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„Run of Fame“ An einem Tag durch das größte Skigebiet Österreichs

In St. Anton können sich erfahrene Skifahrer mal richtig austoben und ein Rennen gegen die Zeit starten. Es warten 85 harte Pistenkilometer.
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Beim „Run of Fame“ muss eine 85 Kilometer lange Route mit 18.000 Höhenmetern bewältigt werden.
Blick über die Alpen

Beim „Run of Fame“ muss eine 85 Kilometer lange Route mit 18.000 Höhenmetern bewältigt werden.

St. AntonAn der Gondel in St. Anton herrscht „Powder Stress“, drängelnde Vorfreude. Denn über Nacht ist der Winter an den Arlberg gekommen: Zehn Zentimeter Neuschnee, der wie ein frisches, weißes Kissen auf den Hängen liegt und in der Sonne glitzert. Bei solchen Bedingungen zählt jede Minute – erst recht, wenn man wie ich den „Run of Fame“ fahren will, eine spektakuläre, 85 Kilometer lange Rundtour durch das gesamte Arlberg-Skigebiet, und zwar an einem Tag.

Die Route führt über 18.000 Höhenmeter vorbei an Zürs, Zug, Warth und Lech. Start und Ziel ist St. Anton, ein kleiner Ort in Tirol, der Skifahrern und Freeridern in der ganzen Welt bekannt ist, weil er der Einstieg zu einem der schönsten Skigebiete der Alpen ist.

Als ich aus der Gondel steige, ist keine Wolke am Himmel zu sehen. Die ersten Schwünge sind ein Traum: Der Schnee ist griffig, die Pisten sind noch fast menschenleer. Ich fliege in großen Schwüngen den Hang hinunter zum „Tanzboden“-Lift. „Dein größter Gegner heute ist der Neuschnee“, sagt Maris, als wir im beheizten Sessellift wieder den Berg hochschweben. „Wenn zu viel davon liegt, machen einige Lifte erst später auf.“

Maris Vagners, 45, sportlicher Schwung, charmantes Lachen, ist mein Skiguide. Ich habe ihn für diesen Tag gebucht, damit er mich durch das Gewirr aus Pisten und Liften lotst. Denn das gesamte Arlberg-Gebiet erstreckt sich über 305 Pistenkilometer – und die Beschilderung des „Run of Fame“ ist, nun ja, ausbaufähig. Und wer sich erstmal auf das Abenteuer eingelassen hat, merkt schnell: Er ist ein Rennen gegen die Uhr.

Die komplette Runde an einem einzigen Tag zu schaffen, ist selbst für gute Skifahrer eine Herausforderung. Ich werde angetrieben von Adrenalin und Höhenmetern – und der Aussicht, gleich in die Flexenbahn zu steigen.

Die Route führt von St. Anton über Zürs, Zug, Warth, Lech und anschließend wieder nach St. Anton.
Die Karte zur Strecke

Die Route führt von St. Anton über Zürs, Zug, Warth, Lech und anschließend wieder nach St. Anton.

Die Flexenbahn ist die neue Gondelverbindung zwischen Alpe Rauz und Zürs. Lautlos schweben die Kabinen über den Berg, unter der Gondel sonnen sich Gemsen und Steinböcke auf den Felsen. Früher musste man für diese Strecke in den Skibus steigen. Es wurde gedrängelt und geschubst, es roch nach Schweiß, Sonnencreme und manchmal auch nach Alkohol. Seit der Saison 2016/17 ist das vorbei. Jetzt fahren moderne Zehnergondeln aus einer verglasten Talstation auf den Berg.

Die Naturschützer hatten erstaunlich milde gegen das Projekt protestiert – zum einen, weil durch die Flexenbahn täglich 120 Busse weniger auf der Passstraße unterwegs sind. Zum anderen, weil die Gondelbauer versprochen haben, keine neuen Pisten zu erschließen. Doch auch ohne eine einzige neue Abfahrt hat die Flexenbahn das Skigebiet in neue Sphären katapultiert: Der Arlberg ist dadurch das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs.

Oben angekommen könnte man sich in der „Hall of Fame“ ein wenig weiterbilden. Das moderne Museum auf dem Berg ist den Größen des Arlbergs gewidmet, mit Hörproben, Filmen und Videospielen. Doch ich will lieber schnell wieder auf die Piste. Denn an diesem Tag zeigt sich der Winter von seiner besten Seite. Auf der Abfahrt nach Zürs stiebt der Schnee unter den Brettern, ich schwinge mit Leichtigkeit hinunter ins Tal. Den kleinen Ort Zürs durchqueren wir im Schlittschuhschritt.

Als Maris und ich auf der anderen Seite in den Lift zum Seekopf steigen, duftet es aus einer Hütte verführerisch nach Käsespätzle. Hunger habe ich, allerdings wird mir beim Blick auf die Uhr ganz anders. Es ist schon weit nach elf und Warth, die Kehrtwende des „Run of Fame“, liegt noch in weiter Ferne. Die Rast fällt also aus, ich mache Jausenpause auf dem Sessellift hoch zum Madloch. Es gibt Schinkenstullen aus dem Rucksack und zwei Ecken Schokolade.

An der Bergstation der Flexenbahn ist den legendären Pionieren des Arlbergs ein Denkmal gesetzt worden.
Museum auf dem Berg

An der Bergstation der Flexenbahn ist den legendären Pionieren des Arlbergs ein Denkmal gesetzt worden.

Ich bin froh über die neuen Energien. Denn was jetzt kommt, ist das anspruchsvollste Stück der ganzen Runde: eine Piste, die zwar gesichert, aber nicht präpariert ist. Auf dem ersten Steilhang türmen sich die Schneehaufen zu stattlichen Hügeln auf. Sie zu umfahren, erfordert volle Konzentration. Doch dahinter wird die Skiroute dann zum Hochgenuss: Die Lifte sind weit weg, ich höre nur noch das Geräusch meiner Skier im Schnee.

Gerne wäre ich hier nochmal runtergefahren, doch die Regeln des „Run of Fame“ lassen keine Extratouren zu. Mit zackigen Schwüngen gleiten wir über die breiten Hänge und Pisten von Lech. Erst als wir über das verschneite Auenfeld nach Warth hinüber gondeln, habe ich Zeit, zu verschnaufen.

In Warth nehme ich mein Rennen gegen die Uhr wieder auf. Dieser Teil des Skigebiets ist eine Spielwiese für Könner mit vielen anspruchsvollen, schwarzen Pisten. Um 12.50 Uhr schlage ich bei der Steffisalp an – die Hälfte der Runde ist geschafft. Und ich habe noch etwas mehr als drei Stunden Zeit bis Liftschluss. Doch Zeit zum Trödeln ist trotzdem nicht. Denn wer die letzte Gondel von Zürs nach Alpe Rauz verpasst, dem bleibt nur der Postbus, der nach 16 Uhr die letzten Skifahrer einsammelt.

Taxifahren geht natürlich auch – ist aber ungefähr so teuer wie ein Besuch der Sonnenterrasse des „Bergkristall“ in Oberlech, wo Hummer mit Pasta serviert wird, die Portion zu 40 Euro.

Der Rückweg über den Rüfikopf ist eine sanfte Fahrt durch eine herrliche Landschaft. Ich gleite dahin, die Nachmittagssonne taucht die Gipfel in ein milchiges Licht. Fast hätte ich vergessen, dass ich ein Rennen fahre. Als ich wieder an der Flexenbahn stehe, bin ich viel entspannter als am Morgen.

Es ist 15.15 Uhr und ich muss nur noch einen Lift nehmen, um das Tagesziel zu erreichen. „Da kannst du ja glatt noch einen Abstecher nach St. Christoph machen“, sagt Maris und lacht. „Dort kannst du dann mal sehen, wo alles angefangen hat.“ St. Christoph ist ein winziger Ort, der praktisch nur aus einem einzigen Hotel besteht: dem „Arlberg Hospiz“. 1901 gründeten dort sechs Freunde den weltweit ersten Skiclub und prägten jahrelang die Skitechnik des gesamten Alpenraums.

Heute ist das Hotel ein Refugium für Reiche mit Suiten für 4000 Euro – pro Nacht. Dafür sitzt man an einem Tisch aus 9500 Jahre altem Lärchenholz neben dem Kamin und kann in der hoteleigenen Kunsthalle an fünf Meter hohen Gemälden vorbei wandeln. Vor dem Dinner lauscht man dann noch einem vierhändigen Klavierkonzert am Steinway-Flügel.

Doch auch auf diesen Abstecher verzichte ich, denn noch bin ich ja nicht am Ende des „Runs“. Vor mir liegt noch die letzte, große Abfahrt des Tages durch das Steißbachtal. Es ist voll, es ist steil und als ich eine halbe Stunde später vor dem „Mooserwirt“ abschwinge, wackeln meine Knie. Drinnen spielen sie den „Final Countdown“, draußen fließt das Bier in Strömen.

Der „Mooserwirt“ ist eine berüchtigte Après-Skibar in St. Anton. Allein vier Angestellte sind im Keller damit beschäftigt, die Bierfässer auszutauschen, damit der Nachschub niemals ausgeht. Ich bestelle ein großes Radler und einen stattlichen Burger und proste mir zufrieden zu: Der „Run of Fame“, er ist geschafft!

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