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Serie: Die Urlaubsmacher Wie Julia Malchow unverwechselbare Reisen entwirft

Vor vier Jahren gründete Julia Malchow Unforgettable Journeys. Das Ziel der Münchnerin: Reisen zu kreieren, wie es sie kein zweites Mal geben wird.
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Die Unternehmerin Julia Malchow sammelt Erfahrungen am liebsten  aus erster Hand – wie hier auf den Galapagos-Inseln. (Foto: Unforgettable Journeys)
Auge in Auge mit der Tierwelt

Die Unternehmerin Julia Malchow sammelt Erfahrungen am liebsten aus erster Hand – wie hier auf den Galapagos-Inseln.

(Foto: Unforgettable Journeys)

MünchenVor einigen Wochen wollte Julia Malchow ganz allein sein. Nicht allein daheim in München, falls für sie das Wort Zuhause überhaupt eine Bedeutung hat. Es musste ein Camp im Oman sein. Die Gründerin des Luxusreiseanbieters Unforgettable Journeys hatte den beruflichen Part ihres Trips in den Wüstenstaat hinter sich, als sie noch zwei Tage für einen persönlichen Test in den Wahiba Sands dran hängte.

Wobei: Privat und beruflich lassen sich bei Julia Malchow kaum trennen, wenn sie in der Weltgeschichte unterwegs ist. „Mich hat es interessiert, wie es ist, in der Wüste allein zu sein“, sagt Julia Malchow. Natürlich wollte sie auch prüfen, ob die Partner vor Ort ihren Wunsch umsetzen, „ob sie es so hinbekommen, wie ich es mir vorstelle, mich sogar überraschen können“. 

Also verbannte Julia Malchow die Angestellten des Privatcamps samt Unterkünften und großem  Küchenzelt hinter die nächste Düne und blieb allein zurück. Das Experiment konnte beginnen. „Ich wollte wissen, wie laut oder leise es sein wird, welche Gedanken mir kommen, wie dunkel es wird“, erinnert sich Julia Malchow. „Es ist für mich Luxus pur, wenn sich mal alles nur um mich dreht. Und vor allem auch, wenn ich mich nur um mich drehen kann.“

Man kann davon ausgehen, dass sich dieses ganz besondere Erlebnis der Münchnerin demnächst in einem ihrer Reiseangebote wiederfindet. Denn darum geht es Julia Malchow bei dem, was sie tut: außergewöhnliche Reisen zu kreieren, maßgeschneidert für jeden Kunden.

Ob es das Anden-Crossing, ein Desert-Dinner oder die Amazonas-Luxuskreuzfahrt ist, ein Erlebnis in Botswana, Bolivien oder Bhutan, auf Lodge, Schiff oder im privaten U-Boot, ob zu Fuß, auf dem Yak oder im Helikopter: Unforgettable Journeys will jeden noch so extremen Wunsch erfüllen. Im Idealfall sollen Malchows Reisen dann kein Eskapismus, sondern eine besondere Form des Lebens sein.

„Wir versuchen, eine tiefere Ebene der Menschen zu erreichen.“ (Foto: Unforgettable Journeys)
Julia Malchow

„Wir versuchen, eine tiefere Ebene der Menschen zu erreichen.“

(Foto: Unforgettable Journeys)

Natürlich kommt auch der Aspekt Luxus nicht zu knapp. Schließlich kostet die Reise durchschnittlich 12.000 Euro für zwölf- bis 17 Tage – pro Person. Doch Luxus ist hier nicht als Überfluss definiert. Julia Malchow hat für sich und ihr Unternehmen deshalb den Begriff des „Erlebnisluxus“ kreiert. Eine Art von Opulenz, die sich nicht als Sieben-Sterne-Hotel oder pompöse Yacht zeigt.

Auch das hat sie im Angebot, aber immer soll die Umgebung spektakulär sein und euphorisieren, die Erlebnisse sollen berühren und überraschen, Luxus, Natur und Ursprünglichkeit im Einklang sein. Julia Malchow spricht gern vom „Barfuß-Luxus“. Am Ende des Findungsprozesses mit dem Kunden soll möglichst eine Reise stehen, die es so noch nicht gab und auch nie wieder geben wird.

Dafür investiert Julia Malchow viel Geld und Zeit. Mehr als 90 Länder hat sie mittlerweile intensiv bereist, ganz überwiegend inkognito, pro Jahr lässt sie sich das 100.000 Euro kosten. Den Informationen von Hochglanzprospekten, des Internets oder von Dienstleistern traut sie nie so ganz, lieber verlässt sie sich auf ihre Erfahrung. Sie sagt: „Oft wusste ich erst nach intensiver Recherche vor Ort, was ich idealerweise erleben kann.“

Auch für die Phase der Reiseplanung nimmt sich Julia Malchow Zeit. Bausteine gibt es nicht, „wir versuchen ja, eine tiefere Ebene der Menschen zu erreichen“, sagt die Veranstalterin. Und die ist nun mal sehr individuell. In einer ersten Gesprächsrunde mit dem potenziellen Reisenden geht es daher zunächst noch nicht um die Reise selbst, sondern darum, Einstellungen herauszufinden. Dann fragen Julia Malchow und ihre Mitarbeiter, wie reiseerfahren er ist, was ihn kickt, was ihn berührt. „Unser Reisen bedingt, dass die Leute sich öffnen.“

Später dann, wenn abgeklopft ist, was zum Urlauber passen könnte, geht es konkreter um Regionen, Destinationen, um Transportmittel und Übernachtungsmöglichkeiten, um Erlebnisse und Erfahrungen. Also darum, die Reise individuell zu designen. „Reisefragmente“ sind es, die Malchow hier für ihre Kunden zusammensetzt, die sie als „Gestaltertypen, Kreative, Unternehmer“ kategorisiert.

Den Unterschied zu anderen Anbietern hat Julia Malchow für sich längst ausgemacht: „Die transportieren überwiegend den Lebensstil vom Zuhause ins Exotische. Uns aber geht es um den Perspektivwechsel, das Andere. Je fremder, desto besser.“

So kommt es auch, dass zwei von Julia Malchows Projektleitern früher in der Marktforschung tätig waren, auch zwei Wirtschaftsgeographen sind im Team dabei. Siesollen helfen, die Bedürfnisse genauestens zu erkunden. Die Chefin selbst hat Betriebswirtschaft und Interkulturelles Management studiert, promoviert hat sie über die Wahrnehmung und das Kundenerleben von Dienstleistung. Für das Konzept Reiseerlebnis begibt sie sich in die Kundenperspektive – und weiß es auch dementsprechend zu gestalten.

Mit Erfolg: Seit der Gründung von Unforgettable Journeys im Jahr 2015 hat das Unternehmen jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich. Vorher arbeitete Julia Malchow einige Jahre in der strategischen Unternehmensberatung und im Führungskräfte-Coaching. Sie baute Unternehmen nicht nur in der Reisebranche auf, sondern auch im Dienstleistungsdesign, in der E-Mobilität und in der Unternehmensberatung. Was sie für sich aus dieser Zeit mitgenommen hat: dass nur hochgradige Expertise und Erfahrung das nötige Vertrauen schaffen.

Übernachten auf eine besondere Art – möglich im Ecocamp von Cusco (Peru). (Foto: Unforgettable Journey)
Ecocamp

Übernachten auf eine besondere Art – möglich im Ecocamp von Cusco (Peru).

(Foto: Unforgettable Journey)

Diese Erfahrungen macht sie, weil sie Theorie in Praxis umsetzt wird, Dinge wiederholt, sich breit aufstellt und ausprobiert. Zwei Nächte allein in der Wüste gehören dazu, oder eine lange Reise mit Sohn Levi. Der Junge war gerade neun Monate alt, als die beiden sich für zwei Monate aufmachten.

Ihr langer Weg führte sie keineswegs dorthin, wo für Mütter und Kinder klassisches Wohlfühlklima herrscht. Die Reise mit Baby ging über 15.000 Kilometer von München durch Sibirien und die Mongolei bis nach Peking. Mutter und Kind bewegten sich ganz überwiegend mit der Transsibirischen Eisenbahn fort, zum Einsatz kamen aber auch ein Yak-Karren, Fischerboot, Fahrrad- und Elektrorikscha, ein rostiger Hyundai. Und natürlich Julia Malchows Füße.

Kinder waren in ihrer Langfristplanung eigentlich nicht vorgesehen. Sie halten dich, dachte sie, vom eigentlichen Leben ab, vom Reisen, von der Verwirklichung der Träume. Als Levi dann auf der Welt war, prallten Glaubenssätze über das Zusammensein mit einem Kind auf sie ein: Babys brauchen starre Abläufe, müssen organisiert werden, man ordnet sich unter.

Malchow fragte sich, ob das so sein muss, und machte dann, was sie immer macht, um etwas herauszufinden. Ihre „Suche nach einem individuellen zeitgemäßen Verständnis von Familie“, wie sie auf ihrer Website schreibt, begann, die Erlebnisse hielt sie im Buch „Mut für zwei“ fest.

Was Julia Malchow in ihrem Leben so alles schon erlebt und gesehen hat, reicht eigentlich für mehrere. Das Erlebte will sie teilen. Mit Unforgettable Journeys hat sie dafür ganz offenbar sogar ein Geschäftsmodell gefunden.

In der Serie „Die Urlaubsmacher“ stellen wir Menschen vor, die für einen besonderen Aspekt des Tourismus-Geschäftes stehen.

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