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Streitbarer Visionär Design-Legende Luigi Colani ist tot

Er wurde geschmäht und gehasst, er wurde verehrt und geliebt. Nun ist Luigi Colani im Alter von 91 Jahren gestorben.
Update: 16.09.2019 - 14:00 Uhr Kommentieren
Der Designer starb im Alter von 91 Jahren. Quelle: dpa
Luigi Colani im Juli 2018

Der Designer starb im Alter von 91 Jahren.

(Foto: dpa)

Karlsruhe Er passte in keine Schublade: Luigi Colani war kein Projekt zu groß, aber auch keines zu klein, um daran seine überbordende Gestaltungs-Fantasie abzuarbeiten. Colani (re)-designte Kleinwagen ebenso wie Rennautos und aerodynamische Riesen-Trucks, er setzte ein Ufo auf den Förderturm der ehemaligen Zeche in Lünen, dachte über die Küche der Zukunft nach, erfand ein Modulhaus.

Der Popstar des Designs gestaltete Briefmarken, Büromöbel, Laptops, einen Konzertflügel, Badewannen, Schuhe, Teppiche, Biergläser, Besteck und sogar Fressnäpfe für Katzen.

Als Lutz Colani wurde der Designer 1928 in Berlin-Friedenau geboren. Sein Vater, ein Filmarchitekt mit kurdischen Wurzeln, stammte aus der italienischen Schweiz, seine Mutter war Polin.

Die besondere Handschrift des Designers: Er lehnte eckige Formen rigoros ab, hasste rechte Winkel und strenge Gradlinigkeit. Seine Welt sei rund, wurde er bis ins hohe Alter nicht müde zu betonen. Berühmt wurden auch seine dem menschlichen Körper angepassten Möbel, die zum Teil heute wieder aufgelegt werden. Es gibt so gut wie nichts, was Colani nicht gestaltet, umgedeutet und mitunter auch neu erfunden hat.

Als Designer polarisierte er. Grund dafür war nicht nur seine in keine ästhetische Schublade passende Formensprache, die gleichsam faszinierte wie irritierte. Sondern auch sein Hang zu bizarren Großprojekten, verbunden mit seinem exzentrischen Auftreten im stets weißen Outfit mit Rolls Royce und Zigarre.

Das Designwerk des Meisters der runden Form
Luigi Colani mit von ihm gestalteten Automodellen
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Die von Colani entworfene Variante des Ferrari Testarossa (Mitte) war das schnellste Auto seiner Zeit. Der Designer selbst stellte darin 1991 mit 387 km/h einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf.

(Foto: dpa)
Luigi Colani im Jahr 1973
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Der Designer präsentiert seinen Entwurf eines turbinengetriebenen Zweirads vor seinem damaligen Wohnsitz Schloss Harkotten.

(Foto: dpa)
Canon T90
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Die von Luigi Colani designte Kamera kam 1986 auf den Markt – und war für das Design der Marke prägend.

(Foto: Wolfgang Thanner)
Luigi Colani im Jahr 1995
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Der deutsche Designer in einem Sitzmöbel des von ihm gestalteten Wohnmoduls „Habitaner“.

(Foto: dpa)
Colani 1993 in Hannover
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Colanis Designideen machten vor keinem Alltagsgegenstand Halt. Hier präsentiert er seine Variante einer Computertastatur.

(Foto: dpa)
Colani mit seinem „Horch-Colani“
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Das Auto präsentierte der Stardesigner 1996 bei der „Essen-Motor-Show International“.

(Foto: dpa)
Colani mit seinem „Colani-Trabi“
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Für den gebürtigen Berliner war die Neugestaltung des DDR-Kultwagens eine Herzensangelegenheit.

(Foto: dpa)

All das wollte so gar nicht zum gängigen Klischee eines coolen Designers passen. Zudem war Colani berüchtigt für seine polternde Streitlust und überwarf sich mit unzähligen seiner Designkollegen, über die er sich immer wieder nicht eben wertschätzend äußerte.

Nach einem abgebrochenen Bildhauer-Studium in Berlin und dem Studium der Aerodynamik an der Pariser Sorbonne kam Colani auf der Suche nach einer Stelle ins Sauerland. Seine Karriere sollte fernab der großen Metropolen denkbar bodenständig starten. Der Seniorchef der Firma Kusch+Co stellte ihn als Designer ein, gab ihm seine erste Chance. Für sein Unternehmen entwarf Colani vor genau 51 Jahren die legendäre Liege TV-relax, die in ihrer reduziert kühnen Form noch immer futuristisch anmutet.

Seit 2005 stellt das Unternehmen die Liegen wieder her, hat sie erneut ins Programm aufgenommen, denn mit der neuen Retro-Welle kehrte auch das Interesse der Käufer an dem Designstück zurück. Die Liege ist nur eines von unzähligen Beispielen für die visionäre, zeitlose Formensprache des Designers.

Seiner Zeit weit voraus waren auch Colanis grundsätzliche Überlegungen zur Ergonomie sowie zu alternativen Verkehrs- und Wohnmodellen, seine ressourcensparende Planung und generell sein Biodesign, für das er alle Formen der Natur abschaute. Trotz seiner frühen Erfolge fühlte sich Colani allerdings vor allem in Deutschland verkannt, was dazu führte, dass zahllose seiner Entwürfe in der Schublade verweilten.

Zudem zog es ihn ins Ausland. Der Weltenbummler arbeitete in Italien, Mexiko, den USA, auch in Russland, Japan und China, wo er sich in seinen letzten aktiven Jahren besonders verstanden fühlte. So lebte er lange Zeit in Shanghai, bevor er sich in Karlsruhe zur Ruhe setzte.

Zuletzt wirkte der streitbare Designer milder, in einem Interview anlässlich seines 90. Geburtstags vor gut einem Jahr erklärte er der dpa: „Ich habe in keine Zeit gepasst“. Nun ist er 91-jährig laut Auskunft seiner Lebensgefährtin Yazhen Zhao in Karlsruhe „einer schweren Krankheit erlegen.“

Mehr: Schlicht überschätzt oder einfach genial? Am Designer Luigi Colani schieden sich lange die Geister. Jetzt wird der gefeierte Meister 90 Jahre alt.

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