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Rosé-Weine Drink Pink: Sieben Rosés für Anspruchsvolle

Ein guter Rosé verbindet Erde, Früchte und den respektvollen Umgang des Winzers mit der Natur. Daraus entsteht ein hochsinnliches Vergnügen für Sommerabende.
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Hier gären die Trauben des Château Romanin. (Foto: Château Romanin)
Unterirdische Kathedrale

Hier gären die Trauben des Château Romanin.

(Foto: Château Romanin)

Hamburg Hingabe kennt viele Formen. Diese Farben! Diese Düfte! Dieser Geschmack! Es gibt Rosés, die sind anders. Ganz anders. Die sehen aus wie Johannisbeersorbet. Duften nach frischer Erdbeere, saftiger Melone, würziger Gartenminze. Entwickeln sich im Mund kräutrig und mineralisch und sind dabei wunderbar erfrischend. Die vielfältigen Aromen hören gar nicht auf, die Sinne zu inspirieren.

Verheißungen wie diese sind es, die Rosés immer beliebter machen. Das Deutsche Weininstitut (DWI) informiert, dass Roséweine im vergangenen Jahr zwölf Prozent der deutschen Qualitäts- und Prädikatsweinproduktion ausmachten. Ihr Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent gestiegen. Der Anteil der Weißweine lag bei 63 Prozent.

Allerdings, Kombinationen wie die genannten entstehen nicht von heute auf morgen; sie sind das Ergebnis eines sorgfältig bewirtschafteten Ökosystems mit Anbaumethoden, Handernte und Verarbeitungen, die keine Gedanken an Chemikalien oder Schönungen zulassen, sondern in besonderer Weise der Nachhaltigkeit verpflichtet sind. Ein drängendes Thema in diesen Zeiten.

Die magischen Worte heißen biologisch-dynamisch oder radikal ganzheitlich. Biologisch ist gut, doch leider wissen wir: Nicht überall, wo Bio draufsteht … Biodynamisch bewirtschaftete Weingüter sind eigene geschlossene Kreisläufe aus gesunden Weinbergen, Obstgärten, Wiesen, Feldern und Waldstücken, mit einer Vielfalt an Vögeln, Insekten, Pflanzen und wo es passt, mit Nutztieren. Berücksichtigt werden auch kosmische Rhythmen, der Stand der Gestirne – das ganze Programm.

Der Anbauverband Demeter nimmt hier als Öko-Pionier seit 1924 die Qualitätsführerschaft für sich in Anspruch. Nach Demeter-Richtlinien hergestellte Produkte sind hochqualitative Naturprodukte und machen all jenen Genießern richtig Spaß, die Wert auf Ethik, Ehrlichkeit und Unverfälschtheit legen. Die Anbauverbände Bioland und Naturland arbeiten anders, aber ebenso vertrauenswürdig.

Ein Statement freilich will so gar nicht passen: „Roséweine sind in der Regel ein Abfallprodukt der Rotweinherstellung, schmecken üblicherweise auch so und sind nur eisgekühlt zu genießen, damit die Geschmacksnerven betäubt sind. Nur etwas wärmer schmeckt das meiste Zeug alkoholisch und nach Biotonne“, kommentierte ein Kenner während der Recherche zu diesem Thema.

Wir wissen nicht, was der Mann im Glas hatte. Es erinnert jedoch an die vielen kreativen Wortspiele, die ab der Jahrtausendwende bis noch vor wenigen Jahren allenthalben so oder ähnlich zu lesen waren: dass rosa Weine außerhalb der Provence „ein Verbrechen an der Traube“ wären, „vinologische Experimente für sozial aufgestiegene Russen“, „Wischiwaschi für den naiven Stimmungstrinker“, „irgendwas aus roten Gummibärchen für Mädchen“.

Viel hat sich getan seither. Mario Scheuermann, Kulinarik-Publizist und Mitbegründer des deutschen Weinjournalismus, hat das Wort „ernstzunehmen“ in die Welt gebracht; außerdem das selbstbewusste und kenntnisreiche Streben vieler, gerade auch deutscher Winzer, Boden, Reben und Trauben so zu bearbeiten, dass erstklassiger Rosé mit wenig Alkohol entsteht.

„Ansonsten steht er mit seiner romantischen Leuchtkraft für eine unkomplizierte, entspannte Lebensfreude: ein Wein, der gewissermaßen sein Hemd immer einen Knopf weiter offen trägt als seine weißen und roten Brüder“, hat der 2015 gestorbene Weinwisser der Süddeutschen Zeitung 2010 erzählt.

Genau diese Eigenschaften machen Rosés als Weine, Winzersekte oder Champagner zu perfekten Gefährten des Savoire-vivre, vielleicht an einem Sommerabend wie in diesen Tagen – als exzellente Speisenbegleiter oder einfach nur passend zum Sonnenuntergang. Ganz nach Belieben. Die hier vorgestellten Tropfen stammen nahezu komplett von Pionieren des biologischen/biodynamischen Weinbaus, alle werden regelmäßig von nationalen und internationalen Fachmedien, ebenso im Rahmen der gängigen Wettbewerbe mit Spitzenwertungen ausgezeichnet.

1. La Canorgue AOC Côtes du Luberon Rosé 2018

Statt großer Erntemengen höchste Boden- und Traubenqualität. (Foto: Château La Canorgue)
Château La Canorgue

Statt großer Erntemengen höchste Boden- und Traubenqualität.

(Foto: Château La Canorgue)

Kennen Sie den hinreißend schönen Film „Ein gutes Jahr“? Dann kennen Sie das Château La Canorgue, Hauptdrehort im Luberon, eine Kalksteinfelsen-Landschaft in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Hier kommt es der Familie Margan auf 40 Hektar Rebenfläche nicht auf große Erntemengen an, sondern auf höchste Boden- und Traubenqualität, auf präzise und schonende Weinbereitung.

Der Rosé entsteht aus den Rebsorten Syrah (eine der edelsten), Grenache und Mourvèdre, schimmert im Glas in typisch provenzalischem Pink und schmeckt nach den Obstgärten mit Aprikosen, Himbeeren, Zitrusfrüchten – und dem „Apfel der Wahrheit“. Ach nee, das war der legendäre Coin Perdú aus dem Raritätenkeller. Erich Hartl wiederum, erster Bioweinversender Deutschlands seit 1983, kennt alle seine Partner lange und gut, diesen seit über 30 Jahren.

11,95 €. Biowein[pur] Hartl. Goldmedaille Millesime Bio, Montpellier 2019.

2. Château Romanin Grand Vin Rosé 2018

Das Bauwerk ist sozusagen ins Alpillenmassiv gemeißelt. (Foto: Château Romanin)
Château Romanin

Das Bauwerk ist sozusagen ins Alpillenmassiv gemeißelt.

(Foto: Château Romanin)

Als Anne-Marie und Jean-Louis Charmolue 2006 das Château entdeckten, verließen sie ihre Heimat, das berühmte Château Montrose im Médoc und führen seither hier fort, was sie können: herausragende komplexe Weine ausbauen. In rot, weiß und melone. Bei den Bedingungen kein Wunder: In Saint Remy de Provence ist das Bauwerk sozusagen ins Massif des Alpilles, ins Alpillenmassiv, gemeißelt.

Geschützt durch Wälder, typische Vegetation und eine Burgruine, gedeihen auf 250 Hektar Lehm, Schlick und Kalkstein „Früchte der Erde, der Sonne und des Mondes“: Reben, Oliven, Mandeln. Die Trauben für den Rosé – Grenache, Mourvèdre, Cabernet Sauvignon, Counoise – gären nach einem speziellen Verfahren sechs Monate in Edelstahltanks in der unterirdischen Kathedrale. Heraus kommt ein reiner, leicht mineralischer, fröhlich stimmender Wein, der sogar drei Jahre liegen kann.

17,70 €. Biowein[pur] Hartl. Decanter World Wine Awards Silver 2019, 90/100 pts.

3. Eva Fricke 2016 Pinot Noir Rosé Brut Natur

Eva Fricke ist 2006 im Rheingau mit nur drei Hektar gestartet. (Foto: Weingut Eva Fricke / Markus Bassler)
Eva Fricke

Eva Fricke ist 2006 im Rheingau mit nur drei Hektar gestartet.

(Foto: Weingut Eva Fricke / Markus Bassler)

Und jetzt ein Sekt. Von einem Weingut im Rheingau, für das die renommierten Weinkritiker der Welt sich inzwischen überschlagen. Inzwischen? Genau, die Bremerin Eva Fricke ist 2006 mit lustigen drei Hektar in der Kulturlandschaft des UNESCO-Welterbes und dem Enthusiasmus gestartet, maximal naturbelassene Weine keltern zu wollen. Heute wachsen rund um Eltville, Lorch und Kiedrich auf elf Hektar nährstoffreichen Schiefer-, Quarzit-, Löss-/Lehm- und Tonböden puristische Rieslingweine, die seit 2017 bei der Vegan Society registriert sind.

Zwischen den Reben breiten sich Kamille, Schafgarbe und wilde Erdbeeren aus. Daran und an rote Johannisbeeren erinnert ihr Rosé-Sekt aus Pinot Noir, einer der ältesten Rebsorten: eine Flaschengärung mit 22 Monaten Hefelager, eleganter Perlage wie Champagner, nicht hoch im Alkohol (12 % vol) und ganz trocken mit weniger als einem Gramm Restzucker pro Liter.

25 €. Direkt bei evafricke.com

4. Manufaktur Jörg Geiger Poiré Artisan Birne | Molke | Himbeere

Hier wachsen die Schätze der Manufaktur Jörg Geiger. (Foto: Manufaktur Jörg Geiger)
Paradies der Streuobstwiesen

Hier wachsen die Schätze der Manufaktur Jörg Geiger.

(Foto: Manufaktur Jörg Geiger)

In Baden-Württemberg können sie ja alles außer hochdeutsch, also auch ein Streuobstwiesen-Paradies. In Schlat, auf der Schwäbischen Alb, wachsen auf mehr als 150 km² „Kulturlandschaft Streuobstwiese“ an oft über 100 Jahre alten Baumriesen die Schätze für die Manufaktur Jörg Geiger – erst in den Himmel, dann fallen sie vollreif ins Gras: seltene Sorten Äpfel und Birnen, Kirschen und Zwetschgen.

Handverlesen, sortenrein geerntet und im Zusammenspiel mit Beeren und Botanicals werden daraus einzigartige Obstweine – mit geringem oder ohne Alkohol oder als Brand, prickelnd oder still. Die Poiré Artisan gibt es in Zartrosa mit Himbeere, Weinbirne, Zitronenverbene. Die Zugabe von frischer Quarkmolke bewirkt eine alkoholische Spontangärung, die bei 2 % vol gestoppt wird, damit der Fruchtgeschmack herrliche Bilder von sommerlichen Obstwiesen aufleuchten lassen kann.

9,80 €. Im Online-Shop von manufaktur-joerg-geiger.de

5. Manufaktur Jörg Geiger PriSecco Rose alkoholfrei Apfel | Rose | Minze

Die PriSecchi des Winzers haben längst den Weg in die Sterneküche gefunden.
Jörg Geiger

Die PriSecchi des Winzers haben längst den Weg in die Sterneküche gefunden.

Wer in der Gastronomie vorne mitspielt, hat inzwischen auch eine alkoholfreie Aromenbibliothek im Repertoire: Birke und Amalfi-Zitrone als hausgemachte Limonaden zum Beispiel. Immer zuckerarm, ist klar. Jörg Geigers PriSecchi haben längst den Weg in die Sterneküche gefunden. In private Kühlschränke sowieso. Nach 13 Jahren Erfahrung bietet seine Manufaktur eine süchtig machende Auswahl an kreativen Saftkombinationen, denen ganz langsam Kohlensäure zugesetzt wurde, bis der PriSecco im Glas so klar und fein perlt wie ein guter Prosecco.

Für die Variante Apfel-Rose-Minze sind ihm Boskoop Apfel und der Duft von Rosen allein zu unausgewogen: „Die stark mentholhaltige Schokominze bringt Frische und Balance in die Nase.“ Die Rosenblätter sammelt übrigens Bauer Jacobsen an der Nordseeküste.

8,90 €. manufaktur-joerg-geiger.de

6. Harteneck 2018 Rosé fruchtig

Die Familie des Biowinzers macht seit 1847 in Wein. (Foto: Weingut Harteneck)
Thomas Harteneck im Weinberg

Die Familie des Biowinzers macht seit 1847 in Wein.

(Foto: Weingut Harteneck)

Seine Familie macht Wein seit 1847, ursprünglich in der Pfalz. Für das, was Thomas Harteneck vor mehr als 20 Jahren wollte, hat er den tiefen Süden Deutschlands ausgewählt: Baden, weil „ich hier die Inspiration für meine vielschichtigen und lebendigen Weine schöpfe“, sagt der Biowinzer. Auf zehn Hektar fruchtbaren, sandig-lehmigen Böden geben seine Weinberge den Blick auf das Elsass, die Schweiz und das Markgräflerland frei; mediterrane Lüfte sorgen für ein mildes Klima.

Für seinen Roséwein reifen nach schonender Handlese bei kühlen Temperaturen die Trauben Spätburgunder, Cabernet Carol, Regent, Dornfelder in nicht rostenden Inox-Stahltanks zu einem nach Erdbeermarmelade, Mandeln und Melone duftenden Erlebnis, das im Glas kräftig lachsfarben glänzt.

8,90 €. Direkt beim weingut-harteneck.de

7. Harteneck Emilia Rosé Brut

Klassische zweite Gärung im Champagnerverfahren. (Foto:Weingut Harteneck)
Spätburgunder, Regent, Dornfelder

Klassische zweite Gärung im Champagnerverfahren.

(Foto:Weingut Harteneck)

Insgesamt 60.000 Flaschen produziert das Wein- und Sektgut Harteneck Jahr für Jahr. Der Rosé-Sekt wird aus den Trauben Spätburgunder, Regent und Dornfelder vergoren, mit 18 Monaten Hefelager. Die klassische zweite Gärung erfolgt im Champagnerverfahren. Voilá: Ein intensiver Sekt in hellem Kirschrot mit Waldbeeraromen. Hören Sie die Bläschen? Freu dich, summen sie, dass du den Lärm der Welt einen Moment vergisst.

13,80 €. weingut-harteneck.de

Mehr: So werden Sie zum Weinkenner – Ihr Chef ist ein Weinkenner und hat Sie zum Essen eingeladen. Doch Sie haben keine Ahnung von Wein? Mit unserem Ratgeber lernen Sie die Grundbegriffe, mit denen Sie garantiert punkten werden.

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