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Serie „Kulinarik in der Krise“ Liquidität und Kundenbindung: Hamburger Restaurants kreieren Gourmet-Aktie

Wie gehen Top-Köche in der Coronakrise kreativ mit dem Lockdown ihrer Unternehmen um? Deutschlandweit gibt es einige gute Beispiele.
15.04.2020 - 12:41 Uhr Kommentieren
Der Gastronom hatte die Idee zur Hamburger Gourmet-Aktie. (Foto: Restaurant Wolfs Junge)
Sebastian Junge

Der Gastronom hatte die Idee zur Hamburger Gourmet-Aktie.

(Foto: Restaurant Wolfs Junge)

Hamburg Not macht erfinderisch. Oder anders ausgedrückt: „Gerade in Krisenzeiten kommt es darauf an, unternehmerische Kreativität zu zeigen“, sagt Sebastian Junge. Und: „Mit null Wareneinsatz ein bisschen Umsatz zu generieren, ist das Sinnvollste, was man als Gastronom in diesen Zeiten machen kann“, ergänzt Maurizio Oster.

Deshalb haben die beiden Gastronomen sich die Hanseatische Gourmet-Aktie (HGA) einfallen lassen, einen Zusammenschluss junger, nachhaltig arbeitender Restaurants aus Hamburg und Umgebung. Was nicht bedeutet, dass Käufer einen Anteil an den teilnehmenden Fine-Dining-Restaurants erwerben, Osters Zeik und Junges Wolfs Junge beispielsweise. Wohl aber einen Genussschein in buchstäblicher Bedeutung.

Mit dem Kauf eines Zertifikats sind kulinarische Vorteile in allen teilnehmenden Restaurants verbunden, gestaffelt je nach Wert des Vouchers. Für 50 Euro ist man „Solidaritätsanleger“, die „Gourmet-Aktien“ beginnen bei 200 Euro (Kleinanleger) und enden bei 5000 Euro (Eventanleger), beinhalten Goodies und Vergünstigungen wie „Rabatte und Vorkaufsrechte bei Events der HGA-Gemeinschaft, aber auch monatliche kostenfreie Überraschungsmenüs“, heißt es auf der Webseite. Oder Sonderaktionen wie beispielsweise Küchenpartys mit Ticket-Vorkaufsrechten für „Aktionäre“.

Ziel der Initiative ist es, dass die Hamburger Kulinarikkönner trotz der vom Coronavirus erzwungenen Stilllegung weiterhin Einnahmen haben, um die laufenden Kosten zu begleichen. Die HGA geht auf eine ursprüngliche Idee von Sebastian Junge zurück, er und Oster haben sich zu einer GbR verbunden sowie die Restaurants Jellyfish und Hobenköök als Kooperationspartner der ersten Stunde ins Boot geholt.

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    „Den Aktienbesitzer erwarten Vorteile, die wir normalerweise nur Freunden und Familie vorbehalten“, betont Hobenköök-Mitinhaber Thomas Sampl, trotz der Unternehmensgründung 2018 ein alter Hase in der Hamburger Gastroszene. Die Wertpapiere sind ab Wiedereröffnung der teilnehmenden Restaurants für ein Jahr gültig, „dann sehen wir, was läuft und was nicht und justieren das Angebot nach“, erläutert Oster.

    Auf jeden Fall soll es die HGA über den Zeitraum der Krise hinaus geben, und weitere Partnerbetriebe sind mehr als willkommen. „Das Problem ist ja nicht nur die Pause“, verdeutlicht Stefan Fäth vom Jellyfish. „Sondern auch der Moment, wenn es weitergeht und wir die ausgesetzten Fixkosten zurückzahlen müssen: Steuern, Miete, Energiekosten etc.“

    Deswegen kamen beispielsweise Gutscheine nicht in Frage. Die haben den Malus, dass mangelnde Liquidität lediglich auf einen anderen Zeitraum verschoben wird, weil womöglich das laufende Geschäft drunter leidet. „Wenn das Thema Corona durch ist, kommen alle und lösen ihre Gutscheine ein. Das ist ein bisschen wie in die eigene Tasche lügen“, so Maurizio Oster. Restaurantplätze lassen sich halt nicht beliebig vervielfältigen. Und Umsatz, der einmal fehlt, kann nie wieder nachgeholt werden.

    Besonders die jungen Restaurants trifft der Lockdown daher hart. Fäth übernahm das Jellyfish im September 2019, Sampl und seine Partner eröffneten die Hobenköök im August 2018, Junge sein Wolfs Junge im Juli 2018. „Wir konnten alle noch keinen großen Puffer aufbauen“, erklärt Oster, der das Zeik seit März 2018 führt. „Das ging bisher nach der Devise: anfangen, nachjustieren, gegebenenfalls nachfinanzieren, weitermachen – und damit sind wir schon im derzeitigen Zustand angekommen. Jetzt noch mal einen Kredit aufzunehmen, selbst über die KfW, kommt für uns nicht in Frage.“

    Die Hanseatische Gourmet-Aktie sei daher beileibe nicht nur ein Instrument zur Krisenbewältigung – „vielmehr eine Plattform, auf der wir uns generell darstellen und neue kulinarische Erlebnisse vermitteln können“, hofft Oster. Wir sprachen mit ihm zudem über persönliche Gedanken zu Kulinarik während und nach Corona.

    Lesen Sie hier das Interview:

    „Auch eine Plattform, um sich selbst darzustellen.“ (Foto: Restaurant Zeik)
    Maurizio Oster

    „Auch eine Plattform, um sich selbst darzustellen.“

    (Foto: Restaurant Zeik)

    Herr Oster, wie geht es Ihnen persönlich als junger Selbstständiger während dieser Krise?
    Ich bin generell immer sehr optimistisch. Außerdem bin ich im Januar Vater geworden, das überlagert alles und stimmt einen sowieso positiv. Aber ich setze auch einige Erwartungen in unsere Hanseatische Gourmet-Aktie, die wirklich gut angelaufen ist. Der Gast hat einen Vorteil, und wir profitieren ebenfalls und haben keine verlagerten Umsatzeinbußen. Ansonsten nutzen wir die Zeit und verändern ein paar Dinge im Restaurant, innen und außen.

    Ein Take away war keine Alternative?
    Eine Kochbox muss befüllt werden, ein Lieferservice muss vorbereitet werden – und das zu Zeiten, wo alle in Kurzarbeit sind und niemand weiß, wie lange es dauert und was noch kommt. Wir sind im Zeik letztlich zu Fünft und könnten das nicht sinnvoll leisten. Ich möchte auch nicht das Risiko eingehen, auf Lagerbeständen sitzen zu bleiben. Bei der Gourmet-Aktie besteht der Wareneinsatz aus unserer Kreativität und unserem Gedankengut.

    Wie sehen Sie die Gesamtsituation in Deutschland zu Zeiten von Corona?
    Ich persönlich bin der Meinung, wir können alle froh sein, dass wir in Deutschland leben. Wenn man so nach rechts und links schaut, fühle ich mich hier gut aufgehoben. Durch den Föderalismus ist halt nicht alles einheitlich und daher auch nicht einfach. Aber man sollte den Ball flach halten und die Menschen machen lassen, die dafür zuständig ist. Ich finde das bisher alles annehmbar und vernünftig.

    Wie wird Gastronomie nach Corona sein, was glauben Sie?
    Ich glaube nicht, dass die Menschen aus der Krise kommen und sagen: Jetzt weiß ich, was gutes Essen ist, weil ich mich monatelang von Dosen-Ravioli ernährt habe. Man muss nur in die Regale schauen und sehen, was als Erstes weg war, dann weiß man, worauf der Fokus liegt. Ganz sicher aber wird sich was in der Gastro-Landschaft ändern. Diejenigen, die sich still verhalten und nur versuchen es auszusitzen, die wird es wahrscheinlich am härtesten treffen. So eine Aktion wie unsere ist ja auch eine Plattform, um sich selbst darzustellen.

    Mehr: Hilfsaktion „Kochen für Helden“: Auch Sascha Stemberg ist dabei

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