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Schauspieler im Interview Heiner Lauterbach: „Viel Geld zu verdienen steht bei mir nie an erster Stelle“

Der Schauspieler will nun Wissen vermitteln. Heiner Lauterbach über sein Projekt „Meet Your Master“, seine unternehmerische Vision und seine „Meister“.
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„Es gibt nichts Schlimmeres als erfolgreiche Menschen, die mit ihren Erfolgsrezepten nerven.“ Quelle: picture alliance/dpa
Heiner Lauterbach

„Es gibt nichts Schlimmeres als erfolgreiche Menschen, die mit ihren Erfolgsrezepten nerven.“

(Foto: picture alliance/dpa)

Frankfurt Der „Bayerische Hof“ wird am nächsten Montag einen ungewöhnlichen Prominenten-Auftrieb erleben. Schauspieler Heiner Lauterbach wird da sein, ebenso Bestsellerautor Sebastian Fitzek, Opernsänger Jonas Kaufmann, Schauspieler Til Schweiger, Sternekoch Alfons Schuhbeck und Filmproduzent Nico Hofmann.

Anlass der All-Stars-Formation ist eine Presskonferenz, bei der es aber nicht um den nächsten „Bambi“ oder um eine neue Netflix-Serie geht, sondern um den Marktstart eines ambitionierten Unternehmens. Das hat sich eine Kombination aus Bildung und Unterhaltung zum Ziel gesetzt, es will „Education“ und „Entertainment“ zu populärem „Edutainment“ mixen.

Über die Online-Plattform „Meet Your Master“ werden künftig, so die Geschäftsidee, lange Video-Lektionen von Lauterbach, Schuhbeck & Co. verkauft, von den Stars ihres jeweiligen Gewerbes. Ein Novum für Deutschland.

Das Projekt kann Karrieren fördern. Ganz sicher eröffnet es eine neue – unternehmerische – Laufbahn des TV-Stars Heiner Lauterbach. Zusammen mit seiner Frau Viktoria hat der 66-Jährige schon vor 18 Monaten die „Meet Your Master GmbH“ angeschoben, beide halten je 50 Prozent.

Nach vielen Filmen, nach Arbeiten als Regisseur und Synchronsprecher, nach zwei Autobiografien sowie dem Start als Professor an der Hochschule Macromedia in Berlin stellt sich nun eine Herausforderung in Euro und Cent, in Aktiva und Passiva. Die Lauterbachs sind Gründer und Geschäftsführer. Wie es dazu gekommen ist, erzählte Heiner Lauterbach vorab dem Handelsblatt.

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Herr Lauterbach, Sie starten jetzt über das Internet eine Plattform, auf der Stars ihres Fachs, „Masters“ genannt, unterhaltsam über ihr Metier reden. Soll man so lernen, besser Karriere zu machen?
Das würde zu kurz greifen. In Zeiten der allgemeinen Verunsicherung gibt es nur eine stabile Währung: Wissen. Wir glauben, dass Lernen Spaß macht – eben zum Beispiel, wenn man von den Besten lernt. Unser Ziel ist es, gewissenhaft Inhalte mit Filmen in Kinoqualität zu vermitteln.

Wer hatte die Idee hierzu?
Es war fast wie im Film. Als ich eines Tages per E-Mail einem angehenden Schauspieler auf seine Fachfragen antwortete, sagte meine Frau Viktoria, ich sollte vielleicht hauptberuflich Rat geben. Es gibt kein Frühstück, bei dem ich meinen Kindern nicht irgendetwas beibringe. Vermitteln macht mir Spaß. Deshalb bin ich auch Professor an der Hochschule Macromedia in Berlin. Wir forschten dann ein wenig nach und stießen in den USA auf „Masterclass“.

Das Projekt ähnelt Ihrem „Meet Your Master“. Das hat Sie inspiriert?
Inspiriert haben wir uns schon selbst! Entscheidend sind vier Säulen: die Qualität der Filme, die IT, das Marketing und die 30 Mitarbeiter... (lacht) Da sind die Anwälte noch nicht mitgezählt.

Wie viel Geld haben Sie in das Projekt gesteckt?
Ein niedriger siebenstelliger Betrag, sagt man wohl. Aber das ist relativ: Für den, der das Geld ausgibt, ist es nicht niedrig. Es geht in erster Linie um ein möglichst perfektes, unantastbares Produkt. Unsere Kunden und mögliche Investoren spüren unsere Begeisterung. Die strahlen wir bei diesem Projekt immer aus.

Unternehmer wollen normalerweise Gewinne maximieren.
Die Rendite war nicht der zündende Ursprung unserer Idee. Wenn ich so denken würde, hätte ich die Firma meines Vaters übernommen. Dann wäre ich auf der sicheren Seite gewesen. Aber ich bin Schauspieler geworden. Viel Geld zu verdienen ist nicht anrüchig, steht bei mir aber nie an erster Stelle.

Ihr Vater hatte in Köln die Sanitärfirma „Lauterbach & Söhne“, die zeitweise 250 Mitarbeiter hatte, 2009 aber in die Insolvenz ging und nun andere Eigentümer hat …
… Ich bin seit 40 Jahren ein Ein-Mann-Unternehmen.

Hat Sie die Jugend im Unternehmerhaushalt geprägt? Sie sollten ja Chef werden und haben eine Installationslehre gemacht.
Aber ich bin es ja nicht geworden. Ich habe meinem Vater gesagt: ,Ich möchte keine Menschen entlassen.' Das muss aber ein Unternehmer im Falle eines Falles machen.

Die Firma ist im Aufbau. Aber Krisen sind, unternehmerisch gesehen, normal. Kann sein, dass man sich von Mitarbeitern trennen muss.
Das macht dann unser Geschäftsführer oder Viktoria. Wir machen immer ,Good cop, bad cop'.

Die „Meet Your Master GmbH“ hat Lauterbach zusammen mit seiner Frau Viktoria gegründet. Quelle: BrauerPhotos / O.Walterscheid
Gründer-Ehepaar

Die „Meet Your Master GmbH“ hat Lauterbach zusammen mit seiner Frau Viktoria gegründet.

(Foto: BrauerPhotos / O.Walterscheid)

Was können Sie uns über den Businessplan sagen?
Wir haben uns bei den Investitionen ein Limit gesetzt. Sonst kann man sehr schnell unendlich viel Geld ausgeben. Vieles, was in anderen Start-ups eine Rolle spielt, gibt es hier nicht. Entweder man glaubt daran, oder man lässt es bleiben.

Welcher Unternehmer fasziniert Sie? Axel Springer vielleicht, den Sie im Fernsehen gespielt haben?
Er war ein Visionär, unbestechlich in seiner Meinung. Einer, der vieles zusammen gebracht hat, den Kampf für die Wiedervereinigung genauso wie die Wiedergutmachung für die Verbrechen an Juden.

Wie viele Kunden sollen die Videos im ersten, wie viele im fünften Jahr kaufen?
Solche Zahlen nenne ich nicht. Bei unserem Geschäftsmodell ist viel Intuition dabei. Wir unterwerfen das später tieferen Analysen. Glaubwürdigkeit ist ein großer Faktor. Und ich bin demütig. Aber wir wissen beispielsweise: Die Reichweite von ,Masterclass' in den USA ist hoch und Wissensdokus werden bei Netflix immer populärer.

Ihr Unternehmen startet jetzt im deutschen Markt. Welche Wachstumspläne gibt es?
Wir möchten dieses Jahr zunächst im DACH-Raum starten. Langfristiges möchten wir allerdings internationalisieren.

Welche anderen Finanziers haben Sie gefunden?
Wir sind offen für weitere Investoren. Hierzu befinden wir uns bereits in ersten Gesprächen. Ich komme nicht aus der Banker-Welt und mag Begriffe wie Content oder Production value nicht. Aber ich kann unser Anliegen auch so verdeutlichen.

Es heißt, Sie hätten mit bekannten Gründern wie Carsten Maschmeyer, Georg Kofler oder Thomas Haffa viel über „Meet Your Master“ gesprochen.
Ja, das stimmt. Alle waren begeistert. Aber es gibt auch keinen Film, bei dem die Muster vorher nicht fantastisch waren – und doch ist der Kinosaal nicht immer voll. Dass Bildung und Bewegtbild derzeit Trendthemen sind, habe ich nicht erfunden. Was ich garantieren kann: Alle unsere Filme haben erstklassige Qualität und erstklassigen Inhalt. Und das ist in dieser Form nicht, oder nur verdammt schwer kopierbar.

Gab es eigentlich Absagen von Persönlichkeiten die Sie gerne als Master auf Ihrer Plattform gesehen hätten?
Gerhard Richter hat einen liebenswürdigen Brief geschrieben, indem er sich entschuldigte, dass er zu alt für solche Formate sei. Karl Lagerfeld war begeistert, meinte aber, er habe die Kraft nicht mehr. Die Lehrvideos müssen jeweils zwei volle Tage produziert werden. Alle haben Zeitmangel, das ist das einzige große Hindernis. Es ist bei keinem Master leicht, ihn zu bekommen, außer bei mir, da war es ein Kinderspiel.

Lohnt sich das für Ihre prominenten Protagonisten?
Sie werden am Umsatz beteiligt.

Aber warum sollen sie überhaupt ihre Tipps und Erfolgsgeheimnisse verraten?
Das habe ich mich nur bei dem Pokerweltmeister gefragt, den wir ansprechen wollen. Unsere Masters machen das nicht des Geldes oder des Ruhms und der Ehre wegen. Das alles haben die schon. Es geht um die leidenschaftliche Vermittlung. Um die Freude am Lehren.

Gibt es eine didaktische Beratung bei dieser Lernplattform?
Im akademischen Sinn nicht. Die Masters tragen die Didaktik in sich.

Ein Feedback über die Lernerfolge bekommen Ihre Kunden erst einmal nicht. Ein Versäumnis?
Wir haben ein ,Masterbook', in dem viele Aufgaben zu lösen sind. An einem solchen ,Controlling' des eigenen Lernens arbeiten wir. Gut möglich, dass unsere Kunden später einmal persönlich auf Master treffen. Die Ideen sind da.

Wer sind eigentlich die Zielpersonen?
Es gibt drei übergeordnete Zielgruppen. Die Fans unserer Leitfiguren sind emotional dabei. Dann gibt es die rationalen Nutzer, denen es um die handwerklichen Kniffe geht. Und schließlich um jene, die ein Life-Coach-Business wollen. Die interessiert, wie Jürgen Klopp motiviert und Teams zusammenstellt.

Life-Coaching vom Star. Quelle: Meet Your Master/ Dieter Rosen
Onlinekurs von Krimiautor Fitzek

Life-Coaching vom Star.

(Foto: Meet Your Master/ Dieter Rosen )

Sie rechnen damit, dass Ihr Produkt eifrig verschenkt wird. Was macht Sie da sicher?
Wir arbeiten derzeit an einem Coupon, der es dem Beschenkten überlässt, was, bzw. wen er sich aussucht. Meine Vision ist, dass in zehn zehn Jahren ein verzweifelter Vater zu seinem unschlüssigen Sohn sagt: ,Hier hast Du ein Abo von Meet your Master, da ist alles über jeden Beruf drin. Das ist Dein Casting.' Dann geht es nicht mehr wie heute nur um bekannte Schauspieler, Autoren, Sänger oder Regisseure, sondern etwa um Landwirtschaftsingenieure, Traumforscher, Schreiner oder Gärtner, die in ihrem Beruf Spitze sind.

Jetzt könnte eine Rolle spielen, dass ein wenig von dem Ruhm der Akteure auf die zahlenden Nutzer abblättert. Dass sie das Handwerkszeug bekommen, um sich in Social Media wie Stars zu präsentieren.
Mag sein. Aber das ist nicht Teil meiner Philosophie. In meinem Online-Kurs frage ich gleich anfangs: ,Willst du berühmt werden oder Schauspieler werden?' Das ist ein wichtiger Unterschied. Was zählt, ist erfolgreich zu sein. Aber das kann auch ein Blumenhändler sein. Unsere aktuellen Master sind berühmt, weil sie die Speerspitzen sind. Das sind unsere Fixsterne.

Es dürfte sich rasch ein Wettbewerb um die beliebtesten Videos einstellen.
Den werden wir schüren. Ich vermute, dass die Kochlektion mit Alfons Schuhbeck am zugkräftigsten ist. Wir haben Wert daraufgelegt, dass er in privater Atmosphäre ausführlich redet. Über Kräuter und Gewürze kann er unglaubliche Geschichten erzählen.

Sind 89 Euro für ein Video-Paket ein fairer Preis?
Unglaublich fair! Neben bis zu neun Stunden exklusivem Videomaterial in Kinoqualität erhalten unsere Nutzer 100 bis 120 Seiten umfangreiche Masterbooks, die das gesehene Wissen noch einmal komprimiert zusammenfassen und weitere Hintergrundinformationen bieten.

Viele Daten fließen Ihnen in dieser Community zu, wenn das Konzept aufgeht.
Ja, die Bandbreite ist extrem hoch. Wir bauen eine Plattform. Wenn sie Erfolg hat, wird man vielleicht vieles verkaufen können, an das man heute überhaupt nicht denkt.

HB: Ist das auch ein Abenteuer?
Dafür steht zu viel auf dem Spiel. In 20 Jahren wird man es vielleicht so klassifizieren. Es ist in erster Linie eine extrem sinnvolle Beschäftigung. Ich bin schon für vieles angesprochen worden, zum Beispiel ein Café oder eine Bar aufzumachen. Das brauche ich alles nicht. Etwas ganz anderes ist es, Nützliches in der Gesellschaft zu leisten. Wer ein paar Fußabdrücke in den Geschichtsbüchern hinterlassen will, ist bei uns richtig aufgehoben.

Sie hätten als junger Mensch eine solche Hilfe genutzt?
Viele Erfahrungen muss man selbst machen. Doch in gewisse Fettnäpfchen muss man am Filmset nicht treten – zum Beispiel als Anfänger nicht den Regisseur zu nerven, sondern den Second Assistant Director. Oder bei Großaufnahmen vorsichtig zu sein: Sie lassen einen großen Schauspieler glänzen und dekuvrieren einen schlechten. In der Branche nutzen viele das Buch ,Weniger ist mehr' von Michael Caine. Hätte ich es mit 18 gelesen, wäre mir einiges erspart geblieben.

Und doch sagen Sie selbst, dass keine Karriere ohne Glück möglich ist.
Glück ist auch, dass man Talent hat. Es gibt nichts Schlimmeres als erfolgreiche Menschen, die mit ihren Erfolgsrezepten nerven und das Glück vergessen. Aber man kann auch lernen, auf das Glück zuzugreifen.

Wie wollen Sie Ihr neues Produkt bekannt machen?
Hauptsächlich über Social Media und über Mund-zu-Mund-Werbung. Das Produkt muss extrem gut sein, das ist die beste Werbung. Und wir werden in Talkshows gehen, etwa zu Markus Lanz oder Giovanni di Lorenzo.

Herr Lauterbach, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Der Schauspieler Heiner Lauterbach will eine Plattform für Life-Coaching-Videos auf den Markt bringen. Mit an Bord: Stars wie Til Schweiger.

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