Ruhe bitte! Der Gondoliere Max Cravin entspannt am liebsten zu Fuß

Der Gondoliere Max Cravin muss in den Kanälen von Venedig auf vieles achten und vor allem eins können: bremsen. Kein Problem für den Sportler.
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Besonders die Fahrten durch die kleinen, ruhigen Kanäle entspannen den Italiener. Ganz anders dagegen die Fahrten durchs Stadtzentrum Venedigs. Quelle: Stefano Dal Pozzolo/contrasto
Der Gondoliere Max Cravin in Venedig

Besonders die Fahrten durch die kleinen, ruhigen Kanäle entspannen den Italiener. Ganz anders dagegen die Fahrten durchs Stadtzentrum Venedigs.

(Foto: Stefano Dal Pozzolo/contrasto)

VenedigIch liebe meinen Job, denn ich liebe es einfach, im Freien zu arbeiten. Und wo kann ich das besser als auf dem Wasser? Außerdem bin ich Venezianer und will hier sein in meiner einzigartigen Stadt. Früher hatte jede Adelsfamilie ihre eigene Gondel und den eigenen Gondoliere, wie einen Privatchauffeur, heute stehen die Touristen Schlange.

Manchmal muss ich mich bei der Arbeit höllisch konzentrieren, vor allem vor dem Hotel Danieli in der Nähe des Markusplatzes, denn dort ist auch die Haltestelle für die Vaporetti und für die Fähren nach Murano und zur Giudecca. Da geht es oft zu wie auf dem Autobahnzubringer in Mailand, alles dicht gedrängt.

Das stresst, da muss man aufpassen, keine andere Gondel zu rammen oder ins Fahrwasser der Fähren zu geraten. Deshalb lernen wir Gondolieri auch als Erstes das Bremsen – wie beim Skifahren!

Es ist übrigens nicht einfach, Gondoliere zu werden. Erst muss man eine Probefahrt machen, mit einer Prüfungskommission von fünf Leuten an Bord. Wenn man die besteht, kommt die Theorie: 40 Stunden Nachmittagsunterricht in Navigation, Geschichte, Englisch – womit man bei den Touristen aus China leider nicht weit kommt. Am Schluss steht eine Prüfung bei der Provinzverwaltung, dann hat man die Lizenz.

Ich bin seit 2000 dabei. Früher habe ich als Pizzabäcker gearbeitet. Ein Freund, ein Gondoliere, sprach mich an, und wir übten im Winter auf dem alten Boot des Vaters. Natürlich bin ich am Anfang oft angestoßen, denn es ist eine Kunst für sich, die asymmetrische, elf Meter lange Gondel mit dem einen langen Ruder durch die engen Kanäle zu bewegen. Immerhin, ich bin in 18 Jahren nur fünfmal ins Wasser gefallen!

80 Euro kostet eine halbe Stunde Fahrt, am Abend 100. Ich bin selbstständig, habe keine eigene Gondel, sondern arbeite für unseren Verband. Die Touristen wechseln mit den Jahreszeiten, jetzt sind gerade viele Russen in der Stadt. Am liebsten sind mir die Japaner, weil die so diszipliniert sind, auch wenn sie nicht viel Trinkgeld geben. Entspannend ist es für mich, durch die kleinen, ruhigen Kanäle zu fahren. Mit Gästen, die sich über die Fahrt freuen. Da komme sogar ich ins Träumen und stelle mir vor, wie es früher war, zur Glanzzeit der Serenissima.

Richtig runter komme ich nach einem wirklich langen Tag dadurch, dass ich abends dann zu Fuß gehe, durch die ganze Stadt bis zum Bahnhof, denn ich wohne in Mestre. Und wie alle Gondolieri gehe ich in den Fitnessklub. Auch das entspannt.

Aufgezeichnet von Regina Krieger

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°6/2018. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 12. Oktober 2018 am Kiosk erwerben.

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