

Les Jardins de la Medina
21, Derb Chtouka
Quartier de la Kasbah
Tel.: 00212 (0) 44381851
[email protected]
» www.lesjardinsdelamedina.com
Ein sehr großzügiges und modernes Riad, wo zwar die Intimität der traditionelleren Häuser ein bisschen verloren geht, aber dafür hat man hier auch mehr Freizeitmöglichkeiten. Es gibt einen großen Pool und eine weitläufige Wellnessanlage mit Hammam, mittags und abends hat man eine große Menüauswahl. Die Preise für ein DZ bewegen sich zwischen 170 und 330 Euro.

Riyad El Cadi
87, Derb Moulay Abdelkader
Dabachi
Tel.: 00212/24 378 655
[email protected]
» www.riyadelcadi.com
Dieses stilvoll eingerichtete Gästehaus liegt nur wenige Minuten von dem bewegten exotischen Platz Jema’ El Fna entfernt. Es gibt Innenhöfe, wo man lesen oder baden kann. Die zwölf Doppelzimmer kosten je nach Kategorie und Saison zwischen 130 und 270 Euro die Nacht.

Riad Zina
38, Derb Assabane Riad Laarousss
Tel.: 00 212/24 38 52 42
[email protected]
» www.riadzina-marrakech.com
Dieses in der Medina liegende 350 Jahre alte Riad bietet hochwertiges Ambiente mit traditionellem Design. In dem Haus gibt es allerdings weder Schwimmbad noch Hammam, und nur in einem der vier Zimmer gibt es eine Klimaanlage, weswegen es für den Aufenthalt in den heißen Sommermonaten Juli und August wenig geeignet ist. Preise liegen pro Nacht und DZ zwischen 100 und 220 Euro.

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