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Reine Handarbeit

In der Spitze kostet ein Honma-Schläger knapp 5000 Euro.

(Foto: Honma Golf)

Sportausrüstung Das sind die teuersten Golfschläger der Welt

Die exklusiven Spielgeräte der japanischen Edelmanufaktur Honma gelten als Goldstandard. Ihre Erfolgsformel steckt vor allem im handgerollten Schaft.
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HamburgMonozukuri sagt der Japaner und meint „Sachen machen“. Messer beispielsweise, mit zigfach gefältelten Klingen. Essgefäße aus lackiertem Ulmenholz, in ihrer Schlichtheit hinreißend schön. High-End-Hi-Fi. Und Golfschläger. Die besten der Welt, heißt es. Die teuersten auf jeden Fall. Von Honma.

Das Unternehmen in der Hafenstadt Sakata, 500 Kilometer nördlich von Tokio, ist der Goldstandard in Sachen Schlägerbau; seine Meisterwerke entstehen durch reine Handarbeit, von der edelhölzernen Fertigungsvorlage bis zum glänzend polierten Endprodukt. In der Spitze für 4.949 Euro – pro Stück.

14 Schläger sind auf einen offiziellen Runde erlaubt. Wer sich mit Honmas Modellreihe Beres IS-06 in der Fünf-Sterne-Version die Golftasche füllt, blättert für die erlesene Handwerkskunst den Preis eines Oberklasse-Pkw hin.

Als Japans Premierminister Shinzo Abe im November 2016 seinen Antrittsbesuch beim US-Präsidenten machte, da brachte der Gast einen goldenen Beres-Driver für den leidenschaftlichen Golfer Donald Trump mit, zu dessen unternehmerischem Portfolio 17 Golfanlagen in aller Welt gehören. Die Hollywoodstars Jack Nicholson und Danny DeVito sind dafür bekannt, mit Honma-Schlägern zu hantieren; ebenso einige deutsche Schauspiel- und Showbiz-Größen, deren Benennung allerdings nicht nur die Datenschutzverordnung verbietet.

Die „Craftsmen“ personifizieren den Nimbus, dass Honma die besten Schläger der Welt baut. (Foto: Honma Golf)
Handarbeit

Die „Craftsmen“ personifizieren den Nimbus, dass Honma die besten Schläger der Welt baut.

(Foto: Honma Golf)

Denn es ist ein erklärbarer Zufall, passt aber leider ins unsägliche Klischee vom Saturiertenspiel Golf, dass Honmas Top-Serie die Bedürfnisse jener Klientel bedient, der das angemessen pralle Portemonnaie unterstellt wird: Sportkameraden jenseits des Lebens-Äquators, die einen leichten Schläger bevorzugen; die zudem im Schwung kein hohes Tempo (mehr) entwickeln können und unter 120 Stundenkilometern bleiben, während Cracks mit dem Schlägerkopf mühelos einen Speed von 180 bis fast 200 km/h erreichen.

Und ja, wir reden vom Schwung. Der Terminus Schlag führt seit Golfgenerationen zu groben Missverständnissen. Wer auf den Ball drischt wie mit der Spaltaxt aufs Kaminholz, produziert halt grobes Gehacke. Der ideale Schwung hingegen ist eine feinziselierte fließende Kombination aus statischer Haltung und dynamischer Bewegung, inklusive der choreografischen Komplexität von gefühlt drei parallel ausgeführten Yoga-Übungen. Der Ball liegt scheinbar bloß im Weg. Das indes ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls „kommt es im Golf letztlich darauf an, wie gut deine schlechten Schläge sind“, erinnert Dennis Schieder an die unumstößliche Tatsache, dass Imperfektion zum Wesen des Spiels gehört. Der Hamburger ist „Territory Sales Manager“ von Honma und repräsentiert die japanische Premiummarke in Norddeutschland: „Mit unseren Schlägern haben auch nicht sauber getroffene Bälle kaum Längen- und Richtungsverluste“, sagt Schieder. Golfer nennen es fehlerverzeihend, die Hersteller sprechen von „Game Improvement“.

Jede Kohlefaserlage des Schafts wird wie eine edle kubanische Zigarre gerollt. (Foto: Honma Golf)
Die Seele des Schlägers

Jede Kohlefaserlage des Schafts wird wie eine edle kubanische Zigarre gerollt.

(Foto: Honma Golf)

Das ist erklärungsbedürftig. Je leichter und flexibler ein Schaft, desto weniger Schwungtempo braucht es, um den Ball weit fliegen zu lassen, da der ausgeprägte Peitscheneffekt die mangelnde Geschwindigkeit des Schlägerkopfs kompensiert. Andererseits ist der weiche Schaft flatterig und anfällig für Verwindungen (Torsion) in der Längsachse, wenn das Aufeinandertreffen von Schlägerkopf und Ball nicht am optimalen Treffpunkt erfolgt. Das Blatt verdreht sich zum Schaft, die Kraftübertragung ist nicht mehr stabil, die Kugel fliegt überall hin, nur nicht geradeaus.

Es sei denn, man hat einen Honma-Schläger in der Hand. Auf dem Übungsareal des Golf Club Hamburg-Holm stellt Sales-Manager Schieder dem Autor eine Auswahl der kostbaren Teile zum Selbstversuch zur Verfügung. Mag es der Placebo-Effekt sein oder das Wissen ums Potenzial: Nie hat sich ein Golfschläger so gut angefühlt, so geschmeidig und dabei stabil, so elastisch, leicht und dennoch kontrollierbar.

Fernab des breiten Angebots auf dem schier unübersehbaren Markt mit fraglos ebenfalls äußerst hochwertigen Produkten macht der ARMRQ X genannte Schaft die BERES-Schläger zu wahren Zauberstäben. Selbst bei den vor lauter Respekt zaghaften ersten Schwüngen entfalten sie ihre Magie. Erst recht in der ultimativen Fünf-Sterne-Version.

Die freilich ist mit ihren Platin-Komponenten und 24-karätigen Goldeinlagen vor allem ein „emotionales Produkt“, räumt Schieder ein. Schon mit dem Zwei- oder dem Drei-Sterne-Schaft (Stückpreis ab 399 bzw. 569 Euro) nämlich zeigen die optisch generell goldlastigen BERES IS-06 eine phänomenale Performance. „Viele Leute denken, sie seien nicht gut genug für Honma“, erzählt er. „Denen entgegne ich immer: Nein, Sie erleichtern sich mit unseren Produkten das Leben.“

Der Schaft gilt gemeinhin als Seele des Schlägers, nicht von ungefähr entfallen 70 Prozent des Preises auf dieses Bauteil. Honmas handgemachte Carbon-Exemplare sind darauf ausgerichtet, unsaubere Treffmomente wettzumachen, langsame Schwünge in Weite zu wandeln.

Mit jedem Stern erhöht sich die Komplexität des Geflechts aus Kohlefasern – gleichsam klettern Fehlerverzeihbarkeit und Preis –, das mittels schmaler, nach Honma-Vorgaben hergestellter Kunststoffstreifen auf dem metallenen Kernstück des Schafts gelegt wird, Naht für Naht in der 6-Uhr-Position, die Wirbelsäule des Schafts. Jede Lage wird wie eine edle kubanische Zigarre gerollt und schließlich zur Verdichtung gebügelt. Dieses Prozedere zuvorderst ist die Erfolgsformel von Honma, kein Hersteller von Golfschlägern weltweit arbeitet so.

Während industriell hergestellte Carbonschäfte unter dem Mikroskop Lufteinschlüsse und -blasen zeigen, schmiegen sich bei Honma die Grafitlagen aneinander wie die Schichten im Gemüse-„Mille Feuille“ („Tausend Blätter“) eines Dreisterne-Kochs.

Seit nunmehr 60 Jahren setzt die Honma Golf Club Manufacturing Co. mit dem für Japaner typischen Drang zur Perfektion und Makellosigkeit die Vision ihrer Gründer Hiro und Mutsumi Honma vom „Schlägerbau als Kunstform“ um. Bis heute gilt das Credo der Sprösslinge eines alten japanischen Kaufmannsgeschlechts, alle Bestandteile eines Schlägers selbst zu konzipieren, anzufertigen und zu verbauen, auf Basis intensiver Forschung, unter Verwendung hochwertigster Materialien und mit Fertigungstoleranzen unter der Einhundertstel-Millimeter-Marke.

Die Schlägerköpfe sind in Größe, Form sowie Gewichtsverteilung für unterschiedliche Schwungtempi entwickelt; mit einem in puncto Gewicht und Flexibilität auf den jeweiligen Kopf abgestimmten Schaft versucht man, die perfekte Symbiose der beiden Komponenten zu erreichen: „Wir glauben, dass nur so eine dynamische Einheit entsteht“, heißt es bei Honma. Dank der Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten ist Maßkonfektion von unübertroffener Qualität das Ergebnis. Acht Wochen dauert die Herstellung eines Schlägers, bis zu 200 Hände sind beteiligt.

Rund 400 Menschen arbeiten in Sakata, vielfach bereits in dritter Generation. „Nein, sie arbeiten nicht, sondern leben eine Berufung“, korrigiert Honma-Repräsentant Schieder lächelnd. Mit ihrer Expertise und ihrem Produktstolz sind die „Craftsmen“ – so nennt Honma seine Mitarbeiter und vergleicht ihr Gefühl für Golfschläger mit dem von Geigenbauern – das Rückgrat der Edelschmiede. Sie personifizieren den Nimbus, die besten Schläger der Welt zu bauen. Manches Paar Hände spricht Bände.

Die Schlägerköpfe sind in Größe, Form sowie Gewichtsverteilung für unterschiedliche Schwungtempi entwickelt. (Foto: Honma Golf)
Goldstandard

Die Schlägerköpfe sind in Größe, Form sowie Gewichtsverteilung für unterschiedliche Schwungtempi entwickelt.

(Foto: Honma Golf)

2009 wurde Honma vom chinesischen Unternehmer Liu Jianguo übernommen, die Manufaktur in Sakata und ihre Tradition des Zaiku, der Handwerkskunst, blieben aber unangetastet, obwohl in der Folge allerhand Strukturen auf den Prüfstand kamen. Die Marke soll ihre Nische im Luxussegment verlassen und in Amerika sowie in Europa auf weiter Front reüssieren. Es gibt neue, kommerziellere Modellreihen wie die aktuelle T//World-Serie (Stückpreis mit Carbonschaft ab 225 Euro) für eine breitere Zielgruppe, gleichwohl weiterhin handgefertigt und von legendärer Honma-Güte.

Ein besonderer Coup gelang mit der Verpflichtung des englischen Weltranglistenersten und Golf-Olympiasiegers von 2016, Justin Rose; der neue Markenbotschafter spielt mit exklusiven „Präzisionswaffen“ auf T//-World-Basis. Ohnehin greift der sportlich orientierte Leistungsgolfer mit einstelligem Handicap eher zu Modellen, die deutlich weniger fehlerverzeihend und so ausgelegt sind, dass der Ball gearbeitet werden kann, wie man es vom Tennis kennt. „So einer will den Schläger mehr fühlen“, verdeutlicht Schieder.

Justin Rose und Co. mögen es nicht, wenn der Schaft sich gegen die Manipulation stemmt und sie korrigiert. Dem Autor gefällt das sehr wohl. Doch er muss die Fünf-Sterne-Schläger wieder abgeben und gesteht sich in der Tiefe seiner Golferseele ein: Sie sind jeden Cent wert.

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