Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Richtig urlauben So gelingt das Abschalten und Krafttanken

Jeder Zweite fühlt sich nach dem Urlaub schon wieder schnell urlaubsreif. Wirklich abzuschalten ist wichtiger denn je. Tipps, wie das gelingen kann.
Kommentieren
Alltagsstress: So holen Sie das Beste aus Ihrem Urlaub raus Quelle: dpa
Urlaubsreif

Wie kann man im Urlaub wirklich Kraft tanken?

(Foto: dpa)

DüsseldorfSchon Johann Wolfgang von Goethe fand es nicht ganz leicht, sich die Zeit für seine Italienreise freizuschlagen. Ihn plagte die Sorge, dass sein Herzog ihn zurückhalten könnte. „Den 3. September früh drei Uhr stahl ich mich aus dem Karlsbad weg, man hätte mich sonst nicht fortgelassen. Man merkte wohl, dass ich fort wollte. Ich ließ mich aber nicht hindern, denn es war Zeit“, schrieb der Dichter am 3. September 1786 in sein Tagebuch, vermutlich schon in der Postkutsche.

Urlaub zu machen war im 18. Jahrhundert noch nicht üblich. Im 21. Jahrhundert haben es Angestellte in Deutschland wesentlich leichter. Mindestens vier Wochen bezahlten Erholungsurlaubs stehen ihnen nach dem Bundesurlaubsgesetz pro Jahr zu. Und diese Wochen nutzen die Deutschen intensiv.

Zwar haben ihnen die Chinesen und die US-Amerikaner den Rang als Reiseweltmeister abgelaufen, doch noch immer lassen sich deutsche Urlauber ihre Reisen einiges kosten: Knapp 96 Milliarden Euro haben sie dafür allein im vergangenen Jahr ausgegeben, wie der Deutsche Reiseverband (DRV) ermittelt hat. Er kommt zu dem Schluss: „Die Deutschen lieben die Welt.“ Ganz besonders lieben sie Spanien, Italien und die Türkei.

Heute muss sich niemand für seinen Urlaub mehr wegstehlen wie zu Goethes Zeiten – eine Abwesenheitsnotiz schreiben und laufende Projekte an die Kollegen übergeben reicht in der Regel. Doch in Zeiten hoher Arbeitsbelastung in Kombination mit der Allgegenwärtigkeit digitaler Medien ist es schwieriger geworden, im Urlaub wirklich abzuschalten und sich zu erholen.

Hinzu kommt, dass mit einer Reise oftmals hohe Erwartungen verbunden sind, und man den Arbeitsstress, der sich über Monate aufgebaut hat, nicht einfach so hinter sich lassen kann. Jeder Zweite fühlt sich daher schon wenige Tage nach den Ferien wieder urlaubsreif, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) ergeben hat.

Lieber viele Kurzurlaube als ein langer Jahresurlaub

Wie kann es gelingen, im Urlaub wirklich abzuschalten und Kraft zu tanken? Mit dieser Frage beschäftigt sich Carmen Binnewies, Professorin für Arbeitspsychologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Erholungsurlaub hält die Professorin für ausgesprochen wichtig: „Wir brauchen dringend Zeiten der Regeneration.“

Doch die Wissenschaftlerin warnt vor überzogenen Erwartungen. Studien zeigten eindeutig, dass der Erholungseffekt maximal drei Wochen anhält. Viele Menschen erreichten schon eine Woche nach den Ferien wieder ihr Ausgangsniveau. „Dieses Ergebnis ist unabhängig von der Länge des Urlaubs, empirisch lässt sich kein Effekt der Zeit belegen.“

5 Tipps für erholsame Ferien
1. Regelmäßig im Alltag erholen
1 von 5

Es funktioniert nicht, sich im Alltag zu verausgaben und Erholungszeiten nur für den Urlaub aufzusparen. Vielmehr ist es wichtig, auch im Alltag regelmäßig Pausen einzuplanen und am Abend von der Arbeit gedanklich abzuschalten. Eine wichtige Vorbildfunktion kommt dabei dem Vorgesetzten zu.

(Foto: Reuters)
2. Den Urlaub über das Jahr verteilen
2 von 5

Mehrere kleine Auszeiten, sinnvoll über das Jahr geplant, bringen mehr Erholung als eine große Reise am Stück. Wie wäre es mit einem Ausflug nach Florence? Die Kathedrale Santa Maria del Fiore ist immer ein Trip wert.

(Foto: AFP)
3. Die Rückkehr in den Job langsam angehen
3 von 5

Wer sich in den ersten Tagen nach dem Urlaub zu stark vereinnahmen lässt, fühlt sich schnell wieder urlaubsreif. Daher nicht zu viele Diensttermine in die ersten Tage legen und Zeit für das Abarbeiten von E-Mails und Post einplanen.

(Foto: Bloomberg)
4. Lieber aktiv sein als faulenzen
4 von 5

Viele Menschen genießen es, im Urlaub einfach mal nichts zu tun. Doch es kommt auf die Balance an – wichtig für die Urlaubserholung ist auch Entspannung durch leichte Bewegung und das Erleben von Mastery-Erfahrungen, auf die man stolz sein kann.

(Foto: AFP)
5. Realistische Erwartungen haben
5 von 5

Urlaub trägt nachweislich zur Regeneration bei, doch diesen Effekt darf man nicht überschätzen – er hält maximal drei Wochen an.

(Foto: dpa)

Statt eines längeren Jahresurlaubs, wie er früher oft empfohlen wurde, rät Carmen Binnewies daher zu mehreren kürzeren, über das Jahr verteilten Auszeiten. Diesen Rat scheinen die Deutschen zu beherzigen, denn über die Jahre hat sich die Dauer des Haupturlaubs, der meist im Sommer stattfindet, immer weiter verkürzt. Während die Reise im Jahr 1983 im Schnitt noch 17,4 Tage dauerte, blieben deutsche Urlauber im vergangenen Jahr nur noch 12,9 Tage, wie der Deutsche Reiseverband ermittelt hat.

Erholung gelingt am besten durch Kontrasterlebnisse

Letztlich ist für Binnewies nicht die Länge des Urlaubs entscheidend, sondern die Qualität des Tapetenwechsels. Diese wird von vier zentralen Erholungserfahrungen bestimmt. Dazu zählt erstens, wie gut das Abschalten vom Job gelingt.

Kreisen die Gedanken immer noch um die Arbeit oder kann ich mich im Urlaub innerlich davon freimachen? Das gelingt umso besser, je mehr man im Urlaub nach Kontrasterlebnissen sucht – der Büroarbeiter ist körperlich aktiv und geht wandern, der Vertriebler mit viel Kundenkontakt sucht die Stille allein oder zu zweit. Ein zweiter Erholungsfaktor ist der Grad der Entspannung, körperlich wie geistig. „Wobei sich Menschen am besten entspannen, hängt von ihrer Persönlichkeit ab“, sagt die Wissenschaftlerin.

Zu viel Faulenzen bremst aber die Urlaubserholung. Ein guter Grund also, die Liege am Pool hin und wieder zu verlassen, denn zu gelungenen Ferien gehören als dritte Erholungserfahrung auch sogenannte Mastery-Erlebnisse, körperliche und geistige Herausforderungen.

Dazu zählt beispielsweise, einen Berg zu besteigen, seine Sprachkenntnisse zu verbessern oder im Museum sein Wissen zu erweitern – alles, was einem das Gefühl gibt, etwas geschafft zu haben. Die vierte und letzte Erholungserfahrung ist der Grad der Selbstbestimmung, das heißt, man kann frei wählen, ob man ausschläft oder früh in den Tag startet und wie man sein Programm gestaltet.

Carmen Binnewies bringt diese Erfahrungen auf eine einfache Formel: „Zur Erholung trägt bei, was einen Menschen zufrieden macht. Was genau das ist, unterscheidet sich von Person zu Person und kann sich auch über die Jahre verändern.“ Den Deutschen scheint das aber bereits recht gut zu gelingen – 77 Prozent sagen, dass sie zumindest kurzfristig erholt von einer Reise zurückgekehrt sind, und 41 Prozent haben im Urlaub Glücksmomente erlebt, wie die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen in ihrer „ReiseAnalyse 2019“ ermittelt hat.

Ausschalten hilft beim Abschalten

Wer erholt und glücklich sein will, schaltet sein Smartphone allerdings am besten in den Ferien aus. In einer noch unveröffentlichten Studie mit 150 Teilnehmern, der Urlaubsstudie, hat Binnewies zusammen mit einem Team die Rolle von Kommunikationsmedien im Urlaub untersucht.

Ihre Schlussfolgerung: Je häufiger Urlauber digitale Medien nutzen, desto schlechter können sie sich entspannen. Das gilt vor allem für Nachrichten im beruflichen Kontext, aber auch für den privaten Austausch. Grund ist vermutlich, dass man dadurch immer wieder in seinen Alltag zurückgeholt wird. Daher ist es sinnvoll, das Handy abzuschalten oder die Nutzung zumindest zu reduzieren, zum Beispiel auf bestimmte Zeiten zu begrenzen.

Für die Frage, wie lange die Erholung anhält, ist entscheidend, unter welchen Rahmenbedingungen man an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt. Die Urlaubserholung hält länger an, wenn man langsam wieder in den Alltag startet. Dazu kann es sinnvoll sein, den Abwesenheitsagenten einen Tag länger geschaltet zu lassen, um in Ruhe Mails abarbeiten zu können, sich nicht zu viele Diensttermine in die erste Woche nach den Ferien zu legen und erst zur Wochenmitte wieder in den Job zurückzukehren, um eine kurze Woche vor sich zu haben. So steigt zumindest die Chance, dass die Urlaubsfrische ähnlich wie die Sommerbräune noch eine Weile erhalten bleibt.

Mehr: Ortsunabhängiges Arbeiten ist für viele Menschen ein Traum. Doch nicht für jeden eignet sich ein solcher Job. Wie man fern des Büros arbeiten kann.

Startseite

Mehr zu: Richtig urlauben - So gelingt das Abschalten und Krafttanken

0 Kommentare zu "Richtig urlauben: So gelingt das Abschalten und Krafttanken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote