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Spieleabend Der Escape-Room für den Wohnzimmertisch

„Escape Games“ sind beliebte Events für Weihnachtsfeiern und Firmen-Incentives. Die Rätselspiele machen mittlerweile aber auch im Wohnzimmer Spaß.
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In den Spielräumen muss man versteckte Hinweise finden – zum Beispiel auf zerschnittenen Briefen. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Flucht aus dem Wohnzimmer

In den Spielräumen muss man versteckte Hinweise finden – zum Beispiel auf zerschnittenen Briefen.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Düsseldorf Wer aus dem geheimen Labor entkommen will, muss bereit sein, gegen den Strom zu denken. Muss bunte Punkte verbinden und dann aus dem schneegestöberartigen Gekritzel Zahlen herauslesen können. Muss die Spielkarten falten und knicken, um an einen Code zu kommen. Muss auf einem Bild Flüssigkeiten nach Farben und Füllstand ordnen, um zu erfahren, wie sich die Tür öffnen lässt.

Denn das Labor ist verschlossen, und es gilt, schnell zu entkommen – ansonsten droht Ungemach: Wer nicht binnen einer Stunde alle Rätsel gelöst hat, wird sich fiesen Experimenten am eigenen Leib unterziehen müssen.

Das ist glücklicherweise nur eine leere Drohung. Denn es gibt keinen verrückten Professor, der hinter einer Glasscheibe steht, die Fäden zieht und sich ins Fäustchen lacht. Es gibt auch kein menschliches Versuchslabor – nicht einmal der Raum existiert wirklich. Das einzige, was real ist, sind die Rätsel – doch daran zerbrechen sich am gemütlichen Wohnzimmertisch vier Erwachsene nun schon seit einer halben Stunde den Kopf.

Nachdem reale „Exit“-Rooms schon seit ein paar Jahren in deutschen Großstädten zu beliebten Orten für Firmen-Incentives, Weihnachtsfeiern und Wochenend-Trips geworden sind, hat die Team-Tüftelei jetzt auch die heimischen Spieltische erobert – mit großem Erfolg: Der Kosmos-Verlag, der die für das Genre wohl bekanntesten Reihe „Exit – das Spiel“ entwickelt hat, hat kürzlich bereits das zwölfte Spiel auf den Markt gebracht. Auch andere Verlage wie Noris („Escape Room – das Spiel“) oder Thinkfun („Escape the Room“) bieten schon Nachfolger ihrer erfolgreichen Erstlinge an.  

Alle diese Spiele funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip: Man lädt ein paar Leute ein, stellt ein paar Schüsseln mit Nüssen, Chips und Gummibären bereit, und dann geht's los. Eine Spielanleitung oder Regeln gibt es praktisch nicht. Einen Spielplan auch nicht.

Mit etlichen Tricks und Kniffen lösen die Spieler ein Rätsel nach dem anderen. Quelle: dpa
Exit-Spiel

Mit etlichen Tricks und Kniffen lösen die Spieler ein Rätsel nach dem anderen.

(Foto: dpa)

In dem kleinen Karton befinden sich nur ein dünnes Heftchen und ein paar Karten. Wo das Rätseln anfängt, muss man selbst herausfinden. Und mit jeder richtigen Lösung eröffnet sich dem Team eine neue Tür, ein neues Rätsel. Das Spiel endet, wenn alle Rätsel gelöst sind. Eine Wiederauflage gibt es nicht: Man kann die Exit-Games nur ein einziges Mal spielen, danach ist das Material zerschnitten, bemalt oder geknickt – und die Lösungen sind bekannt.

Als Unterhaltungsprogramm für Erwachsene mag das für manche bizarr klingen. Aber es ist eine kreative Alternative zum Netflix-Abend – und taugt hervorragend dazu, das weihnachtliche Familientreffen aufzulockern. Denn die Einstiegshürden für die Exit-Spiele sind niedrig: Alle von zehn bis 85 Jahren können miträtseln. Und je unterschiedlicher das Weltwissen und die Denkstrukturen des Rate-Teams, desto besser. Denn die Rätsel sind so angelegt, dass es nichts hilft, nur ein guter Mathematiker zu sein.

Manchmal braucht man für die Rätsel Logik, manchmal hilft kreatives Querdenken, manchmal sind Sprachkenntnisse nötig. Auch darin liegt die Faszination der Spiele: Man ist auf die Geistesblitze der Mitspieler angewiesen. Nur als Team ist die vorgegeben Spieldauer von einer Stunde auch nur annähernd zu schaffen. Und je näher das Ende rückt, desto höher steigt der Adrenalinspiegel im Blut.

„Wir wollten das spannungsgeladene Teamgefühl der realen Exit-Rooms an den Spieltisch holen“, sagt Inka Brand, die zusammen mit ihrem Mann Markus alle bisherigen Rätsel der „Exit – das Spiel“-Reihe entwickelt hat. Das Paar hat während der Testphase sehr viele reale Exit-Games in deutschen Großstädten besucht – manchmal bis zu drei an einem Wochenende.

Die Faszination der geschlossenen Räume ließ sie nicht mehr los. „Alle arbeiten gemeinsam an der einen Aufgabe – nämlich irgendwie wieder aus dem Raum zu kommen.“

Der große Erfolg der realen Spiele liegt auch in der Atmosphäre: Ähnlich wie in einer guten Geisterbahn flackert in den Räumen das Licht, es riecht nach verbranntem Gummi oder es wird abwechselnd warm und kalt. Am heimischen Spieltisch gibt es das alles nicht, auch wenn einige Hersteller tickende Decoder mitliefern oder einen Link zu spannungsgeladener Musik aus dem Internet. Trotzdem funktioniert die Alltagsflucht auch im Wohnzimmer.

„Der größte Erfolg für das Team liegt im Lösen der Rätsel, nicht im Öffnen von realen Schränken, Türen oder Tresoren. So ist es wirklich möglich, ein ganz ähnliches Gefühl wie in den Räumen auch daheim am Tisch zu erzeugen“, sagt Inka Brand. Und falls der Groschen mal so gar nicht fallen mag, gibt es zu jedem Rätsel drei Hilfe-Karten, um das Team auf die richtige Fährte zu bringen.

Manchmal verzweifelt man aber dennoch. Es gibt die Spiele in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, von der Kinderversion bis zum Profi. In der „Profi“-Version sind einige Rätsel so schwer, dass selbst die Tipps keinen Geistesblitz zutage fördern können. Dann hilft nur noch eins: der Blick auf die Lösungskarte.

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